David Vann Dreck

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Inhaltsangabe zu „Dreck“ von David Vann

Galen ist 22 und lebt mit seiner Mutter auf einer Walnussplantage in Kalifornien. Seine einzigen Bezugspersonen sind die dominanten Frauenfiguren der Familie. Die Mutter erdrückt ihn mit ihrer Liebe, seine siebzehnjährige Cousine erkennt ihre erotische Macht über ihn und nutzt sie schamlos für sich. Die demente und wohlhabende Großmutter lässt ihn nicht studieren und auch seine Tante hat nur Hohn für ihn übrig. Bei einem Familienausflug in die Wälder enthüllt seine Mutter ein wohlgehütetes Geheimnis. Plötzlich setzt Galen alles daran, endlich frei zu sein … Menschen, die einander für die eigenen Schwächen bestrafen, um ihr Seelenheil zu retten: Der neue Roman von David Vann ist unerschrocken, rauschartig und voll verzweifelter Komik. Ihn zu lesen schmerzt. Ihn nicht zu lesen hieße, ein Meisterwerk zu ignorieren.

Die erstickende Hitze und die in den Figuren aufwallende Aggressivität war direkt spürbar!

— Poesiesoso
Poesiesoso

Interessante Grundidee, furchtbar nervig umgesetzt!

— milasun
milasun

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  • Verwirrender Dreck

    Dreck
    rallus

    rallus

    07. January 2015 um 10:32

    Galen ist 22 und wohnt bei seiner Mutter. Diese verwaltet ein altes Treuhandvermögen, welches ihre Eltern aufgebaut haben. Hektarweise Walnussbäume sieht Galen, wenn er aus dem Fenster schaut. Trotz des Vermögens geht Galen nicht zum College - nächstes Jahr, wenn er durch Europa gereist ist. Doch Galen möchte gar nicht wie andere Menschen sein: "Ihn interessierte überhaupt nichts, was andere Leute interessierte. Er war nicht hier, um sich an Häuser und Autos und Jobs und Ehe und Kinder und Fernsehen und den ganzen Scheiß zu versklaven." Seine Mutter ist die Person, mit der er immer zusammen ist, Freunde hat er keine, er geht nie aus dem Haus. Manchmal fahren sie zu seiner Großmutter, die im Altersheim lebt und an Demenz leidet. Seine Tante ist hinter dem Geld des Treuhandvermögens her, Jennifer, seine Cousine hinter Galen. Eigentlich findet sie den Freak, der sich vor Menschen versteckt, widerlich, aber seinen Schwanz will sie haben und die sexuelle Macht über ihn ausüben. Galen ist auf einem anderen Trip: "Warum versuchten alle, Lektionen zu lernen? Galen wusste, dass es darum ging, sich am Ende aller Bindungen entledigt zu haben, aber wozu gab es dann überhaupt Bindungen?" Er will mit der Natur verschmelzen, er isst kaum noch und wenn, bricht er alles aus. Er will vollkommene Transzendenz. Doch von der Wirklichkeit wird er, wie immer, enttäuscht: "Endlich spürte er es in seinem Haar, auf der Stirn, die Hitze, das Brennen, aber nicht so heiß, wie er es sich vorgestellt hatte. Die Wucht, die er sich vorgestellt hatte, fehlte. Er würde nicht lodern, nur ein wenig aufwärmen, die übliche Enttäuschung. Alle, was er erreichen wollte, entzog sich knapp seinem Zugriff." Der fast autistische Galen ist gefangen in seiner kleinen, eingeschlossenen Welt und will dieser auf seine Weise entfliehen. Doch sein Körper und seine Bedürfnisse machen ihm oft einen Strich durch die Rechnung. Sprachlich interessant geschrieben, schildert David Vann die Konflikte in dem kleinen Kosmos, die Gründe, warum die Familienmitglieder so geworden sind wie sie sind, doch nach einer Eskalation bei einem Familienausflug dreht sich das Buch. Die zweite Hälfte verliert sich Galen in seinen inneren Ausführungen, hüpft wie ein Bessesener nackt in der Sonne herum, versucht zu transzendieren, Sonne und Erde aufzunehmen. Er versucht, tiefer in die Natur einzusinken, aber die Kausalität seiner Handlungen zwingt ihn zu schrecklichen Taten und so scheitert er letztendlich an der Realität. Bei mir haben sich zwar viele Bilder eingegraben, aber der Hauptcharakter blieb mir trotz der direkten, klaren Sprache, fremd.  So bleibt am Schluss nur ein irritierendes Gefühl zurück, die erste Hälfte dominieren viele schon fast pornographische Szenen, in der zweiten Hälfte verirrt sich Galen in seiner Kopf- und Ratlosigkeit. Durch die Distanz zum Buch hatte ich leider nicht das erhoffte emotionale positive Erlebnis.    

