David Gilbert Was aus uns wird

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Inhaltsangabe zu „Was aus uns wird“ von David Gilbert

Es gibt sie immer mal wieder, diese Romane, die jede Generation aufs Neue elektrisieren, die für viele Leser zu Lebensbüchern werden. "Der Fänger im Roggen" zum Beispiel. In Gilberts neuen Roman gibt es neben Salingers Meisterwerk ein weiteres solches Buch, das Weltruhm erlangt hat: "Ampersand". Sein Autor, A.N. Dyer, hat diesen Ruhm aber längst überlebt, er ist alt geworden, leidet unter allerlei Gebrechen, er weiß, dass er seine Kreativität verloren hat. Als sein bester Freund stirbt, lädt er seine drei Söhne zu sich ein, um ihnen ein Geheimnis anzuvertrauen - eine Enthüllung, die nicht alle überleben werden. David Gilbert entwirft ein hinreißendes Panorama der edlen und eitlen Literaturwelt New Yorks, er erzählt von dem hohen Preis künstlerischer Kreativität und davon, wie sich Väter und Söhne die Luft zum Atmen nehmen. "Was aus uns wird" ist gnadenlos klug, oft hochkomisch und immer berührend, es ist ein Roman von großer erzählerischer Wucht.

Gilbert ist ein sehr unterhaltsamer, doppelbödiger Roman gelungen, der vor allem dank seiner offenen Fragen an Vielschichtigkeit gewinnt.

— FrankRudkoffsky

Gute Story, aber leider zu lang , 3,5 Punkte

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • So weit, so Franzen.

    Was aus uns wird

    FrankRudkoffsky

    30. August 2015 um 23:13

    In David Gilberts Roman „Was aus uns wird“ dreht sich alles um einen gealterten Schriftsteller, der sich vor Jahrzehnten gleich mit seinem Debüt, einem gefeierten Coming-of-age-Roman, in den Literaturkanon Amerikas schrieb und später zur Legende wurde, weil er sich aus der Öffentlichkeit zurückzog und als Autor verstummte. Die Parallelen sind kein Zufall, dennoch ist A.N. Dyer keine fiktionalisierte Version J.D. Salingers, sein Roman „Ampersand“ kein Chiffre für den „Fänger im Roggen“: Salinger ist lediglich der Maßstab für A.N. Dyers Status als Autor. Doch Andrew Dyers Erfolge als Schriftsteller liegen lange zurück – inzwischen ist er nicht nur alt und gebrechlich, sondern hat auch längst seine Stimme verloren: Seit seiner letzten Veröffentlichung sind Jahrzehnte vergangen. Selbst die Grabrede für seinen besten Freund, Charlie Topping, traut sich Andrew nicht mehr zu und lädt sich stattdessen einen seelenlosen Standardtext aus dem Netz. Das Begräbnis seines Kindheitsfreundes veranlasst ihn jedoch dazu, seine entfremdeten Kinder für ein womöglich letztes gemeinsames Familientreffen nach New York einzubestellen. Andrew Dyer will aber nicht nur seine Angelegenheiten regeln, sondern vor allem ein lange gehütetes Geheimnis lüften. Die Anlage von David Gilberts Roman erinnert zunächst stark an Jonathan Franzens „Die Korrekturen“: Im Vordergrund stehen die gescheiterten Biografien der Kinder, die zu einer letzten Familienzusammenkunft gedrängt werden, während eine übergeordnete Handlung – hier: die New Yorker Literaturszene und der lange Schatten des Jahrhundertromans „Ampersand“ – die Erzählstränge beisammenhält. Wie so häufig ist der Nachwuchs im Schatten eines großen Mannes verkümmert. Andrew Dyer war kein besonders guter Vater, entsprechend schlecht ist das Verhältnis zu seinen erwachsenen Söhnen Richard und Jamie, die bislang nur wenig im Leben erreicht haben. Ex-Junkie Richard, inzwischen Familienvater und Drogenberater, hofft auf den großen Durchbruch als Drehbuchautor, wird aber nur deshalb von einem Hollywood-Star hofiert, weil dieser auf die Filmrechte von „Ampersand“ schielt. Jamie reist dagegen mit seiner Kamera als Elendstourist durch die Welt und dokumentiert in Kurzfilmen das reale Grauen, ohne etwas dabei zu empfinden. Ihr Stiefbruder Andy – zumindest offiziell das Ergebnis eines Seitensprungs, der die Ehe der Dyers zerstörte – ist den beiden fremd. Der erst siebzehnjährige Andy lebt alleine bei seinem immer anhänglicheren Vater und will eigentlich nur eines: endlich seine Jungfräulichkeit verlieren. So weit, so Franzen – wäre da nicht noch Philip Topping, Sohn des verstorbenen Charly und Erzähler des Romans. Philip ist nicht bloß ein großer Bewunderer A.N. Dyers, sondern sehnte sich schon immer danach, Teil von dessen Familie zu sein. In Sachen Scheitern steht Philip seinen Wunschbrüdern in nichts nach: Er ist als Lehrer suspendiert, hat nach einer Affäre seine Familie verloren und wird vermutlich nie über den Status eines Möchtegern-Schriftstellers hinauskommen. Viel stärker nagt an ihm jedoch die Ablehnung, die er bereits als Kind durch Richard und Jamie erfahren hat; sie haben Philip nie als ihresgleichen akzeptiert, sondern bloßgestellt und gehänselt, wann immer sich ihnen die Gelegenheit bot. Dass ausgerechnet ihr Opfer Philip, seit Kindheitstagen gequält von unerwiderter Zuneigung, über ihr Leben schreibt, macht ihn zu einem höchst unzuverlässigen Erzähler, dem man als Leser (und als Dyer!) nicht trauen sollte. Philip bleibt zwar immer in der Nähe der Figuren – teils, weil er nach dem Rauswurf seiner Ehefrau und dem Tod seines Vaters einige Tage bei Andrew wohnen darf, teils, weil er den Dyers wie ein Stalker nachspürt -, ist aber nur an den wenigsten Szenen des Romans unmittelbar beteiligt. Die Frage, ob Philips Ausführungen wahr, bloß ein wenig ausgeschmückt oder schlichtweg erfunden sind, muss jeder Leser für sich selbst beantworten. Das gilt ganz besonders für das aberwitzige Geheimnis, das Andrew Dyer seinen beiden Söhnen anvertraut. Der Clou des Romans – sein unzuverlässiger Erzähler – unterscheidet ihn von den vergleichbaren Werken Franzens und seiner Epigonen; es bleibt nicht nur unklar, inwieweit das Erzählte glaubwürdig ist, sondern auch, ob wir es nicht bloß mit einem Roman im Roman, einer fiktionalen Abrechnung des Autors Topping mit A.N. Dyer und seinem „Ampersand“ zu tun haben. Das Besondere von „Was aus uns wird“ ist jedoch zugleich sein größtes Manko: Während etwa Jonathan Franzen Figuren schafft, die glaubwürdig und echt wirken, müssen wir diejenigen in Gilberts Roman ständig in Frage stellen, sie immer wieder aufs Neue bewerten. Empathie ist so nur schwer möglich. Dennoch ist Gilbert mit „Was aus uns wird“ – der englische Titel „& sons“ ist übrigens weitaus passender – ein sehr unterhaltsamer, doppelbödiger Roman gelungen, der vor allem dank seiner offenen Fragen an Vielschichtigkeit gewinnt.

