David Misch

 3,8 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von David Misch

David Misch, 1985 in Wien geboren, lebt mit seiner Familie in der Steiermark und ist dort in der geowissenschaftlichen Forschung tätig. Ob Reportage, politische Kurzgeschichte oder Roman, er schreibt, weil er muss. Seine belletristischen Texte handeln von gesellschaftlicher Ausgrenzung, Hetze und einfachen Wahrheiten. Literatur als Spiegelbild der Gesellschaft hält er für wichtiger denn je. Er veröffentlichte Kurzgeschichten in den Zeitschriften Mosaik und Manuskripte und, inspiriert von seinen eigenen Erfahrungen beim härtesten Radrennen der Welt, dem Race Across America, das er 2013 als Rookie of the Year beenden konnte, auch zwei Sachbücher über Extremsport im egoth Verlag („Randonnée“, 2016; „Intensität“, 2018). 2020 erschien bei duotincta sein Debütroman „Schatten über den Brettern“, der es auf die Shortlist von Das Debüt 2020 schaffte.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von David Misch

Cover des Buches Schatten über den Brettern (ISBN: 9783946086543)

Schatten über den Brettern

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Erschienen am 10.03.2020
Cover des Buches Starke Seiten - Extremsport (ISBN: 9783903183995)

Starke Seiten - Extremsport

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Erschienen am 22.12.2019
Cover des Buches Schatten über den Brettern (ISBN: 9783946086642)

Schatten über den Brettern

 (0)
Erschienen am 10.03.2020
Cover des Buches Außen Innen (ISBN: 9783946086741)

Außen Innen

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Erschienen am 01.01.2021
Cover des Buches Randonnée (ISBN: 9783902480415)

Randonnée

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Erschienen am 01.10.2016
Cover des Buches Intensität (ISBN: 9783903183070)

Intensität

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Erschienen am 01.06.2018

Neue Rezensionen zu David Misch

Cover des Buches Schatten über den Brettern (ISBN: 9783946086543)MikkaGs avatar

Rezension zu "Schatten über den Brettern" von David Misch

Anspruchsvoller Debütroman
MikkaGvor 4 Monaten

Hinweis: Ich habe diesen Roman als Jurymitglied für den Buchpreis “Das Debüt” gelesen, wo “Schatten über den Brettern” als einer von fünf Finalisten auf der Shortlist stand. Darauf bezieht sich die Aussage zum "Siegertreppchen" weiter unten.⠀

Oh, was habe ich mich erst schwergetan mit diesem Buch.⠀

Die Handlung erschien mir konfus, die Charaktere schwer zu greifen, aber es war vor allem die Sprache, die ihre Widerhaken schmerzhaft in mein Gehirn schlug. Mein Widerwille wuchs: Anstrengend. Sperrig. Von Sprachfluss keine Rede, jeder Schachtelsatz ein Staudamm. Ich schob die Worte vor mir her wie Sisyphos seinen Felsen.⠀

Wann genau sich das änderte, kann ich gar nicht sagen. Nach fünfzig Seiten, sechzig Seiten vielleicht? Aber was mir eben noch als klarer Anwärter auf den letzten Platz erschien, erwies sich danach zu meinem Erstaunen als Anwärter aufs Siegertreppchen.⠀

Wo soll ich anfangen?⠀

Dieser Debütroman ist: anspruchsvoll, düster, komplex, vielschichtig, intelligent, originell. Die Genregrenzen verschwimmen, und auch die Realität ist hier ein sehr fluides Konzept. Sie wird immer wieder hinterfragt, auf den Kopf gestellt, ad absurdum geführt, spiegelt sich wie in einem Spiegelkabinett in sich selbst sich selbst sich selbst… Wenn man beginnt zu lesen, sind die großen Wendungen schon längst passiert, man erkennt sie nur noch nicht.⠀

Es gibt keine Namen, nur “Ich”, “Du” und “ER” – ja, letzterer wird grundsätzlich in Großbuchstaben erwähnt, und die Bedeutung dessen begreift man in dem Moment, in dem man… Nein, das verrate ich jetzt lieber nicht. Sagen wir mal so, der Aha-Moment kam mit einem Paukenschlag und ich fühlte mich, als hätte es mir jäh den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich saß da, sicher mit offenem Mund, und sah vor dem inneren Auge all die Szenen vorbeiziehen, die auf einmal so viel Sinn ergaben.⠀

Ich konnte kaum glauben, dass ich eine Wendung dieser Größenordnung nicht hatte kommen sehen.⠀

