David Vann

 4 Sterne bei 110 Bewertungen
Autor von Im Schatten des Vaters, Dreck und weiteren Büchern.

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David VannIm Schatten des Vaters
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Im Schatten des Vaters
Im Schatten des Vaters
 (28)
Erschienen am 12.03.2012
David VannDreck
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Dreck
Dreck
 (22)
Erschienen am 14.07.2014
David VannDie Unermesslichkeit
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Die Unermesslichkeit
Die Unermesslichkeit
 (18)
Erschienen am 20.05.2013
David VannGoat Mountain
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Goat Mountain
Goat Mountain
 (12)
Erschienen am 10.01.2016
David VannDie Unermesslichkeit (suhrkamp taschenbuch)
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Die Unermesslichkeit (suhrkamp taschenbuch)
Die Unermesslichkeit (suhrkamp taschenbuch)
 (2)
Erschienen am 02.04.2012
David VannAquarium: Roman
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Aquarium: Roman
Aquarium: Roman
 (1)
Erschienen am 27.03.2016
David VannDreck: Roman
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Dreck: Roman
Dreck: Roman
 (1)
Erschienen am 18.02.2013
David VannDreck
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Dreck
Dreck
 (4)
Erschienen am 07.06.2013

Neue Rezensionen zu David Vann

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HibiscusFlowers avatar

Rezension zu "Aquarium" von David Vann

Was genau lässt sich/uns verzeihen ?
HibiscusFlowervor 9 Monaten

Klappentext des Verlages:
Die zwölfjährige Caitlin lebt allein mit ihrer Mutter in einem Vorort von Seattle. Jeden Tag geht sie nach der Schule ins öffentliche Großaquarium und wartet dort, bis ihre Mutter sie abends nach der Arbeit abholt. Sie ist fasziniert von den stummen, bunten Wesen hinter dem Glas und geht ganz in der rätselhaften Unterwasserwelt auf. Eines Tages trifft sie im Aquarium einen älteren Mann, der die Fische ebenso zu lieben scheint wie sie selbst. Sie freundet sich mit ihm an – und öffnet damit nichtsahnend die Tür zur Vergangenheit ihrer Mutter. Eine Tür, die diese verzweifelt wieder zu schließen versucht, und sei es mit drastischen Mitteln.

Sprachlich nüchtern verstrickt der Autor die LeserInnen in anfänglich unaufgeregten Schilderungen einer Zwölfjährigen, die von einem einfachen Leben und den Bemühungen einer alleinerziehenden Mutter erzählen.
Die Tage folgen einem Ablauf, dem sich keiner der beiden entziehen kann und auf bescheidener Zufriedenheit beruht.
Eingehüllt in einer verdächtigen Ruhe und abgelenkt von kindlicher Unschuld, schleicht sich kurzzeitig die Frage `Was mag da wohl noch kommen?´ ein, bei der man sich jedoch sehr schnell wünscht, man hätte sie nie gestellt.
Unter Tränen habe ich den rasant schwindenen Verlust von Vertrauen, Sicherheit und Liebe verfolgt, schwankte zwischen Entsetzen und Wut, fühlte mich hilflos wie ein/das Kind und wollte mich der Hoffnungslosigkeit ergeben.

"Sie war nicht meine Mutter. Sie war etwas anderes, das ich noch nie gesehen hatte." (Caitlin - S. 150)

Voller Zorn, gebrochen, grausam, verbittert und fremd zieht eine Mutter ihr Kind in eine Vergangenheit, in der Träume zerplatzten, Entsetzen geboren und Wut gezüchtet wurde, verändert dadurch die Gegenwart und nimmt unweigerlich Einfluss auf die Zukunft.

"Wie setzt man eine Familie wieder zusammen, und wie verzeiht man ?" (S. 273)

Zu einem `Schier unmöglich´ habe ich mich so manches Mal hinreißen lassen, immer dann, wenn sich die für mich absurden Situationen wie ein Betonklotz auf meine Brust gelegt und das Atmen erschwert haben.
Doch zwischen all der `Hässlichkeit´ des Geschehens geht es auch darum, die Kette an Wut, Vorwürfe und Zorn zu unterbrechen und sich auf das Leben einzulassen, ein Leben, das gut sein sollte, bei dem man Versöhnlichkeit nicht ausschließen sollte, selbst nach einer aufwühlenden Lesezeit.

