David Mitchell Chaos

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Inhaltsangabe zu „Chaos“ von David Mitchell

"Ein phantastisches Buch, voller Irrwitz und Situationskomik!" (NDR) Ein japanischer Sektierer verübt einen Giftgasanschlag auf die U-Bahn. Doch was verbindet ihn mit dem Jazzfan in einem Tokioter Plattenladen? Eine Frau auf einem heiligen Berg in China spricht mit einem Baum, ohne zu ahnen, wie sich gewisse illegale Börsengeschäfte in Hongkong auf ihr Leben auswirken werden. Ein mongolischer Gangster, ein Kunstfälscher in St. Petersburg, ein Nuklearwissenschaftler in Irland, ein New Yorker Late-Night-DJ und ein mysteriöser Ghostwriter - alle tragen zu dieser Geschichte bei. Eine literarische Matrix: geniale Weltsicht voll kluger Ideen und skurrilem Humor. „Dieses Buch ist eines der besten, die ich je gelesen habe.“ (Antonia S. Byatt)

Geniale Ideen, ungewöhnliche Handlungsstränge und phänomenale Protagonisten

— MariaAlexandra
MariaAlexandra

Lässt mich irgendwie verwirrt zurück..

— Lovely90
Lovely90

bleibt eines meiner LIEBLINGSBÜCHER

— Onnzo
Onnzo

Neun unterschiedliche Geschichten, alle spannend, mitreißend, faszinierend, die in einem fantastischen Finale zusammenlaufen.

— letusreadsomebooks
letusreadsomebooks

Mitchells Debütroman über den freien Willen des Einzelnen in einer deterministisch-chaotischen Welt. Manchmal zäh, aber doch sehr genial.

— doceten
doceten

Mitchells genialer Erstling. Wie "Der Wolkenatlas", nur noch besser.

— Rhada
Rhada

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    Chaos
    MariaAlexandra

    MariaAlexandra

    03. August 2017 um 15:06

    Wenn ich Chaos damals gelesen hätte, als der Episodenroman schienen ist, hätte ich mich gefragt, was nach so einem grandiosen Debüt noch kommen soll. Die Ideen, die der Autor aufgreift, sind bemerkenswert frisch, philosophisch und erzählerisch grandios ausgearbeitet. Unter anderem spielen mit: ein U-Bahn-Terrorist, ein Finanztyp, der einen Geist sieht, eine alte Frau, die die Wirren der Kulturrevolution in China durchlebt und mit einem Baum redet (der auch noch antwortet), eine russische Kunstdiebin, eine KI – und ein bisschen Quantenphysik ist auch dabei. Es ist schon ein kleines Wunder, dies alles logisch, nachvollziehbar und intelligent unter einen Hut zu bringen.Besonders die Charakterzeichung der Kunstdiebin hat mich nachhaltig beeindruckt. Nachdem auch dieses Kapitel aus der Ich-Perspektive erzählt wird, ist so etwas ja wirklich schwer – am Anfang glaubt man ihr alles, was sie über sich selbst erzählt und dann blättert so langsam der Lack ... So meint man am Ende des Kapitels die Protagonistin besser zu kennen als sie sich selbst. Und wenn man vorher schon den Wolkenatlas gelesen hat, dann trifft man wieder auf „alte Bekannte“. Chaos scheint ein „Spin-off“ zum Wolkenatlas zu sein. Mitchell ist damit wirklich ein Weltenerschaffer, der den Leser in ein durchaus mögliches und keineswegs absurdes Paralleluniversum mitnimmt. Und gerade bei Chaos fühle ich mich deswegen an Haruki Murakami erinnert – nur eben auf „Britisch“. Ich bin absolut entzückt!

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  • Bis die Knochenuhren ihren Takt schlagen! Ein epochales Meisterwerk der Worte und Sinnbilder. WOW.

