David Wagner Vier Äpfel

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Inhaltsangabe zu „Vier Äpfel“ von David Wagner

Von Waren, Liebschaften und der wahren Liebe Mit vier Äpfeln fängt alles an. Ein Mann, der weniger zu tun hat, als ihm lieb ist, erlebt an der Obst- und Gemüsewaage seines Supermarkts einen magischen Moment: Die grünen Leuchtziffern zeigen genau 1000 Gramm. Für David Wagners Helden Grund genug, zwischen Feinstrumpfhosen und Tiefkühlspinat über Leben und Liebe zu philosophieren. Er schlendert vom Honig zu den Zahnpastatuben und erinnert sich. An die Kindheit zwischen Einmachgläsern, an Tage in Paris und Venedig und immer wieder an L., die Frau, die jetzt einen anderen liebt. «Mit David Wagner ist einer der scharfsinnigsten Beobachter des Alltags wieder da.» (FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG)

Ein gutes Buch - was für ein Sprachstil!

— Stefanie_Gregg
Stefanie_Gregg

Ein Roman über menschliches Konsumverhalten und Abartigkeiten im Supermarkt, verpackt in selbstkritischen inneren Monologen.

— Jacynthe
Jacynthe

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  • "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    Jacynthe

    Jacynthe

    31. May 2014 um 09:41

    Inhalt Ein Roman über menschliches Konsumverhalten und Abartigkeiten im Supermarkt, verpackt in selbstkritischen inneren Monologen. Meine Meinung Ein Buch dieser Art habe ich bisher noch nie gelesen. Das lyrische Ich, ein Mann den ich mir Mitte 30 vorstelle, geht wie so oft in "seinen" Supermarkt um einzukaufen. Ihm fallen die skurrilsten Sachen auf und er denkt darüber nach, was es mit verschiedenen Sachen auf sich hat und erzählt auch oft, wie es früher war, in seiner Kindheit. Dann geschieht etwas besonderes: die vier Äpfel, die er zum Wiegen auf die Waage legt, wiegen zusammen genau 1000 Gramm. Dass es nun das war, was ihn die nächste Zeit ein wenig verwirrt durch die Gänge des Supermarktes laufen lässt, erschien mir nicht so deutlich, obwohl das im Titel und auch Klappentext so angedeutet wird. Vielmehr wird sein Denken von seiner Exfrau, die immer nur L. genannt wird, bestimmt. Überall sieht er sie, riecht ihr Shampoo oder sieht die Dinge im Regal, die sie immer gekauft bzw. nicht gekauft hat und erinnert sich an gemeinsam Erlebtes. Das lyrische Ich fühlt sich von seinem Einkaufswagen durch die Gänge gezogen, sinniert über alles überwachende Systeme und computergesteuerte Kassiererinnen, die alles über ihre Kunden wissen. Manchmal werden Dinge im Regal beschrieben, die der Protagonist nur in seiner Vorstellung sieht (zum Beispiel den perfekten Partner, dem man Erinnerungen an nie erlebte gemeinsame Zeiten einspielen kann) dann fließen auch immer wieder Erinnerungen an die Vergangenheit mit ein. Aber um ehrlich zu sein passiert sonst eigentlich gar nichts. Aber das muss es auch nicht, dieses Buch lebt irgendwie von sich selbst. Außer dass am Ende endlich die Kasse gefunden wird, wird kein Ziel erreicht. Weder kommt das lyrische Ich über L. hinweg, noch begegnet es einer "verlorenen Liebe", was auf der Rückseite des Buches geschrieben steht und eine Romanze verspricht. (Es sei denn, L. ist die "verlorene Liebe", die er immer wieder in Gedanken sieht.) Nach dem Bezahlen bei seiner Lieblingskassiererin verlässt das lyrische Ich den Supermarkt und geht nach Hause. Jeder Gedankengang ist in ein Kapitel gefasst, so dass diese oft sehr kurz ausfallen. Das fand ich angenehm. Weniger schön fand ich die vielen Fußnoten, die Gedanken und Geschichten, die nicht in den Supermarkt zu passen scheinen, auslagern. Auf 144 Kapitel auf 159 Seiten kommen sage und schreibe 52 Fußnoten, teilweise musste man auch umblättern um diese weiterzulesen. Das fand ich verwirrend, vor allem weil die Gedanken gut in den Text hätten eingearbeitet werden können. Was ist verkehrt an Gedankengängen? Der Roman ist unterhaltsam und humorvoll, verriet mir, die ich mich gelegentlich mit menschlichem Konsumverhalten und anderen Abartigkeiten im Supermarkt beschäftige, jedoch nicht viel Neues. Aber ich weiß wie gesagt nicht, ob das überhaupt das Ziel ist. Da David Wagner Deutscher ist und einen deutschen Supermarkt beschreibt, habe ich auch viele Dinge wiedererkannt, was sehr angenehm war. Auf alle Fälle ist es ein Buch mit einem Helden, in den man sich leicht hineinversetzen kann, und von dem man sich gerne durch die Gänge eines Supermarkts führen lässt. Ich vergebe 3 von 5 Wolken.

