Davit Gabunia

 4 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Farben der Nacht.

Lebenslauf von Davit Gabunia

Eine vielversprechende Stimme Georgiens: Der Georgier David Gabunia wurde 1982 in Poti am Schwarzen Meer geboren. Zunächst studierte Gabunia vergleichende Literaturwissenschaft und Gender Studies. Seit 2008 arbeitet er als Dramaturg an der Avantgarde-Bühne „Royal District Theatre“ in der georgischen Hauptstadt Tbilissi. In dieser Funktion begann er unter anderem Shakespeare, Strindberg und zeitgenössische Autoren wie Sarah Kane in das Georgische zu übersetzen und dort einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dafür wurde Gabunia mit dem nationalen georgischen Theaterpreis „Duruji“ ausgezeichnet. Wenig später folgte der wichtigste georgische Literaturpreis für das beste Theaterstück. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse 2018 mit dem Gastland Georgien erscheint sein Roman „Farben der Nacht“ bei Rowohlt Berlin. Gabunia berichtet darin über das Leben im sommerheißen Tbilissi des Jahres 2012. Der Regierungswechsel steht kurz bevor, und des Protagonisten Suras Ehefrau sucht das Weite. Ob sie es findet? Sura ist zu beschäftigt, seinen neuen Nachbarn unter die Lupe zu nehmen, als dass er sich seinen Nächsten widmen würde. David Gabunia lebt und arbeitet in der georgischen Hauptstadt Tbilissi. Seine Theaterarbeit führt ihn unter anderem an das Badische Staatstheater in Karlsruhe, wo sein Stück „Tiger und Löwe“ Erfolge feiert.

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Farben der Nacht

Farben der Nacht

 (6)
Erschienen am 21.08.2018

Neue Rezensionen zu Davit Gabunia

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renees avatar

Rezension zu "Farben der Nacht" von Davit Gabunia

Aus der Bahn geworfen
reneevor 3 Monaten

Davit Gabunia erzählt in seinem Roman "Farben der Nacht" wie schnell man aus seinem normalen Leben durch äußere Umstände geworfen werden kann. Und dies geschieht in einer äußerst spannenden, den Leser in den Bann ziehenden Art. Die Sprache ist eher normal gehalten, aber der Inhalt hat es in sich, ist echt lesenswert und der Autor definitiv eine Entdeckung. Man merkt dem Roman deutlich eine dramaturgische Erfahrung des Autors an. Die Handlung könnte ebenso auf einer Theaterbühne stattfinden/dargebracht werden.

Der Roman spielt im heißen Sommer 2012 in Georgiens Hauptstadt Tiflis, die Hauptakteure sind Surab, glücklicher Vater zweier Söhne und weniger glücklicher Hausmann, durch plötzliche Arbeitslosigkeit dazu geworden. Er dümpelt etwas in seinem Dasein und sucht nach einem neuen Lebenszweck für sich. Ebenso Hauptakteur, Surabs Ehefrau Lina, hat sich in letzter Zeit Surab gegenüber verändert, ist deutlich zurückgezogener, Surab schiebt das auf seine Situation. Allerdings ist der eigentliche Grund für die Veränderung von Tina eine obsessive Beziehung. Tina steht vor Fragen, die sie sich sicher nie stellen wollte. Denn das Leben tobt. Und auch Surab wird durch eine gewisse Obsession verändert, durch seine Arbeitslosigkeit ist er mit viel Freizeit geschlagen, beginnt in dieser Zeit seinen Nachbarn Schotiko zu beobachten, dessen Liebesleben festzuhalten, kämpft einerseits mit seiner Abscheu, aber andererseits auch mit einer gewissen Anziehung. Dieser Konflikt ist gut dargestellt und zeigt gleichzeitig auch den Kampf des Althergebrachten mit der Moderne. Genauso wird auch eine gewisse Gutbürgerlichkeit zum Thema gemacht, aber als Gegensatz dazu auch Surabs Möglichkeit aus Wissen Profit zu schlagen. 

Die Handlung wird aus den Blickwinkeln der verschiedenen betroffenen Personen erzählt und bekommt dadurch eine ganz eigene Authentizität und eine ganz besondere Dramaturgie. Ein offen gelassenes Ende lässt dem Leser dann eigenen Spielraum zum weiteren Geschehen. Die Zeichnung der Charaktere ist in einer ganz besonderen Emotionalität erfolgt, auch dies empfand ich hier als einen deutlichen Pluspunkt. 

Insgesamt kann ich nur sagen: Tolles Buch.

