David Grossman Eine Frau flieht vor einer Nachricht

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Inhaltsangabe zu „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ von David Grossman

Eine Mutter fürchtet sich vor der Nachricht, dass einer ihrer beiden Söhne im Krieg gefallen ist. Sie erzählt dagegen an, erzählt von ihrer Liebe zu zwei Männern, sie kocht süße Auberginen und persischen Reis mit Rosinen und Pinienkernen, alles gegen die Angst. Schreiben und Leben von David Grossman kreuzen sich auf schmerzlichste Weise, als Grossmans Sohn Uri in den letzten Tagen des Libanon-Krieges ums Leben kommt.

Enttäuschend

— Golondrina
Golondrina

Eine bewegende Geschichte, die Verständnis für das Lebensgefühl der Menschen im Nahenosten weckt. Ein Teufelskreis von Gewalt und Terror.

— deruhu99
deruhu99

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  • David Grossman - Eine Frau flieht vor einer Nachricht

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    12. May 2016 um 18:04

    Oras jüngster Sohn Ofer hat eigentlich gerade den obligatorischen Militärdienst abgeleistet als er sich freiwillig zu einem Einsatz verpflichtet. Die Mutter versucht ihn noch erfolglos zu stoppen, denn es ist nicht das erste Mal im Leben, dass sie unmittelbar mit den Auswirkungen der Kampfeinsätze konfrontiert wird. Sie hat Angst und um der Todesnachricht zu entkommen, beschließt sie, nach Galiläa zu reisen. Avram, Ofers leiblicher Vater, der zu seinem Sohn jedoch nie eine Beziehung aufgebaut hat, begleitet sie und beim Wandern begeben sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit, ihre gemeinsame Zeit und all die Dinge, die nie gesagt wurden, werden nun 20 Jahre später ans Licht gebracht.David Grossman verarbeitet in seinem Roman eine in Israel allgegenwärtige Situation. Wir der Militärdienst noch als notwendiges Übel allerseits akzeptiert und auch unterstützt, ist doch die Angst bei den vielen Einsätzen und unmittelbaren Bedrohungen ein ernstzunehmendes Problem für die Eltern. Die Kinder stehen an den Checkpoints und gehen in den Kampf und setzen sich damit unmittelbarere Bedrohung aus. Dies nicht ertragen zu können, ist mehr als nachvollziehbar – vor dem Hintergrund des Autors, der in ebendieser Situation einen Sohn verloren hat, umso bedeutsamer. Aber nicht nur der gegebene Anlass und die Realitätsnähe können überzeugen, sondern auch das komplexe Verhältnis einer Frau zu zwei Männern, die sie auf ganz unterschiedliche Weise lieben kann und denen sie sich verpflichtet fühlt.

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  • Eine Frau flieht vor einer Nachricht

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    Golondrina

    Golondrina

    06. October 2014 um 21:04

    Vorweg: ich habe große Hochachtung vor Herrn Grossmann und ich wünsche ihm nur das Beste. Leider missbraucht er seine Position als Autor und langweilt mich den Leser mit seitenlangen ausufernden Dialogen in denen nichts gesagt wird. Entweder das oder er schreibt gegen Tod seines Sohnes an, der während der Arbeit zu diesem Buch im Krieg im Libanon getötet wurde. Aus jeder Seite quoll die Verzweiflung des Herrn Grossmann, dass sein Sohn nicht tot sein möge, solange er, der Vater weiter an diesem Buch schreibt. Nach 400 Seiten, die 50 Seiten reale Handlung enthalten, ist mein Mitgefühl für die Lage des Autors unter 1000en Worten erstickt.   Schade. Das wahre Gesicht des Krieges in menschlichen Einzelschicksalen habe ich woanders besser, einfühlsamer gelesen.

