David Gilbert

 3.4 Sterne bei 42 Bewertungen
Autor von Die Normalen, Was aus uns wird und weiteren Büchern.

Lebenslauf von David Gilbert

David Gilbert wurde 1967 in Paris geboren, aber bald schon zog die Familie zurück in die Vereinigten Staaten. Als Autor ist er bisher mit Kurzgeschichten hervorgetreten, u. a. für The New Yorker, G.Q. und Harper´s Bazaar. Daneben schreibt er Drehbücher. David Gilbert lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in New York City.

Alle Bücher von David Gilbert

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Die Normalen

Die Normalen

 (28)
Erschienen am 02.05.2007
Was aus uns wird

Was aus uns wird

 (10)
Erschienen am 13.03.2014
The Normals

The Normals

 (1)
Erschienen am 03.10.2005
And Sons

And Sons

 (1)
Erschienen am 27.05.2014
& Sons

& Sons

 (1)
Erschienen am 27.05.2014
Geographies of British Modernity

Geographies of British Modernity

 (0)
Erschienen am 24.10.2003

Neue Rezensionen zu David Gilbert

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Rezension zu "& Sons" von David Gilbert

Familienbande
Fornikavor 3 Jahren

A. N. Dyer ist ein Bestsellerautor, sein fulminanter Erstling Ampersand wird ähnlich Salingers Catcher in the Rye verehrt. Jetzt ist er in den 80ern angekommen, fühlt sich alt und ausgelaugt. Umso wichtiger scheint ihm die Versöhnung seiner Kinder zu sein. Jamie und Richard stammen aus seiner Ehe, Andy ist das Nesthäkchen, entsprungen einer Affäre. Auch dank des enormen Altersunterschieds von 20 Jahren sind sich die drei nie warm geworden. Mit von der Partie ist außerdem Philip Topping, der Sohn von Dyers ältestem Freund Charlie. Diesen hat Dyer gerade zu Grabe getragen und bleibt so als einziger Halt für seinen Patensohn Philip zurück. Der Philip, der schon als Kind lieber ein Dyerzögling gewesen wäre. Ein Buch über Väter und Söhne, Onkel und Neffen, Brüder und Halbbrüder. Und die, die einfach nur dazugehören wollen.

 Philip fungiert als z.T. allwissender Ich-Erzähler, allerdings wird auch sehr oft in die dritte Person gewechselt (gerne auch mal mitten im Satz), oder die Story kommt kapitellang ohne ihn aus. Das sorgt ehrlich gesagt nicht wirklich für bessere Lesbarkeit, oft fand ich diesen Kunstgriff eben – naja – künstlich. Unnötig. Nervig, um genau zu sein. An sich ist Gilberts Art zu schreiben sehr gelungen, er hat ein Talent dafür sich gut auszudrücken. Doch das verschwindet oft hinter dem Personenkuddelmuddel. Mir gefielen seine Charaktere, auch wenn manche ab und an einen Anfall von Stereotypie erleiden. Die Geschichte startet gut, interessant sind die unterschiedlichen Lebenswege der Dyers, die schillernde Schriftstellerkarriere, der Hype um Ampersand, die Einblicke in die amerikanische Welt der Literatur. Doch irgendwann fährt Gilbert die Story für mich an die Wand; warum nur, ja warum diese dämliche Idee zu Andys Herkunft? Wenn das ein ironischer Winkelzug sein sollte, dann ist der gehörig zum müden Schenkelklopfer verblasst. Auch das Ende konnte es dann für mich nicht mehr rausreißen. Schade.

Ein weiterer Negativpunkt: einigen Kapiteln sind handschriftliche Briefe von Andrew vorangestellt, allerdings in einer dermaßen krakeligen Handschrift, dass ich es irgendwann aufgegeben habe, diese lesen zu wollen. Da hätte man als Verleger durchaus auch mal drauf achten können, wie man gegen Ende des Buches erfährt, sind die Inhalte der Briefe nämlich durchaus wichtig. Also lieber Leser, Lupe raus und ran ans Dechiffrieren ; )

Insgesamt konnte mich dieses Buch einfach nicht so recht überzeugen, nach der interessanten ersten Hälfte ging es langsam, aber stetig bergab.

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Rezension zu "Was aus uns wird" von David Gilbert

So weit, so Franzen.
FrankRudkoffskyvor 3 Jahren

In David Gilberts Roman „Was aus uns wird“ dreht sich alles um einen gealterten Schriftsteller, der sich vor Jahrzehnten gleich mit seinem Debüt, einem gefeierten Coming-of-age-Roman, in den Literaturkanon Amerikas schrieb und später zur Legende wurde, weil er sich aus der Öffentlichkeit zurückzog und als Autor verstummte. Die Parallelen sind kein Zufall, dennoch ist A.N. Dyer keine fiktionalisierte Version J.D. Salingers, sein Roman „Ampersand“ kein Chiffre für den „Fänger im Roggen“: Salinger ist lediglich der Maßstab für A.N. Dyers Status als Autor.