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schwarz_auf_weisss avatar

Rezension zu "Goat Mountain" von David Vann

Verlust der Unschuld
schwarz_auf_weissvor 2 Jahren

Oft genug verlässt man sich beim Bücherkauf auf Altbewährtes. Das ist nichts Schlechtes aber manchmal muss man auch blind zugreifen, um sich noch selber überraschen zu können. Über „Goat Mountain“ wusste ich nichts, David Vann kannte ich nicht, der Text auf der Rückseite zudem allenfalls nebulös-ansprechend. Ich vertraute also meinem Bauch und wurde belohnt mit einem wuchtigen Buch, das auf Anhieb zu einem meiner absoluten Lieblinge avancierte.


Der erste Satz
"Staub wie Puder auf der Luft und der Tag eine rötliche Erscheinung."

Nordkalifornien. Nahezu unberührte, ungezähmte Natur. Für den namenlosen 11-jährigen Ich-Erzähler soll es ein besonderes Wochenende werden. Zusammen mit Vater, Großvater und einem Freund der Familie bricht er auf zu einem Jagdausflug in das Stammland seiner indianischen Familie. Elf Jahre sind alt genug, um den ersten Hirsch erlegen zu dürfen. Frauen fehlen in dieser Geschichte, es geht also rauh her. Archaische Männlichkeitsituale ersetzen offen gezeigte familiäre Zuneigung.

Am Jagdplatz angekommen, entdeckt der Vater auf dem benachbarten Hügel einen Wilderer und reicht seinem Sohn das Gewehr, damit er durch das Zielfernrohr einen Blick auf den Mann werfen kann. Sekunden später zerreißt ein Schuss die Stille und der Wilderer ist tot. Der Sohn ist zum Mörder geworden. Die erste Panik weicht einem Schock. Wie konnte das passieren? Es war kein Unfall; mit voller Absicht hat er abgedrückt und zeigt keine Reue. Hirsch oder Wilderer – wo ist da schon der Unterschied? Vor allem war es ein guter Schuss. Wie nun damit klar kommen? Die Frage, was man da groß gezogen hat, drängt sich auf und setzt sich mit Widerhaken im Kopf fest. Eine Rückkehr zum bisherigen Leben erscheint ausgeschlossen. Damit allein ließe sich trefflich ein Buch füllen und genau das hatte ich auch erwartet. Vann will aber noch mehr – und er kann auch mehr.

An der Art des Umgangs mit dem Leichnam entzündet sich ein Streit, der Vater und Großvater unwiderruflich entzweit. Der Vater will ihn bestatten und seinen Sohn für die Tat sühnen lassen. Das ist inakzeptabel für den Großvater, der in jedem Mann in alttestamentarischer Hinsicht einen Sprössling Kains sieht, der das archaische Begehren zu töten unauslöschlich seit Generationen in sich trägt. Moral und Gesetze sind nur künstlich geschaffene Regeln, die einer Gemeinschaft das Zusammenleben erleichtern. Der menschliche Trieb ist eine Instanz über allem. Was freilich nicht heißt, dass er seinen Enkel nicht per Selbstjustiz strafen will.

Ohne an dieser Stelle zuviel vorwegnehmen zu wollen, ist das der eigentliche Konflikt des Buches. Ist die Gier Blut zu vergießen in der menschlichen Natur verankert oder im Laufe der Jahrtausende anerzogen? Vann versteht es meisterlich, diesem zunehmend philosophischem Konflikt Leben und menschliche Tragik einzuhauchen, der dramaturgisch korrekt nur im Fiasko enden kann. Bis es soweit ist, bleibt der 11-Jährige erstaunlich reflektionsarm und vor allem eines – ein Kind. Ein Kind, das unter der Zurückweisung durch seinen Vater leidet und hören will, dass alles wieder gut sei. Ein Kind, das unter der Wegnahme seines Gewehrs mehr leidet als unter seinem Gewissen. Beim Lesen fragte ich mich oft, was dieses Kind für ein Erwachsener werden würde.

Es ist Vonn zu verdanken, dass er den enstehenden Kloß im Hals ein Stück weit schrumpfen lässt, als der Ich-Erzähler doch noch lernt, was es heißt zu töten. Der langersehnte Hirsch taucht auf und wird dilettantisch erlegt. Der Tötungsprozess zieht sich über viele Seiten hin und changiert zwischen Abscheu und Faszination. Auge in Auge mit seinem Opfer verliert das Töten jede verharmlosende Distanz und wird zu dem was es ist – dreckig, brutal und vor allem endgültig.

