David Vann Goat Mountain

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Inhaltsangabe zu „Goat Mountain“ von David Vann

Etwas Besonderes soll er werden, der erste richtige Jagdausflug des elfjährigen Jungen mit seinem Vater, seinem Großvater und einem Freund des Vaters. In Vorfreude darauf, seinen ersten Hirsch zu schießen, bricht er mit den Männern auf. Als sie das Jagdrevier der Familie erreichen, sehen sie in der Ferne einen Wilderer. Der Vater lässt den Jungen durchs Zielfern- rohr seines Jagdgewehrs auf den Eindringling blicken – doch statt nur zu beobachten, drückt er ab. Und wirkt dabei befremdlich unberührt. Bestürzung über die eigene Tat, Tränen oder Reue bleiben aus. Ist dem Jun- gen die Tragweite seiner Tat nicht bewusst? Hat er kein Mitgefühl? Und was soll mit der Leiche gesche- hen? Was als Ausflug geplant war, wird zu einem ar- chaischen Ringen, das die Männer an ihre Grenzen bringt.

Auf Anhieb zu einem meiner Lieblingsbücher avanciert.

— schwarz_auf_weiss

Roh, anarchisch, blutig. David Vann lässt hier den wohl stärksten Urinstinkt aufleben - Töten.

— Marina_Nordbreze

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    Goat Mountain

    schwarz_auf_weiss

    16. April 2017 um 07:34

    Oft genug verlässt man sich beim Bücherkauf auf Altbewährtes. Das ist nichts Schlechtes aber manchmal muss man auch blind zugreifen, um sich noch selber überraschen zu können. Über „Goat Mountain“ wusste ich nichts, David Vann kannte ich nicht, der Text auf der Rückseite zudem allenfalls nebulös-ansprechend. Ich vertraute also meinem Bauch und wurde belohnt mit einem wuchtigen Buch, das auf Anhieb zu einem meiner absoluten Lieblinge avancierte. Der erste Satz"Staub wie Puder auf der Luft und der Tag eine rötliche Erscheinung." Nordkalifornien. Nahezu unberührte, ungezähmte Natur. Für den namenlosen 11-jährigen Ich-Erzähler soll es ein besonderes Wochenende werden. Zusammen mit Vater, Großvater und einem Freund der Familie bricht er auf zu einem Jagdausflug in das Stammland seiner indianischen Familie. Elf Jahre sind alt genug, um den ersten Hirsch erlegen zu dürfen. Frauen fehlen in dieser Geschichte, es geht also rauh her. Archaische Männlichkeitsituale ersetzen offen gezeigte familiäre Zuneigung. Am Jagdplatz angekommen, entdeckt der Vater auf dem benachbarten Hügel einen Wilderer und reicht seinem Sohn das Gewehr, damit er durch das Zielfernrohr einen Blick auf den Mann werfen kann. Sekunden später zerreißt ein Schuss die Stille und der Wilderer ist tot. Der Sohn ist zum Mörder geworden. Die erste Panik weicht einem Schock. Wie konnte das passieren? Es war kein Unfall; mit voller Absicht hat er abgedrückt und zeigt keine Reue. Hirsch oder Wilderer – wo ist da schon der Unterschied? Vor allem war es ein guter Schuss. Wie nun damit klar kommen? Die Frage, was man da groß gezogen hat, drängt sich auf und setzt sich mit Widerhaken im Kopf fest. Eine Rückkehr zum bisherigen Leben erscheint ausgeschlossen. Damit allein ließe sich trefflich ein Buch füllen und genau das hatte ich auch erwartet. Vann will aber noch mehr – und er kann auch mehr. An der Art des Umgangs mit dem Leichnam entzündet sich ein Streit, der Vater und Großvater unwiderruflich entzweit. Der Vater will ihn bestatten und seinen Sohn für die Tat sühnen lassen. Das ist inakzeptabel für den Großvater, der in jedem Mann in alttestamentarischer Hinsicht einen Sprössling Kains sieht, der das archaische Begehren zu töten unauslöschlich seit Generationen in sich trägt. Moral und Gesetze sind nur künstlich geschaffene Regeln, die einer Gemeinschaft das Zusammenleben erleichtern. Der menschliche Trieb ist eine Instanz über allem. Was freilich nicht heißt, dass er seinen Enkel nicht per Selbstjustiz strafen will. Ohne an dieser Stelle zuviel vorwegnehmen zu wollen, ist das der eigentliche Konflikt des Buches. Ist die Gier Blut zu vergießen in der menschlichen Natur verankert oder im Laufe der Jahrtausende anerzogen? Vann versteht es meisterlich, diesem zunehmend philosophischem Konflikt Leben und menschliche Tragik einzuhauchen, der dramaturgisch korrekt nur im Fiasko enden kann. Bis es soweit ist, bleibt der 11-Jährige erstaunlich reflektionsarm und vor allem eines – ein Kind. Ein Kind, das unter der Zurückweisung durch seinen Vater leidet und hören will, dass alles wieder gut sei. Ein Kind, das unter der Wegnahme seines Gewehrs mehr leidet als unter seinem Gewissen. Beim Lesen fragte ich mich oft, was dieses Kind für ein Erwachsener werden würde. Es ist Vonn zu verdanken, dass er den enstehenden Kloß im Hals ein Stück weit schrumpfen lässt, als der Ich-Erzähler doch noch lernt, was es heißt zu töten. Der langersehnte Hirsch taucht auf und wird dilettantisch erlegt. Der Tötungsprozess zieht sich über viele Seiten hin und changiert zwischen Abscheu und Faszination. Auge in Auge mit seinem Opfer verliert das Töten jede verharmlosende Distanz und wird zu dem was es ist – dreckig, brutal und vor allem endgültig. "Zerrissenes Zwerchfell in den Resten eingesackt, Lunge schaumig, ein Orangestich im Rot. Als wäre unser Atem Schaum, Erinnerung wiederum ans Meer, an unsere Ursprünge. Und das Herz hing da starr, weiß marmoriert mit tausend Miniaturmustern, die über seine Oberfläche hinaufkrochen, jede Faser Muskel, Blut und Fett. (…) Ich schlug die Zähne in die Wand dieses Herzens, und es war so glitschig und gummiartig, dass ich es fest an mein Gesicht drücken musste. Zähne dafür nicht gemacht, nicht scharf genug, also schüttelte ich beim Beißen den Kopf und riss an diesem Muskel. Mein Messer auf der Erde, das Herz in beiden Händen, und ich wurde wieder zum Tier gemacht, mit geschlossenen Augen und mahlendem Kiefer und dem Geschmack von Blut und Fleisch in meinem Mund. Jetzt bist du ein Mann, sagte mein Großvater. Jetzt bist du ein Mann, sagte mein Vater." Goat Mountain ist kein Buch, das man nebenbei liest. Vann ist ein unglaublich intelligenter Erzähler, der seiner Geschichte mehr Tiefe verleiht als ich streckenweise ertragen konnte. Den existenzialistisch aufgeladenen Konflikt zwischen Jesus und Jahwe, zwischen Moral und archaischer Gewalt hätte ich gerne zugunsten einer emotionaleren Auseindersetzung zwischen Vater und Sohn eingetauscht. So ist es nun aber abseits der individuellen Katastrophe ein Buch über die kollektive menschliche Natur und die Frage nach eigener Verantwortung. Vann hat das großartig gemacht und dafür meine volle Bewunderung verdient. Was bleibt?Wirklich hervorragende Literatur versteht es, Gelesenes zum eigenen Erfahrungsschatz hinzuzufügen. Goat Mountain ist in dieser Hinsicht große Literatur. Ich hatte nie ein Gewehr in der Hand und habe Blutrausch nachempfunden, ich habe nie auf einen Menschen geschossen und bin zum Mörder geworden. Sehr viel mehr können Bücher nicht leisten und ich bin für diese Bereicherung sehr dankbar.