Doch Andrew Dyers Erfolge als Schriftsteller liegen lange zurück – inzwischen ist er nicht nur alt und gebrechlich, sondern hat auch längst seine Stimme verloren: Seit seiner letzten Veröffentlichung sind Jahrzehnte vergangen. Selbst die Grabrede für seinen besten Freund, Charlie Topping, traut sich Andrew nicht mehr zu und lädt sich stattdessen einen seelenlosen Standardtext aus dem Netz. Das Begräbnis seines Kindheitsfreundes veranlasst ihn jedoch dazu, seine entfremdeten Kinder für ein womöglich letztes gemeinsames Familientreffen nach New York einzubestellen. Andrew Dyer will aber nicht nur seine Angelegenheiten regeln, sondern vor allem ein lange gehütetes Geheimnis lüften.

Die Anlage von David Gilberts Roman erinnert zunächst stark an Jonathan Franzens „Die Korrekturen“: Im Vordergrund stehen die gescheiterten Biografien der Kinder, die zu einer letzten Familienzusammenkunft gedrängt werden, während eine übergeordnete Handlung – hier: die New Yorker Literaturszene und der lange Schatten des Jahrhundertromans „Ampersand“ – die Erzählstränge beisammenhält. Wie so häufig ist der Nachwuchs im Schatten eines großen Mannes verkümmert. Andrew Dyer war kein besonders guter Vater, entsprechend schlecht ist das Verhältnis zu seinen erwachsenen Söhnen Richard und Jamie, die bislang nur wenig im Leben erreicht haben. Ex-Junkie Richard, inzwischen Familienvater und Drogenberater, hofft auf den großen Durchbruch als Drehbuchautor, wird aber nur deshalb von einem Hollywood-Star hofiert, weil dieser auf die Filmrechte von „Ampersand“ schielt. Jamie reist dagegen mit seiner Kamera als Elendstourist durch die Welt und dokumentiert in Kurzfilmen das reale Grauen, ohne etwas dabei zu empfinden. Ihr Stiefbruder Andy – zumindest offiziell das Ergebnis eines Seitensprungs, der die Ehe der Dyers zerstörte – ist den beiden fremd. Der erst siebzehnjährige Andy lebt alleine bei seinem immer anhänglicheren Vater und will eigentlich nur eines: endlich seine Jungfräulichkeit verlieren.

So weit, so Franzen – wäre da nicht noch Philip Topping, Sohn des verstorbenen Charly und Erzähler des Romans. Philip ist nicht bloß ein großer Bewunderer A.N. Dyers, sondern sehnte sich schon immer danach, Teil von dessen Familie zu sein. In Sachen Scheitern steht Philip seinen Wunschbrüdern in nichts nach: Er ist als Lehrer suspendiert, hat nach einer Affäre seine Familie verloren und wird vermutlich nie über den Status eines Möchtegern-Schriftstellers hinauskommen. Viel stärker nagt an ihm jedoch die Ablehnung, die er bereits als Kind durch Richard und Jamie erfahren hat; sie haben Philip nie als ihresgleichen akzeptiert, sondern bloßgestellt und gehänselt, wann immer sich ihnen die Gelegenheit bot. Dass ausgerechnet ihr Opfer Philip, seit Kindheitstagen gequält von unerwiderter Zuneigung, über ihr Leben schreibt, macht ihn zu einem höchst unzuverlässigen Erzähler, dem man als Leser (und als Dyer!) nicht trauen sollte. Philip bleibt zwar immer in der Nähe der Figuren – teils, weil er nach dem Rauswurf seiner Ehefrau und dem Tod seines Vaters einige Tage bei Andrew wohnen darf, teils, weil er den Dyers wie ein Stalker nachspürt -, ist aber nur an den wenigsten Szenen des Romans unmittelbar beteiligt. Die Frage, ob Philips Ausführungen wahr, bloß ein wenig ausgeschmückt oder schlichtweg erfunden sind, muss jeder Leser für sich selbst beantworten. Das gilt ganz besonders für das aberwitzige Geheimnis, das Andrew Dyer seinen beiden Söhnen anvertraut.

