‚Einen Augenblick herrschte totale Stille. Man hörte plötzlich die Wellen rauschen und das Radio aus dem Salon herüberjazzen, man vernahm jeden Schritt vom Promenadendeck und das leise feine Sausen des Winds, der durch die Fugen der Fenster fuhr.‘ (Seite 28)
Auf einem Passierdampfer von New York nach Buenos Aires befindet sich der Schachweltmeister Mirko Czentovic, der seit seiner Jugend durch herausragende Fähigkeiten beim Schachspiel besticht.
Auch der wohlhabende Tiefbauingenieur McConnor ist Passagier auf dem Schiff, und ihm ist eine Partie mit dem Schachweltmeisters einiges wert.
Nach einer ersten Partie, in der Czentovic gegen alle Anwesenden spielt und gewinnt, mischt sich beim zweiten Spiel ein Fremder ein, der McConnor gute Ratschläge gibt, so dass die bereits verloren geglaubte Partie in Remis endet.
Ein weiteres Spiel lehnt Dr. B., wie sich der Fremde nennt, rigoros ab, was das Interesse des Ich-Erzählers weckt. Und schließlich erzählt Dr. B. dem Ich-Erzähler seine Geschichte.
Ich habe vor etwa 25 Jahren erstmals Stefan Zweigs ‚Schachnovelle‘ gelesen und vor einigen Jahren das Hörbuch gehört. Beide Begegnungen empfand ich als sehr faszinierend und war begeistert von dieser Geschichte. Nun habe ich die Graphic Novel gelesen, die mir diese Novelle nochmals nähergebracht hat, die traumartig gezeichnet wurde und die die Novelle wirklich auf den Punkt bringt.
Hier wird eine tolle Stimmung transportiert, und David Sala fängt Zweigs Novelle wirklich sehr gut ein. Beim Lesen und Betrachten der Illustrationen spürt man die Beklemmung des Protagonisten - nicht nur im Text, sondern eben auch im Bild.
Ich empfinde ‚Schachnovelle‘ als eines der besten Bücher überhaupt. Und diese Graphic Novel ermöglicht es, nochmal einen ganz anderen Zugang zu Zweigs Geschichte zu finden.
David Sala
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von David Sala
Frankenstein
Schachnovelle
Das Gewicht der Helden
Neue Rezensionen zu David Sala
Die Geschichte Frankenstein von Mary Shelley ist bekannt und ist allgemeines Kulturgut. David Sala hat mit seinem Comic seine eigene Interpretation vorgelegt. An vielen Stelle weicht er von der Originalgeschichte ab. Besonders das Ende, auch hier kein Happyend, ist anders als im Roman von Shelley.
Die Geschichte wird von seiner künstlerischen Gestaltung getragen. Hier sind deutliche expressionistische und auch Jugendstil Einflüsse zu sehen. Zum Teil erinnern die Bilder an Gustav Klim, Lyonel Feiniger oder Egon Schiele. Wenn Victor Frankenstein auftritt sind die Bilder eher düster und grau, wenn sein Geschöpft auftritt, besonders in seiner Einsamkeit, sind die Bilder unglaublich farbig.
Viele Bilder in diesem Comic gehen über eine ganze Seite und sind Gemälde, die so auch eingerahmt und aufgehängt werden könnten. Schön, dass der kleine österreichische Verlag bahoe books, den Comic in einem großen Format veröffentlicht hat. Das Werk lebt nicht von seinen Detailreichtum, sondern von seinen flächigen Strukturen, die so besonders zur Geltung kommen.
David Sala wurde 1973 geboren, lebt in Frankreich und hat in Lyon Illustration studiert. Bei bahoe books ist bereits seiner Adaption von Stefan Zweigs Schachnovelle erschienen. In beiden Werken sucht er die gebrochenen Persönlichkeiten, die an der Menschheit verzweifeln.
David Salas Frankenstein ist ein Meisterwerk, sowohl künstlerisch wie auch erzählerisch. Er weiß mit beiden zu überzeugen sowohl mit der künstlerisch wie auch mit der farbigen Interpretation wie auch mit seiner klugen Neuerzählung einer klassischen Geschichte.
Gespräche aus der Community
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
2 Bibliotheken