    Die Knochenuhren
    Floh

    Floh

    So wie sich das Cover dieses Meisterwerkes zeigt, so entwickelt sich auch die Stimmung und Atmosphäre dieser sagenhaften und hochkomplexen Welt des Ausnahmeautors David Mitchell. Sein Werk „Knochenuhren“ wird nicht nur in Literaturkreisen gelobt und begehrt, sondern auch in der Fantasywelt und in der großen Presse ist sein Name bereits bekannt. In „Knochenuhren“ hat Mitchell etwas ganz besonderes erschaffen, er vereint die Welten und Zeitebenen, Fiktion und Realität, Kriegsgeschehen, Sozialkritik und Metapher. Dieses Buch und lässt Grenzen verschmelzen. Starke Erzähler, viele Puzzleteile, die sich zu einen Ganzen legen, inszenierte Kulissen, großartige Gedanken und ganz viel Stoff und Potential für neugierige Leser sich die Augen öffnen zu lassen. Der Titel ist hier Programm, in mehrerer Hinsicht. Meine Erwartungen an „Knochenuhren“ waren hoch und ich konnte dieses Buch einfach nicht einschätzen, nun kann ich es kaum beschreiben, was ich mit David Mitchell hier erlebt habe… Man muss es einfach selbst erfahren. Keine Rezension könnte das individuelle Leseerlebnis für die Masse beschreiben… So empfinde ich, aber ich versuche es trotzdem… Erschienen im rowohlt Verlag (http://www.rowohlt.de/) Klapptext/Inhalt:„An einem verschlafenen Sommertag des Jahres 1984 begegnet die junge Holly Sykes einer alten Frau, die ihr im Tausch für "Asyl" einen kleinen Gefallen tut. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly Sykes genau versteht, welche Bedeutung die alte Frau dadurch für ihre Existenz bekommen hat.Die Knochenuhren folgt den Wendungen von Holly Sykes' Leben von einer tristen Kindheit am Unterlauf der Themse bis zum hohen Alter an Irlands Atlantikküste, in einer Zeit, da Europa das Öl ausgeht. Ein Leben, das gar nicht so ungewöhnlich ist und doch punktiert durch seltsame Vorahnungen, Besuche von Leuten, die sich aus dem Nichts materialisieren, Zeitlöcher und andere kurze Aussetzer der Gesetze der Wirklichkeit. Denn Holly – Tochter, Schwester, Mutter, Hüterin – ist zugleich die unwissende Protagonistin einer mörderischen Fehde, die sich in den Schatten und dunklen Winkeln unserer Welt abspielt – ja, sie wird sich vielleicht sogar als deren entscheidende Waffe erweisen.Metaphysischer Thriller, moralische Betrachtung und Chronik unseres selbstzerstörerischen Handelns – dieser kaleidoskopische Roman mit seiner Vielfalt von Themen, Schauplätzen und Zeiten birst vor Erfindungsreichtum und jener Intelligenz, die David Mitchell zu einem der herausragenden Autoren seiner Generation gemacht hat.“Meinung:Man erkennt, selbst der Klapptext hat Schwierigkeiten, sich auf das Wesentliche des Meisterwerkes der Sprachkunst und der Genrevielfalt zu beschränken. Wie soll ich das nun bloß mit meiner Rezension bewältigen, wo mir einfach so vieles im Hirn herumschwirrt, was ich über diesen Ausnahmeroman zu berichten und zu erzählen habe? … Ich beginne dann ganz einfach mal und schaue, wohin mich meine Rezension führen wird… Es sei mir verziehen, wenn ich den Rahmen des Üblichen sprenge. Meine Gedanken beginnen allein beim Buchtitel Achterbahn zu fahren: KNOCHENUHREN… Was wird uns hier erwarten? Tod? Zeitreisen? Gebeine? Alter? Osteoporose? Schwund? Eile? Ruhe? Reliquien?... Dieser Titel kombiniert mit diesem atemberaubenden Cover lädt zu Assoziationen ein. David Mitchell ist in aller Munde und auch seine bisherigen Werke sind mit Auszeichnungen und Lobeshymnen gekrönt. Ich kannte den Autor bis zu seinen „Knochenuhren“ noch nicht. Für mich war und ist dieses gewichtige Hardcoverbuch eine wirkliche Überraschung und eine außergewöhnliche Herausforderung mit Worten, Sinnbildern, Wattierungen, Malereien, Genrewelten und Facetten umzugehen zu lernen. David Mitchell ein genialer Märchenerzähler? Gerne verbuche ich in lapidar mit diesem Titel. Doch ich habe entdeckt, dass hinter David Mitchells Worten noch viel mehr steckt. Er beschreibt die Magie, das Unmögliche, den Zauber, aber auch die Vergangenheit die die Gegenwart formt und in die Zukunft schaut. Diese drei Zeitraster wagt er mutig zu vermengen und bietet ein Schauspiel für alle Sinne des Lesers. Nuancen aus tiefer Liebe, bitteren Tod, herrschender Politik, standesmäßigem Verrat, abgrundtiefen Hass, ernste Gesellschaftskritik, labenden Humor, groteske Ironie, liebliche Fürsorge - die Frage nach dem Sinn des Lebens, philosophische Züge und Andeutungen, Sonnen- und Schattenseiten des Lebens… geparkt und in Worte gekleidet, um sie auf über knapp 810 starken Seiten abzurufen und abzuholen um diese Nuancen des Lebens oder Nichtlebens durch die Seiten und durch den Roman zu bewegen. Puuuuuuh, was für ein langer Satz für eine so kurze Aussage: 810 Seiten voller Wortgewalt auf allen (Zeit-)Ebenen, die man erleben und erlesen sollte! Der Romanbeginn (ich nenne dieses Buch jetzt einfach Roman), ist intelligent erschaffen. Wir bewegen uns mit den Charakteren und einzelnen Erzählungen und Visionen durch naheliegende Prophezeiungen, thrillerartiger Spannung, einer sofort beginnenden Erwartungshaltung dem Verlauf gegenüber und dem schieren lesevergnügen mit Gehirnfutter, was den neugierigen und offenen Leser gleich nach wenigen Seiten packt, um sich dann im Glanze weiterführender Fragestellungen mit dem Roman zu identifizieren und mit dem nahenden Ende und