Der Clou des Romans – sein unzuverlässiger Erzähler – unterscheidet ihn von den vergleichbaren Werken Franzens und seiner Epigonen; es bleibt nicht nur unklar, inwieweit das Erzählte glaubwürdig ist, sondern auch, ob wir es nicht bloß mit einem Roman im Roman, einer fiktionalen Abrechnung des Autors Topping mit A.N. Dyer und seinem „Ampersand“ zu tun haben. Das Besondere von „Was aus uns wird“ ist jedoch zugleich sein größtes Manko: Während etwa Jonathan Franzen Figuren schafft, die glaubwürdig und echt wirken, müssen wir diejenigen in Gilberts Roman ständig in Frage stellen, sie immer wieder aufs Neue bewerten. Empathie ist so nur schwer möglich. Dennoch ist Gilbert mit „Was aus uns wird“ – der englische Titel „& sons“ ist übrigens weitaus passender – ein sehr unterhaltsamer, doppelbödiger Roman gelungen, der vor allem dank seiner offenen Fragen an Vielschichtigkeit gewinnt.

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Babschas avatar

Rezension zu "Was aus uns wird" von David Gilbert

Wünsche und Wirklichkeiten
Babschavor 4 Jahren

Andrew „A.N.“ Dyer ist ein amerikanischer Schriftsteller, dessen gefeiertes Hauptwerk „Ampersand“ allerdings schon einige Jahre zurück liegt und der, mittlerweile Ende siebzig, in seiner Wohnung in der Upper East Side New Yorks krank und depressiv und vor allem ziemlich einsam vor sich hin dämmert. Als sein bester Freund aus Jugendtagen verstirbt, führt ihm dies die eigene Vergänglichkeit sehr deutlich vor Augen. Er kanalisiert all seine restlichen Energien und lädt nach vielen Jahren seine drei Söhne noch mal zu sich ein. 

So beginnt das Buch. Ein Werk, bei dem mich immer wieder das Gefühl beschlich, dass der Autor hier mit aller Gewalt einen ganz besonderen, einen großen, schicksalhaften Familienroman vorlegen wollte. Was ihm teilweise auch gelungen ist, jedoch leider nicht durchgängig in der Qualität anderer Schriftsteller. Die Kritikpunkte direkt vorab: Der Roman beginnt irgendwie zu verworren und zähflüssig. Bis man die einzelnen Protagonisten und deren Vernetzung in den permanent hin und her springenden Zeit- und Erzählebenen auseinander dividiert hat und das Ganze endlich eine klarere Struktur erhält, ist schon bald ein Drittel gelesen. Ob es einer Geschichte gut tut, in stetigem Wechsel aus der Icherzähler- und der allwissenden Autorenperspektive ausgerollt zu werden, sei dahin gestellt. Ebenso ist das Epos für die Dramaturgie, die Tiefe und den Umfang der erzählten Geschichten einfach zu umfangreich und wirkt überladen. Auch die unzähligen Ausflüge Gilberts in Welten und Werke anderer zumeist amerikanischer Schriftsteller halten den Spannungsbogen nicht immer aufrecht. Das mag alles beabsichtigt sein, ist aus meiner Sicht allerdings ziemlich ermüdend und streckenweise auch ernüchternd.


Aber das Buch hat auch beeindruckende, eingängige Momente, gerade in der stärkeren zweiten Hälfte. Wie der Autor die teils kruden Lebensgeschichten des Vaters und seiner Söhne, ihre „Leichen im Keller“ nach und nach entblättert und die wahren, mit all ihren Schwächen hautnah an der menschlichen Realität skizzierten Charaktere ihren eigenen schönen Schein nur so wegsprengen, das hat schon was. Wirklich gelungen, auch das muss man fairerweise sagen, ist das Hauptthema des Buches, nämlich das nach Jahren des Vakuums von allen eigentlich unerwünschte Aufeinandertreffen und die nachfolgende zwangsweise Interaktion der Mitglieder einer absolut gescheiterten und verkorksten Familie mit dem Vater als Hauptschuldigem. Jeder auf seine Weise ist enttäuscht und verbittert und versucht nur noch, unter dem verlogenen Deckmäntelchen der hehren Familie das Beste für sich selbst rauszuschlagen und seine eigenen Interessen durchzusetzen. Bis zum ziemlich unerfreulichen Ende. Auch der Mut des Autors, so nebenbei und nicht nur zwischen den Zeilen die Blasiertheit und Dekadenz der New Yorker Künstlerszene herauszustellen, verdient Respekt.

Alles in allem ein Buch mit Höhen und Tiefen in ausgewogenem Verhältnis. Hätte Gilbert das Ganze etwas mehr gestrafft und koordiniert, wäre ein richtig gutes Buch heraus gekommen. So aber trotzdem immer noch lesenswert. Gute drei Sterne. 

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