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  • Anspruchsvoller israelischer Antikriegsroman

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    Kerstin-Scheuer

    Kerstin-Scheuer

    08. June 2014 um 13:50

    Der Roman spielt in Israel. Als Oras jüngster Sohn Ofer sich kurz nach dem Ende seiner 2jährigen Wehrpflichtzeit freiwillig zu einem Kriegseinsatz meldet, bricht für Ora eine Welt zusammen. Kurzerhand beschließt sie, den gemeinsam geplanten Wanderausflug, stattdessen mit ihrem besten Freund zu unternehmen, denn - so ihre Theorie - wenn sie die Nachricht von Tod ihres Sohnes nicht erreichen kann, dann wird ihm auch nichts passieren. Auf ihrer Wanderung erzählt Ora von Ofer und aus ihrem Leben, in dem der Krieg und die Liebe zu zwei Männern eine große Rolle spielen. David Grossmann ist ein ungewöhnlicher und sehr gefühlvoller Antikriegsroman gelungen. Er schildert weniger die eigentlichen Kriesereignisse als viel mehr das, was der Krieg mit den Menschen macht. Hierzu zählen die psychischen und pysischen Folgen genauso wie die hierdurch entstehenden Einschnitte und plötzlichen Wendung des eigenen Lebensweges. Besonders beeindruckt haben mich die Schilderung des Alltags in Tel Aviv. So wird bespielsweise beschrieben, wie die Menschen im Linienbus an jeder Haltestelle das Risiko abschätzen, ob eine der zusteigenden Personen ein Selbstmordattentäter ist. Oder wie fast die gesamten Gäste fluchtartig ein Cafe verlassen, als eine Frau mit Kinderwagen, die viele als zu alt für ein Baby einschätzen, eintritt. Die Menschen in Israel leben schon so lange mit dem Risiko und der Angst einer möglichen Attentats, dass es Teil des Alltags geworden ist. Man lebt zwar seinen gewohnten Alltag, ist aber auch immer ein bisschen auf der Hut und nie vollkommen sorglos und entspannt. Im scheinbaren Gegensatz stehen die eindrucksvollen Landschaftsschilderung während der Wanderszenen. Hier wird die Schönheit des Landes und seine historischen Orte deutlich. So schaut Ora bespielsweise von einem Berg auf den See Genezareth herab und der Leser wird sich bewusst, dass dieses zerrissene Land die Wiege dreier Weltreligionen ist. Die Liebe des Autors zu seinem Land wird deutlich spürbar. Der Roman ist anspruchsvoll zu lesen - und das nicht nur wegen des Themas. Ora springt in ihrer Erzählung immer wieder vor und zurück. Der Leser muss sich also immer wieder neu zurecht finden, aus welcher Zeit Ora nun berichtet, und sich hiervon ausgehend die Geschichte selbst zusammensetzen. Erschwert wird dies dadurch, dass Grossmann vollständig auf Anführungszeichen verzichtet. Bei Unterhaltungen ist es daher manchmal etwas schwer, herauszufinden, wann der eine aufhört und wann der andere anfängt zu sprechen. Zudem wechselt der Autor oft vollkommen unvermittelt von der Ich- in eine außenstehende Perspektive. Nicht selten geschieht dies innerhalb eines Satzes. Die Arbeit jedoch lohnt sich. Ich war schwer beeindruckt von dem Buch und dem Land, über das man so oft schreckliche Dinge in der Tagesschau sieht, ohne es wirklich zu kennen. Der Roman von Grossmann ist bestens geeignet, um diese Lücke zu schließen. In mir kam sogar der Wunsch auf, in sichereren Zeiten Israel einmal zu besuchen.

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  • Auf der Fluch vor schlechten Nachrichten