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. February 2013 um 10:42

    Dieses Buch ist kein gewöhnlicher Roman. Es werden Sachinformationen, Reflexionen und literarische Sprache zu einem Gesamten verwoben. Der Protagonist, schätzungsweise zwischen 30 und 40 Jahren alt, erinnert sich während eines Supermarktbesuches an seine verlorene Liebe L., er sieht all die Waren und seine Gedanken schweifen ab in die Vergangenehit, seine Kindheit, seine Zeit mit L., Konsum und Einkaufsverhalten. Das Buch besteht aus vielen kürzeren Abschnitten, die oft mit teils ausführlichen Fußnoten versehen sind. Es kommt vor, dass die Fußnoten ausführlicher sind, als das Kapitel. Das ist sehr interessant zu lesen und spielt mit den literarischen Formen alter Zeiten, in denen Fußnoten in literarischen Texten öfter vorkamen. Heute kennen es die meisten Leser nur noch aus Sachbüchern. Also ein gekonntes Spiel mit Formen und Lesevorstellungen. Häufig werden vom Autoren lange Sachtelsätze benutzt, was den Text meiner Meinung nach lebhafter erscheinen lässt und das Abschweifen nochmals unterstreicht. " Was sich nicht bewährt, verschwindet aus den Regalen, was sich nicht verkauft, fliegt aus dem Sortiment. Der Supermarkt ist ein Museum der Dinge und Waren, die sich gehalten haben, ja der zeitgenössischste Ausstellungsraum überhaupt." Ein lesenswertes Buch!

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    skurril

    skurril

    27. December 2012 um 14:05

    Das Buch "Vier Äpfel" von David Wagner handelt von einem Mann, der in den Supermarkt seines Vertrauens geht und diesen Besuch aus seiner Perspektive schildert. Es scheint ein besonderer Einkauf zu werden, denn direkt zu Beginn wiegt er vier Äpfel ab, die zusammen genau 1000 Gramm wiegen, ein Wunder? Wie er so durch die Gänge schlendert, jeder der schon mal einkaufen war kann seinen Gang nachvollziehen, erinnert er sich. An alte Zeiten, in denen Milch noch auf dem Bauernhof in Kannen gekauft wurde (oder zumindest in diese umgefüllt wurde) oder man im Kiosk gegenüber für etwas Kleingeld Süßigkeiten kaufen konnte. An die Oma mit ihrer Vorratskammer im Keller, die Kindergartenliebe Anke und die große Liebe L., die immer noch unvergessen ist. Nach all der Zeit. Und die jetzt einen anderen liebt. Das Buch ist wunderbar geschrieben, man kann sich direkt einfühlen. Auch wenn ich nicht so direkt aus der Generation stamme, in der die Oma noch zwingend eine Vorratskammer hatte oder die Milch noch auf dem Bauernhof geholt wurde (wobei ich das soweit ich mich erinnere tatsächlich auch noch getan habe), so kennt doch jeder von uns diese Anekdoten, zumindest von den Eltern oder Großeltern. David Wagner beschreibt die Supermarktrealität und es wird nicht langweilig. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, der lockere Schreibstil. Zwar scheint er Schachtelsätze zu bevorzugen, dies meiner Ansicht nach jedoch nur, dass es sich bei allem um bloßes Gedankengut des Ich-Erzählers handelt. Gedanken sind halt manchmal sehr verworren. Mir hat das Buch viel Spaß gemacht. Und man lernt sogar noch was.. ;-)

