David Grossman Kommt ein Pferd in die Bar

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Inhaltsangabe zu „Kommt ein Pferd in die Bar“ von David Grossman

In seinem hochgelobten Roman ›Kommt ein Pferd in die Bar‹ zündet der preisgekrönte israelische Autor David Grossman ein sprachliches Feuerwerk, das an die Substanz geht. An einem heißen Augustabend stolpert der Comedian Dovele auf die Bühne einer Kleinstadt, reißt billige Witze, beleidigt, frotzelt und erzählt dann die irrsinnig komische Geschichte über die erste Beerdigung seines Lebens – damals, als man ihm während der stundenlangen Fahrt zum Friedhof nicht sagte, wer von seinen Eltern gestorben war. Den Zuschauern vergeht das Lachen, der Abend gerät zur Generalabrechnung – mit Dovele selbst, dem Publikum, einer zutiefst beschädigten Gesellschaft. Bis der Vorhang fällt.

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  • Rezension zu "Kommt ein Pferd in die Bar"

    Kommt ein Pferd in die Bar
    lisibooks

    lisibooks

    06. December 2016 um 14:59

    Humor ist für Dovele alles. Sein ganzes Leben lang bedeutete Humor für ihn, mit dem Schicksal klarzukommen und sich irgendwie durchzuschlagen. Mit Mitte 50 steht er einsam auf der Bühne, sein Publikum vor sich, nutzt seinen Abend als Therapie, bereit, mit sich selbst abzurechnen. Für seinen letzten Auftritt hat Dovele einen alten Bekannten eingeladen, einen pensionierten Richter. Dieser hat die Aufgabe, gnadenlos über Dovele zu urteilen, welcher sich seiner selbst hingibt und auf der Bühne sein ganzes Leben Revue passieren lässt – in einer einzig(ab)artigen Art und Weise… „Kommt ein Pferd in die Bar“ ist mein erster Roman des bewährten Autors David Grossman gewesen. Der außergewöhnliche Titel in Verbindung mit dem in meinen Augen gelungensten Coverbild seit langer Zeit, hat mich sofort neugierig gemacht. Um genau zu sein konnte ich mich anfangs kaum zum Lesen bewegen, da mich das Titelbild so in seinen Bann gezogen hat :-) Die Geschichte aber nicht minder anziehend. Es ist wieder einer der Romane, wo ich sagen muss, dass ich etwas Vergleichbares noch nicht gelesen habe. Das Buch wird aus der Sicht des eingeladenen Richters erzählt, doch Dovele ist einziger Gegenstand der Erzählung. Der Richter sitzt im Publikum und erlebt Doveles Auftritt. Durch Grossmans intensiven Schreibstil ist man als Leser auch mitten im Geschehen. Die ganze Zeit über fühlte ich mich wie einer der Zuhörer, habe genau wie sie gebannt Doveles Geschichte gelauscht. Die hat es in sich, erlebte er als Kind in Israel, einem Land in dem Krieg zum normalen Leben gehört, zudem auch noch innerhalb seiner Familie schwere Zeiten. Dass der Roman durch die harte Kost ins Sentimentale oder Kitschige rutscht, verhindert der Autor durch die Gestaltung seiner Hauptfigur Dovele. Ich persönlich habe keinerlei Sympathien für ihn gehegt und habe ihn auch nicht bedauert. Vielmehr wechselten sich Fremdschämen, Abscheu, Mitleid und Faszination. Einen solchen Buchcharakter hatte ich bisher noch nicht kennengelernt. Der Roman ist alles andere als ein Unterhaltungsroman. Eigentlich inhaltlich sogar nichts, was man gern liest und zwischenzeitlich kaum zu ertragen, wenn man sieht, wie Dovele einsam auf der Bühne steht und sich mehr oder minder geißelt. Ich musste mich teils überwinden weiterzulesen, einfach, weil ich wusste, dass mich nichts Schönes erwartet. Ich kann mir gut vorstellen, dass „Kommt ein Pferd in die Bar“ polarisert und es einigen Lesern so gehen wird, wie den Zuschauern im Publikum, die Doveles Show frühzeitig verlassen…Dennoch finde ich persönlich den Roman großartig und absolut lesenswert. Große Literatur!  Vor allem die Grundidee und Grossmans Schreibstil tragen dazu bei, dass er mir noch länger in Erinnerung bleiben wird.

