David Pfeifer Die Rote Wand

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Inhaltsangabe zu „Die Rote Wand“ von David Pfeifer

Der Tod kommt jedes Mal aus einer anderen Richtung Wie eine Steinwand, die Gott als natürliche Grenze zwischen Nord- und Südeuropa in die Erde gerammt hat, ragen die Berge hinter Sexten in den Himmel. Hier verläuft 1915 die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Eine Front, die im Ersten Weltkrieg Schauplatz eines erbitterten Stellungskriegs wird. Gekämpft wird auf Felsvorsprüngen, Gipfeln, auf Skiern, mit Stichmessern, Karabinern und Handgranaten. Mann gegen Mann versuchen kleine Einheiten die Höhe zu sichern. In all diesen Scharmützeln hält sich in der roten Wand ein Mädchen auf, das seinem Vater in den Gebirgskrieg gefolgt ist. David Pfeifer erzählt ihre Geschichte und die Geschichte des Dolomitenkriegs in einem eindrucksvollen Roman.

Berührende, außergewöhnliche Erzählung eines jungen Mädchens während des 1 WK.

— cassandrad
cassandrad

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    Die Rote Wand
    Sommerregen

    Sommerregen

    09. January 2017 um 19:11

    An einem klaren Aprilmorgen in Meran beschließt ein Mädchen ihrem Vater in den Krieg zu folgen. Schon einmal hat sie im vergangenen Sommer auf ihn warten müssen, bangte um seine Rückkehr als er nach Galazien einberufen wurde. Als er wiederkam war er nicht mehr derselbe: Sämtliches Leben schien aus ihm gewichen, in seinen Augen lag etwas Düsteres und dennoch antwortete er auf die Fragen seiner Tochter nur mit Lob für echte Kameraden, ohne die man draußen nicht zu überlegen vermochte.Als dann also der Beginn des Ersten Weltkrieges droht und das Mädchen erneut alleine gelassen wird, beschließt es, sich als Junge zu verkleiden. Das lange blonde Haar kurz geschnitten und die Kleidung des Vaters angezogen, macht es sich auf den Weg.Die 15jährige macht sich zwei Jahre älter, gibt sich den Namen Richard und erklärt, sie müsse in den Krieg ziehen um ihren Vater zu suchen. Kurz nachdem sie dies ausgesprochen hat, fürchtet sie eine falsche Begründung abgegeben zu haben - wären Volk, Vaterland, Kaiser und Gott nicht eine bessere Antwort gewesen? Tatsächlich ist man aber so verzweifelt auf der Suche nach Kämpfern, dass sie genommen wird. Der Schwindel ist noch nicht aufgeflogen.Immer wieder versucht sie, beispielsweise von einem Arzt, zu erfahren, wo ihr Vater stationiert ist. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand an einen Mann erinnert und ihr weiterhelfen kann, geschwindend gering, was ihr Tag für Tag immer schmerzhafter bewusst wird. "Zum Sterben ist man ja nie zu jung." (S.33) heißt es zwar von Seiten des Arztes,"Und wenn dann einst, so leid mir's tut,Mein Lebenslicht verlischt,Freu ich mich, dass der Himmel auchSchön wie die Heimat ist." (S.35f.) tönt es jedoch von den Soldaten.Und so marschiert die ausgemergelte, graue Karwane mit austauschbaren Kämpfern, begleitet vom Ruf "Für Gott, Kaiser und Vaterland" zur Roten Wand. Erbitterte Kämpfe auf Felsvorsprüngen oder Gipfeln mit den unterschiedlichsten Waffen prägen den Stellungskrieg. An der Seite eines echten Kameraden namens Max hält das Mädchen Erstaunliches aus, wird kräftiger, abgehärteter und willensstärker, als sie es von sich erwartet hätte. Denn das Ziel, ihrem Vater zu begegnen und ihn zu beschützen, hegt sie noch immer.Doch auch das Mädchen Richard muss miterleben, wie immer mehr Soldaten fallen, Granaten explodieren und den Männern die Körper zerfetzen. Dabei ist es für sie von großer Bedeutung, dass die große Lüge über ihre wahre Identität niemals auffliegt.Eine Sekunde der Unachtsamkeit und man ist verloren, so lernt sie; schließlich lauert der Feind überall und vermag von allen Seiten anzugreifen...Das Mädchen durchlebt Höhen wie Tiefen, erfährt Langeweile bei gleichzeitiger Anspannung, lernt das Fürchten und das Töten. Aber es sind schon ganz andere im Kampf gefallen...Im Buchdeckel und über die erste Seite erstreckt sich eine Übersichts-Karte der Rotwand, damit der Leser immerhin einen groben Überblick zum Handlungsort er- und behalten kann. Denn da das Mädchen mit verschiedenen Truppen stetig