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    capkirki

    capkirki

    07. November 2011 um 11:11

    Als "scharfsichtigsten Beobachter des Alltags" bezeichnet die FAZ David Wagner und sie hat damit völlig Recht. Es ist erstaunlich, was Wagner während eines Supermarktbesuches alles entdecken und worüber er sich Gedanken machen kann. Ein für uns namenloser Mann betritt zu Beginn des Buches einen Supermarkt und verlässt diesen mit der letzten Seite wieder. Dabei nimmt er uns mit auf eine literarische Reise durch unsere Komsumwelt, macht sich Gedanken über seine verlorene Liebe und bindet ganz nebenbei auch noch fundierte Kulturkritik in seinen Einkaufsweg mit ein. "Der Supermarkt ist ein Museum der Dinge und Marken, die sich gehalten haben, ja der zeitgenössischste Ausstellungsraum überhaupt. Ein Künstler müsste alles nur mit einer dünnen Wachsschicht überziehen und warten bis eine hohe, undurchdringbar Dornenhecke um den Supermarkt gewachsen ist und schon nach 20 Jahren wäre sein Wachsguss , eines der genauesten und detailliertesten Abbilder der vergangen Zeit, denn hier steht und liegt ja alles das womit und wovon wir leben." Über jedes Produkt, das er sieht oder in seinen Wagen legt, macht er sich Gedanken. Wieso wiegen die vier Äpfel in seinem Beutel genau 1000g? Ist die Milch in der Tüte eigentlich nur von einer Kuh oder von sehr vielen Kühen? Wieso ist eine Tiefkühlpizza so ein tieftrauriges Produkt? Hat das Schwein in meinem Wagen Antibiotika bekommen? Ist der Meergeruch an der Theke eigentlich echt oder sind es Aromastoffe? In vielen seiner Überlegungen finden sich oft genug auch fundierte Sachinformationen. Da sie aber den Lesefluss stören würden, steckt Wagner sie kurzerhand in Fußnoten. Und obwohl sein Buch nur 159 Seiten hat, schafft er es dennoch 52 Fußnoten zu setzen und 144 Kapitel zu kreieren. Es ist ein Buch der anderen Art, ein Buch, das von Gedankenvielfalt und interessanten Fragen lebt, nicht von herkömmlicher Spannung und Handlung - durchaus lesenswert. "Und der Tod, so kommt es mir vor, schiebt seinen Einkaufswagen neben mir und legt die Leben, die er nimmt hinein und an der Kasse muss er nicht bezahlen."

