David Foster Wallace

 4,1 Sterne bei 944 Bewertungen
Autorenbild von David Foster Wallace (© Steve Rhodes)

Lebenslauf von David Foster Wallace

David Foster Wallace wurde am 21. Februar 1962 in Ithaca, New York geboren. Der Schriftsteller gilt als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Literatur. Bevor sich Wallace dem Schreiben zuwandte, verfolgte er eine Karriere als Tennisprofi. 1985 schloß er sein Studium der Logik und Mathematik ab, 1987 "Kreatives Schreiben" an der Universität Arizona. Fünf Jahre später, 1992, nahm Wallace an der Illinois State University einen Lehrauftrag an, im Jahr 2002 erhielt er eine Professur für englische Literatur und Creative Writing am Pomona College in Claremont, Kalifornien. Mit "The Broom of the System" veröffentlichte der Autor seinen ersten Roman (dt. Titel: "Der Besen im System", 2004). Es folgte 1989 ein Buch mit Erzählungen: "Girl with Curious Hair" (dt. Titel: "Kleines Mädchen mit komischen Haaren", 2004) beovor er mit "Infinite Jest" 1996 (dt. Titel: "Unendlicher Spaß", 2009) seinen Durchbruch als Romanautor feiern konnte. Aufgrund seiner sehr hohen sprachlichen Komplexität erschien dieser Roman erst Jahre nach nach seiner Erstveröffentlichung in deutscher Sprache. Das Schaffen von Wallace blieb aber nicht auf Romane und Erzählungen beschränkt, immer wieder unternahm er "Ausflüge" in andere literarische Gattungen. So behandelt die 1997 erschienene Reportage "A Supposedly Fun Thing I'll Never Do Again: Essays and Arguments" (dt. Titel: "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich", 2004) die Erlebnisse einer Kreuzfahrt auf einem Luxusdampfer, der 2005 veröffentlichte Essay-Band "Consider the Lobster and Other Essays" (dt. Titel: "Am Beispiel des Hummers", 2010) die Eindrücke eines Besuches bei einem Hummer-Festival, das jährlich im US-Bundesstaat Maine stattfindet. Wallace, der nach Angaben seines Vaters jahrzehntelang an Depressionen litt und sich in medikamentöser Behandlung befand, erhängte sich am 12. September 2008 in seinem Haus in Claremont, Kalifornien.

Alle Bücher von David Foster Wallace

Cover des Buches Unendlicher Spaß (ISBN: 9783462044881)

Unendlicher Spaß

 (177)
Erschienen am 10.09.2012
Cover des Buches Das hier ist Wasser / This is Water (ISBN: 9783462044188)

Das hier ist Wasser / This is Water

 (127)
Erschienen am 14.05.2012
Cover des Buches Kleines Mädchen mit komischen Haaren (ISBN: 9783499231025)

Kleines Mädchen mit komischen Haaren

 (65)
Erschienen am 01.10.2002
Cover des Buches Der Besen im System (ISBN: 9783499237591)

Der Besen im System

 (49)
Erschienen am 01.04.2006
Cover des Buches Kurze Interviews mit fiesen Männern (ISBN: 9783499231018)

Kurze Interviews mit fiesen Männern

 (41)
Erschienen am 01.03.2004
Cover des Buches Am Beispiel des Hummers (ISBN: 9783462041262)

Am Beispiel des Hummers

 (32)
Erschienen am 18.11.2010
Cover des Buches Schrecklich amüsant (ISBN: 9783462048209)

Schrecklich amüsant

 (30)
Erschienen am 12.11.2015

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Neue Rezensionen zu David Foster Wallace

Cover des Buches Unendlicher Spaß (ISBN: 9783462044881)
GAIAs avatar

Rezension zu "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace

Strapaziös? Definitiv. Genial? Auch das.
GAIAvor einem Monat

Dieses fast 1600 Seiten starke Machwerk von David Foster Wallace (DFW) in inhaltlich in einer kurzen Rezension darzustellen, erscheint ein fast unlösbares Unterfangen. Wartet doch der 1996 erstmals im englischsprachigen Original veröffentlichte Roman mit einer massiven Themendichte auf.