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  • Gewaltig

    Goat Mountain

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Gewaltig die Sprache. Gewaltig die Geschichte dieser Familie. Wo andere hunderte von Seiten benötigen und unüberschaubares Personal, reichen David Vann 4 Personen und wenige Seiten um mich komplett und atemlos in seinen Bann zu ziehen. Allein die eindringliche Schilderung einer Hirsch-Jagd wäre schon ein Juwel, doch der Roman ist vielmehr: Eine Entwicklungsgeschichte, eine philosophische Betrachtung übers Töten und Sterben und wohl auch eine Abrechnung mit der eigenen gewalttätigen Familie. Dieser Roman gehört für mich zu den Top 3 des Jahres und ich freue mich sehr auf eine Lesung mit David Vann beim Internationalen Literaturfestival Berlin im September 2014.

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    • 3
  • Das nächste wird wieder besser...

    Goat Mountain

    Boris

    25. August 2014 um 21:00

    David Vann schreibt im Nachwort: "Mit diesem Buch werden die letzten Reste dessen weggebrannt, was mich ursprünglich zum Schreiben trieb, nämlich die Geschichten über meine von Gewalt geprägte Familie." Ich wünsche mir sehr das dies stimmt und David Vann, den ich für einen sprachgewaltigen, sehr guten Autor halte, die Dämonen seiner Vergangenheit ab dem nächsten Buch mit etwas mehr Distanz entgegentreten kann. Dieses Buch ist schwer zu ertragen. Ich kann nicht beurteilen in wie weit der 11 jährige Protagonist des Buches das Alter Ego von David Vann ist. Wenn der Autor das erlebt hat...grauenhaft! Trotzdem lese ich die 250 Seiten nicht mit der Erschütterung, die der Autor auf "Teufel komm raus" in mir erreichen will. Für mich das schwächste Buch von David Vann, weil...siehe oben...