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    Cara_Elea

    Cara_Elea

    24. June 2011 um 21:37

    INHALT Der Inhalt dieses Buches ist eigentlich ziemlich schnell erlärt: ein Mann, wohl Ende 30, geht in einem Supermarkt einkaufen. Sprich, er betritt den Supermarkt zu Anfang des Buches, tätigt seinen Einkauf und verlässt den Supermarkt zu Ende des Buches. Damit hat David Wagner es geschafft, eine Tätigkeit, die wohl in Realität 20-30 Minuten dauert auf 160 Seiten Papier zu bannen. Natürlich ist das ganze nicht so trivial, wie es nach dieser Einleitung erscheint. Der Protagonist steuert als erstes das Obst- und Gemüseregal an und sucht sich vier Äpfel aus. Er wiegt die Äpfel und siehe da - die vier Äpfel wiegen zusammen genau 1000 Gramm. Der namenlose Protagonist sieht dies als Anlass, seinen eigenen Einkauf zu reflektieren und aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Er philosophiert über Lebensmittel und stellt Fragen an sich und den Leser. Wie viele Kühe sind an einem Liter Milch beteiligt? Warum gibt es Spinat nur in Ziegelsteinform? Und warum gibt es im Supermarkt nie die tollen Dosen-Pyramiden aus der Werbung? Ein spannender, nachdenklicher und außergewöhnlicher Einkauf, der uns zeigt, wie eng Lebensmittel mit unserem Leben verknüpft sind. REZENSION Ein Buch, welches vielleicht eine Mischung aus Roman und Sachbuch darstellt. Wagner mischt Elemente des Erzählens mit Fakten, die er teils im Text, teils durch Fußnoten einstreut. Interessant ist natürlich besonders, dass hier das eher seltene zeitdehnende Erzählen vorliegt. Das Buch ist dennoch sehr einfach zu lesen. Das Schriftbild ist recht groß und jedes Kapitel behandelt eine neue Art Lebensmittel. Ein Kapitel ist damit meist nicht länger als zwei Seiten. Die Spannung geht in diesem Roman sicherlich nicht von plot oder Protagonist aus. Das Interesse wird vielmehr dadurch geweckt, wie Wagner an dieses "einfache" Thema herangeht und mit welcher Leichtigkeit er die philosophische Komponente des Themas herausarbeitet. Der Protagonist ist hierbei nur mittel zum Zweck, bleibt aber durch die Ich-Perspektive (der Leser erfährt seine Gedanken und Erinnerungen) nicht schattenhaft. Vielmehr tut er einem sogar teilweise Leid, wenn ihn dieses oder jenes Lebensmittel an seine vergangene Liebe erinnert... Wagners Schreibstil ist sehr eingängig und der Lesefluss wird durch die Fußnoten meiner Meinung nach nicht gestört. Wagners Beobachtungsgabe zeigt sich in vielen kleinen Details der Geschichte und manchmal hatte ich auch das Gefühl, der Autor würde mir mit einem Schmunzeln zuzwinkern... FAZIT Ein beeindruckendes Buch welches seinen Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2009 sicherlich zu Recht bekam. Ein einfaches Thema innovativ und kurzweilig dargestellt. Auch wenn das Buch "nur" 160 Seiten hat - diese Investition lohnt sich!

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    Cibo95

    Cibo95

    21. May 2011 um 19:56

    Was für eine skurrile, surreale Geschichte .... der Protagonist geht im Supermarkt einkaufen und philosophiert über das Leben. Zu jedem Artikel, zu allen Personen fallen ihm Parallelen zu seinem Leben ein. Am meisten aber vermisst er L., seine verlorene Liebe, die jetzt jemand anderen liebt. Überall wird er an sie erinnert, durch Gerüche, Geräusche oder Bilder ... die Liebe ist noch da, aber L. ist weg. Völlig absurd und doch genial. Ein kurzes (159 Seiten) Lesevergnügen der besonderen Sorte. Durchaus empfehlenswert, wenn man es etwas schräg mag.

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    The iron butterfly

    The iron butterfly

    01. May 2011 um 16:05

    David Wagner reflektiert in seinem Roman "Vier Äpfel" auf sehr einfallsreiche Weise die gescheiterte Beziehung eines namenlosen Mannes und L., der Frau, die ich nur in seinen Erinnerungen kennenlernen darf. Schauplatz ist ein Supermarkt, die langen endlos erscheinenden Reihen mit taktisch platzierten Konsumgütern heutiger Zeit. Ich begleite den Protagonisten auf seinem Weg vom Eingangsbereich über Obst-, Wurst-, Konserven- oder Drogerieabteilung bis hin zum Ausgang. Überall begegnet uns L. auf die eine oder andere Art und Weise, schließlich erinnert sich mein Einkaufsführer bei so vielen alltäglichen Gebrauchsgegenständen und Lebensmitteln an Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen seiner verflossenen Liebe. Seine Hoffnung eines Tages im Supermarkt eine Frau mit einem identisch gefüllten Einkaufswagen zu treffen, vielleicht sogar L. selbst als Steuerfrau am Haltegriff, spiegelt eine übermächtige Sehnsucht nach Beziehung wieder. Steht auch der Konsum und eine detailierte Beschreibung des Wandels von Kaufverhalten im Vordergrund, so wird in 144 einkaufszettelgroßen Kapitelchen (und zusätzlich 52 Fußnoten) doch schnell klar, das sich sein Leben noch immer nur um L. dreht und er die Trennung noch lange nicht verarbeitet hat. David Wagner hat mit seinem sensiblen Roman ein Stück des kulturellen Wertewandels eingefangen. Für mich ein sympathischer und ausgesprochen kurzweiliger Roman, der zudem viele individuelle Erinnerungsmomente auslöst.

