David Vann Aquarium

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Inhaltsangabe zu „Aquarium“ von David Vann

Die zwölfjährige Caitlin lebt allein mit ihrer Mutter in einem Vorort von Seattle. Jeden Tag geht sie nach der Schule ins öffentliche Großaquarium und wartet dort, bis ihre Mutter sie abends nach der Arbeit abholt. Sie ist fasziniert von den stummen, bunten Wesen hinter dem Glas und geht ganz in der rätselhaften Unterwasserwelt auf. Eines Tages trifft sie im Aquarium einen älteren Mann, der die Fische ebenso zu lieben scheint wie sie selbst. Sie freundet sich mit ihm an – und öffnet damit nichtsahnend die Tür zur Vergangenheit ihrer Mutter. Eine Tür, die diese verzweifelt wieder zu schließen versucht, und sei es mit drastischen Mitteln.

David Vanns neuer Roman trifft. Und ist zugleich sein erstes zutiefst versöhnliches Buch – über ein Mädchen, dessen Bedürfnis danach, geliebt zu werden, alles verändert, und ein Buch darüber, dass in der Familie so etwas wie Vergebung möglich ist. Und ein Neuanfang. Ein ganz und gar außergewöhnlicher Roman.

Ein depressives, erschreckendes, verstörendes, hoffnungsloses Familiendrama, das ohne Blutvergießen den Leser schockiert zurücklässt.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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    Aquarium