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    HeikeM

    HeikeM

    22. April 2013 um 13:25

    Eigentlich war Ofers Militärdienst gerade zu Ende und er wollte gemeinsam mit Ora, seiner Mutter, eine Wanderung durch Galiläa machen. Eigentlich. Doch dann meldet er sich freiwillig für weitere 28 Tage zu einem Kriegseinsatz ins Westjordangebiet. Ora weiß was der Krieg und seine Folgen aus den Menschen machen kann. Sie ist entsetzt und denkt an das Schlimmste, das eintreten könnte. Aber ihre Gedanken gehen weiter. Was ist, wenn sie nicht daheim ist, wenn die Nachricht kommt? So überredet sie Avram, ihren alten Freund, Geliebten und Vater von Ofer, dazu, mit ihr gemeinsam zu wandern. Sie will über Ofer sprechen und Avram den Sohn näher bringen, den er so gar nicht kennt. Sie denkt, so lange sie über ihn spricht, muss er am Leben sein, eine gegenteilige Nachricht kann sie ja nicht erreichen. Avram ist ein gebrochener Mann, die Kriegsgefangenschaft hat ihn psychisch und physisch schwer zugesetzt. Aber diese Wanderung, die auch etwas von einer Pilgerreise hat, bringt die beiden einander wieder näher. Anfangs hört Avram nur zwangsläufig die Erzählungen Oras über ihr Leben mit Ofer, seinen Bruder Adam und ihrem Mann, Ilan, von dem sie inzwischen getrennt ist und der wiederum auch mit Avram befreundet war. Aber nach und nach wächst sein Interesse an der Unterhaltung. Er trägt seinen Teil dazu bei, erzählt von seinen schrecklichen Erlebnissen im Krieg und in der Gefangenschaft. So laufen sie fernab aller Nachrichten und ein wenig auch jenseits der Zeit. Mit diesem Buch, meinem ersten des Autors, legt David Grossman ein beeindruckendes Werk gegen den Krieg und für die Aussöhnung vor. Eindrucksvoll schildert er förmlich nebenbei den Alltag in Israel. Er berichtet vom schwierigen Leben der Palästinenser, von der ständigen Angst vor Terroranschlägen in der israelischen Bevölkerung und von den Ängsten, die Frauen und Mütter ausstehen, wenn ihre Männer und Söhne zu Kriegseinsätzen gehen und er widmet den Problemen der Palästinenser, die sich illegal in Israel aufhalten, einen kurzen Abschnitt. Aber er schildert eben auch die andere Seite. Er macht die Schrecken des Krieges am Beispiel von Avram und Ilan deutlich. Was die beiden erleben müssen, kommt dem Begriff Hölle schon recht nahe. Besonders imponiert mir jedoch, wie der Autor es schafft, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Protagonistin Ora, die ihr Leben lang zwischen den zwei Männern steht, hineinzuversetzen. Psychologisch feinfühlig beschreibt er ihre Gemütsverfassung, ihre Ängste und Hoffnungen. Die Wanderung zieht sich als roter Faden durch die Handlung, immer wieder wird sie durch Dialoge und Monologe unterbrochen. Aber ich fühlte mich ständig als stiller Begleiter und Zuhörer an der Seite von Ora und Avram. "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" ist ein äußerst intensiver und dichter Roman, der von Beginn an eine gewisse bedrückende Stimmung vermittelt, die jedoch immer wieder durch charmante Anekdoten aus der Vergangenheit unterbrochen wird. Trotzdem ist die alltäglich Bedrohung fast körperlich spürbar. Dabei urteilt oder verurteilt David Grossman nicht. Er ergreift nicht Partei. Er führt allerdings dem Leser die Sinnlosigkeit von Kriegen eindrucksvoll vor Augen, nachdrücklich, prägnant, greifbar. Auf der anderen Seite schreibt er über die Kraft der Liebe, einfühlsam, sensibel, mitfühlend. Er bedient sich eines ganz wunderbaren Sprachstils, der auch durch die Übersetzung nicht abgeschwächt wurde. "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" ist eines der Bücher, die mich bisher am meisten beeindruckten. Es hat mich in jeder Hinsicht überzeugt. Ich wünsche dem Buch eine große, weltweite Leserschar.

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  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von Anne Birkenhauer

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    wiebeke

    wiebeke

    05. September 2012 um 21:45

    Ein langer, vielschichtiger, sensibler, intimer Roman, lebendig, fesselnd und sprachlich wunderbar formuliert - inhaltlich schwer zu ertragen! Ein beachtenswerter Roman - der vom Leser viel Geduld erwartet!

