David Mitchell

 4.2 Sterne bei 1.006 Bewertungen
Autor von Der Wolkenatlas, Die tausend Herbste des Jacob de Zoet und weiteren Büchern.
David Mitchell

Lebenslauf von David Mitchell

Blühende Fantasie trifft auf Originalität: David Mitchell zählt zu den bedeutenden britischen Autoren der Gegenwart. Seit seiner Kindheit begeisterte sich der 1969 im englischen Southport geborene Schriftsteller für Abenteuergeschichten. Sein Literaturstudium schloss er mit einem Master in Komparatistik ab. Anschließend zog es ihn hinaus in die Welt. Unter anderem unterrichtete er an der Universität von Hiroshima acht Jahre lang Englisch. Diese Zeit spiegelt sich in vielen seiner Bücher wider, wie zum Beispiel in seinem teilweise in Japan spielenden Romandebüt „Ghostwritten“ (1999; deutsch: „Chaos“, 2004). Wie in seinem Weltbestseller „Cloud Atlas“ (2004; deutsch: „Der Wolkenatlas“, 2006) verband er hier eine Vielzahl scheinbar unabhängiger Geschichten zu einem weltumspannenden Ganzen. Seine beeindruckende Fantasie und Originalität kennzeichnen ebenso „The Thousand Autumns of Jacob de Zoet“ (2010; deutsch: „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“, 2012) und „The Bone Clocks” (2014; deutsch: „Die Knochenuhren“, 2016). Für seine Romane erhielt Mitchell den John-Llewellyn-Rhys-Preis, den Commonwealth Writers’ Prize und den World Fantasy Award. Zweimal gelangte er auf die renommierte Man-Booker-Shortlist. Die opulente Verfilmung seines Werkes „Cloud Atlas“ von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern aus dem Jahr 2012 entwickelte sich zu einem weltweiten Erfolg. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt David Mitchell in Irland.

Alle Bücher von David Mitchell

Sortieren:
Buchformat:
Der Wolkenatlas

Der Wolkenatlas

 (480)
Erschienen am 01.11.2007
Die tausend Herbste des Jacob de Zoet

Die tausend Herbste des Jacob de Zoet

 (107)
Erschienen am 01.03.2014
Der dreizehnte Monat

Der dreizehnte Monat

 (79)
Erschienen am 02.02.2009
Die Knochenuhren

Die Knochenuhren

 (78)
Erschienen am 18.08.2017
Chaos

Chaos

 (59)
Erschienen am 02.01.2006
Slade House

Slade House

 (32)
Erschienen am 15.05.2018
Number 9 Dream

Number 9 Dream

 (28)
Erschienen am 01.10.2012
Der Wolkenatlas

Der Wolkenatlas

 (18)
Erschienen am 01.01.1001

Neue Rezensionen zu David Mitchell

Neu

Rezension zu "Slade House" von David Mitchell

Diese fünf Akte sind nicht willkürlich gewählt
Nymphenbadvor 3 Monaten

Slade House besteht aus fünf miteinander verflochtenen Geschichten, die jeweils neun Jahre auseinanderliegen. Von 1979 bis 2015. Die Protagonisten sind ganz unterschiedliche Charaktere – ein 13jähriger Junge, ein Polizist, eine Studentin, die neugierig auf Geister ist, eine Journalistin (und Schwester der Studentin) – werden in ein Haus gelockt, wo sie es mit gestaltwandlerischen dunklen Mächten zu tun bekommen.

Mitchell ist ein Autor, der seine Geschichten gerne faltet, für den die Wirklichkeit nicht von Zeiten und Räumen dominiert wird. Aber diese „Faltungen“ sind immer auch Erlebnisfragmente der Protagonisten, die hier verdichtet werden.

Für die Mitchell-Kenner gibt es gleich zu Beginn eine Begegnung mit der „mondgrauen“ Katze, die bisher in jedem Buch auftaucht, aber diesmal ist sie tot, die Augen von dicken Fliegen besiedelt. Die Nachricht ist klar: Hier gibt es keine Hilfe, niemand wird kommen, um den Tag zu retten.

