David Peace GB84

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Inhaltsangabe zu „GB84“ von David Peace

Großbritannien 1984: ein Land im Ausnahmezustand. Die Bergarbeiter sind in Streik getreten und kämpfen um ihre Arbeitsplätze, ihre Zukunft. Doch die Premierministerin regiert mit eiserner Hand. Ihre Handlanger hetzen die Presse auf, lassen Gegner bespitzeln, säen Gewalt. Auch Geheimdienst und Gewerkschaften sind zum Äußersten bereit, um ihre Interessen durchzusetzen. Das Land schlittert dem Bürgerkrieg entgegen. Bald gibt es die ersten Toten …

Wütend, intensiv, fordernd, aber mit einigen Längen.

— Gulan
Gulan

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  • Starke Thematik, leider zu umständlich geschrieben

    GB84
    Makollatur

    Makollatur

    06. October 2015 um 15:38

    David Peace's Werk "GB 84" widmet sich dem britischen Bergarbeiterstreik aus den Jahren 1984/1985. Dieses Thema ist so originell, dass man als Leser dem Autor direkt dankbar sein muss. Eine völlig neue Herangehensweise, tolle Verschachtelung der Geschichte und ein enorm guter Spannungsbogen machen den Text zu einer kleinen Entdeckung. Der Autor ist ein großer Freund von Subtilitäten bzw. Metaebenen, denn auf fast jeder Seite sind Sprachspiele, Brüche, Wiederholungen eingebaut, die Peace als Kenner und Könner des Schreibens ausweisen. Gleichzeitig aber besitzt "GB 84" einen Hang zu eben jener Überstilisierung, die irgendwann als lästig oder überflüssig empfunden wird. Der Roman besitzt eine so interessante Handlung, dass die permanente Ablenkung des Lesers durch die genannten Stilmittel leider den Lesefluss stört. So ist es auf Dauer anstrengend, den Text zu lesen; auf der anderen Seite aber ist "GB 84" wiederum durch seine thematische Originalität und intellektuelle Herausforderung durchaus lesenswert.

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  • Glückauf, der Steiger kommt.