    Gwhynwhyfar

    04. April 2017 um 15:45

    »Im Laufe meines Lebens werden die Riffe wegschmelzen, sich aufgelöst haben. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden fast alle Fische verschwunden sein. Das gesamte Erbe der Menschheit wird auf nur eins hinauslaufen, eine Linie roter Pampe in der paläozeanographischen Aufzeichnung. Unsere Dummheit ist überwältigend traurig. Doch wenn ich eine Mondqualle betrachte, deren Schirmsternbild in die endlose Nacht pulsiert, denke ich, vielleicht ist alles gut.«Caitlin Thompson lebt allein mit ihrer Mutter Sheri in einer Wohnung in der Vorstadt, einem Industriegebiet in Detroit, dort, wo man nur deshalb wohnt, weil es billig ist. Die Umgebung ist hässlich, grau, lieblos. In der Wohnung sieht es nicht besser aus. Spärlich eingerichtet, weiße Wände, brutales Deckenlicht von unverhüllten Glühbirnen. Die Mutter arbeitet hart im Containerhafen als Mechanikerin, 12 bis 14 Stunden, macht häufig Überstunden. Sehr früh am Morgen fahren die beiden den weiten Weg in die Stadt, Caitlin wartet Stunden in der Schule, bevor der Unterricht beginnt. Nach dem Unterricht geht sie ins Aquarium, denn sie liebt Fische. Die Mutter holt sie dort ab und wenn sie Überstunden machen muss, hockt Caitlin nach dem Aquarium in einem Aufenthaltraum im Hafen. Doch eines Tages gerät sie an einen Securitymann, dem es nicht passt, dass ein Kind dort herumlungert. »Ich glaube, es gibt ein Gesetz, das besagt, dass ich dich nicht allein lassen darf, ohne einen Erwachsenen. Also mache ich keine Überstunden mehr. Wir kommen trotzdem zurecht. Ich habe genug für die Miete und Essen und Sprit, und du hast deinen Aquarium-Ausweis. ... Ich bestelle Telefon und Fernsehen ab, wenn ich kann.«Caitlin verbringt ihre gesamte Freizeit im Aquarium, besucht die dort angebotenen Vorträge, weiß alles über Fische. Fische, die in Freiheit leben, Fische in Schwären, nie allein. Eines Tages unterhält sie sich mit einem älteren Herrn und von nun an jeden Tag. Sie schließen Freundschaft. Der Mann bittet sie, der Mutter von ihm zu berichten, sich mit ihr zu treffen. Sheri ist außer sich, vermutet einen Pädophilen, informiert die Polizei. Im Aquarium wird der Mann gestellt. Und nun rastet Sheri völlig aus: Es ist ihr eigener Vater! Der Mann, der sie als Jugendliche mit einer todkranken Mutter verlassen hatte. Der Mann, der sie überforderte, mit dem schleichenden Tod und der Pflege allein ließ, der ihr die Möglichkeit zur Bildung nahm, der ihr alles nahm, was sie hatte, was sie sich für die Zukunft wünschte. Sie verbietet Caitlin den Umgang mit ihrem Opa, obwohl er ein interessantes Angebot macht.»Wie eine feste Traube von Eiern, dichtest gedrängte Anemonen. Ein samtgrüner Mond am Ende jedes Stängels, sie wiegend in der Strömung von innen erleuchtet, unmöglich zu verorten. Da und nicht da. Ein erhebendes Gefühl, Teil einer Familie zu sein, dazuzugehören.«Caitlin ist glücklich, ihren Großvater gefunden zu haben, ein Stück Familie, die Wärme des alten Mannes. Sie kämpft für ihn. Das Mädchen hat neben ihrer Mutter nicht viel Kontakt zur Außenwelt. Eine einzige Freundin aus der Schule, die sie hin und wieder besucht und Steve, der Freund der Mutter, der oft zu Besuch ist, der fantastisch kochen kann, ein lebenslustiger Mann ist.Herkunft, sagte Steve. Sie erklärt uns nicht, weißt du. Niemals. Jeder ist seine eigene Marke. Ich stamme von Nintendo ab. Das war ein Elternteil, meine Mutter. Ich habe am Joystick genuckelt. Und AC/DC, ein später, aber solider Satz Väter, Back in Black und ganze Nacht durchschütteln, ein guter Vorläufer von Nirvana.«Doch was nun folgt, ist unglaublich. Die Mutter projiziert ihren erlebten Schmerz auf die Tochter, der Leser erschaudert. Brutale Abgründe tun sich auf, verletzte Seelen, Hass, Schuldzuweisungen, es gibt keine Chance zur Versöhnung. Die Zerstörung der Seele der vierzehnjährigen Sheri wird noch einmal durchlebt, bringt sie selbst und alle Menschen um sie herum an ihre Grenzen. Der Leser leidet mit Caitlin, versteht die Heftigkeit des Handels der Mutter nicht, leidet aber auch mit Sheri, am Ende sogar mit dem Vater, ist hin- und hergerissen, hineingezogen in diese Familientragödie, hofft, das alles irgendwann ein gutes Ende nehmen wird, hofft auf Aussöhnung.Eine abgründige Erzählung, starke Metaphern, der Roman hallt beim Leser lange nach. Atmosphärisch dicht, sprachgewaltig, sanfte Töne, die den Leser ruhig einstimmen, Gespräche zwischen dem Kind und dem alten Mann im Aquarium, die Beobachtungsgabe der beiden, die einzelne Fische mit Menschen vergleichen, Schwäre mit Familien. Später kracht es gewaltig, zerstörerisch. Ein großartiges Buch. David Vann ist in Alaska geboren und dies ist nicht der erste Roman, die sich mit Katastrophen von Familien beschäftigt. Er weiß, wovon er spricht. Er verlor mit dreizehn seinen Vater durch dessen Suizid. Als der Vater mit seiner zweiten Ehefrau, telefonierte, die sich ebenso wie die erste Frau wegen seiner dauernden Untreue von ihm getrennt hatte, erschoss er sich. »I love you but I’m not going to live without you«, soll er zu ihr gesagt haben. David Vann wurde für seinen Roman »Dreck« mit dem St. Francis College Literary Prize ausgezeichnet. Es ist einer der mit $50.000 höchstdotierten Literaturpreise der USA.