Abschluss zu bangen und zu hoffen. Bleibt dieses überwältigende Leseerlebnis erhalten? Wird das Finale und der Abschluss des Buches etwas Bitteres hervorbringen oder gar die Blase der Euphorie über dieses Werk platzen lassen? Wie bei jedem guten Pageturner rückt auch das Ende der über 800 starken und genialen Seiten Zeile um Zeile näher und die Spannung des Lesers steigt. Wie wird der Erfolgsautor David Mitchell die unzähligen Puzzleteile zu einem Ganzen fügen und all die losen Fäden zu einem Teppich verweben? Wird es ein überraschendes Ende, vielleicht sogar ein Happy End mit etwas Kitsch? Wird Mitchell sich in das Leserherz schreiben und einen unvergesslichen Roman hinterlassen, an dem man noch lange die Wärme spürt, als man das Buch in den Händen hielt und mit den Augen darin gewohnt hat und es nun beherzt zur Seite legt und es mit geschlossenen Augen wieder aufnimmt und mit einem Lächeln nochmals an den Körper drückt? Klingt schmalzig? Ja, das stimmt, aber wer sich in diesem Buch verlieren kann, sich mitnehmen lässt, der wird vielleicht diese oder eine ähnliche Szene nach Beenden des Meisterwerks beschreiben können. Ich beschreibe diese zuvor Geschilderte und bin glücklich damit. Basta! So liebe ich anspruchsvolle und außergewöhnliche Literatur. Charaktere:In „Knochenuhren“ verbinden sich epische Manieren, bedächtige Klänge, Wortjonglage und Stimme zu einem Buch. So etwas habe ich noch nie zuvor so intensiv und ausgefeilt gelesen. Dieses Konzept geht auf. Außerdem finde ich, dass Mitchells Figuren und seine eigene Weltanschauung als Schriftsteller eine Symbiose eingegangen sind. In dieser Hinsicht und in diesen Erwartungen wurde ich definitiv nicht enttäuscht. Ein Hoch auf diese sensationelle Buchidee. Dieses Epos beginnt mit einem sehr vielversprechenden Wortklang, es lebt und entwickelt sich mit jeder Seite weiter. Ganz besonders überrascht war ich ob dem Umstand, dass hier neben den üblichen Fantasy Elementen und dem genretypischen Merkmalen, abgearbeitet wurden, sondern etwas Eigenes erschaffen wurde, was ich kaum in ein Genre klassifizieren zu vermag. 5 Erzähler, 5 Welten, eine Geschichte. Sehr starke, bemerkenswerte und überraschende Rollen. Die Charaktere reichen von Gut und Böse, von Schwach bis Stark, von Magisch bis Tödlich, von Dunkel bis Hell, von Bösartig zu Gutgesinnt, von Strategisch zu Kämpferisch, von Geheimnisvoll und offenbarend zu belehrend und mystisch, von menschlich zu fantastisch. Hier ist alles Vertreten und der Leser wird seinen Augen im Kopfkino nicht trauen können. Der Plot kommt mit wenigen Nebenhandlungen aus und wichtige Handlungsstränge aus fünf Ich-Erzählperspektiven reichen sich die Hand. Fünf Charaktere und eine innewohnende Schlüsselrolle:Als Hauptfigur lernen wir Holly Sykes kennen. Holly hört schon als Kind Stimmen und sagt in die Zukunft blicken zu können. Immer wieder erzählt sie von so genannten „Radiomenschen“ in ihrem Kopf. Wir schreiben das Jahr 1984. Holly ist 15 Jahre alt und wächst aus den Kinderschuhen und entwickelt sich zu einer Frau. Hollys Eltern besitzen einen Pub. Holly zeigt sich rebellisch, sie will die Schule abbrechen und sich ganz in den Armen ihres älteren Freundes hingeben. Hollys Mutter versucht diese Unvernünftigkeit zu unterbinden, indem sie Verbote ausspricht. Grund genug für die junge Holly ihren Rucksack zu nehmen und zu ihrem Freund zu ziehen. Kurzentschlossen betritt sie seine Wohnung und muss eine schmerzliche Erfahrung machen: Ihr Göttergatte liegt zusammen mit ihrer besten Freundin im Bett. Inflagranti erwischt. Von der ganzen Welt betrogen, beschließt Holly nun fortzulaufen, in die weite Welt. Sie trifft auf die alte Esther, ein Mysterium, Diese Begegnung wird Hollys Leben verändern… Der versnobte Cambridge Student Hugo Lamb tritt als erster Erzähler auf. Schon sogleich hat der Leser einen Antisympathen an der Seite. Hugo wird es beim Leser schwer haben, seinen Stempel wieder abgewaschen zu bekommen. Er ist ein ziemliches A...loch und seine Gaunereien und Betrügereien werden noch sehr wichtig für die Story werden. Augen auf!Etwas später im Leben von Holly lernen wir ihren Ehemann, Ed Brubeck, kennen. Holly und Ed sind Eltern einer Tochter. Ed ist ein wahrer Workerholic und fleischgewordener Journalist, der keine Story auslässt und sein Leben im Nahen Osten als Kriegsberichterstatter mehr als einmal riskiert. Jenseits des Journalismus hat er kaum was, was sein Leben gestalten könnte und er hat arge Probleme fernab des Kriegs in der heimischen Welt sein Leben aufzubauen und Perspektiven zu haben. Auch seine Familie kann daran wohl wenig ändern. Seine Erzählung hat mich sehr betroffen und der Bezug zur Gegenwart mit seiner Gesellschaftskritik ist enorm. Dann haben wir Crispin Hershey, der Schriftsteller, auch er ist der zu Papier gewordene Widerling und Widersacher. Aber genau seine Züge braucht dieses Buch und ich habe Crispin auf ganz spezieller Weise doch sehr gern in seinem Denken und Handeln besucht und von ihm erfahren. Ob es die Liebe zur Schriftstellerei, bzw. zu Büchern ist?... Seine Kritiken sind vernichtend und sein zynischer Ton sehr scharf, doch diese Würze kommt dem ganzen Roman zu Gute. Man glaubt es kaum. Durch Hollys Niederschrift ihrer Radiomenschen im Kopf blicken wir in die Zukunft ins Jahr 2025 und fühlen uns mit ihr schon