1977

von David Peace 
3,8 Sterne bei28 Bewertungen
1977
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Inhaltsangabe zu "1977"

Der „Yorkshire-Ripper“ schlägt wieder zu David Peace wurde für „1974“ mit dem „Deutschen Krimipreis“ ausgezeichnet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783453675094
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:396 Seiten
Verlag:Heyne, W
Erscheinungsdatum:02.04.2007

Rezensionen und Bewertungen

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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 7 Jahren
    Der Höhepunkt des "Red-Riding"-Quartetts

    In knapp drei Tagen habe ich dieses Buch nun durchgelesen und ich muss durchatmen. Tief durchatmen, denn "1977", der zweite Band des "Red Riding Quartetts" ist noch härter, schonungs- und gnadenloser als sein Vorgänger.

    Peace' Erstling wurde ja bereits als Zukunft des Kriminalromans bezeichnet und mit dem Deutschen Krimipreis gekürt. Ein völlig neuer Stil, eine andere Art des Erzählens, eine Wortwahl ohne moralische Grenzen. Unverdaulich und unzugänglich für viele Leser, die mit dieser Sorte von Brachial-Literatur nichts anfangen können, was absolut nachvollziehbar ist, denn diese Bücher kann man nicht mögen, nicht lieben, nicht feiern. Sympathieträger gibt es hier nicht. Helden, Hoffnung, Liebe. Das sucht man hier vergebens. Es ist eine Welt voll Hass, ein böser, zynischer Blick in die Fratze einer Gesellschaft, die sich selbst aufgegeben hat. Und war "1974" bereits ein Hardboiled-Machwerk voller Düsternis und Schmutz, so legt "1977" jetzt noch mal eine Schüppe Dreck obendrauf.

    David Peace bezieht sich nun in aller Deutlichkeit auf die realen Hintergründe des Yorkshire Rippers, der Ende der 70er Jahre England mit den Mord an 13 Frauen in Aufruhr versetzte. Der Autor, selbst aus dieser Gegend, ist mit dem Medienrummel um den brutalen Killer aufgewachsen, von diesem Mann gleichermaßen abgestoßen und fasziniert. Eine Art von Kindheitstrauma möchte man also sagen, das er sich mit dieser Tetralogie von der Seele schreibt und aus einer Zeit entstammt, wo Peace selbst noch keine Familie gehabt hat. Sonst wären diese Bücher, so sagt er selbst, wohl nie entstanden.

    "1977" ist nicht nur der erste Höhepunkt dieser Reihe, sondern lässt auch den Ripper erstmals in Aktion treten. Ihm auf der Spur ist unter anderem Bob Fraser. Ein raubeiniger Ermittler, der zur Mordkommission berufen wird, um die Morde an den Prostituierten zu untersuchen und sich an der großen Hetzjagd auf den unbekannten Täter zu beteiligen, denn die Stadt Leeds ist ein Hexenkessel voller Furcht und Zorn. Die Öffentlichkeit fordert Ergebnisse und die Polizisten prügeln sich die Wahrheit an hilflosen Strichern und Nutten so zurecht wie sie sie brauchen. Für Fraser eine denkbar ungünstige Situation, hat der Familienvater doch eine Affäre mit einer Prostituierten, die nun ihrerseits in Gefahr gerät. An anderer Stelle kehrt Jack Whitehead. Zeitungsreporter und ehemaliger Starjournalist, in den Dienst zurück und rollt den Fall auf seine Art auf. Und wie Fraser unterhält er eine Beziehung zu einem Freudenmädchen, so dass sich bald wie Wege der zwei Männer kreuzen...

    Bis dahin ertrinkt der Leser erstmal in einem Cocktail brutalster Gewalt. Es wird gefoltert, vergewaltigt, gevögelt, auf bestialischste Weise getötet, ohne dass eine Verschnaufpause in Sicht ist. Leeds ist ein Moloch voll Korruption, eine Stadt, die langsam vor sich hinfault und auseinander bricht. Warum liest man weiter? Wo liegt die Faszination? Eine Frage, die sich jeder stellen und beantworten muss. Für mich liegt die Besonderheit, die hohe Qualität in Peace' Sprache. Jeder Satz, jeder Dialog ist ein Fausthieb. Konzentrierte Wut, triefender Hass und Verachtung. Und doch mitreißend, packend, Adrenalin geschwängert, schnell. Hier ist kein Wort zuviel, wird auf jegliche Ausschmückung oder Erklärung verzichtet. Man könnte von Poesie reden, wäre es nicht alles so düster und finster, so grauenvoll trostlos. Wer da nach einiger Zeit aufgibt, sich ergibt und das Buch weglegt, hat mein Verständnis. Ich habe mich festgebissen und es durchgelesen. Und nun sitze ich da und denke darüber nach. Wohl noch über den heutigen Tag hinaus, was wohl das ist, was das Buch so bemerkenswert macht.

    Insgesamt ist "1977" ein knallhartes Gesellschaftsporträt, ein Hardboiled-Meisterwerk, das an die Nieren und in die Magengrube geht und das man, ohne den vorherigen Band gelesen zu haben, gar nicht erst in die Hand zu nehmen braucht. Ein Buch, das deprimiert und durch das man sich kämpfen muss, stets in der Hoffnung, zwischen all den vielen schnellen Szenen- und Situationswechseln nicht irgendein wichtiges Detail übersehen zu haben.

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    Wolkenatlass avatar
    Wolkenatlasvor 10 Jahren
    Rezension zu "1977" von David Peace

    "Bestialische Oper des Wahnsinns" (in vier Akten)

    Selten trifft ein Klappentext so zu, wie der oben von mir zitierte. Diese vier Bücher -1974, 1977, 1980 und 1983- sind einer "bestialischen Oper in vier Akten" wirklich ähnlich. Ich habe 1974 nur deshalb gelesen, weil es mir von einem wirklich guten Freund (der wie ich dem Krimigenre nicht sehr zugetan ist) eindringlich empfohlen wurde. Die vier Bücher sind eigentlich ein Buch. Unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen, da man, wenn man nicht alle vier gelesen hat, keinen wirklichen Überblick über die Story hat. In 1980 z.B. versteht man einiges nur, wenn man 1970 gelesen hat (dort war es dafür nicht klar). Ereignisse ziehen sich durch die vier Bücher wie Leitmotive, jedes der vier Bücher wird aus verschiedenen Erzählperspektiven erzählt. Ich habe mir schon während der Lektüre von 1974 die anderen drei Bücher gekauft und in einem Trancezustand das komplette "Red Riding Quartett" binnen sieben Tagen gelesen.
    Ein (in jeder Hinsicht) wahnsinniger Zyklus. Ich habe selten solch archaische Wucht erlebt, wie sie David Peace hier dem Leser entgegenschleudert. Die vier Bücher sind einer Lawine ähnlich, man weiß spätestens in 1977, daß man nicht zur Ruhe kommen wird, bis man am Ende von 1983 schweißgebadet und fertig aus diesem Sog fällt.
    Ein hartes, ein schwarzes Buch, ein teilweise nicht einfach zu lesendes Buch, viel besser und nicht zu vergleichen mit James Ellroy (der gerne als Vorbild für David Peace zitiert wird), im Schubladendenken "hard core", kongenial von Peter Torberg übersetzt aber eigentlich große Literatur. Ein fesselnder Albtraum! Grandios!

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    Skinflower
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    dieBaCke
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    apollo
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    frankyfrankvor 3 Jahren
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    Frankenmatzevor 3 Jahren
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    cosima123vor 4 Jahren
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    Arunvor 5 Jahren
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    Eunikevor 5 Jahren

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