Ich habe vergleichsweise lange an diesem ziemlich sperrigen Roman gelesen und gebe ihm trotzdem, vielleicht aber auch gerade deshalb 4,5 Sterne, denn die Sperrigkeit passt bestens zu den geschilderten Inhalten. Er war zum einen so schwer zu lesen, weil oft die Perspektive gewechselt wurde oder Zeitsprünge in die Vergangenheit und Zukunft verschiedener menschlicher wie tierischer Protagonist*innen stattfanden, vor allem jedoch, weil die Autorin tief ins Grauen der Legebatterien eingedrungen ist und die Ereignisse teilweise von wirklich anstrengenden Figuren vorangebracht wurden - aber wenn die nicht genauso gewesen wären, wie sie waren, wäre überhaupt nichts passiert. Das beginnt bei der zu Beginn des Romans noch jugendlichen Protagonistin Janey, die sich durch einen schlimmen Irrtum von New York ins sehr ländliche Iowa verpflanzt findet - wie das genau geschieht, möchte ich hier nicht spoilern - , und erstreckt sich auf nahezu alle weiteren Haupt- und Nebenfiguren, die durch die Bank irgendwie "einen Sprung in der Schüssel" haben und dennoch (oder auch hier: gerade deshalb) Sympathie auf sich ziehen oder sogar Identifikationsfläche bieten.
Die teils skurrilen, teils verblüffend effizienten Planungen und Aktionen, aber auch Fehleinschätzungen der Tierschützer*innen rund um die Entnahme einer knappen Million abgewirtschafteter Käfighennen wechseln sich ab mit teils wunderschönen, teils aber auch erschreckenden (weil einen Blick auf die Zukunft der Erde werfenden) philosophischen Passagen (z.B. zur Identitätentwicklung oder zur Rolle des Menschen im Ökosystem) und überraschenden Perspektiven aufs Geschehen, hier v.a. die Wahrnehmungen und Gefühle der Hühner, die mich sehr bewegt haben. Man erkennt an vielen Stellen die Liebe der Autorin zu diesen Vögeln, wenn ihre natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse im Widerspruch zur Legebatterie- oder geschlossenen Stallhaltung oder der Verlust der früher einmal ausgeprägten kulturellen Wertschätzung für Hühner (wie auch für andere "Nutz-"Tiere) geschildert werden. Besonders das Schicksal der Henne "Bwaauuk", tierische Heldin dieses Romans, ist mir sehr nahegegangen. Ich habe mir viele Stellen markiert, um sie noch einmal zu lesen oder in mein Notizheft abzuschreiben.
Diesen Roman kann ich allen Leser*innen empfehlen, die sich für Tier- und Umweltschutz, die Folgen rein profitorientierter Landwirtschaftsmethoden und die fragwürdige Rolle des Menschen auf dieser Erde interessieren.