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  • Wünsche und Wirklichkeiten

    Was aus uns wird

    Babscha

    02. October 2014 um 23:13

    Andrew „A.N.“ Dyer ist ein amerikanischer Schriftsteller, dessen gefeiertes Hauptwerk „Ampersand“ allerdings schon einige Jahre zurück liegt und der, mittlerweile Ende siebzig, in seiner Wohnung in der Upper East Side New Yorks krank und depressiv und vor allem ziemlich einsam vor sich hin dämmert. Als sein bester Freund aus Jugendtagen verstirbt, führt ihm dies die eigene Vergänglichkeit sehr deutlich vor Augen. Er kanalisiert all seine restlichen Energien und lädt nach vielen Jahren seine drei Söhne noch mal zu sich ein. So beginnt das Buch. Ein Werk, bei dem mich immer wieder das Gefühl beschlich, dass der Autor hier mit aller Gewalt einen ganz besonderen, einen großen, schicksalhaften Familienroman vorlegen wollte. Was ihm teilweise auch gelungen ist, jedoch leider nicht durchgängig in der Qualität anderer Schriftsteller. Die Kritikpunkte direkt vorab: Der Roman beginnt irgendwie zu verworren und zähflüssig. Bis man die einzelnen Protagonisten und deren Vernetzung in den permanent hin und her springenden Zeit- und Erzählebenen auseinander dividiert hat und das Ganze endlich eine klarere Struktur erhält, ist schon bald ein Drittel gelesen. Ob es einer Geschichte gut tut, in stetigem Wechsel aus der Icherzähler- und der allwissenden Autorenperspektive ausgerollt zu werden, sei dahin gestellt. Ebenso ist das Epos für die Dramaturgie, die Tiefe und den Umfang der erzählten Geschichten einfach zu umfangreich und wirkt überladen. Auch die unzähligen Ausflüge Gilberts in Welten und Werke anderer zumeist amerikanischer Schriftsteller halten den Spannungsbogen nicht immer aufrecht. Das mag alles beabsichtigt sein, ist aus meiner Sicht allerdings ziemlich ermüdend und streckenweise auch ernüchternd. Aber das Buch hat auch beeindruckende, eingängige Momente, gerade in der stärkeren zweiten Hälfte. Wie der Autor die teils kruden Lebensgeschichten des Vaters und seiner Söhne, ihre „Leichen im Keller“ nach und nach entblättert und die wahren, mit all ihren Schwächen hautnah an der menschlichen Realität skizzierten Charaktere ihren eigenen schönen Schein nur so wegsprengen, das hat schon was. Wirklich gelungen, auch das muss man fairerweise sagen, ist das Hauptthema des Buches, nämlich das nach Jahren des Vakuums von allen eigentlich unerwünschte Aufeinandertreffen und die nachfolgende zwangsweise Interaktion der Mitglieder einer absolut gescheiterten und verkorksten Familie mit dem Vater als Hauptschuldigem. Jeder auf seine Weise ist enttäuscht und verbittert und versucht nur noch, unter dem verlogenen Deckmäntelchen der hehren Familie das Beste für sich selbst rauszuschlagen und seine eigenen Interessen durchzusetzen. Bis zum ziemlich unerfreulichen Ende. Auch der Mut des Autors, so nebenbei und nicht nur zwischen den Zeilen die Blasiertheit und Dekadenz der New Yorker Künstlerszene herauszustellen, verdient Respekt. Alles in allem ein Buch mit Höhen und Tiefen in ausgewogenem Verhältnis. Hätte Gilbert das Ganze etwas mehr gestrafft und koordiniert, wäre ein richtig gutes Buch heraus gekommen. So aber trotzdem immer noch lesenswert. Gute drei Sterne.