weiterzieht, ändert sich der Schauplatz Mal um Mal.Das Buch beginnt mit einem Prolog, der einen direkt in eine Kampfszene katapultiert. Schon dort gibt es erste Verluste und die sehr bildhafte Sprache bewirkt, dass man aufmerksam jede Bewegung der Figuren verfolgt. "Er will noch etwas sagen, einen letzten Befehl oder vielleicht eine Verwünschung hauchen. Doch dann verlischt er, wie ein Zündholz, das in den Schnee geworfen wurde." (S. 10) Dann springt die Erzählung und man steht ganz am Anfang bei dem Entschluss des Mädchens in den Krieg zu ziehen. Den Namen der Protagonistin erfährt man im Verlaufe des gesamten Buches nicht, was den Leser permanent auf Distanz hält. Ich vermochte keine wirkliche Bindung zu ihr aufzubauen, da sie mir immer fern und nicht ganz verständlich war.Das mag auch daran liegen, dass man kaum etwas über ihre Gedanken und Empfindungen liest. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass diese, gerade bei der Thematik des Buches, durchaus behandelt würden, da in einer solchen Erzählung nicht nur die einzelnen Gefechte von Belang sind. Aber nur selten blitzt bei "dem Mädchen" eine dem Leser bemerkbare Gefühlsregung auf...Leider wandelt sich mit dem ersten Kapitel der Schreibstil allmählich, da von der ausgeschmückten Erzählweise immer weniger übrig bleibt. Am Anfang wird dies noch durch das Zitieren einiger Lieder ausgeglichen, diese fallen aber nach und nach weg, sodass eher als Ausnahme mal eine Strophe angeführt wird. Auch werden die Sätze immer simpler, weswegen das Buch auf rein sprachlicher Ebene bestens auch für junge Leser geeignet wäre.Das Buch erscheint mehr wie ein Bericht als wie ein Roman, was meines Erachtens sehr schade ist. In einem Interview gab der Autor an, weswegen die Geschichte für ihn so faszinierend war: "Zunächst einmal den Versteckspielaspekt, also eine Spannungsebene, die weder Alpen-Krimi noch Stahlgewitter-Romantik braucht. Das Mädchen muss ja in einer reinen Männerwelt überleben. Für diese Mimikry beobachtet sie die Männer genau und ahmt Verhaltensweisen nach. Nichts studiert man so aufmerksam wie ein Objekt, das man kopieren möchte. Dazu kam die Front an sich, die mit keinem anderen Kriegsschauplatz vergleichbar war."Ehrlich gesagt hätte ich mir sehr gewünscht, dieser psychologische Aspekt wäre wirklich mehr herausgearbeitet worden. Allerdings wird hier höchstens an der Oberfläche gekratzt, weswegen die Protagonistin auch nicht wirklich lebendig wirkt. Besser konnte ich mit den Nebenfiguren fühlen, wobei auch diese eher blass gezeichnet wurden.Auf mich wirkt es eher so, als hätte der Autor möglichst viele Informationen gesucht, die für ein Sachbuch jedoch nicht ausreichten, um diese dann aneinander zu fügen und gelegentlich durch eine erdachte Sequenz zusammen zu basteln. Betrachtet man die faktenreichen Beschreibungen, so merkt man durchaus, dass sich David Pfeifer mit der Thematik auseinandergestezt hat.Was mich am meisten beeindruckt ist, dass dieses Werk auf einer wahren Begebenheit beruht. Das namenlose Mädchen, welches wegen ihres Vaters an die Front geht, hieß in Wirklichkeit Viktoria Savs. Nach Kriegsende wurde sie wohl von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken "benutzt".Führt man sich beim Lesen vor Augen, was sie und all die anderen Soldaten durchleben mussten, ist dies erschütternd.Somit wird hier zwar ein bewegendes Schicksal behandelt, dieses aber nicht als solches vermittelt. Die Erzählung bleibt meines Erachtens weit hinter ihren Möglichkeiten, da die wie ein Bericht anmutende Geschichte wenig bis gar keinen Raum für Gefühle lässt. Ausführlicher wird sich den Beschreibungen der Front und der mit ihr verbundenen Schwierigkeiten gewidmet, wobei die Passagen zu den Felsen in meinen Augen zu genau waren. Wer sich mit dem Gebirge auskennt, mag sich bei diesen Ausführungen vielleicht ein Bild vom Ort des Geschehens machen können, mir war dies jedoch so gut wie unmöglich. Wer etwas über den Krieg in den Dolomiten erfahren möchte, kann mit dieser Lektüre vielleicht einen Einstieg finden. Auf mich wirkt das Buch leider nicht ganz rund, für Dolomiten-Interessierte hält es wohlmöglich mehr Spannung bereit.2,5 Sterne