fast in einer dystopischen Ära. Hollys Buch führt uns zum letzten Erzähler: Marinius, über den ich nicht mehr verraten möchte um nichts zu spoilern. Er hat eine Schlüsselrolle, die man aufmerksam studieren sollte um zu erfahren, was die besagten und zitierten Anachoreten und Horologen sind und was zum Teufel die verfluchte Knochenuhr ist. In „Knochenuhren“ gibt es viele interessante Charaktere und Einflüsse, wobei das Rad der Literatur nicht neu erfunden wurde. Ja, Knochenuhren fordert den Leser stark heraus. Emotional, gewaltig, an die Grenzen bringend und beinahe zur Verzweiflung treibend. So ein Werk liest man nicht, man durchlebt und durchleidet es. Mit jeder Faser. Versprochen. Um jedoch alles ganz so intensiv zu fühlen, sollte man jedoch bitte Zeit und Muße mitbringen, denn es gibt auch einige zähe Passagen und Längen, die aber wieder nötig sind, um die Glut zu schüren und ein neues Feuer zu entfachen. Mein Ehrenwort. Schreibstil:Der Ausnahme- und Erfolgsautor David Mitchell besitzt einen ganz eigenen Stil. Er macht sich Stilmittel zu Eigen, die er scheint, selbst erdacht zu haben. Ich muss gestehen, dass ich in den ersten Zeilen arge Schwierigkeiten hatte, mich im Roman zu platzieren und zu erkennen, wohin mich der Autor führen will. Diesen Wunsch nach Wegweiser und Ziel sollte man schnell beiseiteschieben und sich von Mitchells gekonnter Leichtigkeit mit süßer Schwere im Wortgeflecht einfach mitnehmen lassen. Sich treiben lassen. Diesen Kunstgriff beherrschen nicht viele Autoren, in meiner Leselaufbahn sind mir wirklich noch nicht viele untergekommen und ich wüsste nicht, mit wessen Feder oder Stil ich Mitchell vergleichen könne… . David Mitchell schafft es aus Worten und Ideen Figuren, Stimmungen und Szenen zu formen, die im Kopf des Lesers Bilder erzeugen und wahr werden. Der talentierte und begeisterte Autor erzählt, phantasiert bringt Zeiten und Welten, sein Wissen und Zeitgeschichte ein, ein modernes Märchen ohne Genrekonzept. Der neugierige Leser tritt von Beginn dieser abwechslungsreichen und vielseitigen Erzählung in den Dialog mit den zahlreichen Erzählern im Buch um die Freude an den Geschichten und das pulsierende und besondere Leben von den Figuren der Holly Sykes, Hugo Lamb, Ed Brubeck, Crispin Hershey und die wichtige Schlüsselfigur des Marinius. In sechs überwältigenden Kapiteln erzählen diese fünf Ich-Erzähler ihre Geschichte und man glaubt es kaum, sie alle sind mit Hollys Lebensweg verbunden und verbandelt. Fünf einzelne Personen, fünf unterschiedliche Welten, die sich dem Leser auftun und ihn aus der Realität reißen und ihn wie Harry Potter oder Stephen King fühlen lassen. Eine fiktive Welt auf gegenwärtigen Säulen, die Elemente der Fantasy, Mystery, Sage und Epos vereinen. Das Lesen gestaltet sich wie eine Suche. Eine Suche nach der Frage der Knochenuhren. Was sind diese? Wo ist der Ursprung? Woher kommt dieser herausragende Buchtitel? Persönliche Kritik:Trotz meiner Euphorie, meiner schieren Bewunderung und Begeisterung: Ja, es gab tatsächlich Kritikpunkte und Passagen, die mich gestört und verärgert haben. Aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Die dystopischen Züge haben mich ehrlich gesagt sehr verwirrt und ich wusste lange nicht Marinius Part anzunehmen. Der letzte Erzähler wirft das ganze Buch nochmals um und gibt einen ganz anderen fast visionären und fiktionalen, sowie dystopischen Glanz oder Belag. Je nach Gusto. Für mich war es eher ein schaler Belag, da für mich diese Dystopie, so nenne ich es einfach mal, nicht ganz in den Rahmen meiner Vorstellung passte. Aber ich habe es akzeptiert wie es ist und wurde gegen Ende des Buches mit Antworten beschenkt, die mich diesen kleinen Makel fast ungesehen haben werden lassen. Zum Autor:" David Mitchell, geboren 1969 in Southport, Lancaster, studierte Literatur an der University of Kent, lebte danach in Sizilien und Japan. Er gehört zu jenen polyglotten britischen Autoren, deren Thema nichts weniger als die ganze Welt ist. Für sein Werk wurde er u.a. mit dem John-Llewellyn-Rhys-Preis ausgezeichnet, zweimal stand er auf der Booker-Shortlist. Sein Weltbestseller Wolkenatlas wurde von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern verfilmt. David Mitchell lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Clonakilty, Irland."Cover:So aussagekräftig wie der gewaltige und mächtige Inhalt. Das Cover ist eine einzige Einladung zu diesem Buch und sich mit der Frage zu befassen, was Knochenuhren sind und warum das Cover zu diesen Mutmaßungen und Assoziationen weckt, die jeder Leser unweigerlich und fast unbewusst wahrnimmt. Mystisch und symbolisch. Hochwertige Verarbeitung, ansprechende Haptik, angenehmes Schriftbild und tolles Design. Neben dem hochwertigen Papier und dem festen Hardcovereinband gibt es zum Inhalt unheimlich viel zu Interpretieren und im Laufe des Lesens auf knapp 810 Seiten zu entdecken. 6 Kapitel und 5 Erzähler. Das Gewicht des Buches ist trotz seiner über 800 Seiten nicht auffällig schwer und ein angenehmes Lesen ist garantiert. Fazit: Ein gelungener Ritt in andere Welten. Ein atemberaubender Epos, der den Leser vergessen lässt, wo das Buch endet und die Knochenuhren beginnen ihren Takt zu schlagen. Epochal und meisterlich. David Mitchel hat eine neue Leserin für sich überzeugt! Fantastische 4 Sterne!