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  • Buchverlosung zu "Realitätsgewitter" von Julia Zange

    Realitätsgewitter
    aufbauverlag

    aufbauverlag

    Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst. -> Jetzt reinlesen: http://bit.ly/leseprobe-realitaetsgewitterÜber Julia ZangeJulia Zange, geboren 1987, lebt und arbeitet seit 2006 in Berlin. 2005 gewann sie den Literaturwettbewerb Open-Mike, 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman mit dem Titel Die Anstalt der besseren Mädchen. Sie ist Teil der Web-Serie Translantics. Sie arbeitet als Redakteurin bei L’Officiel und schreibt regelmäßig für Zeit Online und Fräulein. In Philip Grönings Film Mein Bruder Robert, der 2017 Kino-Premiere feiert, hat sie als Hauptdarstellerin debütiert. Außerdem organisiert sie regelmäßig die Veranstaltungsreihe Dead Poets Society im Soho House Berlin.Jetzt bewerben!Bewerbt euch im Unterthema "Bewerbung/Ich möchte mitlesen", indem ihr folgende Frage beantwortet: Welches Buch habt ihr zuletzt gelesen und wie hat es euch gefallen?Viele Grüßeeuer Team vom Aufbau Verlag* Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Buchverlosung schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben.** Bitte beachtet, dass es sich hier um eine Buchverlosung handelt und nicht um eine Leserunde. Ihr könnt natürlich trotzdem gerne hier über das Buch diskutieren, aber eine Moderation wird es nicht geben.

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    • 323
  • Wenn der Comedian alleine lacht...

    Kommt ein Pferd in die Bar
    bigpanda

    bigpanda

    19. September 2016 um 01:08

    Ein ergreifendes Buch. Auch wenn der Anfang etwas dahin plätschert, entwickelt es plötzlich eine Sogwirkung. Man begleitet als Leser den Stand-up Comedian bei einem seiner Auftritte in einer kleinen israelischen Stadt und schnell wird klar, es wird wohl sein letzter sein. Man folgt seinem Monolog und seinen mäßigen Witzen bis man auf einmal als Leser feststellt, dass das Buch aus der Ich-Erzähler-Perspektive eines Mannes im Publikum geschrieben ist und es öffnen sich ganz andere Ebenen. Immer mehr traut man dem zynischen Darsteller auf der Bühne alles zu und fragt sich welches Ereignis in der Vergangenheit die beiden verbindet. Was hat er an seinem letzten Abend vor? Er erzählt seine Lebensgeschichte und statt Lacher erntet er immer mehr Zorn und Tränen aus dem schwindenden Publikum. Das eigene Mitgefühl wächst. Es war das erste Buch, das ich von David Grossman gelesen habe und macht mich neugierig auf seine anderen Bücher. Es ist sehr lebensnah erzählt und entwickelt eine völlig eigene Dynamik. Es war ein Geschenk und ich habe es auf einer 7 Stündigen Zugfahrt am Stück gelesen.  Der erste, äußere Eindruck täuscht ein bisschen, es ist keine flauschig, lustige Lektüre aus dem Comedy Bereich, sondern es ist eine tragische Geschichte über das Leben eines israelischen Comedian. Ein privates Schicksal wird in gesellschaftlichen Bedingungen verortet und indirekt werden diese hinterfragt. Es zeigt die Spuren der Geschichte im ganz Privaten ohne eine schulmeisterliche Belehrung.