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    Anahid

    Anahid

    10. July 2010 um 18:30

    „Vier Äpfel“ ist ein eigenartiger Roman. Auf der Rückseite steht nicht viel geschrieben und wenn man ihn aufklappt, sieht man kurze Kapitel. Und, mhm was ist das? Kurze Absätze in kleiner Schrift. Ein bisschen Neugier wallte in mir auf und für kurze, knackige Kapitel bin ich immer zu haben. Also ab in die Tasche damit und am Freitag im Zug sollte der Roman gelesen werden. Es geht um einen Mann, der einkaufen geht. Die Supermarkttür verschluckt ihn und er gelangt in eine einsame, plakative Supermarktwelt. Er fährt mit seinem Einkaufswagen durch die Gänge und sinniert über die Produkte an denen er vorbeikommt. Natürlich, wie in jedem Supermarkt landet er zuerst in der Gemüse/Obstabteilung. Dort sucht er vier Äpfel aus. Ja, genau DIE vier Äpfel. Und es passiert ein Wunder, sie wiegen zusammen 1000 Gramm. Das muss doch ein besonderer Tag werden. Genau an der Stelle habe ich gedacht: „Ja, dass muss ein besonderer Roman werden!“ Aber es blieb bei dem bloßen Gedanken! 140 Seiten lang begutachtet er das Angebot, lässt sich über den Wandel der Marken aus und schwelgt in Erinnerungen. Da kommt einem einiges bekannt vor. Oft habe ich gedacht:“Ja, dass habe ich auch schon gegessen/gedacht und gekauft!“ Zwischendurch und manchmal irritierend lang gibt es Fußnoten. Das brachte mich völlig durcheinander. Warum standen diese Dinge nicht normalen Text? Ich konnte mich mitunter nicht entscheiden, was ich zuerst lesen sollte. Und so blieb ich verstört zwischen den Seiten zurück. Doch leider fehlt ein gewisser Lesesog. Zwar denkt er später noch an L. (seine verflossene Liebe), aber so richtig will sich keine Beziehung mit dem „ER“ aufbauen. Und das fehlte mir schon sehr. Am Ende, oh Wunder, verlässt er den Supermarkt und steht erneut in der Sonne. Und ich? Ich bin nach dem Buch gerade umgestiegen, in den nächsten Zug und dachte mir:“ Aber das nächste Buch, dass wird etwas besonderes!“

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    Tobi

    Tobi

    12. December 2009 um 12:12

    Ein Buch wie ein vierstündiger Supermarkt- (bzw. eher Verbrauchermarkt-) besuch. Im Vordergrund stehen detailreiche Beschreibungen der verschiedensten Artikel und meines Erachtens wenig originelle Reflexionen über die jeweiligen Ge- und Verbrauchsgewohnheiten des Protagonisten und seiner Ex. Ich bin von dem Roman enttäuscht und verschiebe meinen für heute geplanten Samstagnachmittagseinkauf auf Montag ...