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    • 7
  • Die Rote Wand, rezensiert von Henriette Kreimeyer

    Die Rote Wand
    Splashbooks

    Splashbooks

    18. June 2016 um 09:58

    Das Gespräch mit einem befreundeten Historiker inspirierte David Pfeifer dazu, einen Roman über das Mädchen zu schreiben, welches sich im ersten Weltkrieg freiwillig meldete, um in den Krieg um Tirol zu ziehen. Der Autor wurde 1970 in München geboren und arbeitet als Journalist für verschiedene Zeitschriften unter anderem für den Stern, Neon, Geo und GQ. Mittlerweile ist er verantwortlicher Redakteur für die Wochenausgabe der Süddeutschen Zeitschrift. Wie häufig bei Büchern, welche von Journalisten geschrieben wurden, sind die Faktengenauigkeit, die ausgeprägte Recherche und der gute Schreibstil auf jeder Seite des Buches spürbar. In einem Interview erzählt er, dass er nur deshalb einen Roman geschrieben hätte, weil die Informationen für ein Sachbuch nicht ausgereicht hätten. Die Sprache Pfeiffrs stellt einen enormen Wert da. In unaufgeregten Sätzen mit einfacher, klarer Sprache schreibt er keinen Heldenepos über den 1. Weltkrieg, sondern lässt eine Handvoll Figuren ihr Schicksal erleben. Dabei achtet er darauf, keine Partei zu ergreifen, sondern eine sachliche und neutrale Darstellung zu wahren. Dadurch wird das Leid der Menschen realer und nachvollziehbarer für den Leser. Um den Irrsinn weiter zu verdeutlichen, streut der Autor an manchen Stellen Auszüge aus dem Leben in Wien ein, wo Diplomaten in Lackschuhe über das Schicksal von Menschen in über 2000m Höhe entscheiden. Rest lesen unter:http://splashbooks.de/php/rezensionen/rezension/23767/die_rote_wand