Für Mitchell gibt es nie die eine große Erzählung. Seine Arbeit besteht aus unzählig vielen kleinen Details, aus einer Fülle von Geschichten, denen der sinnhafte Zufall als Kitt gilt. Damit kommt er der Wirklichkeit so nahe wie andere Autoren eben nicht. Tatsächlich ist es an der Zeit, den Begriff „mitchellesk“ einzuführen, und das bedeutet bei vorliegendem Werk, dass es einen ästhetisch-erhabenen Horror präsentiert, der seinen Schrecken ausbalanciert und literarisch ohnehin genuin geschildert ist. Deshalb ist Mitchell auch weit weg vom Genre-Kitsch und seinen Gewaltexzessen, aber auch von der klassischen Atmosphäre. Wenn es aus einer Spukgeschichte noch etwas Originelles herauszuholen gab, dann ist es hiermit geschehen. Wenn man, wie Mitchell, eine Geschichte alles sein lässt, dann wird sie einzigartig sein.

Abgesehen davon wird hier die traditionelle Art, Horrorgeschichten zu erzählen, umgangen. Es scheint so, als wäre die erste Geschichte das Original und alle anderen Kapitel die Fortsetzungen davon.

Diese fünf Teile sind eine Zusammenstellung möglicher Geistergeschichten. Die erste ist eine „pharmazeutische“ Geistergeschichte. Nathan hat seiner Mutter die Valium-Tabletten geklaut und denkt, dass alles, was er erlebt, von dieser Droge stammt. Der Protagonist in der zweiten Geschichte ist ein Ungläubiger, ein Polizist, der an die Ordnung glaubt. Das ist die „psychiatrische“ Geistergeschichte: was passiert steckt in den Köpfen und nicht außerhalb. In der dritten Geschichte ist die Protagonistin ziemlich passiv, sie ist ein Opfer der Erzählung. Diese Geschichten sind Variationen, drei Geistergeschichten, die die Wiederholung als Stilmittel nutzen, um den Leser zu verwirren. Die vierte ist eine Meta-Geistergeschichte – der historische Hintergrund des Ganzen wird hier enthüllt. Und dann gibt es die Coda, die schließende Geschichte, erzählt aus der Sicht des Geistes. Hier wird man als Leser fast dazu verleitet, zu vergessen, dass diese Wesen Monster sind.

Diese fünf Akte sind nicht willkürlich gewählt. Mitchell entnimmt sie dem elisabethanischen Drama. Durch diese Zahl entsteht ein Muster, das in längeren Stücken die Unausweichlichkeit aufbaut. Etwas geschieht erneut. Und das spiegelt genau die Haltung des Lesers weider. Er kennt diese Geschichten, er hat schon ein paar Variationen davon gelesen, vielleicht sogar sehr viele. Er weiss, wie es endet, und es wird schrecklich sein. Er weiss, was er bekommt. Und er will es wieder. Warum?

Mitchell selbst sagt, es sei die Idee der Bühne. Wir flirten mit der Vorstellung, dass die vierte unsichtbare Wand nicht da ist, und das Genre tut sein bestes, uns davon zu überzeugen, dass diese vierte Wand nicht da ist, und dass der Schrecken sich auf macht, uns zu erreichen. Wir mögen diese Angst, sie gibt einer Geschichte Textur und Geschmack. Geschichten über das Übernatürliche überzeugen uns sehr gut davon, dass es nicht nur Geschichten sind. Und wir spielen mit, mehr als in allen anderen dramatischen Formaten.

Oft basieren Geistergeschichten auf der merkwürdigen Prämisse, dass die Geister an einen bestimmten Ort gebunden sind. Mitchell geht hier anders vor, er liefert (in Kapitel 4: „Du stilles Wasser du“) die Begründung, warum das im Fall der beiden Entitäten Norah und Jonah so ist. In Bezug auf die Motive lässt er unausgesprochene Tropen nicht gelten. Mitchell geht sogar so weit, zu sagen, dass die Toten in den meisten Geschichten ihren Ort nicht verlassen, weil sie nicht wissen, dass sie tot sind. Sie bleiben, weil sie denken, ein Recht darauf zu haben, hier zu sein, und diese verdammten Menschen dringen in ihre Räume ein und ignorieren sie einfach. Oder sie wurden durch Schuldgefühle, Missbrauch oder unerledigte Geschäfte aus der Normalität verbannt.

