Allein schon beim Titelbild von David Hoffmanns erstem Gedichtband könnte man lange verweilen. Ei und Ouroboros, so nah beieinander, das sieht man selten. Fragil und selbstzerstörerisch – sind das nicht zwei zentrale Eigenschaften des Menschen (zentraler als man denkt und wünscht, sogar)? Spiegelt nicht unsere ganze Kultur sie wider? Eine runde Sache (ähh: zwei).
Die Texte lösen das Cover auch ein. Wenig verwunderlich, dass es darob in den Gedichten nicht selten morbid zugeht; es sind zugängliche Untersuchungen von Fragilität und Fatalität (bis hin zu fatality), die sich als etwas verkopfter herausstellen, sobald man Hoffmanns Anmerkungen zu den einzelnen Zyklen liest (Deleuze, Guatarri und Haraway!)
Auch Erinnerungs(unter)welten und Phobien spielen eine wichtige Rolle in dem Band; die Untersuchungen dazu bewegen sich bis an den Rand der Liebgründe. Hoffmanns Zeilen setzen, allen genannten Themen Rechnung tragend, ihre Versfüße betont ungelenk auf, wankend, manchmal dahinstolpernd, eher im Versuch Fuß zu fassen als den Gang der Dinge zu gehen.
Dabei geht ja alles Irdische. Seinen Weg und dahin. Letztlich sind alle Gedichte eine Übung im Sterben, wie Jospeh Brodsky in seinem Essay "Der sterbliche Dichter" schrieb. Wir müssen sterben, weil wir leben. Wir bekommen eine Show – am Ende steht ein Ciao.
Lyristix