  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von David Grossman

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    FrlZitrone

    FrlZitrone

    03. July 2012 um 21:32

    Ora hat Angst und läuft. Ihr Sohn ist im Westjordanland, hat sich freiwillig gemeldet, jetzt fürchtet sie, dass er gefallen sein könnte. Aber Ora will die Endgültigkeit, die das Erhalten der Nachricht bedeuten würde, hinauszögern. Also läuft sie, geht wandern mit einem alten Freund, der selbst zutiefst kriegstraumatisiert und verstört ist. Unterwegs efahren wir ihr Geschichte. Die Dreiecksbeziehung zwischen ihr, ihrem Ex-Mann und dem Freund wird erzählt, immer wieder werden die Schrecken des Krieges beschrieben und das allgegenwärtige Gefühl von Angst, das über einem ganzen Volk liegt, wird deutlich. Und solange Ora von ihrem Sohn spricht, sich an ihn erinnert, ihre Erinnerungen weitergibt, solange lebt er. Nie polemisch oder einseitig, ohne Schuldzuweisungen, sondern einfühlsam und zutiefst berührend erzählt Grossmann Oras Geschichte, die zugleich auch seine eigene ist - Grossmanns Sohn Uri starb 2006 im Libanon.

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  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von Anne Birkenhauer

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    07. August 2010 um 17:05

    Eigentlich war Ofers Militärdienst gerade zu Ende und er wollte gemeinsam mit Ora, seiner Mutter, eine Wanderung durch Galiläa machen. Eigentlich. Doch dann meldet er sich freiwillig für weitere 28 Tage zu einem Kriegseinsatz ins Westjordangebiet. Ora weiß was der Krieg und seine Folgen aus den Menschen machen kann. Sie ist entsetzt und denkt an das Schlimmste, das eintreten könnte. Aber ihre Gedanken gehen weiter. Was ist, wenn sie nicht daheim ist, wenn die Nachricht kommt? So überredet sie Avram, ihren alten Freund, Geliebten und Vater von Ofer, dazu, mit ihr gemeinsam zu wandern. Sie will über Ofer sprechen und Avram den Sohn näher bringen, den er so gar nicht kennt. Sie denkt, so lange sie über ihn spricht, muss er am Leben sein, eine gegenteilige Nachricht kann sie ja nicht erreichen. Avram ist ein gebrochener Mann, die Kriegsgefangenschaft hat ihn psychisch und physisch schwer zugesetzt. Aber diese Wanderung, die auch etwas von einer Pilgerreise hat, bringt die beiden einander wieder näher. Anfangs hört Avram nur zwangsläufig die Erzählungen Oras über ihr Leben mit Ofer, seinen Bruder Adam und ihrem Mann, Ilan, von dem sie inzwischen getrennt ist und der wiederum auch mit Avram befreundet war. Aber nach und nach wächst sein Interesse an der Unterhaltung. Er trägt seinen Teil dazu bei, erzählt von seinen schrecklichen Erlebnissen im Krieg und in der Gefangenschaft. So laufen sie fernab aller Nachrichten und ein wenig auch jenseits der Zeit. Mit diesem Buch, meinem ersten des Autors, legt David Grossman ein beeindruckendes Werk gegen den Krieg und für die Aussöhnung vor. Eindrucksvoll schildert er förmlich nebenbei den Alltag in Israel. Er berichtet vom schwierigen Leben der Palästinenser, von der ständigen Angst vor Terroranschlägen in der israelischen Bevölkerung und von den Ängsten, die Frauen und Mütter ausstehen, wenn ihre Männer und Söhne zu Kriegseinsätzen gehen und er widmet den Problemen der Palästinenser, die sich illegal in Israel aufhalten, einen kurzen Abschnitt. Aber er schildert eben auch die andere Seite. Er macht die Schrecken des Krieges am Beispiel von Avram und Ilan deutlich. Was die beiden erleben müssen, kommt dem Begriff Hölle schon recht nahe. Besonders imponiert mir jedoch, wie der Autor es schafft, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Protagonistin Ora, die ihr Leben lang zwischen den zwei Männern steht, hineinzuversetzen. Psychologisch feinfühlig beschreibt er ihre Gemütsverfassung, ihre Ängste und Hoffnungen. Die Wanderung zieht sich als roter Faden durch die Handlung, immer wieder wird sie durch Dialoge und Monologe unterbrochen. Aber ich fühlte mich ständig als stiller Begleiter und Zuhörer an der Seite von Ora und Avram. „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ ist ein äußerst intensiver und dichter Roman, der von Beginn an eine gewisse bedrückende Stimmung vermittelt, die jedoch immer wieder durch charmante Anekdoten aus der Vergangenheit unterbrochen wird. Trotzdem ist die alltäglich Bedrohung fast körperlich spürbar. Dabei urteilt oder verurteilt David Grossman nicht. Er ergreift nicht Partei. Er führt allerdings dem Leser die Sinnlosigkeit von Kriegen eindrucksvoll vor Augen, nachdrücklich, prägnant, greifbar. Auf der anderen Seite schreibt er über die Kraft der Liebe, einfühlsam, sensibel, mitfühlend. Er bedient sich eines ganz wunderbaren Sprachstils, der auch durch die Übersetzung nicht abgeschwächt wurde. Mein Fazit: „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ ist eines der Bücher, die mich bisher am meisten beeindruckten. Es hat mich in jeder Hinsicht überzeugt.