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  • Doveles letzter Auftritt

    Kommt ein Pferd in die Bar
    sofie

    sofie

    14. July 2016 um 18:30

    In „Kommt ein Pferd in die Bar“ wird der Leser zum Zuhörer eines Stand-Up Comedy Abends. Der gesamte Roman umfasst einen Abend, an dem der Comedian Dovele seinen letzten Auftritt hat. Der Erzähler ist ein Jugendfreund von Dovele, der ihn seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Man sollte aber kein lustiges Buch erwarten, auch wenn jede Menge Witze erzählt werden. Denn zwischen den Sketchen und Scherzen erzähl Dovele eine tragische Geschichte aus seiner Jugend. Und genau wie für das fiktive Publikum im Saal ist diese Geschichte auch für den realen Leser vor dem Buch manchmal schwer zu ertragen. Der ganze Auftritt ist manchmal fast schmerzhaft. Und so wie das Publikum immer kleiner wird, weil viele gehen, so ist vermutlich auch dieses Buch nicht für jedermann. Ich bin bis zum Schluss geblieben und finde, es hat sich gelohnt. Die Geschichte zieht einen irgendwann in ihren Bann, man möchte wissen, wie dieser Mensch auf der Bühne so geworden ist. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass mir der kulturelle Hintergrund fehlt, um dieses Buch wirklich zu verstehen. Der Humor ist manchmal nicht ganz verständlich oder es bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Manchmal hätte ich mir einen Glossar gewünscht, um bestimmte Dinge einfach besser zu verstehen. Trotzdem gefiel mir der Stil, die Geschichte hat mich fasziniert und das Durchhalten hat sich gelohnt. Von mir 4 von 5 Sternen.  

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Grossmann

    Kommt ein Pferd in die Bar
    schokoloko29

    schokoloko29

    14. June 2016 um 14:19

    Nach ca 100 Seiten hart erarbeitete Seiten habe ich das Buch aufgegeben. Ich fand es anstrengend zu lesen, nicht lustig und einfach nur nervig. Ich merke einfach, dass ich kein Comedy- Typ bin und ich zu dem Publikum im Buch gehöre, welches rausgeht als das anzusehen.

  • Kommt ein Pferd in die Bar

    Kommt ein Pferd in die Bar
    AgnesM

    AgnesM

    Der Stand-up Comedian Dovele Grinstein steht auf der Bühne und versucht sein Publikum in Netanja, einer israelischen Stadt, zu unterhalten. Im Publikum sitzt sein alter Jugendfreund, der nach dem Auftritt ein Feedback zu der Show, vor allem aber zu Doveles Wirkung auf die Menschen, abgeben soll und aus dessen Sicht dem Leser das Geschehen erzählt wird. Der Abend beginnt harmlos. Dovele reißt seine Witze und das Publikum lacht, doch nach kurzer Zeit schlägt die Stimmung um. Der Comedian lässt seine Hüllen fallen und gewährt dem Publikum einen Einblick in seine Kindheit, sein Leben, sein derzeitiges Dasein und seine geschundene Seele. Selbst der Jugendfreund, ein ehemaliger Richter, ist verunsichert und weiß die Situation nicht mehr richtig einzuschätzen. Doch traut er sich nicht den Saal zu verlassen, wie es einige Zuschauer getan haben, die die Show nicht mehr ertragen konnten. Andere hingegen sind auf eine merkwürdige Art und Weise fasziniert von dem ungewöhnlichen Treiben auf der Bühne und wollen Doveles konfuse, deprimierende und quälende Geschichte hören. Ich bin relativ zwiegespalten was den Roman betrifft. Die Sprache und der gewählte Schreibstil des Autors sind besonders, aber teilweise auch anstrengend zu lesen. Womöglich auch extra so gewählt, damit der Leser die Anstrengung des Hauptprotagonisten spürt und sich, wie das Publikum, durch die Vorstellung quält. Ich habe mich gequält, zwischendurch überlegt, ob ich das Buch nicht lieber zur Seite legen soll und habe mich leider in keinster Weise gut unterhalten gefühlt. Die Dialoge haben mich nicht sonderlich gefesselt, den Charakter des Dovele empfand ich als beschwerlich und die Geschichte an sich als ermüdend. Der Autor versucht das Innenleben eines Außenseiters, eines depressiven und neurotischen Mannes nach außen zu kehren, was ihm meiner Ansicht nach nur bedingt gelungen ist, denn hierfür hätte mich Dovele und sein Leben mehr beeindrucken, mehr aufwühlen müssen.

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    • 2
  • Die letzte Aufführung - eine Abrechnung mit dem Leben

    Kommt ein Pferd in die Bar
    vielleser18

    vielleser18

    Was sind es für Einflüsse, die einen so werden lassen, wie man ist ? Was prägt einen ? Welche Weichenstellung hat dafür gesorgt, dass man diesen oder jenen Weg im Leben beschreitet ? Eine Bühne in Netanja. Ein Stand-up-Comedian, der die Zuschauer für einen Abend unterhalten will. Aber es ist kein gewöhnlicher Abend. Es ist der 57. Geburtstag des Komikers und es soll sein letzter Auftritt werden. Dazu hat er den pensionierten Anwalt Avischai Lasar eingeladen, einen Jugendfreund, doch sie haben sich jahrzehntelang nicht mehr gesehen. Widerwillig erscheint dieser an diesem Abend, er hört sich den Auftritt an, anfangs noch kritisch bis abwehrend, doch je länger die Ein-Mann-Show dauert, je mehr Zuschauer den Raum verlassen, desto mehr wird Lasar von Dovele Grintsteins Geschichte hinter dem ganzen Klamauk gepackt. Ist es doch auch ein Teil seiner Geschichte - und eine Frage auch seiner Schuld. Der Roman wird aus Sicht des Ich-Erzählers Lasar geschildert, er gibt den Auftritt wieder, die Witze, die Anstrengungen, die Grintstein unternimmt um das Publikum zu unterhalten. Anfangs derb, auf Kosten von anderen, kann er zwar nicht mich fesseln, aber das Publikum. Es spiegelt die Zeit wieder, in der Unterhaltung auf Kosten anderer, derbe Lachnummern und m.E. auch niveaulose Zur-Schau-Stellung mehr ankommt als der Mensch, der hinter allem steckt. Denn je mehr Dovele den Zuschauern Einblick auch hinter die (aufgesetzte) Fassade gibt, desto mehr Unruhe, Unwille und Unverständnis ruft er beim Publikum hervor. Nur ein paar, darunter sein Jugendfreund und eine zufällig im Publikum sitzende kleinwüchsige Frau, eine frühere Nachbarin von Dovele in der Kindheit, und eine paar andere Zuschauern halten durch und lernen die tragische Geschichte von Dovele kennen - und warum er so geworden ist, wie er ist. Ein Witzfigur, ein unglücklicher Mann, der keine Beziehung auf Dauer halten konnte. Ich musste mich durchkämpfen durch dieses Buch. Es ist keine einfache Lektüre - weder im Sinne der Sprache, noch im Sinne der Geschichte, die hinter der Geschichte steckt. Es ist aber trotz allem ein Buch, das einem zum Nachdenken bringt und zeigt, dass hinter jedem Menschen auch eine Vergangenheit steckt und dass manche - vielleicht unbedachte, vielleicht ungewollte - Taten und Worte (auch/oder gerade die, die nicht gesagt oder getan worden sind) Auswirkungen auf ein ganzes Leben haben können. Fazit: Keine einfache Lektüre, keine "schöne" Geschichte, eine, die einen zum Nachdenken bringt, die mir aber schwer gefallen ist zu lesen.

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    • 10
  • Großartig

    Kommt ein Pferd in die Bar
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    14. May 2016 um 19:31