Slade House ist eine schnelle Lektüre, eine willkommene Abwechslung, aber man tut sich keinen Gefallen, wenn man durch die Seiten rast, man bringt sich um den Genuss. Das letzte, das wir von Mitchell erwarten konnten, ist Einfachheit. Hier aber schillert sie in jedem Satz, poliert zu einer höllischen Bronze.

phantastikon.de 

(Rezensionsexemplar von Rowohlt)

Kommentieren0
1
Teilen

Rezension zu "Slade House" von David Mitchell

Schaurige Grusellektüre gespickt mit Fantasyelementen
chumavor 4 Monaten

Mit "Slade House" beweist David Mitchell einmal mehr, dass er ein hervorragender Komponist ist. Ja richtig gelesen - aber er ist doch Autor? Korrekt ein Autor, der es meisterhaft versteht, einzelne Geschichten virtuos miteinander zu verweben. So auch hier, denn in seinem neuesten Werk begleiten wir fünf Menschen zu verschiedenen Zeiten in das unheimliche Slade House. Alle neun Jahre - immer am letzten Samstag im Oktober - öffnet sich eine geheimnisvolle Pforte und gewährt den geladenen (oder allzu neugierigen) Gästen Einlass in das Haus, das eigentlich viel zu groß für die schäbige Gasse ist und im Krieg vollkommen zerstört wurde. Und stets kehrt keiner der Besucher zurück – sie verschwinden spurlos.

Leseeindruck

Eine schaurige Lektüre im Stil des klassischen, leichten Horrors, gespickt mit Fantasyelementen. Unheimlich und dabei auch sehr unterhaltsam, fein abgestimmt mit einer Prise Humor. Mitchell passt seinen Erzählstil dem jeweiligen agierenden Protagonisten an. Das gestaltet die Lektüre abwechslungsreich und garantiert einen lockeren, kurzweiligen Lesefluss. Der knapp 240 Seiten starke Roman ist eine Art SpinOff zu "Die Knochenuhren". Dieses Buch habe ich (noch) nicht gelesen, hatte aber nicht das Gefühl, dass mir etwas gefehlt hätte. Für Mitchell-Fans ein weiteres Schmankerl aber sicher auch als Einstiegswerk in den Mitchell-Kosmos sehr gut geeignet, auch wenn der Autor hier etwas "anders" schreibt. Insgesamt konnte mich "Slade House" durchweg gut unterhalten. Eine wirklich passende Lektüre für die dunkle Jahreszeit und den Halloweenmonat Oktober.

Kommentieren0
3
Teilen

Rezension zu "Slade House" von David Mitchell

Intelligenter Grusel mit Mehrwert
sursulapitschivor 4 Monaten

Über dieses Buch sollte man eigentlich am besten gar nichts sagen, außer dass es gut ist, also, was sage ich denn jetzt? 


Merkwürdige Dinge geschehen im Slade House in London, über Jahrzehnte hinweg. Anfangs ist man höchst verwirrt. Kaum meint man, sich in die Geschichte eingelebt zu haben, ist fasziniert und rechnet mit absonderlich Gruseligem, geht es 9 Jahre später weiter mit ganz anderen Protagonisten. Ständig muss man sich neu orientieren, aber ganz allmählich bekommen die Geschehnisse einen Sinn und einen Zusammenhang. 

Dieses Buch ist ein Verwirrspiel allererster Güte. Erst weiß man nicht, worum es geht, dann kann man kaum glauben, was da angedeutet wird und landet schließlich in einem Horrorszenario. Blut fließt nicht, aber Geister sind im Spiel, Illusionen, Spuk und Seelenesser.

David Mitchell erzählt toll, klug, frech und plastisch. Schnell fühlt man mit den unterschiedlichsten Figuren mit, liebenswerte Außenseiter, die ganz eigene Sorgen haben, während sie unerwartet ins Unglück rennen. Sein Szenario ist ausgeklügelt. In kleinen Dosen verstreut er Hinweise, um dann am Ende mit einem schaurigen Konstrukt aufzuwarten, das in aller Absurdität absolut glaubhaft ist.

„Slade House“ ist ein Pageturner, intelligenter Grusel mit Mehrwert und eine klare Empfehlung für alle, die das Ungewöhnliche mögen. 

Kommentare: 3
17
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Herzlich Willkommen zu einer neuen Team-Leserunde von LovelyBooks!

Seit unserer letzten Leserunde ist viel Zeit vergangen und es hat uns zwischenzeitlich immer mal wieder in den Fingern gejuckt, eine neue Team-Leserunde zu starten. Doch kein Buch konnte uns so richtig überzeugen.
Aber jetzt haben wir den perfekten Kandidaten gefunden: 
"Die Knochenuhren" von David Mitchell
Wir sind schon ganz gespannt auf die Lektüre und freuen uns auf die anstehende, hoffentlich intensive Diskussion!