"Zerrissenes Zwerchfell in den Resten eingesackt, Lunge schaumig, ein Orangestich im Rot. Als wäre unser Atem Schaum, Erinnerung wiederum ans Meer, an unsere Ursprünge. Und das Herz hing da starr, weiß marmoriert mit tausend Miniaturmustern, die über seine Oberfläche hinaufkrochen, jede Faser Muskel, Blut und Fett. (…) Ich schlug die Zähne in die Wand dieses Herzens, und es war so glitschig und gummiartig, dass ich es fest an mein Gesicht drücken musste. Zähne dafür nicht gemacht, nicht scharf genug, also schüttelte ich beim Beißen den Kopf und riss an diesem Muskel. Mein Messer auf der Erde, das Herz in beiden Händen, und ich wurde wieder zum Tier gemacht, mit geschlossenen Augen und mahlendem Kiefer und dem Geschmack von Blut und Fleisch in meinem Mund. Jetzt bist du ein Mann, sagte mein Großvater. Jetzt bist du ein Mann, sagte mein Vater."

Goat Mountain ist kein Buch, das man nebenbei liest. Vann ist ein unglaublich intelligenter Erzähler, der seiner Geschichte mehr Tiefe verleiht als ich streckenweise ertragen konnte. Den existenzialistisch aufgeladenen Konflikt zwischen Jesus und Jahwe, zwischen Moral und archaischer Gewalt hätte ich gerne zugunsten einer emotionaleren Auseindersetzung zwischen Vater und Sohn eingetauscht. So ist es nun aber abseits der individuellen Katastrophe ein Buch über die kollektive menschliche Natur und die Frage nach eigener Verantwortung. Vann hat das großartig gemacht und dafür meine volle Bewunderung verdient.

Was bleibt?

Wirklich hervorragende Literatur versteht es, Gelesenes zum eigenen Erfahrungsschatz hinzuzufügen. Goat Mountain ist in dieser Hinsicht große Literatur. Ich hatte nie ein Gewehr in der Hand und habe Blutrausch nachempfunden, ich habe nie auf einen Menschen geschossen und bin zum Mörder geworden. Sehr viel mehr können Bücher nicht leisten und ich bin für diese Bereicherung sehr dankbar.

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Aquarium" von David Vann

nichts für zarte Nerven
Gwhynwhyfarvor 2 Jahren

»Im Laufe meines Lebens werden die Riffe wegschmelzen, sich aufgelöst haben. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden fast alle Fische verschwunden sein. Das gesamte Erbe der Menschheit wird auf nur eins hinauslaufen, eine Linie roter Pampe in der paläozeanographischen Aufzeichnung. Unsere Dummheit ist überwältigend traurig. Doch wenn ich eine Mondqualle betrachte, deren Schirmsternbild in die endlose Nacht pulsiert, denke ich, vielleicht ist alles gut.«

Caitlin Thompson lebt allein mit ihrer Mutter Sheri in einer Wohnung in der Vorstadt, einem Industriegebiet in Detroit, dort, wo man nur deshalb wohnt, weil es billig ist. Die Umgebung ist hässlich, grau, lieblos. In der Wohnung sieht es nicht besser aus. Spärlich eingerichtet, weiße Wände, brutales Deckenlicht von unverhüllten Glühbirnen. Die Mutter arbeitet hart im Containerhafen als Mechanikerin, 12 bis 14 Stunden, macht häufig Überstunden. Sehr früh am Morgen fahren die beiden den weiten Weg in die Stadt, Caitlin wartet Stunden in der Schule, bevor der Unterricht beginnt. Nach dem Unterricht geht sie ins Aquarium, denn sie liebt Fische. Die Mutter holt sie dort ab und wenn sie Überstunden machen muss, hockt Caitlin nach dem Aquarium in einem Aufenthaltraum im Hafen. Doch eines Tages gerät sie an einen Securitymann, dem es nicht passt, dass ein Kind dort herumlungert.