    Ein Mann steht auf der Bühne eines kleinen Theaters in der israelischen Stadt Netanja, klein, nicht sehr attraktiv, ziemlich abgehalftert, der Stand-Up Comedian Dov Grinstein.Der Leser sitzt zusammen mit dem Publikum im Saal, neben dem Richter Avichai Lasar, der einst als Junge mit Dovele befreundet war, nun auf dessen dringliche Bitten – Komm, sieh zu und sag mir, was du siehst – und eher zögernd zu dieser Veranstaltung gekommen ist. Er hat seinen einstigen Freund seit einer Jugendfreizeit nicht mehr gesehen, ihn zuerst auch gar nicht mehr erkannt. Hier im Theater wird er, und mit ihm der Leser, Zuschauer einer merkwürdigen Vorstellung. Zunächst läuft alles noch recht normal ab, Witze unterschiedlicher Qualität, ein wenig Klamauk, ein paar anzügliche Bemerkungen ins Publikum, durchaus auch Kritisches bis Zynisches über Politik und Leben in Israel. Doch recht bald merkt man, dass sich der Abend in eine andere Richtung entwickeln wird. Zunehmend aggressiv, besonders auch gegen sich selbst. Bitter bis geschmacklos („Ins Ausland fuhr man bei uns nur zu Vernichtungszwecken.“) Anders als die nach Vergnügen, leichter Unterhaltung und Zerstreuung suchenden Zuschauer erwarten. Viel persönlicher, denn Dovele beginnt, zunächst eher unbemerkt, dann zunehmend dringlicher, von sich, von seiner Kindheit und Jugend als ewiger, verhöhnter und getriezter Außenseiter und seiner gemeinsamen Vergangenheit mit dem Richter zu erzählen.Als säße man mitten unter den Gästen, empfindet man abwechselnd Amüsement, Peinlichkeit, Unruhe, Mitleid und Ärger über den kleinen Mann auf der Bühne. Einige Zuschauer protestieren lautstark, wollen die Veranstaltung verlassen. Und auch als Leser hat man das ein oder andere Mal den Impuls, das Buch beiseite zu legen, zuckt zumindest das ein oder andere Mal zusammen. Was für ein Spiel spielt Dovele? Aber David Grossman und mit ihm sein Protagonist schaffen es beinahe unbemerkt, zunehmend zu fesseln, für den Mann und das, was er erzählt zu interessieren, Anteil zu nehmen.Als die Situation im Theater zu eskalieren droht, einige randalierende Zuschauer lautstark protestieren, möchte man am liebsten selbst aufspringen und ihnen wie der Richter zurufen: „Jetzt lasst ihn doch mal seine Geschichte erzählen.“Am Ende sind es nur Wenige, die geblieben sind und sich Alles bis zum Ende angehört haben. Es ist die Geschichte eines Kindes, das in schwierigen Verhältnissen groß geworden ist. Die Mutter immer noch traumatisiert von ihren Erlebnissen während der Shoah, selbstmordgefährdet und labil. „Und sie lief immer mit gesenktem Kopf, das Kopftuch tief ins Gesicht gezogen, damit bloß keiner sie sah, und huschte immer schnell an den Zäunen entlang, damit ja niemand Gott verraten konnte, dass sie noch am Leben war.“ An ihr schulte sich der kleine Dovele, versuchte sie verzweifelt zum Lächeln zu bringen. Versuchte auch durch Lachen den Drangsalierungen durch seine Altersgenossen zu entkommen. Überlebenstechnik. Der Vater liebt seine Frau und seinen Sohn, prügelt aber auch erbarmungslos auf ihn ein. Überfordert durch Sorge um Frau und Kind. Während des oben erwähnten Aufenthalts im Jugendlager wird Dov plötzlich gerufen, zu einer Beerdigung gefahren. Wer ist gestorben, man sagt es ihm nicht, doch das Wort Waise fällt. Die Fahrt wird für den Jungen zu einer Hölle. Kann er durch seine Gedanken das bereits Geschehene beeinflussen? Er glaubt daran, fühlt sich verantwortlich. Wessen Tod ist für ihn unerträglicher? Für ihn heute eine Art „Selektion“. Diese gefühlte Schuld verfolgt ihn bis heute.Der Fahrer des Kindes versucht ihn durch das Erzählen von Witzen abzulenken. Das Kind während der Fahrt genauso Geisel dieser Comedy wie nun die Zuschauer in dem kleinen Theater. Er wird sich von diesem Erlebnis nie ganz erholen. Sein Leben wird dadurch geprägt, seine Berufswahl. Gesprochen wurde darüber nie.Nun, wir ahnen es, am Ende seines Lebens will er noch einmal davon erzählen. Er will vom Richter ein Urteil, über sein damaliges Verhalten, über sein Leben.David Grossman hat ein großartiges Buchgeschrieben. Nicht nur der originelle Erzählansatz – es ist der Auftritt Doveles, gesehen vom Richter und mit kurzen Rückblicken –, sondern vor allem die Einbeziehung des Lesers, der mit all den wechselnden Gefühlen im Publikum sitzt und zum Ende eine tief berührende Geschichte gehört haben wird, überzeugen. Er balanciert ständig auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Grauen, Mitleid und Abscheu. Ein Absturz ist jederzeit möglich. Ein wirklich tolles Buch, das nebenbei auch all die ungelösten Probleme Israels zur Sprache bringt und somit hochpolitisch ist.