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  • Trotz Startschwierigkeiten ein toller Roman

    Was aus uns wird

    sweetpiglet

    08. May 2014 um 15:26

    Meine Meinung: Zunächst muss ich sagen, dass ich bei diesem doch recht schlicht gehaltenem Cover und dem Klappentext niemals mit einem solchen Schmöker gerechnet hätte. Das Cover gibt uns schon einen Hinweis auf den Inhalt, es geht um den Schriftsteller A.N. Dyer, einst ein gefeierter Schriftsteller erkennt er nun, dass seine Kreativität nachlässt und er sich vor der Außenwelt verschließt. Zu Beginn des Buches stirbt sein bester Freund Charles Topping, dieser war jahrelang eine Konstante in seinem Leben, die Familien miteinander verflochten. Das Begräbnis rüttelt ihn wach und so lädt er seine drei Söhne zu sich ein um ein Geheimnis zu offenbaren. Doch dieses Geheimnis lässt alle an der Gesundheit des ehemaligen gefeierten Meisters zweifeln. Erzählt wird die Geschichte meist aus der Sicht von Philip Topping, dem Sohn des verstorbenen Charlie Topping. Philip scheint vom Pech verfolgt zu werden, denn nach einer Affäre verlässt ihn seine Frau und schmeißt ihn aus der Wohnung. Daraufhin bietet ihm Dyer an zu ihm zuziehen, dieses Angebot kann Philip einfach nicht ausschlagen, fühlt er sich Zeit seines Lebens mehr als der verlorenene Sohn von Dyer als der eigenen Eltern. Verfolgt man seine Vergangenheit im Laufe des Buches so kann man als Leser nicht recht nachvollziehen, wieso er sich mehr der Familie Dyer angehörig fühlt, wo doch die Söhne Dyer's ihm das Leben schwer gemacht haben. Diese Söhne spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in diesem Roman. Da wäre zum einen Richard, der älteste Sohn, der nach einer langen Drogenphase jetzt als Drogentherapeut in Los Angeles arbeitet. Nebenher versucht er sich als Drehbuchautor und hofft auf den großen Durchbruch, doch als ein Filmstudio anfragt wird klar, dass ihm sein Nachname wie immer im Weg steht. Als Sohn des großartigen A.N. Dyer soll er dem Filmstudio helfen eine Verfilmung des Erfolgromans "Ampersand" zu ermöglichen. Jamie ist der zweite Sohne von Dyer und er arbeitet als Fotoreporter an den Brennpunkten der Welt. Auch seine Kunstfilme sind bekannt, deshalb bittet ihn auch eine ehemalige Freundin ein Video von ihr zu drehen, diese Arbeit fordert alles von Jamie. Der jüngste Sohn ist Andy, er entstand aus einem Seitensprung und war der Grund für das Ende der Ehe der Dyers. Mit seinen 17 Jahren ist er noch recht jung und unerfahren, und sein einziges Ziel endlich die Jungfräulichkeit abzulegen. Der Schreibstil ist zunächst recht gewöhnungsbedürftig, anfangs musste ich den ein oder anderen Satz zweimal lesen, um zu wissen auf welche Person sich die Aussage bezieht. Zudem startet der Roman recht lahm, die ersten 200 Seiten sind reine Einführung in das Geschehen, was bedeutet, dass kaum etwas passiert und man darauf hofft, endlich zu erfahren wohin uns der Autor bringen möchte. Fazit: Am Ende bleibt ein toller Roman der vor allem zum Ende hin tolle Wendungen hat und dadurch das Prädikat "lesenswert" erhält. Jedoch muss ich einen Punkt für den trägen Start abziehen, dass hätte man anders in die Geschichte einfließen lassen können.

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