Das Buch fängt ungewöhnlich an. Man weiss anfangs nicht, worauf es hinausläuft und das ändert sich bis Zum Ende nicht. Es gibt immer wieder neue überraschende Wendungen in diesem sehr ungewöhnlichen Thriller, der durch und durch georgisch ist.Sein Autor schreibt aber nicht nur sehr spannend in der Person seiner verschiedenen Protagonisten, sondern nimmt einige heisse Themen der georgischen Gesellschaft auf: Homosexualität und Scheinheiligkeit und den Beginn der Unruhen im Jahr 2012 wegen des Folterskandals in georgischen Gefängnissen, die große Veränderungen bewirkten. Das alles in einer Ganz tollen lässigen Sprache geschrieben, vorstellbar nicht nur als Buch, sondern auch als Film oder Hörspiel, kongenial von Rachel Gratzfeld übersetzt. Ich war begeistert!
Davit Gabunia
Lebenslauf
Alle Bücher von Davit Gabunia
Farben der Nacht
Neue Rezensionen zu Davit Gabunia
Die Frankfurter Buchmesse nähert sich in großen Schritten und mit ihr der Gastlandauftritt von Georgien. Nachdem im letzten Jahr mit Frankreich ein Land von großer Nähe zu Gast war – sowohl geografisch als auch in seinen Beziehungen zu Deutschland und in seiner Kultur -, gilt es 2018 ein vielen Lesern doch relativ unbekanntes Land zu entdecken.
Georgien, das abgesehen von einer kurzen Episode nach der Russischen Revolution allein im Mittelalter nationale Unabhängigkeit besaß, wechselnd von Byzanz, dem Römischen Reich und vor allem Russland beherrscht wurde, verfügt über ein eigenständiges Alphabet, das Mchedruli, und eine reiche literarische Tradition. Dennoch sind relativ wenige Autoren hierzulande bekannt, sieht man einmal von der in Deutschland lebenden und auf Deutsch schreibenden Nino Haratischwili ab. Da gibt es noch viel zu entdecken.
Der 1982 geborene Dramatiker, Übersetzer und Literaturkritiker Davit Gabunia ist mit seinem Debütroman „Farben der Nacht“ eine solche Entdeckung.
Ein Kammerspiel – sechs Personen, zwei Wohnungen, ein Büro, in denen sich die Ereignisse abspielen. Gern wird der Vergleich mit Hitchcocks Klassiker „Das Fenster zum Hof“ bemüht, die Ausgangslage ist eine ähnliche.
Surab, ein arbeitsloser junger Vater, kümmert sich, während seine Frau Tina arbeitet, um die Kindern Gio und Dakuta. Eine eher unbefriedigende Situation, da Surab immer weiter in Lethargie abzurutschen scheint, immer öfter einfach nur mit seinem Kumpel Ika herumhängt oder aus dem Fenster der Tifliser Wohnung starrt. Eines Tages beobachtet er in der Wohnung gegenüber, der schon länger sein Interesse gilt, einen Mord. Vor einiger Zeit ist dort ein junger Mann, Schotiko, eingezogen, der nicht nur einen knallroten Alfa Romeo fährt, sondern auch sonst ein extravagantes Leben zu führen scheint. Surabs Neugier ist geweckt. Und so beobachtet er Tag für Tag die Vorgänge gegenüber, registriert die regelmäßigen Herrenbesuche, beobachtet das Liebesleben Schotikos, macht Fotos. Das ganze wird immer mehr zu einer Obsession, besonders als er entdeckt, dass der nächtliche Besucher, Merab, ein hohes Tier beim Geheimdienst ist. Surabs Beziehung zu Tina gerät dabei immer mehr ins Hintertreffen. Er wundert sich kaum über die vielen Überstunden seiner Frau, ihre Zerstreutheit, ihre abweisende Haltung. Eines Tages verschwindet sie. Und Surab beobachtet in Schotikos Wohnung einen Mord.
Hintergrundrauschen bilden die politischen Vorgänge in diesen wenigen geschilderten Wochen des Spätsommers 2012. Nach der Veröffentlichung von Bildmaterial über Missstände in georgischen Gefängnissen und Folterungen von Häftlingen kam es damals zu massiven Protesten gegen den Präsidenten Micheil Saakaschwili, die zu vorgezogenen Neuwahlen am 1. Oktober 2012 führten.
Diesen Ereignissen, den Fernsehberichten, den Demonstrationen vor der Haustür steht Surab ebenso passiv gegenüber. Genau wie seine eigene Welt gerät auch die Welt vor der Haustür ins Wanken. Zögerlich fragt sich Surab, ob er handeln soll oder nicht, seine Entscheidung erweist sich aber im Falle des beobachteten Mordes als fatal.
Surab, Tina, Merab, Schotiko – sie alle erhalten von Davit Gabunia eine eigene Stimme. Dazu noch die alte Nachbarin Lili und Tinas Arbeitskollege Nuri. Ihre individuellen Tonlagen sind dem Autor sehr gut gelungen. Er schafft so ein spannendes Kammerspiel, das leider zum Ende hin etwas abfällt und sich zu sehr in Tinas Geschichte verstrickt. Ihr rastloses, verzweifeltes Irren durch die Straßen Tiflis hat durchaus seinen eigenen Reiz, lenkt aber doch zu sehr von dem bis dahin stark fokussierten Geschehen ab.
Dennoch: eine spannende Entdeckung und eine Leseempfehlung. Gerade auch zur literarischen Vorbereitung auf das Gastland Georgien.
Gespräche aus der Community
LovelyBooks lädt auch im Jahr 2018 zu spannenden Challenges ein.
Und auf euch warten tolle Gewinne.
Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist natürlich 2018 wieder dabei!
Liest du gerne Bücher mit Niveau?
Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.
15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2018 bis 31.12.2018 lesen.
Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
Auch Neuauflagen – 2018 erschienen - von Klassikern.
Die Regeln:
- Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.
- Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.
- Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.
- Es gelten nur Bücher (Achtung: keine Hörbücher, keine Bildergeschichten, keine Graphic Novels), die an diesem Beitrag angehängt sind!
Nimmst du die Herausforderung an?
Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2018 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.
Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.
Ich freue mich auf viele Anmeldungen!
Teilnehmer:
AgnesM
anushka
Aspasia
Barbara62
beerenbuecher
Biest
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