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  • Die rote Wand

    Die Rote Wand
    Fantasie_und_Träumerei

    Fantasie_und_Träumerei

    14. April 2016 um 11:26

    „Die rote Wand“ beginnt 1915. Der erste Weltkrieg zieht gen Süden, erreicht die Dolomiten, die damals als Grenze zwischen Österreich und Italien dienten. Laut Berichten hat ein als Soldat verkleidetes Mädchen an den Kämpfen teilgenommen hat. Viktoria Savs ihr Name, bekannt als „das Heldenmädchen der drei Zinnen“. Auf der Geschichte Viktoria Savs' gründet David Pfeiffers dritter Roman. Basierend auf den Daten und Fakten, die er recherchieren konnte, gefüllt mit fiktiven Handlungen und Personen, abgerundet zu einem Roman, der durch klare und karge Sprache einem Bericht ähnelt, einem Kriminalroman an Spannung aber nicht nachsteht. Die Protagonistin wird von Pfeiffer als „das Mädchen“ bezeichnet. Gefühlt reduziert er sie damit auf ihr Geschlecht und setzt sie zugleich auf einen Sockel. Denn in ihrem Umfeld ist das Mädchen als weibliche Person fehl am Platz. „Das Mädchen“ ist sie in ihrem Inneren, im verborgenen, denn nach außen ist sie DER Soldat. Einer von vielen, die ihr Leben gelassen haben im Kampf, und in der Anonymität des Krieges untergegangen sind. „Sie fragt sich, was losgeht, wenn es losgeht. Wer auf wen schießen wird, von wo die Gefahr droht. Bisher wirkt alles nur wie ein Spiel, das mit großem Ernst aufgeführt wird.“ Wieder einmal wird man der Brutalität des Krieges bewusst. Sinnlose Gewalt, die so viele unschuldige Opfer fordert. Wer überlebt, ist meist nur noch eine Hülle. Wie der Vater, dem das Mädchen einst in die Dolomiten folgte, so auch die Tochter. Beide aufgefressen von den Erinnerungen an das, was sie in den Dolomiten erlebt haben. Die Dolomiten sind ein beliebtes Urlaubsziel. Auch uns zieht es jedes Jahr dorthin. Für mich mit ein Grund „Die rote Wand“ zu lesen, denn ich weiß gerne über die geschichtlichen Hintergründe Bescheid. Vielerorts sind noch die Schauplätze des Krieges zu sehen. Für mich haben sie nun ein Gesicht bekommen. Trotz seiner emotionslosen Sprache, ist es Pfeiffer gelungen zahlreiche Emotionen auszulösen. Von Wut über Entsetzen bis hin zu Trauer, hat er den Krieg und seine Folgen – vor allem für die einfachen Leute, für die Unschuldigen – eindringlich veranschaulicht und einen spannenden, bewegenden, sowie historisch interessanten Roman geschrieben.