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  • Dreckig, befremdlich und auch böse...

    Dreck
    Cadiz

    Cadiz

    21. November 2014 um 19:39

    „Geruch von Staub und Moder, Geruch von Walnussschalen. Geruch seiner Kindheit. Wenn er die Augen schloss, war er wieder dort, und zweifellos ging es seiner Mutter genauso. Wir haben dieselbe Kindheit, sagte er. Wegen des Geruchs hier. Nicht dieselbe, sagte sie. Du hast ja keine Ahnung. Du kannst dir nicht vorstellen, wie es war.“ (Seite 36) _____________________________________ Inhalt: Galen ist 22 und führt mit seiner Mutter ein einsames, abgeschiedenes Leben. Während er seine an Alzheimer leidende Großmutter belügt, dass er bald aufs College gehen wird, weckt seine Cousine spätreife sexuelle Lust in ihm. Galen kommt in Versuchung und sieht sich sobald mit hässlichen Auseinandersetzungen seiner Mutter konfrontiert, die ihn wegen Missbrauch anzeigen will, was er mit aller Gewalt zu verhindern weiß… Zum Buch: Die Geschichte lässt sich gar nicht wirklich beschreiben. Sie ist irgendwie komisch, leicht bekloppt, bestückt mit seltsamen Charakteren, die man nicht besonders sympathisch findet, aber auch nicht furchtbar. Das Buch bewegt einen und tut es doch nur auf ganz unbefriedigende Weise. In „Dreck“ lernt der Leser den skurrilen Kerl Galen kennen, der an Mamas Rockzipfel hängt. Die Beziehung der beiden ist schwer zu beschreiben. Hass und Liebe und Liebe und Hass… Beides zusammengewürfelt und so explosiv, dass es gen Ende des Buches zu ungeahnten Wendungen kommt, mit denen man so gar nicht rechnen kann. Hinzu kommen die anstrengende Tante, die Galen nicht besonders ausstehen kann, die siebzehnjährige Cousine Jennifer, die ebenfalls einen Hau-weg hat und eben die Großmutter, die noch, trotz ihrer unglücklichen Krankheit die normalste in der Familie zu sein scheint. Bei Protagonist Galen weiß man nicht so recht, ob man ihn mögen soll. Er ist eine Art für sich. Einerseits forsch, andererseits interessant und dann wieder so seltsam, wenn er anfängt mit seinen Mediationen, die mir teilweise etwas auf den Senkel gingen. Ansonsten habe ich „Dreck“ recht gerne gelesen. Weil ich schräge Geschichten plus passende Figuren dazu auch mag. Die Story ist nicht besonders spannend oder aufregend, aber sie hat etwas. Etwas Leises, Unheimliches. Etwas, das sich nur schwer ignorieren lässt. Irgendwie tut die Geschichte auf gute Art weh. Man kann den Quatsch nicht ignorieren, man muss ihn weiterlesen. Nun… „Dreck“ ist dreckig, befremdlich und auch böse. Es ist ein Buch, das ich in Erinnerung behalten werde. Kein Mega-Buch, aber immerhin. Gut war es, aber man muss solche Geschichten auch mögen.

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  • Dreck

    Dreck
    Angel10

    Angel10

    16. November 2014 um 18:48

    Mir hat das Buch nicht gefallen. Deswegen will ich es auch nicht bewerten. Der 22jährige Galen lebt mit seiner Mutter auf einer Walnussplantage in Kalifornien. Seine Tante Helen und deren Tochter Jennifer kommen ab und zu zu Besuch. Oma ist im Pflegeheim, dement. Alles hat angefangen mit dem gewalttäigen, aus Deutschland stammenden Opa, der seine Familie tyrannisiert hat. Jeder geht damit anders um: Suzie-Q. (Galens Mutter) verdrängt alles und macht auf heile Familie, Helen hasst die Familie, Oma will vergessen. Galen beschäftigt sich mit Transzendenz, liest New Age Bücher und beschäftigt sich mit den Werken von Castaneda. Eines seiner liebsten Zitate stammt von Khalil Gibrans aus "Der Prophet": "Eure Kinder sind nicht Eure Kinder. Sie sidn die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch. Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht." Ein weiteres Lieblingsbuch ist "Die Möwe Jonathan". Galen hat die Schule abgeschlossen, will aufs Collage. Die Mutter gibt ihm kein Geld, es ist aber welches da. So bleibt er, obwohl er alles hasst. Seine Mutter beteuret, wie sehr sie ihn liebt, überträgt aber den Hass auf ihren Vater auf Galen. Alles in allem ist das eine sehr verfahrene Familiengeschichte. Statt sie aufzulösen entwickelt sich Galen....