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  • Das war’s dann, Caesarea …

    Kommt ein Pferd in die Bar
    Sikal

    Sikal

    Gleich vorweg mein Fazit: Für mich war es das erste Buch von David Grossmann und ich war zugleich fasziniert, geschockt und berührt. Dovele Grinstein verbringt seinen Geburtstag auf einer Bühne in der israelischen Stadt Netanja. Als Stand-up-Comedian schüttelt er Witze und humorvolle Settings aus dem Ärmel, dies hat er bereits seit frühester Kindheit eingeübt, um seine Mutter lächeln zu sehen. Und trotzdem zeichnet sich ab, dass dieser Abend anders wird. Im Publikum sitzen auch ein von Dovele eingeladener Richter und Jugendfreund sowie eine kleinwüchsige Frau, die ihn von früher kennt. Während sich Dovele immer weiter von seinem Programm entfernt und sein tiefstes Inneres offenbart, ist sein Publikum ebenso hin- und hergerissen zwischen Faszination und Schockerlebnis wie es mir während des Lesens ergangen ist. Meist ist die offensichtliche Wut Doveles nur in seinen Worten greifbar, doch einige Mal richtet er seine Fäuste gegen sich selbst. Verwundet sich nicht nur mit Schlägen, sondern mit Erinnerungen, Offenbarungen und offensichtlich ertragenem Leid. Schwer auszuhalten für das Publikum im Saal, die nacheinander den Raum verlassen, bis ein kleines Grüppchen übrigbleibt, das sich dieser außergewöhnlichen Vorstellung stellt. Tiefsinnig und aufrüttelnd führt uns hier David Grossmann in eine schwierige Zeit unserer Vergangenheit, die bis heute hineinwirkt. Zeigt die Schwierigkeiten, den Holocaust zwar überlebt zu haben, doch von einem Leben weit entfernt zu sein. Die Verletzungen Doveles machen traurig, sein Zynismus berührt zutiefst. Letztendlich versteht man sein Agieren sowie seine Verbitterung und Provokation. Nichts für empfindsame Gemüter, für alle anderen lesenswert.

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    • 2
  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • David Grossman - Kommt ein Pferd in die Bar

    Kommt ein Pferd in die Bar
    *Arienette*

    *Arienette*

    31. March 2016 um 18:42

    „Einen wun-der-ba-ren Guten Abend, Gu-uten A-abend Caesaree-aa, hier in diesem herrr-lichen Musentempel.“ So beginnt der ungewöhnlich geschriebene Roman von David Grossman.Mit diesen Worten begrüßt der Stand-up-Comedian Dovik Grinstein, genannt Dovele, sein Publikum, welches einen lustigen, kurzweiligen Abend erwartet. Mit ihm Publikum sitzt die ehemalige Nachbarin Doveles und der eigens von Dovele eingeladene ehemalige Richter Avishai Lazar. Dovele möchte von ihm nach seinem Auftritt ein abschließendes Urteil hören.Anfangs enttäuscht Dovele sein Publikum auch nicht, er reißt Witze und Zoten. Für eine gute Pointe gibt er alles. Doch sein Auftritt ufert aus, er beschimpft sein Publikum, schont es nicht, ist vulgär und boshaft. Dann erzählt er wieder einen Witz zur Auflockerung. Er selbst tobt über die Bühne. Das Publikum weiß nicht, ob es lachen oder weinen soll und verliert die Geduld mit dem Comedian. Einige verlassen ihre Sitze. Dovele wird aus dem Konzept gebracht, als die Nachbarin den Satz "Du warst doch ein guter Junge" ausspricht. Er erinnert sich an seine schmerzhafte Kindheit und an seine Schuldgefühle, lässt seine Wut über Ungerechtigkeiten und seine Trauer über erlittene Verluste heraus.Von einem zynischen Comedian wandelt er sich zu einem verletzlichen Menschen. Als Leser erlebt man Dovele's Auftritt aus der Sicht von Avishai Lazar, nimmt am Auftritt genauso teil, als wenn man selbst zum Publikum gehören würde. Es hat mich sehr beeindruckt, wie David Grossman es schafft, die widersprüchlichen Gefühle auf wortgewandte Weise auch auf den Leser zu transportieren, zu übertragen. Das Lesen war ein wenig wie eine Tour de Force; nicht immer einfach, manchmal abstossend und nervig - aber immer faszinierend. Hier noch ein interessanter link. Im link heißt es: "Und es bündelt im kurzen Erzählzeitraum einer abendlichen Comedy-Show in der Provinz so knapp wie bezwingend alle Hauptthemen des Autors Grossman – das traumatisierte Familienleben von Shoah-Überlebenden und deren Kindern in Israel, in einer durchmilitarisierten Gesellschaft im dauernden Kriegszustand, der alle Gefühle von Liebe, Freundschaft und Vertrauen beschädigt, verzerrt und entstellt." (ZItat)