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    damentennis

    damentennis

    07. November 2009 um 00:41

    ich selber hatte mal die idee, einen roman zu schreiben, der komplett ohne ortswechsel auskommt. er sollte nur im kopf eines mannes spielen. hier haben wir jetzt das: ein roman, der nur in einem supermarkt spielt. okay, der supermarkt ist ja ein willkommener ort zur kulturkriitik: dort gibt es alles zu kaufen, und kaufen gilt ja in der moderne als verb der entfremdung zwischen natur und mensch. darum geht es aber maximal in literaturseminaren. der roman ist deutlich cooler (ein wort, das hier vollkommen deplatziert ist, aber gerade deshalb gewahlt wurde). während des einkaufs im supermarkt erinnert sich ein mann an seine vergangene liebe. das thema ist rührselig, der roman ist es auch. und die tiefkühlpizza kommt sehr schlecht weg, was objektiv richtig ist, aber schon so offensichtlich, dass es subjekitv schon wieder falsch ist. die pizza als mittel der metaphorischen kulturkritik. gut bis toll ist das buch aber dennoch. oder: gerade deshalb, weil es das kleine ganz groß verzaubern kann, während das große und ganze nie thema wird. ein buch ohne das große und ganze, das ist immer schön. keine politik, keine gesellschaft, kaum kriitik (minimal am kapitalismus, aber auch nur als mittel zu zweck - wobei der zweck hier die liebe ist) und keine ungerechtigkeit. das entspannt mich als leser ungemein. am ende ist man tatsächlich etwas neidisch, dass man dieses buch nicht selber geschrieben hat.

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    hundertwasser

    hundertwasser

    21. October 2009 um 16:45

    Ulysses im Supermarkt "Mit David Wagner ist einer der scharfsichtigisten Beobachter des Alltags wieder da" meint die FAZ - und sie hat absolut recht! Ein namenloser Mann mittleren Alters begibt sich auf eine exestenzielle Reise durch einen alltäglichen Supermarkt und findet zu sich selbst. In 144 (!) Kapiteln auf 159 Seiten, garniert mit 52 Fußnoten, lässt Wagner seinen Helden über das Konsumverhalten, die angebotenen Produkte und über seine ehemalige Geliebte reflektieren. Diese Gedanken beginnen zumeist mit einem angebotenen Produkt oder verkaufstechnischer Finessen, die dem lyrischen Ich Vorlagen für eigenes Philosophieren bieten. Die Kapitel sind kurz, die Sprache einfach, die Gedanken lakonisch - und trotzdem fesselt das Buch durch seine Kürze und seine Präzision. David Wagner schafft es hervorragend, den Leser selbst über seinen Konsum nachdenken zu lassen und man wird unmittelbar durch die Geschichte angesprochen, denn fast jeder findet sich und seinen Supermarkt in der Geschichte wieder, da sie so universell geschrieben ist. Noch nie ist eine Einkaufstour im Supermarkt wohl genauer und literarischer betrachtet worden als von David Wagner. Mit erzählerischer Akribie und Kapiteln, die auf den Punkt geschrieben sind, schafft er es, den Leser für sein Konsumverhalten und die Art, mit der er durchs Leben geht, zu sensibilisieren. David Wagner hat ein Werk geschaffen, das sich flüssig weglesen lässt und auch für Literaturmuffel einen formidablen Einstieg in deutsche Gegenwartsliteratur bieten kann: Was James Joyce ein Tag in Dublin war, ist David Wagner sein Supermarkt - großartige Literatur!

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    Greta

    Greta

    23. September 2009 um 14:17

    "eine tiefkühlpizza ist, wie liebevoll ihr karton auch aufgerissen, wie vorsichtig die aromaschutzfolie auch entfernt und auf welcher stufe der vorgebackene rohling auch in den ofen geschoben wird, ich kann mir nicht helfen, ein tieftrauriges produkt." . "ja, ich glaube, dass ich an dem tag, an dem die fleischthekenverkäuferin mich mit meinem namen anreden würde, zum letzten mal in diesem supermarkt gewesen wäre. an stelle des persönlichen wissens über einen kunden sind die anonymen, digitalen kundendaten getreten. die computerwaage merkt sich, wann und wieviel wovon und womit zusammen gekauft wird, sie behält dieses wissen aber für sich und fragt nicht nach, wie lange der besuch noch bleibt oder weshalb ich nur noch schinken für eine person kaufe, ob die ehefrau vielleicht ausgezogen ist und warum." . "ich würde mir gern mir gern mehr erinnerung kaufen, gern auch erlebnisse (...), ein photoalbum mit bildern, auf denen man mich in städten, in denen ich nie gewesen bin, und an stränden, an denen ich nie gelegen habe, sieht. und ich dürfte denken: wie angenehm, ein anderer ist für mich verreist und an all diesen orten gewesen, hat all diese schönen dinge gesehen und sich von mücken stechen lassen, ich muss da nicht mehr hin." . "wie ein kind freue ich mich über diese angebote zur lebensverbesserung, ich freue mich über die energie und zuversicht, die so unverhohlen aus diesen produkten sprechen. sie machen mich glauben, für kurze zeit jedenfalls, alles würe immer beser."