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    • 18
  • Leserunde zu "Die Knochenuhren" von David Mitchell

    Die Knochenuhren
    Marina_Nordbreze

    Marina_Nordbreze

    Herzlich Willkommen zu einer neuen Team-Leserunde von LovelyBooks! Seit unserer letzten Leserunde ist viel Zeit vergangen und es hat uns zwischenzeitlich immer mal wieder in den Fingern gejuckt, eine neue Team-Leserunde zu starten. Doch kein Buch konnte uns so richtig überzeugen.Aber jetzt haben wir den perfekten Kandidaten gefunden: "Die Knochenuhren" von David MitchellWir sind schon ganz gespannt auf die Lektüre und freuen uns auf die anstehende, hoffentlich intensive Diskussion!Vom LovelyBooks-Team sind dabei:aylareadsbooksdocetenHannaBuecherwurmJacky_Jollykai_huebnerKathycaughtfirekultfigurLaMargaritaMalistanordbrezeOribaPumpkinSophia29TinaLiestTree_TrunksIhr habt das Buch selber ungelesen daheim und möchtet mit uns gemeinsam lesen und diskutieren? Oder ihr habt das Buch schon gelesen und möchtet uns jetzt eure Meinung mitteilen? Kein Problem! Wir freuen uns, wenn ihr mit in die Leserunde einsteigt! Ihr kennt das Buch noch nicht? Hier könnt ihr schon einmal den Klappentext lesen:An einem verschlafenen Sommertag des Jahres 1984 begegnet die junge Holly Sykes einer alten Frau, die ihr im Tausch für "Asyl" einen kleinen Gefallen tut. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly Sykes genau versteht, welche Bedeutung die alte Frau dadurch für ihre Existenz bekommen hat. Die Knochenuhren folgt den Wendungen von Holly Sykes' Leben von einer tristen Kindheit am Unterlauf der Themse bis zum hohen Alter an Irlands Atlantikküste, in einer Zeit, da Europa das Öl ausgeht. Ein Leben, das gar nicht so ungewöhnlich ist und doch punktiert durch seltsame Vorahnungen, Besuche von Leuten, die sich aus dem Nichts materialisieren, Zeitlöcher und andere kurze Aussetzer der Gesetze der Wirklichkeit. Denn Holly – Tochter, Schwester, Mutter, Hüterin – ist zugleich die unwissende Protagonistin einer mörderischen Fehde, die sich in den Schatten und dunklen Winkeln unserer Welt abspielt – ja, sie wird sich vielleicht sogar als deren entscheidende Waffe erweisen. Metaphysischer Thriller, moralische Betrachtung und Chronik unseres selbstzerstörerischen Handelns – dieser kaleidoskopische Roman mit seiner Vielfalt von Themen, Schauplätzen und Zeiten birst vor Erfindungsreichtum und jener Intelligenz, die David Mitchell zu einem der herausragenden Autoren seiner Generation gemacht hat.

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  • Gewinnt die 15 Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2015!