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  • Schade, sehr schade

    Die Rote Wand
    Florentinejo

    Florentinejo

    09. April 2016 um 11:23

    Erstmal besticht schon das Cover mit dem schlichten, aber beeindruckenden Bergpanorama. Und auf den ersten Seiten fällt auf, dass der Autor die Hauptperson immer nur “das Mädchen” nennt, man erfährt ihren Namen nicht. Was als schönes Stilmittel beginnt, endet irgendwann einfach nur nervtötend. Durch die relativ oberflächliche Beschreibung der Gefühle “des Mädchens” kann man zu ihr keine Beziehung herstellen. Außerdem tauchen im Laufe des Buchs immer wieder Fachbegriffe aus dem Militärjargon auf, die ich als normaler Leser einfach nicht kenne. Ein Glossar wäre hilfreich gewesen oder eine in den Text eingeflochtene Erklärung, da ja auch “das Mädchen” erst neu in diesen Krieg und die Armee hereinrutscht. Ich habe auch lange gerätselt, was k.u.k. bedeutet. Knapp 50 Seiten vor Schluss habe ich dann verstanden, dass es wahrscheinlich königlich und kaiserlich bedeutet, aber sicher bin ich mir da immer noch nicht.Teilweise fehlte mir auch das Hintergrundwissen zum ersten Weltkrieg, was das Lesen unglaublich anstrengend machte.Was mich jedoch am meisten störte, waren die schier endlosen Beschreibungen von Bergen und Felsspalten, die für mich beim Lesen nicht nachvollziehbar sind und langatmig wirken. Ich kenne die Berge nicht und kann mir ihre Anordnung, ehrlich gesagt, auch nicht vorstellen. Die Namen werden zwar von einem Jungen genannt und später erfährt man, dass “das Mädchen” diese mittlerweile ganz gut kann, aber David Pfeifer macht so große Zeitsprünge, dass man als Leser keine Möglichkeit zum Verstehen und Erforschen mit dem Protagonisten hat. Erst kann sie etwas nicht, 10 Seiten später kann sie es. Für mich sehr anstrengend. Ein weiteres Beispiel für diese nervtötenden Beschreibungen ist das Begräbnis und die Trauerfeier für Kaiser Franz Joseph. Ganz ehrlich, was interessiert mich, wenn der Adelige von so und so und seine Frau und Cousine und wer-sonst-noch-alles dort hinkommen?Doch der Roman hat mich auch beeindruckt, da es einige philosophische Szenen gibt, die David Pfeifer aber meiner Meinung nach nicht genug ausgebaut hat. Außerdem gibt es viele Vergleiche und Beschreibungen, was auch nicht unbedingt schlecht ist. Vielleicht ist das Buch wirklich nur etwas für Leute aus Tirol, die die Geschichten und Berge kennen und  mit der Lektüre ein Stück ihrer  Heimat erforschen.FazitIch kann also sagen, dass das Buch eine mittelschwere Enttäuschung war. Aus so einem spannenden Thema hätte man wirklich mehr machen können. Dennoch gab es auch viele interessante Passagen, die mir in Erinnerung bleiben werden. Achso, und die App fürs Smartphone ist sehr gut gelungen. Tolle Idee, so etwas noch zu erstellen. Zu meinem Verständnis des Buchs hat die leider doch nicht beigetragen.

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  • „An einem klaren Aprilmorgen beschließt das Mädchen, ein Mann zu werden“

    Die Rote Wand
    Bellis-Perennis

    Bellis-Perennis

    Noch unter dem Eindruck von Frank Gerberts „Die Kriege der Victoria Savs“ musste ich dieses Buch unbedingt haben. Ich erwartete eine Ergänzung zu Gerberts Sachbuch und wurde leider enttäuscht. David Pfeifers Roman ist weder Fisch noch Fleisch, weder Roman noch Sachbuch. Es klingt wie ein Abenteuerroman für Jugendliche. Schon bei den ersten Zeilen (Seite 11) „An einem klaren Aprilmorgen beschließt das Mädchen, ein Mann zu werden“ hat es mich ordentlich geschüttelt. Doch ich wollte dem Buch eine Chance geben Ja, es ist richtig, die Faktenlage um das Mädchen Victoria Savs, das unbedingt seine Heimat Österreich gegen die Walschen (=Italiener) verteidigen wollte, ist sehr dünn. Aber wenigstens die vorhandenen Angaben hätten korrekt wiedergegeben werden können. Besonders stört mich, dass die Protagonistin gleich von Beginn weg immer als „das Mädchen“ tituliert wird, so als hätte sie keinen eigenen Namen. Erst im Nachwort wird erklärt, dass es sich um die Geschichte der Victoria Savs handelt/handeln soll. Bei den Standschützen gibt sie Richard als Vornamen an. Obwohl der Gebirgskampf, die Kälte, der Hunger und die Einsamkeit in den Dolomiten spannungsgeladene Momente beinhaltet, nimmt der Autor die Gelegenheit nicht wahr, seine Leser in diese grausame Welt eintauchen zu lassen. So plätschert die Handlung so einfach dahin. Ja, es wird gestorben, ja es gibt Autoritätsproblem und ja, „das Mädchen/Richard“ findet ihren Vater wieder, und sonst?. Die für mich spannendste Szene war, als sie mit ihrem Trupp den Kamin in der Roten Wand hochklettert (Seiten 165 – 175). Dass sie das Regiment des Erzherzog Rainers nicht kennt, halte ich für unwahrscheinlich. Die Rainer sind in der ganzen Monarchie bekannt. Und vor allem, wenn sie als vollwertiger Standschütze durchgehen will, muss sie sich mit den soldatischen Regelwerken auseinandersetzen. Truppenbezeichnungen gehören da auch dazu. Auf Grund des fehlenden Namens konnte ich keinerlei Beziehung zu der jungen Frau herbeiführen. Sie bleibt blass und flach. Die Sprache ist einfach und die Szenen sind nicht wirklich besser. Das Cover zeigt die Dolomiten in rot gehaucht. Die Figur soll wohl „das Mädchen/Richard“ darstellen. Im Buch mit blondem langen Haar beschrieben, das sie abschneidet, zeigt das Foto eindeutig eine dunkelhaarige, die den langen Zopf zu einem Knoten gedreht hat. Die echte Victoria Savs sieht jedenfalls anders aus. Schade, dass aus diesem Thema nicht mehr geworden ist.