»Ich glaube, es gibt ein Gesetz, das besagt, dass ich dich nicht allein lassen darf, ohne einen Erwachsenen. Also mache ich keine Überstunden mehr. Wir kommen trotzdem zurecht. Ich habe genug für die Miete und Essen und Sprit, und du hast deinen Aquarium-Ausweis. ... Ich bestelle Telefon und Fernsehen ab, wenn ich kann.«

Caitlin verbringt ihre gesamte Freizeit im Aquarium, besucht die dort angebotenen Vorträge, weiß alles über Fische. Fische, die in Freiheit leben, Fische in Schwären, nie allein. Eines Tages unterhält sie sich mit einem älteren Herrn und von nun an jeden Tag. Sie schließen Freundschaft. Der Mann bittet sie, der Mutter von ihm zu berichten, sich mit ihr zu treffen. Sheri ist außer sich, vermutet einen Pädophilen, informiert die Polizei. Im Aquarium wird der Mann gestellt. Und nun rastet Sheri völlig aus: Es ist ihr eigener Vater! Der Mann, der sie als Jugendliche mit einer todkranken Mutter verlassen hatte. Der Mann, der sie überforderte, mit dem schleichenden Tod und der Pflege allein ließ, der ihr die Möglichkeit zur Bildung nahm, der ihr alles nahm, was sie hatte, was sie sich für die Zukunft wünschte. Sie verbietet Caitlin den Umgang mit ihrem Opa, obwohl er ein interessantes Angebot macht.

»Wie eine feste Traube von Eiern, dichtest gedrängte Anemonen. Ein samtgrüner Mond am Ende jedes Stängels, sie wiegend in der Strömung von innen erleuchtet, unmöglich zu verorten. Da und nicht da. Ein erhebendes Gefühl, Teil einer Familie zu sein, dazuzugehören.«

Caitlin ist glücklich, ihren Großvater gefunden zu haben, ein Stück Familie, die Wärme des alten Mannes. Sie kämpft für ihn. Das Mädchen hat neben ihrer Mutter nicht viel Kontakt zur Außenwelt. Eine einzige Freundin aus der Schule, die sie hin und wieder besucht und Steve, der Freund der Mutter, der oft zu Besuch ist, der fantastisch kochen kann, ein lebenslustiger Mann ist.

Herkunft, sagte Steve. Sie erklärt uns nicht, weißt du. Niemals. Jeder ist seine eigene Marke. Ich stamme von Nintendo ab. Das war ein Elternteil, meine Mutter. Ich habe am Joystick genuckelt. Und AC/DC, ein später, aber solider Satz Väter, Back in Black und ganze Nacht durchschütteln, ein guter Vorläufer von Nirvana.«

Doch was nun folgt, ist unglaublich. Die Mutter projiziert ihren erlebten Schmerz auf die Tochter, der Leser erschaudert. Brutale Abgründe tun sich auf, verletzte Seelen, Hass, Schuldzuweisungen, es gibt keine Chance zur Versöhnung. Die Zerstörung der Seele der vierzehnjährigen Sheri wird noch einmal durchlebt, bringt sie selbst und alle Menschen um sie herum an ihre Grenzen. Der Leser leidet mit Caitlin, versteht die Heftigkeit des Handels der Mutter nicht, leidet aber auch mit Sheri, am Ende sogar mit dem Vater, ist hin- und hergerissen, hineingezogen in diese Familientragödie, hofft, das alles irgendwann ein gutes Ende nehmen wird, hofft auf Aussöhnung.

Eine abgründige Erzählung, starke Metaphern, der Roman hallt beim Leser lange nach. Atmosphärisch dicht, sprachgewaltig, sanfte Töne, die den Leser ruhig einstimmen, Gespräche zwischen dem Kind und dem alten Mann im Aquarium, die Beobachtungsgabe der beiden, die einzelne Fische mit Menschen vergleichen, Schwäre mit Familien. Später kracht es gewaltig, zerstörerisch. Ein großartiges Buch.

David Vann ist in Alaska geboren und dies ist nicht der erste Roman, die sich mit Katastrophen von Familien beschäftigt. Er weiß, wovon er spricht. Er verlor mit dreizehn seinen Vater durch dessen Suizid. Als der Vater mit seiner zweiten Ehefrau, telefonierte, die sich ebenso wie die erste Frau wegen seiner dauernden Untreue von ihm getrennt hatte, erschoss er sich. »I love you but I’m not going to live without you«, soll er zu ihr gesagt haben.
David Vann wurde für seinen Roman »Dreck« mit dem St. Francis College Literary Prize ausgezeichnet. Es ist einer der mit $50.000 höchstdotierten Literaturpreise der USA.

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