    Lua und die Zaubermurmel
    Daniliesing

    Daniliesing

    10. December 2015 um 10:37

    Die Vorweihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr für tolle Buchempfehlungen, oder? Da es ja schon eine kleine Tradition geworden ist, möchten wir vom LovelyBooks Team euch auch 2015 wieder unsere Lieblingsbücher des Jahres empfehlen und einen von euch sogar mit einem Buchpaket, das alle 15 Bücher enthält, glücklich machen! Bevor es mit den einzelnen Lieblingsbüchern losgeht, möchten wir euch aber ein wunderbares Kinderbuch ans Herz legen, das uns alle bezaubert hat und das Klein und Groß mit seiner berührenden Geschichte in seinen Bann zieht! "Lua und die Zaubermurmel" ist unser gemeinsamer Buchtipp für das Jahr 2015. Unsere Buchempfehlungen: 1. kultfigur empfiehlt: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq Ein hochinteressantes Gedankenspiel zum schlummernden Konfliktpotential in unserer Gesellschaft und der Anpassungsfähigkeit des Einzelnen. Zeitlos und aktuell zugleich. Für mich ein geniales Buch, gerade weil es stellenweise auch banale und langweilige Seiten hat - denn so sind wir Menschen nunmal. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" von Bradley Somer Ein Goldfisch fällt aus dem 27. Stock - vorbei an den vielen Fenstern des Hochhauses und den Geschichten der Menschen dahinter. Gekonnt verknüpft Bradley Somer die einzelnen Schicksale dieser Menschen - mal ganz gewöhnlich, mal total abstrus und verbindet sie zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das man in dieser Form bestimmt noch nicht gelesen hat! Genial! 3. TinaLiest empfiehlt: "Im Frühling sterben" von Ralf Rothmann Ralf Rothmann hat mich mit seinem sprachlich sehr beeindruckenden Roman "Im Frühling sterben" aus einer Leseflaute geholt: Ich habe ebenso gebannt wie erschüttert von den Erlebnissen des Protagonisten Walter während der letzen Monate im zweiten Weltkrieg gelesen & auch nach dem Lesen hat mich der Roman nicht so schnell losgelassen. Ein beeindruckendes, leises und sehr starkes Buch! 4. doceten empfiehlt: "Chaos" von David Mitchell In "Chaos" erzählt David Mitchell in neun Geschichten über den freien Willen des Einzelnen in einer deterministisch-chaotischen Welt - nicht das kleinste Thema für einen Debütroman. Nahezu mikroskopisch klein sind jedoch oft die verbindenden Elemente zwischen den Geschichten, bis sie sich in ein großes Ganzes fügen, das wir wohl Leben nennen. Wer die Erzählweise aus dem bekannteren "Cloud Atlas" mag, wird auch von "Chaos" begeistert sein - ich bins! 5. Malista empfiehlt: "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" von Mamen Sánchez Es gibt Bücher, die liest man und am Ende waren sie gut. Und es gibt Bücher wie Mamen Sanchez' "Die schönste Art sein Herz zu verlieren", erschienen im Thiele Verlag, welches einen auf eine Reise mitnimmt, die niemals enden soll! Die Faszination des Buches liegt in den pointierten Beschreibungen der Protagonisten, ihrer Herkunft und ihrer Lebensstile, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unbedingt lesen! 6. ValerieLiebtLesen empfiehlt: "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili Ich habe das Familienepos dieses Jahr im Sommerurlaub in Portugal gelesen und war vom ersten Moment an gefesselt von dieser spannenden Geschichte rund um acht beeindruckende Frauenfiguren. Die 1200 Seiten habe ich verschlungen und danach war ich fast ein wenig wehmütig, dass die Geschichte "schon" rum war. Grandios! 7. Sophia29 empfiehlt: "Das Geheimnis des weißen Bandes" von Anthony Horowitz In diesem Jahr bin ich auf den Sherlock Holmes-Geschmack gekommen. Deswegen zählt „Das  Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz zu meinen absoluten Lesehighlights 2015. Die ersten Seiten dieses Buches haben ausgereicht, um mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen:   London im November 1890 – der unvergleichliche Detektiv Sherlock Holmes und sein alter Freund Dr. Watson setzen alles daran, das Geheimnis um „Das weiße Band“ schnellstmöglich zu lüften, um   weitere Morde zu verhindern. Ich habe die beiden wirklich gerne auf ihrer Verfolgungsjagd begleitet und von Seite zu Seite mehr der Auflösung dieses dubiosen Falls entgegengefiebert. Dieses Buch bietet nicht nur durch und durch sympathische Protagonisten und einen einzigartigen Stil des Autors, sondern garantiert vor allem auch Spannung bis zum Schluss. 8. HannaBuecherwurm empfiehlt: "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss Lasst euch nicht vom schleppenden Anfang des Buches trügen! Sobald ihr diesen einmal hinter euch habt, wird euch das Buch vollkommen fesseln und bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen. Vor allem der originelle Schreibstil macht dieses Buch aus, macht euch darauf gefasst, wiederholt in Lachen ausbrechen zu müssen. Das Buch ist der Auftakt zu einem fantastischen Fantasy-Epos, auf dessen Fortsetzung ich nun richtig gespannt bin! 9. aba empfiehlt: "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie Gegen Ende des Jahres nur ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt einem oft schwer, wenn fast jedes gelesene Buch diese Auszeichnung verdienen könnte. Dieses Mal ist es bei mir nicht so, ich musste keine Sekunde lang überlegen, die Entscheidung stand schon im Frühjahr fest. "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie ist mein absolutes Lieblingsbuch aus 2015. Für so viel Leidenschaft, so konsequente und menschliche Charaktere, und eine glaubhafte und spannende Entwicklung habe ich dieses Buch sehr geliebt. 10. Kathycaughtfire empfiehlt: "Wer die Nachtigall stört ..." von Harper Lee Eines der Bücher, das man in seinem Leben unbedingt gelesen haben sollte. Es ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, aber einer, den man schlichtweg lieben muss. Die Geschichte ist wunderschön, die Botschaft nach wie vor eine unglaublich wichtige und Harper Lee eine grandiose Autorin. 11. markusros empfiehlt: "Vom Inder, der auf dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" von Per J. Andersson Das Buch und speziell der so mutige Pikay haben mir die eigene Lust am Abenteuer und an fernen Ländern nicht nur in den Lesestunden zurückgebracht. Ich bewundere den Mut, sich aus Überzeugung für eine Sache in Situationen zu begeben, ohne vorher alle Eventualitäten intellektuell durchdacht und durchdrungen zu haben. 12. Tree_Trunks empfiehlt: "Altes Land" von Dörte Hansen Für mich ist "Altes Land" von Dörte Hansen eines der besten Bücher 2015 gewesen. Die Geschichte beschreibt die kleinen Wunden, die sich die Generationen einer Familie gegenseitig zufügen können und erzählt von der Bürde der Vergangenheit. Gleichzeitig hat Dörte Hansen einen tollen Humor, der mich wirklich laut zum Lachen gebracht hat und der von einer ungetrübten Menschenkenntnis zeugt. Ein großartiges Buch über menschliche Stärken und Schwächen! 13. Tasmetu empfiehlt: "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai Dieses Buch war so viel mehr als das, was ich erwartet habe und ließ mich tief berührt und nachdenklich zurück. Es ist die Geschichte des Swat Lands, es ist die Geschichte der Taliban, des Islams, es ist die Geschichte ihres Dorfes, ihrer Eltern, ihrer Freunde, ihrer Heimat, ihrer Flucht. Sympathisch, aufrüttelnd, aktuell. 14. nordbreze empfiehlt: "Bora" von Ruth Cerha Die Frankfurter Verlagsanstalt sollte dieses Buch nur zusammen mit einem Flugticket nach Kroatien verkaufen. Obwohl ich schon immer eine Wasser-Sehnsucht hatte, war diese noch nie so stark wie beim Lesen von "Bora". Ich möchte auch eine Insel erkunden, klettern, schwimmen, Wein trinken (ich mag gar keinen Wein ..) und Fisch essen. Ruth Cerha beschreibt das Inselleben einfach, alltäglich, aber trotzdem prägnant, so dass man das Gefühl hat, schon einmal dort gewesen zu sein (was ich für mich ausschließen kann. Ich war noch nie in Kroatien). Hinzu kommen mit Mara und Andrej zwei unaufdringliche Protagonisten, deren Liebesgeschichte so dezent aufgestellt ist, eigentlich will ich das gar nicht Liebesgeschichte nennen. Zwischen den beiden herrscht einfach eine große Vertrautheit, die ohne große Worte auskommt. Seid ihr neugierig auf unsere 15 Lieblingsbücher 2015 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 6. Januar Zeit, bei der Verlosung eines tollen Buchpakets mit allen 15 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns über den "Jetzt bewerben"-Button ganz oben nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir selbst immer so gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Welche sind eure Buchgeschenktipps des Jahres? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 990
  • Alle guten Dinge sind neun