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  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von Anne Birkenhauer

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    *Arienette*

    *Arienette*

    07. July 2010 um 08:12

    Kurzbeschreibung Ora erzählt: von ihrer Liebe zu zwei Männern, von Wut und Zärtlichkeit, Verzweiflung und Leidenschaft und von ihrem Sohn Ofer, der sich freiwillig für einen Militäreinsatz im Westjordanland meldet. Seine Mutter hofft, das drohende Unglück zu bannen, indem sie ihrem Jugendfreund Avram, der im Sechstagekrieg selbst Soldat war, von Ofers Vorhaben berichtet. Und unerreichbar zu sein, falls das Schreckliche geschieht ... Autor und Friedensaktivist David Grossman spiegelt die großen Fragen in den kleinen Erlebnissen des Alltags. Er zeigt, wie in Israel das Schicksal der Menschen unauflöslich mit Politik verbunden ist. Ein mitreißendes, unvergessliches Buch und ein Protest gegen den Krieg.(amazon) Der Autor: Grossman studierte Philosophie und Theater an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Anschließend arbeitete er als Korrespondent und Moderator für Kol Israel, die öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalt des Landes. Zwischen 1970 und 1984 war er für eine populäre Kindersendung verantwortlich. Sein Jugendbuch Ein spätes Duell wurde hier zuerst als Hörspiel gesendet. Grossman ist als linksgerichteter Friedensaktivist hervorgetreten und hat sich in mehreren Büchern kritisch zum Nahostkonflikt geäußert. Im August 2006 forderte er gemeinsam mit Abraham B. Jehoshua und Amos Oz von Israels Regierungschef Ehud Olmert ein sofortiges Ende der Kämpfe im Libanon. Wenige Tage später, am 12. August 2006, starb Grossmans zweiter Sohn Uri im Südlibanon, als sein Panzer von einer Panzerabwehrrakete getroffen wurde. David Grossman lebt in Mevaseret Zion, einem Vorort Jerusalems. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder.(Quelle: wikipedia) Meine Meinung: Der Einstieg in den Roman empfand ich als ungewöhnlich: Es geht in Dialogform los, ohne dass man das Gesagte sofort Personen zuordnen kann. Ort des Geschehens ist ein Krankenhaus, wo man die zu dem Zeitpunkt 16-jährigen Protagonisten Ora, Ilan und Avram kennenlernt, die dort auf der Isolierstation liegen. Dann kommt ein Zeitsprung - Ora hat gerade ihren Sohn Ofer zu einem Einsatz gebracht, zu dem er sich freiwillig gemeldet hat. Ora kommt auf die aberwitzige Idee, vor der Nachricht, dass ihrem Sohn was zugestossen ist, zu fliehen. Sie holt ihren langjährigen Freund Avram ab und gemeinsam machen sie sich auf eine Wanderung. Während dieser Wanderung erzählt sie von ihrem Leben, den Söhnen - und auch von Avram erfährt der Leser nach und nach dessen Schicksal. Dabei fällt es Ora keineswegs immer leicht, zu erzählen, manches ist schmerzhaft. Zudem verändert sich im Laufe des Gehens das Verhalten Avrams -auch sehr interessant zu lesen - und gut geschrieben von Grossman. Wo man am Anfang noch nicht weiß, wieso Avram sich so verhält, wird es immer klarer, je weiter man liest. Während die Wanderung chronologisch verläuft, springen die Erzählungen über die Vergangenheit zeitlich hin und her. Der Roman lässt einen aufgewühlt, beeindruckt und nachdenklich zurück. David Grossman hat hiermit einen grossartigen Roman geschrieben, den ich nur empfehlen kann.

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  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von Anne Birkenhauer

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    sumsidie

    sumsidie

    28. June 2010 um 08:37

    Als sich Ilan, Ora und Avram während des 6-Tage Krieges in einer Nacht im Krankenhaus, alle sind fast noch Kinder, kennenlernen, spüren sie schon was das für eine außergewöhnliche Begegnung ist. Auch in den nächsten Lebensjahren wird sie jedoch durch den dauerhaften Kriegszustand Israels gezeichnet. Doch der Leser vollführt einen Zeitsprung von ca. 25 Jahren und nur langsam und in Fragmenten entblättert sich diese ungewöhnliche Geschichte der drei Personen während sich Ora erinnert. Und dieses Leben ist voll von Gefühlen, die jede Geste und jedes ungesprochene und gesprochene Wort durchlaufen, so dicht. Gleichzeitig gibt dieses Buch einen beklemmend einfühlsamenen Blick auf den Nahost Konflikt. Diese Mischung aus Familiengeschichte und dem darin so präsenten Krieg, nimmt einem als Leser die Luft, aber mann kann sich nicht entziehen. Ein wunderbar intensives Buch, das man so leicht nicht vergisst.

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  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von Anne Birkenhauer

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    Clari

    Clari

    11. June 2010 um 10:43

    Leben unter Dauerkriegsbedrohung: eine Geschichte von Verlust, Trauer und existenzieller Not! David Grossman hat in seiner Geschichte den Tod eines Helden verarbeitet. Der Roman gleicht fast einer Art Abgesang auf seinen Sohn Uri, der 2006 im Libanonkrieg getötet wurde. Visionär beschreibt er in seinem Roman den Tod des Sohnes von Ora, während sein eigener Sohn in einem Panzer von einer Rakete getroffen wurde. In einem fiebrigen Dialog auf einer Krankenstation erzählen sich Ora, Avram und Ilan von ihren Kriegserlebnissen, die sie im Sechs- Tage- Krieg in Israel erlebt haben. Wirr und unausgewogen sind ihre Stimmen, teils gleichen sie Halluzinationen, teilweise Erlebtem, Befürchtungen und Schrecknissen, Sehnsüchten und immer wieder zeigen sie die Angst. Nach einem Zeitsprung von zwanzig Jahren begleitet Ora ihren Sohn Ofer zu einer Sammelstelle für einen Freiwilligenkriegseinsatz. Der arabische Taxifahrer Sami, fast ein Freund der Familie, bringt sie dorthin. Auf der Fahrt wird allen bewusst, dass es gefährlich ist, eine Taxifahrt in diese Gegend mit einem arabischen Fahrer zu wagen. In einer der schönsten Passagen zeigt Ora mit unendlicher Empfindsamkeit, wie sehr sie bedauert, Sami zu dieser gefährlichen Fahrt aufgefordert zu haben. Nach und nach, Satzfetzen um Satzfetzen, kommen Erinnerungen und Einfälle hinzu, die zur Geschichte Oras ein wenig Aufklärung bringen. Sie hat einen Sohn von Ilan, und sie hat einen Sohn von Avram, den Gefährten jener fernen Nächte auf der Krankenstation. Was ist aus ihnen allen geworden? In einer tastenden, suchenden und atmosphärisch aufwühlenden Diktion nähert sich David Grossman seiner Geschichte: der Geschichte einer Frau, die vor einer Todesnachricht flieht. Ofer, ihr Zweitgeborener, hat sich noch einmal freiwillig zum Einsatz gemeldet, und Ora ist voller böser Vorahnungen. Sein Tod geistert als grauenvolle Nachricht durch ihr Bewusstsein. Sie meint, wenn sie nicht erreichbar sei, dann kann die mögliche Todesnachricht nicht wahr werden, und der Tod bleibt scheinbar ungeschehen. Voller Angst flieht sie mit dem verstörten und kriegsgeschädigten Avram auf eine Reise nach Galiläa, denn Ilan, ihr Mann, hat sie schon kurz nach der Geburt des ersten Sohnes Adam vor langer Zeit verlassen. Dorthin, nach Galiläa, wollte sie jetzt eigentlich mit Ofer unterwegs sein. Auf ihrer Wanderschaft beleben Ora und Avram in unendlichen Gesprächen die Erinnerungen an Ofer und ihr vergangenes Leben. Auf der Reise kommen sich Ora und Avram wieder nahe, denn Avram war bisher außerstande, seine eigenen Kriegserlebnisse, Folterungen und Gefangenschaft zu verwinden. Grossman hat das tägliche Leben Israels in seinem Roman atmosphärisch hoch sensibel eingefangen. Bedrohlich und unfassbar ist die permanente Todesnähe, und beängstigt fühlt man sich eingebunden in den unentwirrbaren und unheimlichen Alltag des Terrors und der Gefahren. Die Teilnahme von Freiwilligen und Wehrpflichtigen an plötzlichen Einsätzen ist an der Tagesordnung, und jede Familie bangt um das Leben ihrer Söhne, Väter und Ehemänner. Grossman bringt uns die Zerrissenheit des Landes nahe, die Familien entzweit, Völker demoliert und in dem sich Menschen auf allen Seiten von unheilbaren seelischen Wunden geschlagen sehen. Wer in Israel lebt, sieht sich dauerhaft unter dem Brennglas der Vergänglichkeit. David Grossman zeigt uns die Ohnmacht, das Ausgeliefertsein und die Schicksalskraft, mit der Dinge passieren, die man einfach nicht ertragen kann. Der Roman bietet ein anrührendes, unwiederbringliches und ergreifendes Zeugnis tragischer Ausweglosigkeit und fast biblischer Botschaften. David Grossmans sprachliche Symbolkraft ist von phänomenaler und einfühlsamer Feinheit im Ausdruck. Ein Meisterwerk ganz großer Erzählkunst ist dem hoch angesehenen israelischen Dichter David Grossman hier gelungen.

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  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von Anne Birkenhauer

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    25. March 2010 um 13:14

    Ein sehr berührendes Buch, sprachlich brilliant und dabei nicht einseitig Partei ergreifend. Eines der besten Bücher des Jahres 2009.

  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von Anne Birkenhauer

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    Daywalker

    Daywalker

    06. January 2010 um 22:58

    Inhalt: “Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ handelt von einer israelischen Frau namens Ora, deren jüngster Sohn sich freiwillig zu einem Kriegseinsatz gemeldet hat, nachdem er erst kürzlich aus der Armee entlassen wurde. Dabei haben Mutter und Sohn eigentlich geplant nach Galiläa zu reisen, um dort wandern zu gehen. Daraus wird jetzt leider nichts. Deshalb bricht sie nun, gemeinsam mit Avram, einem der beiden Männer, zwischen denen sie steht und die sie beide liebt, auf, um die Nachricht vom Tod ihres Sohnes, falls dieser im Krieg sterben sollte, nicht empfangen zu müssen. Dabei glaubt sie, indem sie von ihm redet und an ihn denkt, Ofer am Leben zu erhalten. Also fängt sie an zu erzählen… Meine Meinung: Dieses Buch hat mich sehr ergriffen. Man kann sich nicht zuletzt dank des einzigartigen Schreibstils Grossmans unglaublich gut in die einzelnen Figuren hineinversetzen und fühlt bzw. leidet, vor allem mit Ora, sehr stark mit. Dadurch kann man zumindest erahnen, wie sehr der ständige Krieg und die Konflikte in Israel, die Familien in diesem Land belasten und auseinanderreissen. Gleichzeitig lernt man noch so einiges über das Land selber und dessen Geschichte. Ganz klar im Vordergrund steht allerdings Oras persönliche Geschichte, die von vielen Hochs und Tiefs geprägt ist und einen bis zum Schluss mitreisst. Da die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird, ist mitdenken allerdings Pflicht. Ohnehin ist das Buch nicht zum Nebenbei-Lesen geeignet. Für diesen wundervollen Roman sollte man sich Zeit nehmen, um ihn wirklich in allen Zügen zu geniessen. Fazit: Ein wundervolles Werk! Mitreissend, bedrückend und unglaublich ergreifend. Meiner Meinung nach eines der besten Bücher des letzten Jahres.