Vom LovelyBooks-Team sind dabei:
aylareadsbooks
doceten
HannaBuecherwurm
Jacky_Jolly
kai_huebner
Kathycaughtfire
kultfigur
LaMargarita
Malista
nordbreze
OribaPumpkin
Sophia29
TinaLiest
Tree_Trunks

Ihr habt das Buch selber ungelesen daheim und möchtet mit uns gemeinsam lesen und diskutieren? Oder ihr habt das Buch schon gelesen und möchtet uns jetzt eure Meinung mitteilen? Kein Problem! Wir freuen uns, wenn ihr mit in die Leserunde einsteigt! 

Ihr kennt das Buch noch nicht? Hier könnt ihr schon einmal den Klappentext lesen:
An einem verschlafenen Sommertag des Jahres 1984 begegnet die junge Holly Sykes einer alten Frau, die ihr im Tausch für "Asyl" einen kleinen Gefallen tut. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly Sykes genau versteht, welche Bedeutung die alte Frau dadurch für ihre Existenz bekommen hat. Die Knochenuhren folgt den Wendungen von Holly Sykes' Leben von einer tristen Kindheit am Unterlauf der Themse bis zum hohen Alter an Irlands Atlantikküste, in einer Zeit, da Europa das Öl ausgeht. Ein Leben, das gar nicht so ungewöhnlich ist und doch punktiert durch seltsame Vorahnungen, Besuche von Leuten, die sich aus dem Nichts materialisieren, Zeitlöcher und andere kurze Aussetzer der Gesetze der Wirklichkeit. Denn Holly – Tochter, Schwester, Mutter, Hüterin – ist zugleich die unwissende Protagonistin einer mörderischen Fehde, die sich in den Schatten und dunklen Winkeln unserer Welt abspielt – ja, sie wird sich vielleicht sogar als deren entscheidende Waffe erweisen. Metaphysischer Thriller, moralische Betrachtung und Chronik unseres selbstzerstörerischen Handelns – dieser kaleidoskopische Roman mit seiner Vielfalt von Themen, Schauplätzen und Zeiten birst vor Erfindungsreichtum und jener Intelligenz, die David Mitchell zu einem der herausragenden Autoren seiner Generation gemacht hat.
Zur Leserunde
Hallo ihr Lieben :)
Ja, ich weis ich bin früh dran, aber ich hatte gerade Lust dazu und dann ist es wenigstens schon mal gemacht. Leider weis ich nicht wer welches Exemplar hat. Deshalb habe ich die Abschnitte nicht nur mit Seitenzahlen versehen sonder auch mit Namen. Leider besitzt dieses Buch keine Kapitel, was echt ein bisschen stressig gerade war. Ich bin jetzt nach dem Rowolth-Taschenbuch vorgegangen. Schaut euch das Buch mal genau an und sagt mir bescheid, ob ihr mit dieser Einteilung zurecht kommt. Ich sage euch, die Schrift ist winzig und das Buch hat viele viele Seiten. Deshalb sind es auch 8 Abschnitte geworden ich hoffe es sind euch nicht zu viel oder zu wenige?!

Ich wünsche liebste Grüße aus Bayern
Eure Jana alias Prinzessin
Zur Leserunde
Hallo,

ich verlose zuerzeit auf meinem Blog drei verschiedene Bücher in einem Paket: Erebos von Ursula Poznanski, Der Wolkenatlas von David Mitchell und Dark Village 01: Das Böse vergisst nie von Kjetil Johnsen (jeweils 1 Buch). Bis zum 27.10.2013 könnt ihr mitmachen und die drei Bücher im Paket gewinnen. Wer also die Bücher gerne kennenlernen will oder schon lange auf seinem Wunschzettel stehen hat, der hat nun die Gelegenheit dazu! Besucht dazu einfach die Gewinnspielseite auf meinem Blog: http://worldwidebookz.blogspot.de/2013/10/blog-gewinnspiel-teil-3.html Dort findet ihr dann Näheres zu dem Gewinnspiel und den Teilnahmebedingungen!
Ich wünsche euch auf alle Fälle schon mal viel Glück!

Lg
Red-Sydney
Letzter Beitrag von  Sterny88vor 5 Jahren
Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

David Mitchell wurde am 12. Januar 1969 in Southport (Großbritannien) geboren.

David Mitchell im Netz:

Community-Statistik

in 1.485 Bibliotheken

auf 263 Wunschlisten

von 64 Lesern aktuell gelesen

von 21 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks