David Graeber Schulden

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Inhaltsangabe zu „Schulden“ von David Graeber

Ein radikales Buch im doppelten Wortsinn, denn Graeber packt das Problem der Schulden an der Wurzel, indem er bis zu ihren Anfängen in der Geschichte zurückgeht. Das führt ihn mitten hinein in die Krisenherde unserer Zeit: Von der Antike bis in die Gegenwart sind revolutionäre Bewegungen immer in Schuldenkrisen entstanden. Graeber sprengt die moralischen Fesseln, die uns auf das Prinzip der Schulden verpflichten. Denn diese Moral ist eine Waffe in der Hand der Mächtigen. Die weltweite Schuldenwirtschaft ist eine Bankrotterklärung der Ökonomie. Der Autor enttarnt Geld- und Kredittheorien als Mythen, die die Ökonomisierung aller sozialen Beziehungen vorantreiben. Im Kern ist dieses Buch ein hohes Lied auf die Freiheit: Das sumerische Wort »amargi«, das Synonym für Schuldenfreiheit, ist Graeber zufolge das erste Wort für Freiheit in menschlicher Sprache überhaupt. David Graeber ist einer der Begründer der Occupy-Bewegung.

Mit missionarischem Eifer geschrieben und beeindruckend konsequent. Nur nicht immer von durchdringender Sachkenntnis geprägt.

— Beust
Beust

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  • Rezension zu "Schulden" von David Graeber

    Schulden
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    13. June 2012 um 14:01

    Sklaverei durch Schulden Breit diskutiert wurde und wird Graebers „Kulturgeschichte des Kapitalismus“. Eine „Kulturgeschichte“, die im Gesamten eines verdeutlicht, egal wie krude manche Argumente des Autors auch sein mögen und wie wenig an echter Alternative Graeber im Buch entwickelt. Geld regiert die Welt (fast) von Beginn an. Vor allem über das System der Kredite. Ob man dieses als Chance und einzige Möglichkeit „vernünftigen“ Wirtschaftens betrachtet oder, wie Graeber, als zeitloses Mittel der „Versklavung“, das muss dann der Leser selbst entscheiden, zu welcher Sichtweise er sich positioniert. Den Fakt der zentralen Wertigkeit des Kreditwesens mitsamt seiner vielfachen Folgen stellt David Graeber überzeugend argumentiert und historisch verankert eindrucksvoll im Buch klar. Nicht umsonst sind ja gerade in der gegenwärtigen Situation „Schulden“ zum zentralen Thema des politischen Handelns geworden. Ein Thema, welches Graber sprachgewandt bis in die Anfänge menschlichen Miteinanders zurückführt, auf die Entwicklung der Möglichkeit, Schulden quantifizierbar zu machen. Quantifizierbar aber werden Schulden erst durch die Einführung des Geldes. Geld und Schulden tauchen gleichzeitig und unabdingbar miteinander verknüpft auf der Bühne des öffentlichen Lebens auf. Dies ist schon auf uralten Lehmtafeln aus Mesepotamien nachzulesen. Eine Argumentation, in deren Verlauf Graeber die „Standardversion“ der Wirtschaftsgeschichte vom „ausgeglichenen Tauschhandel“ schnell entzaubert und auf die bestimmende Kraft der Kredite verweist. Menschen hatten seit Erfindung des Geldes zu allen Zeiten vielfach „Schulden“ bei anderen Menschen, Schulden, die von Beginn an Freiheiten einschränkten und diese im Verlauf der Geschichte bis in die Gegenwart hinein in potenzierendem Maße immer weiter einschränkten. Aus diesem Gedanken der Freiheit und der Sklaverei entfaltet Graeber im Verlauf der Argumentation seine grundlegende These. Dass nämlich der (auch moralische) Kernsatz, alles an Schulden immer zurückzahlen zu müssen, ebenso wie der wirtschaftliche Druck der Kreditgeber zur Rückzahlung, eben kein „Naturgesetz“ ist, sondern durchaus und einfach durchbrochen werden sollte. Ein dennoch „eingeimpftes“ Gesetz, dass von den Kreditgebern (den „Reichen“, dem „1 Prozent“) im Lauf der Geschichte mit Krieg und Gewalt geschrieben wurde. Ein System des Geldes, das von Beginn an auf Kredite und damit auf Herrschaft über die große Masse der „Schuldner“ aufgebaut war. Gerade dieser geschichtliche Teil aus anthropologischer Sicht liest sich flüssig, überzeugend und deckt sich auch mit den Erfahrungen nicht nur der letzten Jahre über den Druck, den der einzelne, mittlerweile aber auch ganze Staaten durch ihre „Schulden“ erfahren. Bedauerlicherweise bietet Graeber außer dieser Analyse keine strukturierte Synthese, kein Programm, keine ernstzunehmenden programmatischen Ideen, wie es denn nun wirklich anders ginge. Dies, neben so manchen dunklen Verschwörungsideen über die Ursachen der aktuellen Finanzkrise, schmälert zwar nicht den Ertrag der anthropologischen Analyse, wohl aber die Möglichkeiten, mit den Erkenntnissen Graebers im Buch selbst konstruktive Schritte herauszuarbeiten. So verbleibt eine interessante, fundierte, durchaus erhellende Darstellung der „Geld- und Kreditgeschichte“, die überaus lesenswert und mit kritischen Aspekten gegen „Standardlesarten zur Funktion des Geldes“ im Buch vorliegt, ohne aber gewichtige, konstruktive Möglichkeiten zur Überwindung des offenkundigen Problems der Akkumulation des Kapitals und der damit einhergehenden „Versklavung“ von „99 Prozent“ an zu bieten. Diese konstruktive Leistung muss somit noch von anderer Seite her erbracht werden. Graeber bietet hierzu zumindest eine grundlegende und bedenkenswerte Analyse an.