    GB84
    Gulan

    Gulan

    Alles passiert heute hier. Die Streikenden haben die Polizisten auf dem Zechengelände in der Falle. Die Polizei hat Hilfe angefordert. Die Kolonne mit der Verstärkung ist unterwegs - In zwei Reihen rast sie mit hundertvierzig Sachen die Straße entlang. Die Streikenden am Straßenrand bewerfen die Wagen mit Steinen, vom ersten bis zum letzten - Rums. Rums. Rums. Rums - Brocken um Brocken. Ziegel um Ziegel. Stein um Stein - Auf jedes Einzelne der sechzig Fahrzeuge. Ein Pferdetransporter gerät auf den Bürgersteig und trifft frontal einen Kumpel - Sie lassen ihn in seiner Donkeyjacke sterbend liegen - Die Polizisten lachen, johlen, schlagen auf ihre Schilde. Der Mechaniker steht vor einem Pub und schaut in die Gesichter. Männer rennen in jede beliebige Richtung davon. Polizisten stürmen hinter ihnen her. Rettungswagen, brennende Barrikaden - Polizeitransporter mit Maschengittern und Kuhfängern brettern gegen die Barrikaden - Die Lust ist voller Qualm und Qualen. Die Morgendämmerung lässt auf sich warten -(S.349) Großbritannien im März 1984: Kaum hat Ian McGregor, der Vorsitzende des National Coal Board (NCB), die Schließung unrentabler Zechen und die Privatisierung der übrigen angekündigt, beginnt die einflussreiche Bergbaugewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM) mit den Gegenmaßnahmen. Ohne Urabstimmung wird vom Gewerkschaftsführer Arthur Scargill ein landesweiter Streik ausgerufen. Die Gewerkschaft ist zuversichtlich, schließlich hatten sie bereits 1974 den konservativen Premierminister Edward Heath durch ihren Streik aus dem Amt gedrängt. Doch diesmal regiert ein anderer Regierungschef in Downing Street No.10: Die eiserne Lady Margaret Thatcher. Es beginnt ein harter Kampf, der sich ständig zuspitzt und in dem alle Register gezogen werden: Betrug, Korruption, Verrat, Gewalt, Bespitzelung und auch Mord. Der britische Bergarbeiterstreik 1984/85 stellt bis heute eine der politischen Zäsuren Großbritanniens dar. Der Streik dauerte knapp 53 Wochen und wurde begleitet von zahlreichen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Streikenden. Obwohl sich Premierministerin Thatcher offiziell zurückhielt, war klar, dass sie insgeheim die Fäden zog. Ihr erklärtes Ziel war der Machtverlust der traditionell starken britischen Gewerkschaften. Ein Kompromiss zu den Zechenschließungen und Privatisierungen war nicht vorgesehen und hätte Thatchers Vision des Neoliberalismus gefährdet. Auf der anderen Seite stand „King Arthur“ Scargill, der Vorsitzende der NUM, ein selbstbewusster und exzentrischer Mann, am Marxismus orientiert, ebenso kompromisslos bereit, um die Arbeitsplätze zu kämpfen. Auf der Strecke bleiben bei diesem Arbeitskampf das Selbstbewusstsein der britischen Arbeiterklasse, der gesellschaftliche Zusammenhalt und der Glaube an den demokratischen Rechtsstaat. Autor David Peace hat hieraus einen auf Tatsachen beruhenden fiktionalen Roman geschrieben, in dem nur die wichtigsten Personen mit Klarnamen vorkommen. Der Leser begleitet mehrere Personen durch die Streikwochen: Gewerkschaftsgeschäftsführer Terry Winters, der die Gelder verwaltet und vom Rest der Gewerkschaft nur geduldet wird, David Johnson, der Mann für die schmutzigen Arbeiten, vom Geheimdienst zwangsrekrutiert, Stephen Sweet, Strippenzieher der Premierministerin und von Peace konsequent „der Jude“ genannt, Neil Fontaine, Sweets Fahrer und Handlanger, der auch eigene Ziele verfolgt, und Malcolm Morris, Abhörspezialist. Ich war gewarnt. Zweimal bislang hatte ich Romane von David Peace gelesen: „1974“ aus dem „Red Riding Quartet“ und die Trainer-Biografie „The Damned United“. Beides rohe, wütende, derbe, aber auch sehr intensive Romane. Und der Autor, ein Verehrer James Ellroys, bleibt seinem Stil treu. Kurze Sätze, Aufzählungen, fragmentarische Einschübe. Zudem erklärt Peace äußerst wenig, geht direkt in medias res. Das ist äußerst fordernd für den Leser, schafft aber gleichzeitig eine ungeheure Intensität. Besonders zur Geltung kommt diese zu Beginn der Kapitel, wo Peace immer auf einer Seite (in verdammt kleiner Schriftgröße) die beiden Streikenden Pete und Martin eine Art Tagebuch führen lässt. Die beiden starten voller Euphorie in den Streik, werden regelmäßig als Streikposten eingesetzt, erleiden harte Entbehrungen, lassen sich regelmäßig von der Polizei verprügeln, um am Ende völlig desillusioniert mit leeren Händen dazustehen. Tag 264. Wieder mal Sonntag. Ein verdammter Sonntag. Ich kann nicht im Haus bleiben. Ich gehe ins Hotel. Ich habe gerade genug für ein halbes Pint. Zu Fuß hin und zurück, das wird den Großteil des Tages dauern. Frischluft hilft mir beim Schlafen. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalten kann. Wirklich nicht. Ich weiß, es gibt welche, die hielten das für das Beste, was jemals in ihrem Leben passiert ist. In den ersten paar Monaten zumindest. […] Ich frage mich, was sie jetzt darüber denken. Nach neun Monaten. Neun verdammten Monaten – Neun Monate Toast zum Frühstück, Suppe zu Mittag, Spaghetti zum Abendbrot. Neun Monate lang keine neuen Sachen für die Kinder. Neun Monate nur Almosen und die abgelegten Sachen von anderen. Neun Monate, in denen ihre Frauen versuchten, mit dem wenigen auszukommen und alles zusammenzuhalten. Neun Monate, in denen alles langsam auseinanderfiel. Neun Monate, in denen sie jedes nur erdenkliche Fernsehprogramm gesehen haben. Neun Monate, in denen sie von nichts anderem gesprochen haben. Neun Monate Streit und Streit und Streit und Streit. Neun Monate, in denen sie zu Bett gegangen sind, auf dem Rücken gelegen, die Decke angestarrt haben, sich wünschten, tot zu sein. (S.394) Leider hat der Roman für mich einen großen Kritikpunkt: Er ist einfach deutlich zu lang. David Peace hat das Buch in 53 Kapitel unterteilt, für jede Streikwoche eins. Und diese Kapitel wollen gefüllt werden. So wird es besonders zu Buchmitte, wenn das x-te Gewerkschaftstreffen stattgefunden hat und „der Jude“ zum x-ten Mal irgendwelche Streikbrecher schmiert, doch arg langatmig. Ich behaupte mal kühn, hätte dieser Streik in Frankreich stattgefunden, Dominique Manotti hätte nur knapp die Hälfte der Seiten gebraucht, um einen nicht minder intensiven und anklagenden Roman zu schreiben (zugegeben in einem anderem Stil). Alles in allem ein sehr intensiver und wütender politischer Roman, der hohe Anforderungen an den Leser stellt und leider aus meiner Sicht erhebliche Längen aufweist.