Ach, was heißt “kommen sehen” – sie hatte ja schon einige Kapitel geradezu vor mir gesteppt, mit Pompons, ohne dass ich sie erkannt hätte. War ich vielleicht nur schwer von Begriff? Möglicherweise. Aber ich möchte gerne glauben, dass David Misch das Ganze einfach gekonnt orchestriert hatte.⠀

Als ich das Buch beendete, hatte ich mit der Sprache schon lange meinen Frieden gemacht. Jetzt, wo ich die Charaktere kannte, erschien sie mir genau richtig, als könne sie gar nicht anders sein – mit all ihren Schachtelsätzen und dem gelegentlich etwas beschwerlichen Stil.⠀

Es fängt an mit einem alten Mann (“Ich”) auf einer Parkbank.⠀

Dann gibt es da noch das Mädchen (“Du”), das sich manchmal zu ihm setzt und vielleicht seine Tochter ist, vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls erzählt er ihr aus seinem Leben, vor allem darüber, wie er als Schauspieler seine Kunst erlebte – und später die zunehmende Unterdrückung durch ein aufsteigendes autoritäres Regime. Kunst und Kultur wurden reglementiert, Geschichte als Schulfach gestrichen, freies Denken in Ketten gelegt.⠀

Man gewinnt den Eindruck: das ist lange her. Das Mädchen kennt die Welt schon gar nicht mehr anders, und gerade deswegen erreicht sie schnell den Punkt, an dem die Worte des Alten ihr erscheinen wie Blasphemie. Ich schüttelte den Kopf, und doch erschien es mir nicht unglaubwürdig, dass es dazu kommen könnte.⠀

Unterbrochen werden die Erinnerungen des alten Mannes immer wieder durch Passagen aus dem Leben des ominösen “ER”. Und die lesen sich wie ein luzider Fiebertraum, wie die Manifestation des in der Gesellschaft aufsteigenden Bösen. Über IHN will ich noch gar nichts verraten, das sollte jede:r Leser:in für sich selbst erleben.⠀

Wo genau das spielt und wann, das wird nur angedeutet. Hitler wirft seinen Schatten auf die Geschehnisse, aber dieses unbenannte Land hat sich schon lange einen neuen Nachtmahr gezüchtet. Das Zeitempfinden kippt beim Lesen immer wieder, die Geschichte taumelt in einem hypnotischen Strudel voran.⠀

Die Bretter, die die Welt bedeuten:⠀

Die Passagen, in denen Mischs Protagonist über das Theater spricht, sind für mich mit die interessantesten des Buches. Es geht hier nicht um klassisches Theater, sondern um freiere dramatische Formen mit mehr Improvisation, wie das oft erwähnte “Theater der Unterdrückten” von Augusto Boal. Das Publikum wird eingebunden, die Schauspieler spielen nicht auf Grundlage eines starren Skripts, sondern lassen die Charaktere sich auf der Bühne weiterentwickeln.⠀

Der Protagonist hat eine Reihe von Charakteren, die für ihn geradezu multiple Persönlichkeiten geworden sind. Sie sind ein Teil von ihm, er kann nicht mehr ohne sie sein; er lebt dafür, ihnen auf den Bühnenbrettern Realität einzuhauchen. Sie sind wichtiger als seine Arbeit, wichtiger als seine Ehe, sogar wichtiger als sein Kind, doch dann beschneidet das Regime erlaubte Formen des Theaters…⠀

Im Kontrast zur grenzenlosen Freiheit dieser Theaterform tritt die Unmenschlichkeit des Regimes umso deutlicher hervor – einen wirkungsvolleren Kontrapunkt hätte der Autor meines Erachtens kaum finden können.⠀

Fazit⠀

Ein alter Mann (“Ich”) erzählt aus einem Leben als freier Schauspieler zu einer Zeit, als das bestehende faschistoide Regime die Macht übernahm. Seine Zuhörerin (“Du”) ist zu jung, um sich an die Welt davor zu erinnern, und fühlt sich gleichzeitig fasziniert und von der scheinbaren Blasphemie seiner Ansichten abgestoßen. Als dritte Präsenz tritt ein unheilvoller “ER” auf, den man als Leser lange nicht in diese Figurenkonstellation einordnen kann.⠀