    Chaos
    letusreadsomebooks

    letusreadsomebooks

    31. July 2015 um 16:09

    In neun Geschichten führt David Mitchell seine Leser rund um den Globus: Er erzählt von einem japanischen Sektenmitglied, das einen Anschlag verübt; von einem jungen Plattenhändler in Tokio, der sich unsterblich verliebt; vom Leben einer Teestubenbesitzerin am Heiligen Berg und ihrem Kampf gegen die erbarmungslosen Regimes; von einem Parasiten, der in seinem Wirt quer durch die Mongolei reist; von einer Kunstfälscherbande in St. Petersburg; von einem ärmlichen Ghostwriter in London, der versucht, seine Schulden zu tilgen; von einer irischen Nuklearwissenschaftlerin auf der Flucht sowie von einem Radiomoderator in New York, bei dem alle Stränge zusammenlaufen. Chaos ist ähnlich konstruiert wie sein Nachfolger Der Wolkenatlas. Wir haben neun einzelne Geschichten, die völlig unterschiedlich sind – was die Handlung betrifft, den Schreibstil und auch das Genre. Am Anfang wundert man sich noch, wie die eine Story denn überhaupt irgendetwas mit der anderen gemeinsam haben könnte, doch nach und nach entdeckt man es: Protagonisten aus einer Geschichte tauchen in anderen auf (das kennt man ja bereits aus dem Wolkenatlas/Cloud Atlas), manche spielen eine kleinere Rolle bei ihrem Gastauftritt, manche eine größere. Toll ist, dass auch Charaktere aus dem Wolkenatlas kurz vorbeischauen – quasi als Eastereggs für die fleißigen Mitchell-Leser. Allerdings finde ich die Handlungsstränge sogar noch gelungener miteinander verknüpft als in ebendiesem. Am Ende des Romans kommt es zum furiosen Finale und auf vielleicht 30 Seiten machte mein Kopf die ganze Zeit „Ah!“, „Ach so!“, „Oh!“ und „Waaas?“. Wer überraschende Enden mag, wird hier auf gar keinen Fall enttäuscht sein. Jede der neun Geschichten hat mir wirklich richtig gut gefallen. Manche von ihnen kommen ohne große Action aus, wie z.B. die über den jungen Jazzfan und Plattenhändler, die mich ein wenig an Nick Hornbys High Fidelity erinnert hat – trotzdem fehlt keinesfalls die Spannung. Andere Stories sind deutlich temporeicher und packend vom Anfang bis zum Ende. Gerade diese nicht alltäglichen Themen, wie das Leben der Teestubenbesitzerin oder die Geschichte der Nuklearwissenschaftlerin, fand ich total interessant. Genauso die ausgefallene Idee, einen Parasiten als Protagonisten und Erzähler zu wählen. Mitchell bietet einem eine Menge Abwechslung. Ein klassischer Roman ist Chaos natürlich nicht, aber wer mit dem Stil des Autors vertraut ist, sollte darauf ganz gut eingestellt sein und sich problemlos in dessen kuriose Welten fallen lassen können. Obwohl Chaos David Mitchells Debütroman ist, steht er dem bekannten Werk Der Wolkenatlas in nichts nach. Neun spannende Geschichten zu den unterschiedlichsten Themen nehmen den Leser mit auf eine abenteuerliche und zum Teil abgedrehte Reise quer über den Globus. Wer sich auf Mitchells besondere Art des Schreibens und Erzählens einlässt, wird sehr viel Freude hieran haben – und am liebsten direkt im Anschluss ein weiteres seiner Bücher lesen wollen.

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  • geniales Chaos

    Chaos
    itwt69

    itwt69

    18. October 2014 um 15:15

    David Mitchell's Erstlingswerk hat schon jede Menge genialer Eigenschaften seiner Nachfolger. Wer seine Romane liest, braucht zunächst einmal viel Geduld. Und viel Aufmerksamkeit, damit die oft mikroskopisch kleinen Zusammenhänge auch als solche erkannt werden. Nach gut der Hälfte hätte ich mir nicht träumen lassen, dass sich die oft wirren und anscheinend zusammenhanglosen Geschichten letzlich in ein großes Ganzes fügen, das die Welt zu erschüttern vermag. Eine ordentliche Portion Mystik verleiht dem Werk etwas besonderes, das sich von anderen Mehrfachgeschichten abhebt. Ihn zu kopieren würde bedeuten, ein Meisterwerk der Künste im Schwarzweißkopierer zu vervielfältigen.

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  • Neun Kurzgeschichten, die alle irgendwie zusammenhängen

    Chaos
    BuecherBall

    BuecherBall

    10. September 2013 um 17:05

    Chaos nennt sich dieser in der deutschen Übersetzung, und damit wurde ein ziemlich passender Titel zum Inhalt des Buches ausgewählt, wie ich finde. Denn chaotisch geht es allemal in diesem Buch, dem literarischen Debüt von Mitchell, zu, was auch schon der Klappentext auf der Buchrückseite erahnen lässt. Wer bei diesem bei den einzelnen Figuren fleißig mitgezählt hat, wird darauf kommen, dass es neun verschiedene Geschichten geben muss, und so ist es auch. Grob könnte man sagen, dass dieses Buch eine Sammlung von neun Kurzgeschichten umfasst, alle so zwischen 60 und 70 Seiten lang. Doch nicht umsonst trägt der Titel den Beinamen "Ein Roman in neun Teilen". Auf den ersten Blick steht jede Geschichte für sich, sie hat jeweils ihren eigenen Helden, der jeweilig seinen eigenen mal weltpolitisch kleineren, mal größeren Kampf ausfechten muss. Doch mit der Zeit wirft Mitchell dem Leser immer mal wieder kleinere oder größere Bröckchen zu, die diesem nach und nach die Zusammenhänge und Verstrickungen der einzelnen Geschichten aufzeigen und sich dabei immer mehr dem großen Finale der Gesamtgeschichte nähern, welches der Autor gekonnt in Form einer Late-Night Radioshow aus New York in Szene setzt. Die einzelnen Geschichten sind dabei so unterschiedlich geschrieben, dass man von einer Lebensgeschichte mit viel Geschichte(!) über den einen oder anderen Thriller bis hin zu einer kleinen Roadstory alles dabei hat - und noch mehr.