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    • 12
  • GB84 von David Peace

    GB84
    Angel10

    Angel10

    02. July 2015 um 07:36

    Lesenswert, zeigt die hässliche Seite der Politik,
    ist eher eine Mischung aus Roman und Dokumentation

  • Sixteen tons and what do you get

    GB84
    Havers

    Havers

    24. March 2014 um 19:12

    Zwanzig Jahre sind seit dem „Miner’s Strike“ vergangen, den der aus Yorkshire stammende David Peace in seinem beeindruckenden Roman „GB84“ beschreibt, aber noch immer spürt man die Wut des Autors über die Ereignisse, die im März 1984 ihren Anfang nehmen, als Ian McGregor, Vorsitzender des National Coal Board, die Schließung unrentabler und die Privatisierung der verbliebenen Zechen ankündigt. Dass dabei Arbeitsplätze im großen Stil vernichtet werden, steht außer Frage, und so beginnt in den folgenden Tagen in den Kohlerevieren Nord- und Mittelenglands der Streik der Bergarbeiter, der mehr als ein Jahr dauern und die englische Gesellschaft nachhaltig verändern wird. Grund dafür ist der harte Kurs, den die „Eisernen Lady“ Maggie Thatcher und ihre Schergen gegen die Gewerkschaften fahren, deren Entmachtung und anschließende Zerschlagung oberste Priorität hat. Dabei gibt es kein Erbarmen, es wird mit äußerster Härte vorgegangen, seien es nun die körperlichen Auseinandersetzungen in den Straßenschlachten oder das Streichen von finanziellen Unterstützungen, die in erster Linie die Familien der Bergleute treffen. Thatcher treibt nicht nur einen, sondern viele Keile in die Gesellschaft, demonstriert absolute Härte und nimmt bewusst die Verelendung einer Klasse in Kauf, um ihre politischen Ziele durchzusetzen. All dies beschreibt David Peace in seinem unnachahmlichen Stil, der reale Fakten und Personen mit Fiktionalem vermischt, wenn es die Dramaturgie erfordert. Eingeteilt ist der Roman in dreiundfünfzig Kapitel, für jede Woche der Streikdauer eine, deren Konstante eingangs die Schilderungen der beiden Streikposten Martin und Peter sind, die an den verschiedensten Stellen eingesetzt werden. Der Romantext an sich setzt sich aus unzähligen Bruchstücken zusammen, in denen sowohl Regierungstreue als auch Gewerkschaftler im Zentrum stehen, wobei aber auch die letztgenannten keine Heiligen sind und sich korrumpieren lassen - in „GB84“ gibt es Schwarz und Weiß, aber vor allem gibt es jede Menge Grau. David Peace hat mit seinem Werk den streikenden Bergarbeitern der Jahre 1984/85 ein Denkmal gesetzt. „GB84“ ist ein wichtiges Buch, fast eine Sozialreportage, führt es uns doch auf literarische Weise die menschenverachtende Politik einer neoliberalen Regierung vor Augen, die bis heute nicht nur in Großbritannien nachwirkt. Hart bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus, oft kaum zu ertragen und selbst für geübte Leser wegen der eingesetzten Stilmittel eine Herausforderung - aber jede einzelne Zeile ist die Mühe wert!

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