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  • Aquarium

    Aquarium

    Buecherschmaus

    13. June 2016 um 17:50

    Es sind die extremen Familienverhältnisse, die den Autoren David Vann immer wieder interessieren. Damit verarbeitet er eigene Kindheitserlebnisse, in denen der Selbstmord seines Vaters, Missbrauch und Gewalt eine Rolle spielten. Hart und kompromisslos, oft bis an die Grenze des für den Leser Erträglichen erzählt er in all seinen bisher erschienenen Büchern von zerrütteten Familien und denen, die unter den Verhältnissen am meisten zu leiden haben, den Kindern. Schutz- und hilflos sind sie den Emotionen und der Verzweiflung der Erwachsenen ausgesetzt und versuchen mit der Situation umzugehen, fühlen sich oft verantwortlich und bemühen sich, Alles zusammenzuhalten. So auch die 12jährige Caitlin in „Aquarium“. Jeden Tag verbringt sie lange Stunden mit Warten. Warten bis die Schule beginnt, Warten, dass die Mutter sie wieder abholt. Diese ist alleinerziehend und arbeitet als Werftarbeiterin am Hafen von Seattle. Sie schlägt sich so durch, verweigert die Fragen der Tochter nach Vater oder sonstiger Familie, bringt immer mal wieder einen Mann in die heruntergekommene, enge Wohnung. Sie liebt ihre Tochter, hat aber wenig Einfühlungsvermögen für deren Nöte und Bedürfnisse. Caitlins ganzes Glück ist das Aquarium, für das sie eine Jahreskarte besitzt und in dem sie Tag für Tag die langen Stunden zwischen Schulschluss und dem Feierabend ihrer Mutter verbringt. Es ist für das Mädchen ein Ort der Ruhe, der Stabilität und der Schönheit. Immer mehr wird sie zu einer Expertin für Fische. Umso schöner, als sie eines Tages dort die Bekanntschaft eines alten Herren macht, der ihre Leidenschaft teilt, und vor allem Zeit und Interesse für sie aufbringt. Wie ausgehungert wirft sich das Mädchen in diese Bekanntschaft. Beim Leser klingeln auch ganz leicht die Alarmglocken, völlig panisch reagiert die Mutter, als Caitlin eines Tages von ihren Begegnungen erzählt. Es soll sich alles als ganz anders erweisen als gedacht, aber es wird eine tragische Entwicklung angestoßen, die tief in die traumatische Kindheit der Mutter reicht und diese zu völlig unverständlichem Verhalten bringt. Die plötzlich ausbrechende Gewalt der Mutter, die sadistische Wut, die auf tiefen eigenen Verletzungen beruht, aber dadurch nicht erträglicher oder verständlicher wird, verstören zutiefst. Das macht das Buch stellenweise zu einer beklemmenden und bedrohlichen Lektüre. David Vann überschreitet damit wieder einmal zeitweise das dem Leser erträgliche Maß. Er kontrastiert das Dunkle mit der Schönheit der Unterwasserwelt, der Geborgenheit und Ruhe des abgedunkelten Aquariums, aber auch der zarten ersten, auch körperlich gezeichneten Liebe Caitlins zu ihrer Mitschülerin Shalini. Anders als in anderen Büchern Vanns gönnt der Autor seinen Protagonisten diesmal ein fast versöhnliches Ende, zumindest eines mit Hoffnung und Perspektive. An kurzen Stellen schwenkt das Erzählen in die Gegenwart der 32jährigen Caitlin. Wir wissen, sie ist dem Grauen entronnen, hat es vielleicht sogar verarbeitet. Das imag angesichts der zuvor geschilderten Grausamkeiten nicht ganz realistisch sein, lässt den Leser dieses Buch aber nicht ganz so verstört zuschlagen. Und erschüttert über die Zerbrechlichkeit des Lebens, gerade der Kinder, und die Weitergabe von erlebter Gewalt über die Generationen hinweg ist man sowieso nachhaltig. Kein einfaches, aber ein erschütterndes, glänzend geschriebenes Buch.