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  • Rezension zu "Vier Äpfel" von David Wagner

    Vier Äpfel
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    18. September 2009 um 19:17

    Der Supermarkt ist das Museum des postmodernen Menschen Könnte es wirklich stimmen, dass man die meiste Zeit außer Haus in seinem Leben in Lebensmittelläden, im Supermarkt, im Kaufhaus verbringt? Als Supermärkte werden Läden erst bezeichnet, wenn ihre Verkaufsfläche über 400 m² und der Nonfood-Anteil nicht mehr als 25% beträgt. „Der erste Supermarkt überhaupt hieß Piggly Wiggly Supermarket, ein Amerikaner namens Clarence Saunders hatte ihn im Jahr 1916 in Memphis, Tennessee eröffnet. Mr. Saunders hatte die simple, damals jedoch revolutionäre Idee, Kunden sich im Laden selbst bedienen zu lassen, was hieß, daß ihnen erlaubt würde, sich zu nehmen, was ihnen gefiel, und sie diese Dinge selbst zur Kasse trugen.“ Soweit. So gut. Neu daran ist aber, dass David Wagner diesen nahezu tristen, fast hektischen Alltagsgegenstand, das Einkaufen von Nahrung zum notwendigen Überleben, dieses Regulat so mancher menschlichen Existenz zum literarischen Alleingegenstand macht und darum eine Geschichte baut, die sympathisch leicht, locker, allzu zwischenmenschlich verständlich und irgendwie einfach nur hinreißend geschrieben ist. Der 1971 geborene Autor, bereits mit so einigen literarischen Preisen versehen, eröffnet diesen Supermarkt-Roman ganz spöttisch mit den Worten: „Lange bin ich gar nicht gern in Supermärkte gegangen.“ Nur, mag man meinen, um darauf einen inneren Monolog des von seiner Frau L. verlassenen Mannes folgen zu lassen, der auf 159 Seiten in 148 Kapitelchen von Produkt zu Produkt schlendert, ab und zu etwas in seinen Einkaufswagen legt, in Fußnoten über Quergedankengänge berichtet und generell so in Gedanken versunken zu sein scheint, dass die Geschichte sich hin und wieder im leicht Phantastischen zu bewegen scheint. Zumindest im nicht mehr Normalen, im Schauen hinter das, was man normal nennen würde. Im Wahrnehmen – ein Vorgang, der, einmal bedacht, vielleicht gar nicht mehr anders sein kann, als es dies im Roman „Vier Äpfel“ der Fall ist. „[In] einer Ecke des Supermarkts, in der ich, so kommt es mir vor, noch nie gewesen bin, ja die mir bisher noch nicht einmal aufgefallen ist, sehe ich ein hohes Glasregal. Als ich näher komme, erkenne ich, daß es sich um ein in einzelne Fächer unterteiltes Aquarium handelt, in dem menschliche Körper schwimmen.“ Ganz reell und im Nebenher der anderen Erlebnisse während des Einkaufes erzählt der recht einsame Protagonist von der Entindividualisierung im Kaufhaus, von der Angst der Matrix, vom Glauben des Verlustes an die Technik, der Unentschiedenheit im Leben und der Faulheit, auf die Technik zu verzichten. „Kaufe ich richtig ein? Kaufe ich das Richtige? Kaufe ich gerecht? Habe ich vielleicht Milch von unglücklichen Kühen in meinem Wagen? Hätte ich nicht doch besser die in Glasflaschen nehmen sollen? Hat das Schwein, dessen Wurst ich essen werde, Antibiotika bekommen?