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    • 2
  • Im Krieg

    Die Rote Wand
    walli007

    walli007

    07. November 2015 um 08:44

    Ihre Mutter ist schon lange tot, als ihr Vater aus dem Krieg zurückkam war er nicht mehr der Selbe. Trotzdem zog es ihn wieder zu den Soldaten als er sich gesund fühlte. Mit ihren fünfzehn Jahren bleibt sie allein zurück, zur Tante soll sie. Lieber aber will sie beim Vater sein, deshalb zieht sie Jungenkleider an und meldet sich zum Kriegsdienst. Den Vater will sie suchen, doch sie findet den Krieg. An der Front zwischen Italien und Österreich in den Dolomiten kämpft sie im ersten Weltkrieg. Im Krieg wird überall gestorben, auch an den abgelegensten Fronten wird gekämpft, sind Verwundete zu beklagen und Tote. Fleischfetzen und abgerissene Glieder, man mag es sich kaum vorstellen. Man spricht noch mit dem Kameraden neben einem und plötzlich ist von diesem nicht mehr viel übrig. In tiefe Trauer mischt sich doch ein Hauch Erleichterung, dass es einen nicht selbst erwischt hat. In der harten Bergwelt der Dolomiten kommt noch die Unerfahrenheit vieler im Berg hinzu, da ist nicht unbedingt der Feind schuld an so manchem Todesfall. Und mittendrin das Mädchen auf der Suche nach dem Vater, der unauffindbar scheint. Unerkannt erlebt sie die Kameradschaft unter den Soldaten, aber auch Missgunst, Tod und Verlust. Tapfer übersteht sie viele Gefahren und vergisst fast, das sie ein Mädchen ist.  Auf einer wahren Geschichte beruhend wird hier ein Teil des ersten Weltkriegs beschrieben, der vielleicht eher unbekannt ist. Unabhängig von diesem Hintergrund, wird, wie schon gesagt, im Krieg überall gestorben. Als hart empfindet man es, vom Tode der jungen Menschen zu lesen, die auch hier als Kanonenfutter benutzt werden. Niemand sollte als Soldat kämpfen müssen, doch hier sind es gerade die jungen Unerfahrenen, die an die Front geschickt werden. Mit ihrem jugendlichen Enthusiasmus laufen sie in manche Fallen, einzig ihre Bergerfahrung kann ein Vorteil sein. Irritierend wie sich ein junges Mädchen da hineinfügt, doch die Sehnsucht nach dem Vater, der ihre einzige Familie ist, lässt sie alles ertragen. In welch glücklicher Zeit leben wir doch heute in Europa, wo schon lange kein großes Gefecht mehr mit Waffen auszufechten war. Möge es noch lange so bleiben, denn so ungewöhnlich und berührend die geschilderten Ereignisse sind, erleben möchte man sie nicht. 4,5 Sterne

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