Die „Rahmenhandlungen“ (Plural!) spielen sich grob in einer Tennisakademie für 10 bis 18jährige angehende Profisportler, einem nahegelegenen Entzugswohnheim für Drogen- und Alkoholabhängige sowie auf einem Felsbrocken zwischen zwei Agenten. Im ersten Setting geht es hauptsächlich um die Sucht nach Erfolg, Leistungsdruck und Belastungen der jugendlichen Sportler:innen, aber auch um das familiäre System einer der Schüler und gleichzeitig Hauptprotagonist Hal Incandenza. Dessen durch Selbstmord bereits verstorbener Vater gründete die Akademie, widmete sich danach dem Drehen von post-avangardistischen Filmprojekten. Eines dieser Projekte ist der Film „Unendlicher Spaß“, welcher zur Hirnerweichung und dem Tod führt. Das holt die Agenten franko-kanadischer Separatistengruppen sowie des US-Geheimdienstes auf den Plan. Jetzt auch noch verständlich den Erzählstrang in dem Entzugswohnheim hier zu erklären, ist mir einfach nicht sinnvoll möglich.

Sie verschiedenen Erzählstränge werden in nicht-chronologischer Reihenfolge, in wechselndem Muster im Buch angebracht, über die ersten 500 Seiten hat man prinzipiell keine Ahnung, was so wirklich vor sich geht, im Mittelteil hat man das Gefühl, langsam zu verstehen, wohin der Autor mit der ganzen Sache möchte, und verliert diese Idee zum Ende hin wieder vollständig. Das klingt wirr? Ist es auch. Warum lohnt sich trotzdem potentiell eine Lektüre?

Der Roman spielt hauptsächlich im Jahre 2012, was also ca. 16 Jahre vom Entstehungszeitpunkt in der Zukunft liegt. DFW beschreibt die Zersetzung von Individuen und damit auch einer Gesellschaft in einem Maße, was im Jahre 2022 den Leser:innen eine Gänsehaut bescheren kann. Für mich grandios an diesem Roman war jedoch nicht unbedingt die hier erschaffene Welt als Ganzes, sondern bestimmte Textsegmente zu speziellen Themengebieten, die dermaßen authentisch geschildert sind, dass sie Augen öffnend sind. So wird Drogenkonsum, -trips, -abhängigkeit, -entzug usw. wirklich so ausführlich wie – zumindest von mir – noch nie gelesen dargestellt. Auch der Themenkomplex um Anhedonie und schwere Depressionen ist mehr als gelungen. Mit dem Wissen, dass sich DFW in 2008 selbst nach jahrzehntelanger schwerer Depression suizidiert hat, lässt die Beschreibungen diesbezüglich noch einmal in einem ganz intensiveren Licht dastehen. Noch nie hat mir ein Text so stark verdeutlicht, warum es Menschen mit dem Krankheitsbild der schweren Depression den Suizid als einzige alternativlose Möglichkeit sehen zu handeln.

Womit aber dieser Roman und damit auch der Autor DFW am meisten brilliert ist die Sprache. Es ist nicht in Worte zu fassen, wie kreativ der Autor die Sprache zu seinem Mittel macht, um nicht nur eine bitterböse Analyse der Gesellschaft und Kritik an ebendieser zu vermitteln, sondern einfach auch amüsante Plotbausteine einzuweben. Gerade wenn man versucht die aberwitzigen Geschehnisse in diesem Roman einer anderen Person, die das Buch nicht gelesen hat, zu vermitteln, wird das Ausmaß des Humors erst so richtig sichtbar. Bisher habe ich in noch keinem Buch so viele kreative Ideen im Umgang mit Sprache und Handlung erlebt. Was sich vor allem in den kongenialen Anmerkungen des Autors zeigt. Diese umfassen fast 200 Seiten allein, gehören definitiv zum Plot dazu, können und sollten also keinesfalls übersprungen werden, und erzählen mitunter eigene Geschichten für sich. Eigentlich lese ich lieber Fußnoten direkt unten auf der entsprechenden Seite, wie es bei kürzeren Werken DFW‘ gehandhabt wird, aber hier ist dies nicht ansatzweise möglich, wenn allein die „Filmografie“ von Hals Vater ganze 12 Seiten einnimmt.

