"Goethe!" von 2010 mochte ich total gerne, weil der Film die Sturm & Drang Thematik richtig gut für ein junges Publikum umsetzt und so an den Klassiker heranführt. Vermutlich habe ich ähnliches bei diesem Hörbuch erwartet, aber es klappte nur zum Teil.
Vieles an diesem Hörbuch ist wirklich klasse umgesetzt. Die beschwingte Musik macht gute Laune, die Sprecher*innen sind gut gewählt und spielen super. Goethe nimmt uns mit an der Hand und erzählt witzig von seinem Leben. Gestolpert bin ich schon im ersten Kapitel, weil Goethe als Kind von der Schwester und den Eltern konsequent mit "Goethe" und nicht mit Johann angesprochen wird. Soll das besonders cool sein? Authentisch ist es wohl weder für die Zeit noch für die Familienstruktur. Und es nimmt auch die Chance, dass der Klassiker als Kind wie du und ich wahrgenommen werden kann.
Bei jedem Kapitel wiederholt sich übrigens das musikalische Intro. Da ich das sehr gelungen finde, hat mich das nicht gestört. Aber die Wiederholung des Textteils störte mich dann doch irgendwie. Mein Sohn hört, wie vermutlich viele Kinder, Hörspiele und -bücher gerne sehr lange am Stück. Und da hätte ihn das genauso genervt wie mich. Warum wurde denn der Text hier nicht wenigstens ein Bisschen angepasst? Hier hätte doch ein Satz als Ausblick auf das Kapitel viel besser funktioniert. Aber besonders nervte mich, dass immer das Jahr, in dem Goethe alles erzählt, genannt wird – und NICHT das Jahr bzw. die Jahre, die in diesem Kapitel behandelt werden.
So eine Hörspielbiografie soll Kinder an historische Personen heranführen. Und ich glaube aus eigener Erfahrung, dass das funktionieren kann. Eine Kassette über Johann Sebastian Bach habe ich so oft gehört, dass ich viele Stellen wohl heute noch mitsprechen könnte. Die Zielgruppe weiß also vermutlich noch wenig über Goethe. Dann werden allerdings im Hörspiel viele Zitate aus Gothes-Werken eingefügt, allerdings könnten Kinder, die fast schon zwangsläufig noch nicht so viel über Goethe wissen, die noch gar nicht zuordnen. Das bleibt dann ein reiner Insider für mithörende Eltern und andere Erwachsene. Versteht mich nicht falsch, solche Easter Eggs sind ja charmant, sie nehmen hier aber einen großen Teil ein. Und man hätte doch auch erwähnen könnten, dass diese Zitate eingestreut werden. Dann freut man sich doch vielleicht fast ein Bisschen, wenn man dann die Texte selbst einmal lesen (muss?), wenn man sie dann wieder erkennen kann. So verpufft das.
Über "Thank you for traveling with deutsche Postkutschen" musste ich wirklich lachen. Und eigentlich mag ich es auch, wenn Bücher und Filme modern und frisch an historische Gegebenheiten und Personen heranführen. Hier fehlte mir dann aber tatsächlich das Zeitgefühl, wenn ein Reporter live wie heute vom roten Teppich des Opernballs berichtet. Da stolpere ich dann auch, wenn der munkelt, dass vielleicht noch Haydn vorbeikäme. Leider konnte ich nicht rausfinden, ob Haydn jemals (und zu dieser Zeit) in Frankfurt weilte. Ja, Sachen werden in Geschichten fiktionalisiert, aber wenn ich nicht mehr weiß, ob was irgendwie stimmt oder nicht, dann finde ich das schon schade.
Trotzdem habe ich das Hörspiel ganz gerne gehört. Letztendlich reicht es dann aber nur für 3,4 Sterne.