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  • David Grossman - Kommt ein Pferd in die Bar

    Kommt ein Pferd in die Bar
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    31. March 2016 um 14:25

    Es ist sein letzter Auftritt als Komiker. In einer israelischen Kleinstadt, Netanja, steht Dovele auf der Bühne, um das Publikum zu unterhalten. Doch was als lustiger und entspannender Abend gedacht ist, wandelt sich zur Farce und alles wird dokumentiert durch Doveles Jugendfreund, den er gebeten hatte, sich die Show anzusehen und der nun zwischen Faszination und Schauern das Geschehen auf der Bühne und im Saal beobachtet, kommentiert und dokumentiert.Das Buch ist in jeder Hinsicht eine schwere Kost. Der Erzählstil ist diskontinuierlich. Wir haben den Komiker auf der Bühne, der seine Show abzieht und letztlich seine Lebensgeschichte erzählt, immer wieder unterbrochen von typisch jüdischen Witzen. Dazu den Erzähler, der als Figur das Geschehen beobachtet, eigene Erinnerungen an die Kindheit und Jugend hat, diese parallel Revue passieren lässt und zugleich beobachtet und kommentiert. Diese unterschiedlichen Erzählebenen machen es manchmal schwer dem Roman zu folgen, weil man nie bei einer Sache bleibt. Menschlich tragisch – fern ab der intendierten Komik des Unterhalters, das ganze Leben in einen einzigen Abend gepackt und so wie es die Zuschauer nicht hat mehr ertragen, wird es manchmal auch für den Leser zu viel. Doch wir können das Buch beiseitelegen und die Lektüre wiederaufnehmen. Erzählerisch überzeugend.

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  • Ein gut geschriebener Roman, den ich nicht gerne gelesen habe!