Und wenn von Sprache die Rede ist, dann muss in Verbindung mit „Unendlicher Spaß“ zwingend der Übersetzer Ulrich Blumenbach - nicht nur genannt, nein - geehrt werden! Glücklicherweise bekam er die Zeit zugestanden, die er für die Übersetzung eines solchen Werkes auch brauchte, nämlich sechs (!) Jahre. Was dieser Mensch hier erarbeitet hat, kann man nicht hoch genug loben. Es handelt sich um Zauberei.

Ich habe das Gefühl, meine Rezension ist einfach nur wirr und zerfasert. Und ganz ehrlich? Der vorliegende Roman ist eine wirre, zerfaserte Zettelkiste. Ein wilder Montageritt, der gleichzeitig unglaublich zäh sein kann. Durch diese knapp 1600 Seiten habe ich mich in vier vierhundert Seiten Abschnitten genähert, durchgekämpft, sie bezwungen. Unverhohlen: Die Lektüre von „Unendlicher Spaß“ kann unendlich anstrengend sein und lässt sich keinesfalls süffig runterlesen. Deshalb ist das Buch keinesfalls etwas für jede Person. Viele werden es frustriert abbrechen. Also kann ich trotz meiner vergebenen vollen Punktzahl hier keinesfalls eine allgemeine Leseempfehlung aussprechen, kann aber garantieren, wer sich die Mühe macht, sich durch diesen Zettelkasten mit den Stimmen von vielen wirklich schwer beschädigten Figuren durchzukämpfen, wird mit einer genialen Gesellschaftskritik, Humor, Kreativität und Spaß an der Sprache belohnt werden.

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Cover des Buches Schrecklich amüsant (ISBN: 9783462048209)
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Rezension zu "Schrecklich amüsant" von David Foster Wallace

Gepflegte Unterhaltung
admitvor einem Monat

Der Autor nahm sich mit nur 46 Jahren das Leben und so klingt "aber in Zukunft ohne mich" schon sehr authentisch. Das Buch ist einerseits erheiternd und dann aber sehr hintergründig. Denn das Buch ist eigentlich schwere Kost und der Autor bietet ausreichend Belege dafür, warum man auf einer Kreuzfahrt über den Tod und den Sinn des (eigenen) Lebens nachgrübeln und dabei ins Unglück blicken sowie unter dieser Last auch untergehen kann.

Die Kreuzfahrt steht stellvertretend für Reflexionen über eine höchst komplexe Gesellschaft, die für den Einzelnen so undurchschaubar geworden ist, dass die Flucht in Oberflächlichkeiten, bzw. in den Konsum verständlich ist. Die tiefe Verzweiflung des Autors über die fürchterliche Armut der ihn umgebenden Menschen, der er nichts entgegenzusetzen hat, weil ihn diese Welt maßlos bedrückt, ist in dem Werk wirklich brillant, sprachgewaltig und dabei uneitel beschrieben und auf den Punkt gebracht worden. Absolute Leseempfehlung!

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Cover des Buches Schrecklich amüsant (ISBN: 9783462048209)
MaternaKuhns avatar

Rezension zu "Schrecklich amüsant" von David Foster Wallace

Nicht nur für Kreuzfahrer empfehlenswert
MaternaKuhnvor 2 Monaten

Was bewirkt dieser ungewöhnlich lange Titel? Man hat keine Ahnung, um was es geht und wird zum einen automatisch neugierig, wovor hier denn so ambivalent gewarnt werden soll. Also Verlags-Marketing-Strategie?

Zum zweiten drängt sich die Assoziation mit den vielen Flachpass-Ratgebern auf, die tagtäglich den Buchmarkt überschwemmen. „Mit 50 Euro um die Welt: Wie ich mit wenig in der Tasche loszog und als reicher Mensch zurückkam“ ist nur ein Beispiel von vielen, bei dem der Rezensent schon für die Erwähnung haushohe mentale Barrikaden überwinden muss. Aber die Parallele drängt sich zumindest auf den ersten Blick auf, da es auch im Buch von David Foster Wallace um das Reisen geht, allerdings um eine völlig andere Sparte - die Kreuzfahrten.