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    • 4
  • Ein meisterhaftes Drama, das ohne Blutvergießen den Leser schockt!

    Aquarium

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. April 2016 um 14:33

    Es könnte wie ein Märchen sein: Ein Mädchen betritt eine fremde Welt (Unterwasserwelt) und trifft auf einen Prinzen, der es vor der bösen StiefMutter retten will. Okay, der Prinz ist alt „Haare grastrocken, Schultern knochig, nichts Weiches, so gepanzert wie ein Seepferdchen und genauso hässlich, …“ (Zitat S. 26), und er kommt nicht mit einem weißen Pferd dahergaloppiert, sondern starrt in ein Aquarium, indem sich ebenso hässliche Fische tummeln. Aquarium könnte wie ein Märchen sein. Hätte dieses Buch nicht David Vann geschrieben. Denn in Vanns Märchen fehlen Gut und Böse, dafür gibt es sämtliche Schattierungen dazwischen. Und das ist umso erschreckender, aber das kennen wir von Vann ja bereits und lieben deswegen seine Romane so sehr.Es ist Winter in Seattle und die Stadt ist gepflastert mit „Laster und endlose Autos, Beton und Lärm und Kälte, ganz anders als die Welt der Fische“ (Zitat S. 14). Kein Wunder, dass sich die 12jährige Caitlin im Aquarium vor der Außenwelt versteckt, während sie nach der Schule immer auf ihre Mutter warten muss. Caitlins Mutter Sheri schuftet bei den Containern am Hafen, um ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Dabei ist die Tochter völlig auf sich allein gestellt, sich selbst überlassen, doch das sieht die Mutter nicht. Erschöpft von der Arbeit, schläft sie alsbald ein. Und wenn sie nicht schläft, dann hat sie ja noch ihren neuen Freund, während Caitlin nach nebenan geschickt wird.Aber zurück zum Märchen. Eines Tages begegnet Caitlin diesem alten Mann im Aquarium. Er scheint die Lösung für all ihre Probleme zu sein. Er ist nett, sagt immer genau das Richtige und will helfen, weil er es satt hat, zu nichts nütze zu sein.Schon hier erwarte ich einen Aufschrei. Alte Männer, die junge Mädchen ansprechen? Die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen? Das kann nicht gut sein. Und wird es auch nicht.Denn die Hoffnung des Mädchens, ihr Leben mit diesem alten, netten Mann zu verbessern, entspricht dem Öffnen der Büchse der Pandora.Das Drama beginnt. Denn die Begegnung zwischen dem alten hässlichen Mann und der überforderten Mutter zieht totgeschwiegene Kindheitstraumen ans Tageslicht. Und das verändert alles. Jeden. Und wirft die Frage auf: Kann man vergeben? Kann Schuld getilgt werden? Oder gelingt das nur in Märchen?Aquarium ist also doch kein Märchen. Märchen glaubt der Leser nicht. Vann’s Dramen könnten sich ja irgendwie irgendwo tatsächlich abspielen. Vielleicht in einer Stadt wie Seattle mit hässlichen alten Männern und ebenso hässlichen Fischen, die sich hinter Glas vor der hässlichen Außenwelt verstecken.  Und dieser Glauben „es könnte doch passiert sein - in Echt!“ macht den Roman so viel mehr erschreckender, verstörender, hoffnungsloser als ein Märchen jemals sein kann.Ein Drama, das ohne Blutvergießen den Leser ebenso schockt wie es dem knallhärtesten Thriller niemals gelingen würde. Kein Märchen. Sondern Vanns meisterhafte literarische Welt. Dieses Mal braucht Vann nicht einmal eine Männer dominierende Welt, die er sonst für seine Geschichten verwendet. Dieses Mal reicht Frauenpower aus, um den Lesern diese hässliche Welt vor Augen zu führen. Das ist neu, aber nicht weniger grausam wie seine anderen Romane.Lesen!

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