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Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Farben der Nacht" von Davit Gabunia

Fenster zum Hof
Buecherschmausvor 3 Monaten

Die Frankfurter Buchmesse nähert sich in großen Schritten und mit ihr der Gastlandauftritt von Georgien. Nachdem im letzten Jahr mit Frankreich ein Land von großer Nähe zu Gast war – sowohl geografisch als auch in seinen Beziehungen zu Deutschland und in seiner Kultur -, gilt es 2018 ein vielen Lesern doch relativ unbekanntes Land zu entdecken.
Georgien, das abgesehen von einer kurzen Episode nach der Russischen Revolution allein im Mittelalter nationale Unabhängigkeit besaß, wechselnd von Byzanz, dem Römischen Reich und vor allem Russland beherrscht wurde, verfügt über ein eigenständiges Alphabet, das Mchedruli, und eine reiche literarische Tradition. Dennoch sind relativ wenige Autoren hierzulande bekannt, sieht man einmal von der in Deutschland lebenden und auf Deutsch schreibenden Nino Haratischwili ab. Da gibt es noch viel zu entdecken.
Der 1982 geborene Dramatiker, Übersetzer und Literaturkritiker Davit Gabunia ist mit seinem Debütroman „Farben der Nacht“ eine solche Entdeckung.
Ein Kammerspiel – sechs Personen, zwei Wohnungen, ein Büro, in denen sich die Ereignisse abspielen. Gern wird der Vergleich mit Hitchcocks Klassiker „Das Fenster zum Hof“ bemüht, die Ausgangslage ist eine ähnliche.
Surab, ein arbeitsloser junger Vater, kümmert sich, während seine Frau Tina arbeitet, um die Kindern Gio und Dakuta. Eine eher unbefriedigende Situation, da Surab immer weiter in Lethargie abzurutschen scheint, immer öfter einfach nur mit seinem Kumpel Ika herumhängt oder aus dem Fenster der Tifliser Wohnung starrt. Eines Tages beobachtet er in der Wohnung gegenüber, der schon länger sein Interesse gilt, einen Mord. Vor einiger Zeit ist dort ein junger Mann, Schotiko, eingezogen, der nicht nur einen knallroten Alfa Romeo fährt, sondern auch sonst ein extravagantes Leben zu führen scheint. Surabs Neugier ist geweckt. Und so beobachtet er Tag für Tag die Vorgänge gegenüber, registriert die regelmäßigen Herrenbesuche, beobachtet das Liebesleben Schotikos, macht Fotos. Das ganze wird immer mehr zu einer Obsession, besonders als er entdeckt, dass der nächtliche Besucher, Merab, ein hohes Tier beim Geheimdienst ist. Surabs Beziehung zu Tina gerät dabei immer mehr ins Hintertreffen. Er wundert sich kaum über die vielen Überstunden seiner Frau, ihre Zerstreutheit, ihre abweisende Haltung. Eines Tages verschwindet sie. Und Surab beobachtet in Schotikos Wohnung einen Mord.
Hintergrundrauschen bilden die politischen Vorgänge in diesen wenigen geschilderten Wochen des Spätsommers 2012. Nach der Veröffentlichung von Bildmaterial über Missstände in georgischen Gefängnissen und Folterungen von Häftlingen kam es damals zu massiven Protesten gegen den Präsidenten Micheil Saakaschwili, die zu vorgezogenen Neuwahlen am 1. Oktober 2012 führten.
Diesen Ereignissen, den Fernsehberichten, den Demonstrationen vor der Haustür steht Surab ebenso passiv gegenüber. Genau wie seine eigene Welt gerät auch die Welt vor der Haustür ins Wanken. Zögerlich fragt sich Surab, ob er handeln soll oder nicht, seine Entscheidung erweist sich aber im Falle des beobachteten Mordes als fatal.
Surab, Tina, Merab, Schotiko – sie alle erhalten von Davit Gabunia eine eigene Stimme. Dazu noch die alte Nachbarin Lili und Tinas Arbeitskollege Nuri. Ihre individuellen Tonlagen sind dem Autor sehr gut gelungen. Er schafft so ein spannendes Kammerspiel, das leider zum Ende hin etwas abfällt und sich zu sehr in Tinas Geschichte verstrickt. Ihr rastloses, verzweifeltes Irren durch die Straßen Tiflis hat durchaus seinen eigenen Reiz, lenkt aber doch zu sehr von dem bis dahin stark fokussierten Geschehen ab.
Dennoch: eine spannende Entdeckung und eine Leseempfehlung. Gerade auch zur literarischen Vorbereitung auf das Gastland Georgien.



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KirstenWilczeks avatar

Rezension zu "Farben der Nacht" von Davit Gabunia

Spannende Entdeckung
KirstenWilczekvor 4 Monaten

Der erfolgreiche georgische Autor und Dramatiker Davit Gabunia, Jahrgang 1982, legt seinen ersten Roman „Farben der Nacht“ vor, dessen Erscheinen in deutscher Sprache sicher auch dem Umstand geschuldet sein dürfte, dass Georgien das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist. Und das ist, um es vorweg zu nehmen, ein Glück.

Die Geschichte, die Gabunia auf knappen 200 Seiten vor dem Leser entfaltet, ist – eigentlich – schnell erzählt. Sie spielt an ein paar Tagen Ende August/September 2012 in Tiflis: Dort lebt Surab, Anfang 30, unaufgeregt mit seiner Frau Tina und den beiden Söhnen Gio und Datuka.