Spätestens seit der Fernsehserie „Das Traumschiff“ boomt diese Urlaubsform auf See und Fluss. Vor Corona waren es alleine in Europa 6,6 Millionen Menschen, die jährlich an Bord gingen, um dort die - ihrer Meinung nach - schönste Zeit des Jahres zu verbringen. Und genau das hat der Autor im Auftrag eines US-amerikanischen Magazins sieben Tage lang auch getan, obwohl er eine überzeugte Landratte mit Neigung zur Seekrankheit ist. Eine Woche lang hat er alles mitgemacht, was das Bordleben für den erholungsbedürftigen Urlauber bereithält – von der Single-Party, zu der nur Paare kommen, über das Tischtennis-Turnier mit zwei Teilnehmern bis hin zum Tontaubenschießen.

Jede Menge Stoff für eine leicht zynisch-arrogante Glosse, eigentlich ein Elfmeter ohne Torwart für fast jeden Journalisten. 

Aber wir haben es mit David Foster Wallace zu tun. Sein ganzes Leben lang war der Autor im Zwiestreit mit seiner extensiven Wahrnehmung und der ihn umgebenden Gesellschaft. So wird das Schiff zum Tummelplatz ungebremster Ironie, bereits beginnend damit, das er dessen eigentlichen Namen „Zenit“ im gesamten Buch konsequent in „Nadir“ verballhornt. Obsessiv bis ins Detail (und mit 136 Fußnoten, einem beliebten Stilmittel in vielen seiner Bücher) beschreibt Wallace die für ihn surreale Atmosphäre eines Kreuzschiffes und seine eigenen Reaktionen darauf.  

Aus seiner individuellen Vogelperspektive beobachtet er seine amerikanischen Mitpassagiere, die sich der industriellen Verwöhnmaschinerie einer Cruise-Line hingeben und gleichzeitig "mit unterernährten Kindern um den Preis von Halskettchen" feilschen. 

Nicht unerwähnt lässt Wallace, dass dieses gedankenlose Sich-Fallenlassen der anderen genau sein Problem ist. Mit seiner Ausprägung an Agoraphopie kann man zum Kreuzfahrer nicht ungeeigneter sein als der Autor. Kein Wunder distanziert er sich von Landgängen, die seiner Einschätzung nach nur für bovine Herdentiere geeignet sind. Stattdessen vergräbt er sich in seiner Kabine, geniesst den Roomservice und philosophiert über die dicken Glasscheiben der Bullaugen und das Hochdruck-Abwassersystem der Klo-Spülung, die anscheinend schon Passagiere hilflos strampelnd, an den „Pobacken angenapft“ in missliche Situationen gebracht hat.

Aber nein, das ist keine oberflächliche Slapstick-Literatur. Das Buch bietet absolut geistreiche Unterhaltung, intelligenten Genuss und viele Stellen zum Schmunzeln. Aber auch viele Impulse zur Selbstreflexion allgemein. Und natürlich zum Thema Kreuzfahrten im Speziellen, wenn man damit ein Thema hat.

Das Buch ist auch ein guter Einstieg in weitere Wallace-Werke. Eine gute Gelegenheit, diesen vielseitigen Autoren kennenzulernen, der neben Jonathan Franzen zu den führenden amerikanischen Schriftstellern der jüngeren Generation gezählt wird, bevor man sich zum Beispiel seinem Mammut-Werk „Unendlicher Spaß“ (ebenfalls ein unglücklicher Titel) zuwendet. Ein Autor, der leider nur 46 Jahre alt wurde, bevor er durch Suizid aus dem Leben schied.

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Gespräche aus der Community

David Foster Wallaces Unendlicher Spaß steht schon seit längerem in meinem Regal, noch hab ich mich nicht rangetraut, deshalb meine Frage: Welches Buch von Ihm könnt Ihr mir für den Einstieg in seine Werke empfehlen? Was ist euer Lieblingsbuch von Ihm?
1 Beiträge
S
Letzter Beitrag von  SuSannevor 11 Jahren
Wenn du in das Suchfeld den Autorennamen eingibst, findest du auch schon ein paar Antworten http://www.lovelybooks.de/buchfrage/suche/David%20Foster%20Wallace/
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Zusätzliche Informationen

David Foster Wallace wurde am 21. Februar 1962 in Ithaka, New York (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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