“ Zum politischen Diskurs wird das Einkaufen. Zur wahren, zur wirklichen Entscheidung im Kreisel der Wirtschaft. Jeder kleine Griff nach einer Zutat für den nächsten Kuchen, jeder Genuss frischer Milch – in der allzu glatten Ernährungspyramide ganz oben angesiedelt – wird zur Tendenz, zum möglichen Bruch der eigenen, eigentlichen Prinzipien. Dabei, so der Einkäufer, der Geschiedene von L., kommt es ihm „sehr entgegen, daß sich die Rückgabe der Pfandflaschen automatisiert hat […]. Es war mir oft ein wenig peinlich, Bierflaschen und nicht besonders sorgfältig gespülte Joghurtgläser anzureichen, weil ich so verriet, was ich alles zu mir nahm.“ Walter Benjamin schrieb in seinem Aufsatz über den Flaneur in Baudelaires Werken einmal, dass dieser Müßiggänger, dieser Bummler durch die Straßen der Stadt im Nirwana verschwände, dem Tod anheim gegeben wäre, wenn das Kaufhaus die Führung übernehme. „Wenn die Passage die klassische Form des Interieurs ist, als das die Straße sich dem Flaneur darstellt, so ist dessen Verfallsform das Warenhaus. Das Warenhaus ist der letzte Strich des Flaneurs“, schreibt Benjamin in seinem Aufsatz, der sich noch mit den Anfängen einer modernen Dichtung auseinandersetzte. Tatsächlich ist der Flaneur, wenn man ihn noch so bezeichnen kann, in Juri Andruchowytschs Roman „Moscoviada“, der 2006 bei Suhrkamp erschienen ist, ein Stadtbummler, der durch den Eintritt in das Kaufhaus der finsteren Metropole durch eine Hintertür in die Tiefen der Kanalisation gerät und dort auf den KGB trifft. Hier wird der Flaneur, der Dichter, zum gnadenlosen Verriss. Auch der bemitleidenswerte Single, der in einem Berliner Supermarkt zum Helden der Geschichte in Daniel Wagners Roman wird, ist kein Flaneur per se. Da begegnet dem Leser kein Dandy, kein Betrachter, keiner, der die Mengen durchschauen und aus ihnen Material saugen kann. Aber dennoch ist dieser Figur ein scharfer Blick für die Wirklichkeit gegeben, die er gnadenlos ehrlich zu beschreiben weiß. „Was sich nicht bewährt, verschwindet aus den Regalen, was sich nicht verkauft, fliegt aus dem Sortiment. Der Supermarkt ist ein Museum der Dinge und Marken, die sich gehalten haben, ja der zeitgenössische Ausstellungsraum überhaupt.“ Die Kunst liegt im wahren Leben. In der Betrachtung des Hier und Jetzt, mag man sich nach der Lektüre des Buches sagen. Beim Lesen folgt die eigene Denkweise immer wieder nickend und verstört bestätigend den Ausführungen des Erzählers. Und dass ein einziger kleiner Gang durch den Supermarkt zur literarischen Idee und gelungenen Umsetzung dieser werden kann, changierend zwischen dem Jetzt des Supermarktlistenabarbeitens und dem Damals der Erinnerungen, die zwischen den Gängen und überall eigentlich hängen, das zeigt dieser kleine, aber wirklich feine Roman von David Wagner. Sehr interessant ist auch, dass die Einbindung von ‚Zutexten‘, einem Kassenzettel, einer Einkaufsliste hier zur fiktionalen Ausgestaltung beitragen. Man beobachtet diese in modernen Stadtromanen (wie Döblins „Berlin Alexanderplatz“) schon aufgekommenen Moden wieder häufiger. Nichts ist hier allzu stilfest, von der Ich-Perspektive einmal abgesehen. Dieser Roman unterhält, bricht seinen Erzählstil, weiß von mehr als nur einem kleinen Einkauf am Nachmittag zu erzählen, nämlich das Leben in seiner Mosaikgestalt darzustellen. Der sehr schöne, die Augen des Lesers erfreuende Drucksatz muss unbedingt erwähnt werden. Dieser mit Lesebändchen versehene, im Cover irgendwie niedlich daherkommende Roman ist eine rundum gelungene Herbstneuerscheinung. Erstveröffentlichung auf sandammeer.at

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