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  • Rezension zu "Chaos" von David Mitchell

    Chaos
    thursdaynext

    thursdaynext

    Mr. Spock würde sagen: FASZINIEREND! Das woran unsere Welt krankt seziert David Mitchell ebenso pointiert, mitreissend und akkurat wie die in ihr enthaltenen zauberischen Momente der besonderen Schönheit welche das Leben lebenswert macht. Seine Protagonisten überzeugen durch Authenzität. Auch die widerwärtigen. Ihr Innenleben und ihre Seelenqualen sind verständlich und der rote Faden zieht sich breit schimmernd durch alle neun Teile seines eigentlich aus Kurzgeschichten bestehenden grossartigen Romans, der es geneigten Lesern ermöglich sich genüsslich schwelgend darin zu verlieren und zu philosophieren...... (Entwarnung: auch wenn es sich so liest, ich bin nicht durchgeknallt, nur total begeistert.) Wer den Wolkenatlas kennt findet alte Bekannte wieder ( keine Panik , es gibt keinen Zachry g*) Sprachliche Kostbarkeiten gibt es auch wieder zuhauf, allerdings keine die sich der (Schrift)Sprache der Vergangenheit befleissigen. "Chaos" nimmt einen mit auf eine Reise, deren Weg man nicht kennt zu einem Ziel welches nie erreicht werden wird, doch es ist immer fast greifbar nah Fazit: Prall, phantasieanregend, einzigartig. CHAPEAU ! Absolute Leseempfehlung.

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    • 4
  • Rezension zu "Chaos" von David Mitchell

    Chaos
    Archibald Pynchon-Light

    Archibald Pynchon-Light

    02. April 2011 um 17:52

    Da hätten wir ein Sektenmitglied, das am Giftgasanschlag auf eine U-Bahn beteiligt war. Eine alte Frau, die an einem heiligen Berg in China eine Teehütte betreibt. Ein Kunsthändler in St. Petersburg, ein Börsenmakler in Hongkong, eine Nuklearwissenschaftlerin in Irland, ein Radiomoderator in New York und Rucksacktouristen in der Mongolei. So unterschiedlich wie die Personen sind auch die Milieus, in denen sie auftreten. Man kommt viel herum in diesen weltumspannenden Short Cuts. Die Herausgeber von „Chaos“ haben sich wohl gedacht: Kurzgeschichtensammlungen unbekannter Autoren verkaufen sich nicht, nennen wir es doch „Ein Roman in neun Teilen“. Die Geschichten sind nur sehr lose miteinander verknüpft. Es gibt vereinzelt Anspielungen auf die Ereignisse der anderen Geschichten und deren Auswirkungen, aber um alle Zusammenhänge zu überblicken, wäre es hilfreich, einen Flip-Chart zur Hand zu haben. „Chaos“ ist eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Dramatisch, humorvoll, spannend, manchmal etwas zu gewollt skurril, aber immer unterhaltsam. Die Geschichten sind abwechslungsreich, in Handlung und Erzählstil so verschieden, man möchte kaum glauben, dass sie vom selben Autoren stammen. Auf eine zarte Liebesgeschichte folgt ein Spionagekrimi, einer Erzählung mit SF-Elementen folgt eine Geschichte über ein körperloses Geistwesen, das die Menschen als Wirte nutzt und von einem zum anderen wandert. Das klingt nach dem titelgebenden Chaos, doch die Geschichten schaffen jeweils ihre eigene Welt, in der die Ereignisse völlig plausibel erscheinen.

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  • Rezension zu "Chaos" von David Mitchell

    Chaos
    BlurOasis

    BlurOasis

    21. January 2011 um 21:00

    Was für ein wunderbares Buch.Erstaunlichweise wirkt die Verknüpfung der Geschichten nicht einmal konstruiert,besonders hervorstechend ist hierbei die japanische Sekten-Episode,die ist unglaublich gut geschrieben,ich hätte auch einen ganzen Roman nur mit dieser Geschichte verschlungen.

  • Rezension zu "Chaos" von David Mitchell

    Chaos
    Haeddl

    Haeddl

    07. December 2008 um 22:25

    David Mitchell führt den Leser in CHAOS einmal rund um den Globus und spinnt in neun Episoden ein weltumspannendes Netz aus Einzelschicksalen, die sich gegenseitig beeinflussen. Diese Schnittstellen entstehen mehr oder weniger zufällig und wurden vom Autor geschickt eingesetzt - wenn auch nur eine Begegnung zweier Protagonisten gefehlt hätte, wäre alles ganz anders gekommen. Das Buch liest sich leicht und flüssig, und es bereitet eine gewisse Freude, die ganzen Querverbindungen zwischen den Episoden zu entdecken. Einen Stern Abzug gibt es für den Mittelteil (Petersburg, London), der doch recht unmotiviert und langatmig wirkt. Die Radio-Episode und der Quasi-Epilog zum Schluss geben dem Buch jedoch die Spannung vom Anfang wieder und entlassen den Leser mit dem schönen Gefühl, ein wirklich gutes Buch gelesen zu haben.

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  • Rezension zu "Chaos" von David Mitchell

    Chaos
    MrsKitty

    MrsKitty

    25. June 2008 um 12:37

    Grandioses Buch, das mich von der ersten Seiten an gefesselt. Wie geschickt die einzelnen Geschichten miteinander verknüpft sind, ist wirklich toll.

  • Rezension zu "Chaos" von David Mitchell

    Chaos
    LeGrandGris

    LeGrandGris

    21. January 2007 um 12:54

    Literatur für das 21. Jhd. - verschachtelt, komplex, großartig.