    Kommt ein Pferd in die Bar
    Insider2199

    Insider2199

    26. March 2016 um 22:27

    Ein gut geschriebener Roman, den ich nicht gerne gelesen habe! Der 1954 in Jerusalem geborene Autor gehört zu den bedeutendsten israelischen Schriftstellern. Seine Werke sind mehrfach übersetzt, und er wurde mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt, u.a. 2008 den Geschwister-Scholl-Preis und 2010 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Zum Inhalt: Es ist der 57. Geburtstag des Stand-up Comedian Dovele Grinstein, und er steht auf der Bühne in Netanja, einer israelischen Stadt an der Mittelmeerküste zwischen Tel Aviv und Chadera. Er hatte dazu seinen alten Jugendfreund Avischai Lasar, einen pensionierten Richter, eingeladen, aus dessen Perspektive der Leser dem Auftritt beiwohnt: Was als lustiger Abend beginnt, verwandelt sich in Doveles Abrechnung mit dem Leben und dem Publikum ist das Lachen vergangen ... Meine Meinung: Also gleich vorweg will ich festhalten: sprachlich und handwerklich gibt es an diesem Roman absolut nichts zu meckern. Der Autor weiß, was er tut, und er schafft es meisterlich, dem Leser das Gefühl zu geben als sitze er mitten im Publikum bzw. mit am Tisch von Avischai Lasar. Wir teilen die Empfindungen der Zuschauer: wir fühlen uns zum Teil unwohl oder auch verärgert, wollen wie manch einer aufstehen und gehen oder bleiben sitzen wie einige wenige, die fasziniert den Schmerz eines Mannes beobachten und insgeheim froh sind, dass es ihnen besser ergeht. Ich könnte mir vorstellen, dass genau das die Intention des Autors war: er wollte den Leser gefühlsmäßig ins Publikum verfrachten. Mission acomplished! Leider heißt das aber auch, dass man sich beim Lesen nicht wohlfühlt, sich nicht unterhalten fühlt – ich konnte z.B. kaum über die Witze von Dovele lachen, obwohl wahrscheinlich auch das vom Autor so gewollt war. Es war mehr ein Sich-durchquälen bis zum bitteren Schluss, da ich persönlich ja schon neugierig darauf war, auf was der Auftritt hinauslaufen würde, v.a. weil ja auch Avischai vom Freund um ein (richterliches) Urteil gebeten wurde. Ob sich das Durchhalten bis zum Ende lohnt, muss wohl jeder für sich entscheiden. Fazit: Ein handwerklich und sprachlich gut geschriebener Roman, den ich leider nicht gerne gelesen habe. Ich finde es ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein guter Roman bis zu einem gewissen Grade auch unterhalten sollte: denn fühlt man sich als Leser unwohl oder möchte am liebsten das Weite suchen, dann geht viel Lesefreude verloren. Schade, daher von mir leider nur 3 Sterne; ich hätte gerne 4 vergeben, aber dann würde der Vergleich zu meinen anderen 4-Stern-Bewertungen nicht mehr stimmen. Den Roman kann ich dennoch empfehlen (denn er ist schnell gelesen), wenn man ihn wie ich nur leiht, nicht kauft.

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  • Die Bühne seines Lebens

    Kommt ein Pferd in die Bar
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    Die Bühne seines Lebens hat Dovele, ein alternder Stand-up-Comedian, beschritten und er will abrechnen, abrechnen mit seinem Leben und mit denen, die ihm nicht wohlgesonnen waren. So scheint es bei diesem - wie er sagt, seinem letzten - Auftritt, bei dem er zwar nicht über Leichen geht, ein stetiges Abbröckeln des Publikums jedoch in Kauf nimmt. Denn "jeder muss am Ende seinen Schnitt machen" (S.208), so die Devise nach der Doveles Vater ihn nach seinen Worten erzogen hat. Und nun ist es an Dovele, diesen Schnitt zu machen. Das Buch eines großen Autors von Weltrang. Ein Buch mit einem ganz besonderen Stil, einem großen Anspruch. Aber auch ein Buch, das durchzulesen, es zu Ende zu bringen ich mich zwingen musste. Ich hatte kein Vergnügen daran, denn das, was ich erfahren habe, wollte ich nicht wissen. Nein, wirklich nicht. Exzellent geschrieben, virtuos geradezu, aber diese Selbstvorführung, dieses Betteln um Aufmerksamkeit für das eigene Leben, das konnte ich nicht genießen. Ein Buch, das mir definitiv nicht gut getan hat. Nein, es hat mich nicht wachgerüttelt, wie man es bei sogenannter guter Literatur begrüßen sollte. Es hat mich einfach nur deprimiert, frustriert und runtergezogen, ähnlich wie vor Jahren "Sabbaths Theater" von Philip Roth, einem ebenfalls großen Autor von Weltrang, das im Ansatz aus meiner Sicht dem vorliegenden Buch durchaus ähnelt. Ich muss das nicht (mehr) haben. Auch bei sogenannter großer Literatur möchte ich Werke um mich sammeln, die mich motivieren, erbauen, ja beflügeln. Und das hat nichts damit zu tun, ob das Thema sozusagen heftig ist, nein, es liegt an dem Ansatz und der Art, damit umzugehen. Mal sehen, ob ich diesem Vorsatz treu bleiben kann, Bücher wie diese getrost einem dankbareren Publikum zu überlassen, das ja - wie man an anderen Bewertungen des Buches sieht - durchaus vorhanden ist und zwar nicht zu knapp.

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