Nach der Unabhängigkeit Ende der Achtziger Jahre und der Rosenrevolution 2003 bringt die Öffnung des ehemaligen Satellitenstaates der Sowjetunion schüchterne Freiheit, krasse Korruption, umwälzende Reformen in Staat und Verwaltung, aber auch in der Folge Arbeitslosigkeit, die Surab am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Er ist Hausmann, während Tina die Familie mit ihrem Einkommen durchbringt. Seinem Freund Ika geht es nicht anders. Auch er sucht händeringend einen Job, während es im Land beginnt, zu rumoren. Der Folterskandal erschüttert vor den anstehenden Parlamentswahlen das Vertrauen in die Regierung. Erschütternde Gewaltvideos von Häftlingen in den staatlichen Gefängnissen, die vom Wachpersonal entwürdigt und brutal misshandelt werden, bahnen sich über Youtube den Weg an die Öffentlichkeit. Die Menschen gehen auf die Straße. Ein Aufruhr droht. Surab ist zunächst damit beschäftigt, den Nachrichten auszuweichen, damit seine Söhne die Horrorbilder drangsalierter Häftlinge nicht sehen. Doch dann setzt er sein Schicksal zur „passierenden“ Geschichte in Bezug, vor allem eine Beobachtung, die er in den letzten Tagen vor seiner Entscheidung gemacht hat. Sein neuer Nachbar Schotiko von Gegenüber, ein junger, auffallender Bursche in knallrotem Alfa Romeo, hatte eine heimliche, nächtliche Affäre mit einem hohen Beamten vom Staatsschutz namens Merab. Surab beobachtet und fotografiert die Treffen der beiden über Nächte hinweg, bis ein Streit zwischen dem jungen Mann und dem ältlichen Liebhaber eskaliert. Surab setzt alles auf eine Karte und will aus seinem Wissen Kapital schlagen.

Während er noch mit dem detektivischen Ausspähen des homosexuellen Paares beschäftigt ist, bemerkt er zwar Anzeichen der Entfremdung an seiner Frau, will aber hieraus nicht die richtigen Schlüsse ziehen. Tina hat sich Hals über Kopf in einen Arbeitskollegen verguckt. Eine kurze, aber heftige Affäre wirft sie aus den gewohnten Bahnen.

Am Ende ist nichts mehr, wie es war. Die Regierung wankt, zwei Menschen sind tot und Surab wird vermutlich seine Entscheidung bitter bereuen. Das deutet sich zwischen den Zeilen an und lässt den Leser mit der Auflösung beklommen allein.

Schon während der Lektüre hatte ich den Eindruck, hier eine neue Fassung von Hitchcocks „Fenster zum Hof“ mit Versatzstücken eines Shakespear’schen Dramas zu erleben. Es ist nicht der Verrat und Königsmord des selbstreflektierten Bösewichts Macbeth, aber der naive und mutmaßlich tragisch endende Versuch eines gutmütigen, aber intellektuell unterkomplexen Helden, aus Unrecht Kapital zu schlagen und statt nach der Krone zu greifen, einen Arbeitsplatz zu erpressen, um so wieder sein persönliches Glück finden zu können. Die Assoziation mit Shakespeare liegt nahe. Vielleicht liegt das auch daran, dass Gabunia als Übersetzer des genialen, zeitlosen Engländers gearbeitet hat. Eine weitere Nähe zu einer anderen großartigen Erzählerin der Gegenwart drängte sich mir auf. Margriet de Moor beschreibt in ihrem letzten Roman „Von Vögeln und Menschen“ auch sehr subtil, wie ein einziger Moment einem ganzen Leben eine neue Wendung geben kann. Von jetzt auf gleich kann man zum Mörder oder Mittäter werden. So zeigt auch „Farben der Nacht“, wie ein Augenblick, gepaart mit seiner zufälligen Ursache, mehrere Leben für immer auf den Kopf stellt.

Gabunia lässt seine Figuren die Geschehnisse aus ihrer Warte erzählen und gibt ihnen – sprachlich unterscheidbar – ihre eigene Stimme. Das fällt angenehm auf, denn so entsteht von Surab, Tina, aber auch Merab, ein nuanciertes, pointiertes Profil. Gleiches gilt für das Erzähltempo der Hauptfiguren, das deren Charakter und Gemütslage entspricht. Surab erzählt in gemächlichem Tempo, Merab zählt im wahrsten Sinne des Wortes die verbleibenden Minuten vor seiner Entscheidung herunter. Atemlos, getrieben berichtet Tina ihre Gefühlswallungen, um am Ende als ein Animal triste ihre Entscheidung umzusetzen.

„Farben der Nacht“ – eine spannende und nicht minder zufällige Entdeckung beim Buchhändler meines Vertrauens. Danke und Knicks.

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