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  • Auf der Suche seiner Identität

    Dreck
    Adlerauge

    Adlerauge

    06. February 2014 um 11:35

    Ich fand diesen Roman sehr provokativ und sehr verwirrend !
    Stellenweise auch sehr langatmig geschrieben und die sexuellen Ausschweifungen der Cousine in einer sehr primitiven Art beschrieben !
    Das Ende des Romans war auch nicht überwältigend ,so das ich dafür auch nur 3 Sterne vergeben habe !

  • Sich verlieren

    Dreck
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    18. March 2013 um 14:54

      Realer, fassbarer Dreck im Sinne von lockerer Erde, von Staub, von Matsch, das sind Dinge, die Galen, der Hauptperson des Buches (aus deren Perspektive alleine Vann seine Geschichte erzählt(, von Beginn an begegnen.   Wie sehr er aber darin leibhaftig noch eintauchen wird, wie er innerlich fast verschmelzen wird mit dieser Erde, diesem wahrhaftigen Dreck, das ist weder für Galen noch für den Leser zu Beginn des Buches abzusehen. Eines aber wird deutlich im Lauf der Lektüre, all dieser „äußere Dreck“ ist nur eine Widerspiegelung dessen, was an innerem Weggleiten (oder Notwehr?) in Galen vorgehen wird.   Eine Entwicklung, die Vann allerdings nicht oberflächlich vor Augen führt, sondern die er hintergründig in der Tiefe der Person anlegt und immer weiter nach oben steigen lassen wird.   Und das alles geschieht gerade jenem Galen, der doch nichts anderes versucht, als ganz „rein“ zu werden, „geistlich“, der seinen „Siddharta“ kennt, den „Propheten“ rezitieren kann, der zu schweben versucht, der sich abgrenzt, hart an der Distanz zu seiner alles umschlingenden Mutter, seiner geldgierigen Tante und seiner erotisch fordernden Cousine arbeitet.   Oder täuscht das? Täuscht er sich und den Leser, genauso, wie sein Vegetarismus nur halbgar Bestand hat? Hat vielleicht die Mutter recht mit Ihrer Einschätzung? Denn loslassen, das kann Galen ebenso nicht. Weder geht er arbeiten noch sucht er sein eigenes Glück, dauerhaft lebt er mit seiner Mutter von Treuhandausschüttungen, hatte noch nie einen sexuellen Kontakt (und das mit 22) und lässt sich lieber von seiner frühreifen Cousine demütigen und sexuell erniedrigen, als dass er eine persönliche Grenze einmal einhalten könnte.   „Am nächsten Morgen wurde Galen das Gefühl nicht los, dass seine Mutter der Feind war“. Eben, die Welt ist schuld und im Zweifel immer die Mutter. Und so nimmt das Ausbrechen der inneren Fiebrigkeit seinen Beginn und Lauf, hinein in den Dreck, den schmutzigsten Ort, der innerlich zu finden sein wird.   „Hinunter zu den Waden, schrubben, bis der letzte Dreck weg war, ein Verlust. Es hatte sich richtig angefühlt, von Dreck bedeckt zu sein. Jetzt war er nackt“.   Aber wie es dazu kommt, wie Galen jeden inneren Rahmen verliert, wie er durch den Sex der Sünde Bahn macht, dass ist schon ein intensiver Weg, den Vann glänzend erzählt in seiner klaren, direkten Sprache, in seinen nicht ummäntelten Schilderungen von hartem Sex und anderen leiblichen „Ausflüssen“ bis hin zu einem „zu spät für eine Umkehr“ auf der Entwicklungslinie. Zu einer Zeit, in welcher Galen den Rest der Dinge mit seiner Mutter alleine austragen muss. Gezwungenermaßen.   Wobei, auch das eine Kunst des Autors, sich das Mitleid mit Galen und die allgemeinen Sympathiewerte für den jungen Mann durchaus in Grenzen halten, so weich und innerlich ohne Rahmen setzt Vann seinen Galen in diese Welt des „versorgt sein wollen“, ohne den Preis dafür entrichten zu wollen.   „Dreck“ ist ein interessanter, intensiver und andersartiger Entwicklungsroman, der sprachlich und in der Darstellung seiner Protagonisten in teils sehr provozierender Darstellung zu überzeugen weiß.

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