Ich habe mich am Anfang unendlich schwer mit diesem Roman getan, vor allem mit der Sprache, die mir sehr sperrig erschien. Doch nachdem ich mich eingelesen hatte, war ich immer beeindruckter von der Originalität und dem gelungenen Spiel von Schein und Realität. Mit ein paar Wendungen hat David Misch mich eiskalt erwischt, die hatte ich gründlich fehlinterpretiert – ein Grund, das Buch noch ein zweites Mal zu lesen.⠀

Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:⠀

https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-david-misch-schatten-ueber-den-brettern/

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Cover des Buches Schatten über den Brettern (ISBN: 9783946086543)Lia48s avatar

Rezension zu "Schatten über den Brettern" von David Misch

Anspruchsvoll & mir leider zu verworren
Lia48vor 5 Monaten

Es ist schon lange nicht mehr passiert, dass ich ein Buch abgebrochen habe. Ich vermeide es, vor allem bei Rezensionsexemplaren, weil ich den Büchern, den Autoren und den Verlagen gerne etwas zurückgeben möchte. Oft ist ein Abbruch bei mir unwahrscheinlich, da ich die Leseprobe, wenn möglich, vorher lese. Hier wollte ich es erst recht nicht abbrechen, da „Schatten über den Brettern“ eines der finalen Bücher vom Leserpreis #DasDebüt2020 ist, und wir Blogger aus fünf Debüt-Romanen den Sieger bestimmen werden.
Etwa 65 Seiten lang habe ich versucht, mich zusammenzureißen und das Buch zu lesen. Doch ich musste mich leider regelrecht durchkämpfen und mich irgendwann geschlagen geben.

Mein Hauptproblem war, dass im Buch so gut wie keine Namen vorkommen. Nur „ER“, „ICH“ und „Du“. „ICH“ erzählt „DIR“, seinem Kind, von „IHM“. Dadurch bin ich leider ständig durcheinandergekommen, um wen es denn nun gerade geht, musste häufig zurückblättern und war mir manchmal erst nicht sicher, ob es um „IHN“ geht oder um eine ganz andere Person.
Durch lange Schachtelsätze musste ich die Zeilen häufig erneut lesen, wodurch sich alles sehr in die Länge gezogen hat.
Dazu empfand ich es sprachlich recht anspruchsvoll, auch wurden einige im Alltag eher weniger gebräuchliche Worte verwendet (wie z. B. Konformismus, übertünchend, Memorabilien,…).
Ortsnennungen oder Jahreszahlen sind erst einmal nicht aufgetaucht, angeblich spielt das Buch in der Zukunft.

Was ich spannend fand, war die mir äußerst unsympathische & perfektionistische Figur von „ER“, dessen „Schatten“ immer wieder auftaucht. Dann quält er schon mal Katzen, bis diese fast ertrinken (schreckliche Vorstellung!) oder stellt Mitschülern im Sportunterricht ein Bein.
Aber sehr viel mehr habe ich vom Inhalt kaum mitbekommen...

Sicherlich ist das Buch nicht ohne Grund im Finale von #DasDebüt2020 gelandet. Aber es hat nicht gepasst zwischen uns. Ich konnte mich kaum auf den Inhalt konzentrieren, weil ich mit dem Drumherum viel zu beschäftigt war. Kurzum: Es war mir leider zu undurchsichtig, zu verworren und vielleicht auch zu anspruchsvoll.
Wer aber eine Herausforderung sucht, und auch lange Sätze und Verwirrspiele nicht scheut, der wird vielleicht seine Freude an dem Buch finden. Mir ist das leider nicht gelungen...

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Cover des Buches Schatten über den Brettern (ISBN: 9783946086543)L

Rezension zu "Schatten über den Brettern" von David Misch

Klare Empfehlung
Lisa_Grinschglvor einem Jahr

Das Buch erzählt die Geschichte eines Theaterschauspielers in einem für Kunst und Kultur immer schwieriger werdenden Umfeld. 

Die Erzählung beginnt in der Kindheit des Protagonisten und wird zunehmend düsterer, die Entwicklung der Figur ist interessant und spannend, wenn auch anfangs durch Zeitsprünge teilweise ein wenig schwierig nachzuvollziehen. Die Stimmung ist durchgehend eher bedrückend, auch wenn man vielleicht aufgrund einiger Parallelen zu bekannten Persönlichkeiten hin und wieder schmunzeln muss. Die Spannung hält sich bis zum Ende, es gibt immer wieder Wendungen und Überraschungen. Das Ende löst die Geschichte zwar auf, lässt aber auch Raum für eigene Interpretationen. Ein anspruchsvolles, aber gut zu lesendes und unterhaltsames Buch für ein entspanntes Wochenende.

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