David Signer Weniger Verbote! Mehr Genuss!

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Inhaltsangabe zu „Weniger Verbote! Mehr Genuss!“ von David Signer

Mit einer neuartigen Hysterie werden im ganzen Land Verbotsschilder aufgestellt, die das Rauchen, trinken und Lärmen untersagen. Die Gesundheitspolitik wird zur warnenden, repressiven Instanz und Ratgeber über das "richtige" und "gesunde" Leben erfreuen sich steigender Auflagen. Der Verzicht wird zum neuen Mantra und ein Zuviel an Genuss zum Problemfall. Ist das wirklich das Leben, das wir führen wollen? Bier nur ohne Alkohol, Sex nur monogam und in den eigenen vier Wänden - oder am besten gleich körperlos vor dem Bildschirm. Auf der Straße nur mit Helm und Knieschützern. Das Leben risikominimiert aber spaßfrei? Wo bleibt die Welle der Empörung gegen diese Haltung?§All diese lustigen und manchmal unvernünftigen Sachen, die uns nun mit Präventionskampagnen und Verboten madig gemacht werden: Sie sind doch das, was unser Leben Abwechslung und Intensität verleiht, oder? In seinem polemischen Pamphlet erinnert uns der Ethnologe David Signer daran, dass das, was wir ein gutes Leben nennen ganz entschieden auch auf der Freiheit zu Spaß und Genuss beruht. Er zeigt, dass viele der größten kulturellen Errungenschaften in Zusammenhang mit ebendieser Möglichkeit zur Selbstbestimmung stehen. Erst die Verantwortung, die uns die Freiheit zum Exzess auferlegt, macht uns zu erwachsenen, freien und mündigen Bürgern. Wir sind keine Kinder, die man vor sich selber schützen muss. Wer nur noch gesund, hygienisch, vernünftig, kontrolliert und rücksichtsvoll lebt, stirbt möglicherweise alt, aber mit dem Gefühl, er hätte eigentlich gar nicht gelebt.

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  • Über Tugendwahn im fürsorglichen Staat oder: I love you, don't touch me!

    Weniger Verbote! Mehr Genuss!

    R_Manthey

    23. July 2015 um 11:01

    Einen Aufruf gegen die Entmündigung nennt der Autor sein "polemisches Pamphlet". Ich habe es mit Genuss gelesen, obwohl ich nicht immer mit Signer einer Meinung war. In einem wesentlichen Punkt aber sind wir gleicher Ansicht: Es findet ein schleichender Prozess der Entmündigung der Bürger statt. Und dies ist immer der gerade Weg in einen totalitären Staat, in dem alles klar geregelt ist und Verstöße massiv geahndet werden. Über Sachprobleme wird hier nicht mehr mit Sachargumenten diskutiert, sondern mit einem moralischen Imperativ oder auf der Basis einer weltfremden Ideologie. Kürzlich geriet der amerikanische Präsident in Schwierigkeiten, weil er einer Anwältin öffentlich gesagt hatte, dass sie schön ist. Welch eine Ungeheuerlichkeit! Sexismus! Natürlich musste der angeblich mächtigste Mann der Welt anschließend zu Kreuze kriechen und sich wortreich entschuldigen. Wir scheinen bereits in argen Nöten zu sein, wenn man für ein Kompliment Reue zeigen muss, das alles andere als böse gemeint war. Aber die Scheinmoralisten und all die anderen Gutmenschen aus einer sehr agilen Minderheit, die immer genau wissen, wo es lang geht, haben inzwischen sogar erreicht, dass sich Menschen, die sich ihrer Natur gemäß verhalten, besser vorher einen Vertrag schließen, in dem klar geregelt ist, welche körperlichen Berührungen einander gestattet sind. Diesen Blödsinn hat sich noch nicht einmal George Orwell vorstellen können. Aber er ist leider in den USA Realität und schützt Menschen vor späteren Klagen wegen sexueller Belästigung. Nicht dieses Verhalten ist irre, sondern die Tatsache, dass man sich besser so absichern sollte, weil die gültigen Gesetze diesen Schwachsinn erfordern. Es ginge aber, so Signer, "nicht so sehr um die einzelnen Regelungen, als vielmehr um den allgemeinen Trend und um die erstaunliche Tatsache, wie rasch wir uns an all diese Zumutungen gewöhnen, ohne zu murren." Der Trick dabei ist ganz einfach. Irgendein Schwachsinn wird öffentlich zur moralischen Norm erhoben. Man traut sich dann nicht mehr, dagegen aufzumucken. Ein Blick in die Geschichte lehrt, dass dieser Trick schon immer gut funktioniert hat. Wenn jedoch alles geregelt ist, bleiben der Aufbruch ins Unbekannte, der Fortschritt, der immer mit Regelverstößen verbunden war, das Abenteuer und die Lust nach Neuem aus. Totalitäre Gebilde führten in der Geschichte genau aus diesem Grunde immer zu Rückschritt, fürchterlicher Armut und Aggressionen nach außen. Übrigens geht Signer in seinem kurzen Text auch auf den Fall des Julian Assange ein, dem zwei Schwedinnen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung vorwerfen. Die Einzelheiten, die uns von den Medien dazu verschwiegen wurden, sind von einer gewissen Komik, über die man allerdings nicht mehr richtig lachen kann. Die mit dem Fall befasste schwedische Staatsanwältin teilte nämlich mit, dass nach ihrer Ansicht eine Vergewaltigung bereits vorläge, wenn sich eine Frau nach dem Sex unwohl oder ausgenutzt fühle. Dass niemand sich gegen einen solchen Vorwurf wehren kann, liegt auf der Hand.

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