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  • Gewalt

    Goat Mountain

    michael_lehmann-pape

    22. August 2014 um 11:36

    Gewalt Es ist die klassische „amerikanische“ Situation, ein fundamentaler Bestandteil der Kultur, wenn der „Vater mit dem Sohne“ (und dem eigenen Vater), „unter Männern“, auf die Jagd geht, wenn das erste Wild selber geschossen werden soll, das erste Blut vergossen wird. Ein Initiationsritus, eine Aufnahme in die Welt des Mannes, der mit seinem Gewehr in der Wildnis sein „Mann-Sein“ demonstrativ sich aneignet. Aber, kann es sein, was da so archaisch „gefeiert“ und zelebriert wird, das im Kern und im Tiefsten tumbe Gewalt, Blutdurst das Eigentliche sind, was im Menschen zu finden ist? Das nur eine dünne Schicht zivilisierten Verhaltens davon trennt, was an Kaltblütigkeit, Lust an der Gewalt, sich „wehren“ gegen vermeintliche Eindringlinge vorliegt? Denn nicht nur, dass der Junge unverhofft einen Menschen tötet (zum Entsetzen zunächst der anderen anwesenden Männer), sondern ungerührt vollzieht er das. Einfach so. Wie nebenbei. Eine Gefühlslage, die sich dem Leser bereits beim „Kennenlernen“ andeutet. Mit dem Schuhkarton voller Steine auf der Ladefläche des Pick-Ups, die hier noch dazu benutzt werden, „unbelebte“ Bäume möglichst zielgerichtet zu treffen. Ausdruck einer tiefer als die in „moderner Lebensweise“ liegender Struktur, auch in der Familie des Jungen. Denn ein „Initiationsritus“ braucht ja auch den „Vorsteher“, den „Verwalter der Traditionen“, den „unangreifbaren Führer“. Im Buch bietet der Großvater alles, was zu dieser Figur dazu gehört und wird auch ganz zum Schluss eine entscheidende Funktion in der eigentlichen „Initiation“ des Jungen einnehmen, in der Befreiung, die doch nur eine Fortsetzung beinhalten wird. Eine Gewalt, die vorliegt, die sich Bahn bricht, die vererbt wird. „Mein Großvater stammte von keinem Gott….. Er stammte von etwas Älterem, Gedankenloserem, Gefühlsloserem…. Und was er zu bieten hatte war Auslöschung. Massiv und, wie gewohnt, ganz eigen, schwerfällig und düster im Ton, führt Vann dem Leser diese archaische, auf Blut ausgehende „Innerlichkeit“ des Menschen vor Augen. Wobei andererseits sich umgehend beim Lesen auch Widerstand regt. Nicht, weil der Mensch dem Menschen nicht, unter bestimmten Voraussetzungen und in einer bestimmen persönlichen Disposition, alles antun würde, was an Gewalt nur denkbar ist. Sondern weil Vann diese innere Disposition einfach zu allgemein setzt. Selbst das Entsetzen anderer Beteiligter wirkt nicht wirklich als Gegenpol im Buch, was allein schon am Umgang mit der Leiche des getöteten Mannes mehr als deutlich wird und in dieser Stringenz Widerspruch fast hervorrufen muss. Zumindest aber ein tiefes Befremden beim Leser. Das alles mag zwar auch als Überzeichnung einer bestimmen „amerikanischen Mentalität“ vor allem im Blick auf fast „heilige“ Waffen verstanden werden können, konkret aber bietet das Buch weitgehend unverhüllte und rohe Gewalt, ummäntelt mit Dialogen, die eher Monologe darstellen, die in dieser Form den Leser nicht wirklich überzeugend mit in die Geschichte hineinnimmt. Wie auch der „interne“ Umgang mit dem Geschehen nichts anderes darstellt, als wiederum Gewalt, nur in anderer Form (oder auch nicht, was das Ende angeht). Ein intensives Thema, welches Vann in seinem ganz eigenen, schwergängigem Stil und Ton dem Leser schockierend vor Augen stellt und damit einen erschreckenden Spiegel der dunklen Seite des menschlichen Seins vor Augen führt. Das aber auch Längen aufweist und, vor allem, vielfach den Leser ratlos, irritiert und emotional distanziert zurück lässt.

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