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  • Rezension zu "Schulden" von David Graeber

    Schulden
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    23. May 2012 um 18:47

    Seit der Erfindung des Kredits vor 5000 Jahren treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie. Graeber packt das Problem der Schulden an der Wurzel, indem er bis zu ihren Anfängen in der Geschichte zurückgeht. Das führt ihn mitten hinein in die Krisenherde unserer Zeit: Von der Antike bis in die Gegenwart sind revolutionäre Bewegungen immer in Schuldenkrisen entstanden. Graeber sprengt die moralischen Fesseln, die uns auf das Prinzip der Schulden verpflichten. Denn diese Moral ist eine Waffe in der Hand der Mächtigen. Die weltweite Schuldenwirtschaft ist eine Bankrotterklärung der Ökonomie. Der Autor enttarnt Geld- und Kredittheorien als Mythen, die die Ökonomisierung aller sozialen Beziehungen vorantreiben. So sieht er sich selbst, der Ethnologe David Graeber, spiritus rector der Occupy-Bewegung. Obwohl er im ganzen Buch über mit konkreten politischen Vorschlägen geizt, macht der am Ende des Buches doch einen: „Ich habe den Eindruck, ein Ablassjahr nach biblischem Vorbild ist überfällig, für Staatschulden wie für Konsumschulden. Ein genereller Schuldenerlass wäre nicht nur heilsam, weil er menschliches Leid lindern könnte. Er riefe uns auch in Erinnerung, dass Geld nichts Geheimnisvoll-Unvergleichliches ist und dass das Begleichen von Schulden nicht das Wesen der Sittlichkeit ausmacht. All dieses Vorstellungen sind menschliche Erfindungen, und in eine richtigen Demokratie hätten alle Menschen die Möglichkeit, ihre Gesellschaft anders zu organisieren.“ Es ist bei aller Brillanz seiner Argumentation doch immer wieder seine politische Überzeugung, die dem Anarchisten Graeber ideologisch im Wege steht und die ihn manche Quellen nicht beachten lässt, weil sie ihm nicht ins Konzept passen. So habe ich etwas schon im Theologiestudium gelernt, dass das sogenannte Sabbatjahr zwar eine schöne Idee war, in der Praxis aber selten funktioniert hat. Denn die Schuldner haben ihre Verträge oft so verfasst, dass ihre Tilgung genau im Jahr dersSchuldenerlasses angestanden hätte. Die Folge: niemand hat mehr Kredite vergeben, weil er nicht wusste, ob er sie zurückbekommen würde. Keine Kredite bedeutete aber für viele Bauern der Ruin. Und mit der notleidenden Kreditwirtschaft kam oft die gesamte Wirtschaft zum Erliegen. Hauptleidtragender; der einfache Mann, den Graeber so oft auf seinen Schild hebt. Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass bei einer politischen Umsetzung eines Schuldenerlasses genau die wieder profitieren würden, die für die Anhäufung der Schulden verantwortlich waren. Würde etwa in Griechenland, in Spanien oder Italien auch nur irgendetwas besser, wenn diese Länder ihre Schulden erlassen bekämen? Die Grundeinstellung Graebers, das marktwirtschaftliche Gesellschaften nicht anderes seien als versklavenden Schuldgesellschaften kann ich nicht teilen. Ich möchte jedenfalls nicht in einer Gesellschaft leben, die von sentimentalen Sehnsüchten nach der einfachen Welt, nach der einfachen Gesellschaft regiert wird. Dennoch: wegen seines großen Materialreichtums und des weiten kulturgeschichtlichen Bogens, den es spannt, ist das Buch unbedingt lesenswert. Man muss sich aber dringend mit den kaum benannten, aber immer mitgedachten ideologischen Wurzeln seines Ansatzes auseinandersetzen. Denn eine immer stärker werdende Bewegung nicht nur junger Menschen an vielen Orten der Welt, glaubt solchen einfachen Lösungen.

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