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  • Rezension zu "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" von Anne Birkenhauer

    Eine Frau flieht vor einer Nachricht
    lokoschade

    lokoschade

    14. October 2009 um 13:00

    Ein sehr eindringliches Buch. Oras Sohn Ofer ist im Krieg. Er dient in der israelischen Armee. Eigentlich hatte er seinen Dienst dort beendet und Ora hatte für sie beide einen Ausflug nach Galiläa geplant, als Geschenk zu seiner Entlassung. Doch nach hitzigen Debatten muss sie entsetzt feststellen, dass er aus eigenem Antrieb die Armee überredet hat ihn als Freiwilligen für weitere 28 Tage einzuziehen. Schon die Fahrt zum Sammelpunkt der Soldaten (mit ihrem arabischen Fahrer) wird zu einer Herausforderung und sie kann sich nicht verzeihen dass sie Ofer zum Krieg gebracht hat. "Was habe ich getan. Ich habe Ofer zum Krieg gebracht. Und wenn ihm was passiert? Und wenn ich ihn heute zum letzten Mal berührt habe? Ich habe ihn dort hin gebracht. Ich habe ihn nicht aufgehalten. Ich habe ihn dort zurückgelassen. Ich habe ihn denen überlassen. Mit eigenen Händen. Ich selbst!" Sie wird diese Wanderung machen. Sie wird all ihre Kraft dafür einsetzen um ihr Kind zu retten. Denn, davon ist sie überzeugt, wenn sie nicht zuhause ist, kann sie auch keine schreckliche Nachricht erhalten. Nur so meint sie ihn schützen zu können. Mit auf diese Wanderung nimmt sie Avram, einen langjährigen Freund. Er soll sie dabei unterstützen indem sie ständig über Ofer reden und einfach immer in Bewegung bleiben. "Sie ging schnell, spürte nicht das Gewicht des Rucksacks, vergaß auch Avram immer wieder, der sie rufen musste, sie solle langsamer gehen, auf ihn warten, aber es fiel ihr schwer, seine Langsamkeit war unerträglich. Den ganzen Morgen war sie nicht bereit, auch nur einmal anzuhalten, und wenn er protestierte und sich mitten auf den Weg oder unter einen Baum legte, lief sie trotzdem weiter und zog Kreise um ihn, um sich im dauernden Laufen, unter der heißen Sonne immer mehr zu betäuben, auch trank sie absichtlich nichts." In fast minutiösen Rückblenden erfährt man sehr viel über das Leben der Familie und über Avram. Wie tief verletzt diese Menschen sind. Dieses Buch läßt mich tief erschüttert zurück und ich hatte manchmal das Gefühl an einer nicht enden wollenden Therapiestitzung teilzunehmen, was schlußendlich dazu führte dass ich insgesamt sehr nervös und unruhig wurde. Der o.g. Rezensentin aus der FAZ kann ich mich nicht anschließen. Ich wollte dass das Buch aufhört, ich habe immer schneller gelesen. Der Grund ist einfach der, ich konnte es kaum noch ertragen. Ein aufwühlendes Buch das viel Mitgefühl und Verständnis erfordert und für mich ganz eindeutig ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den Krieg. Sprachlich auf ganz hohem Niveau. (dk)

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