Deb Olin Unferth

 3,5 Sterne bei 4 Bewertungen

Alle Bücher von Deb Olin Unferth

Cover des Buches Happy Green Family (ISBN: 9783803133441)

Happy Green Family

(3)
Erschienen am 20.01.2022
Cover des Buches Unferth, D: Barn 8 (ISBN: 9781911508885)

Unferth, D: Barn 8

(1)
Erschienen am 09.04.2020

Neue Rezensionen zu Deb Olin Unferth

Cover des Buches Happy Green Family (ISBN: 9783803133441)
S

Rezension zu "Happy Green Family" von Deb Olin Unferth

Sarange
Sperriger, aber sehr bewegender Roman

Ich habe vergleichsweise lange an diesem ziemlich sperrigen Roman gelesen und gebe ihm trotzdem, vielleicht aber auch gerade deshalb 4,5 Sterne, denn die Sperrigkeit passt bestens zu den geschilderten Inhalten. Er war zum einen so schwer zu lesen, weil oft die Perspektive gewechselt wurde oder Zeitsprünge in die Vergangenheit und Zukunft verschiedener menschlicher wie tierischer Protagonist*innen stattfanden, vor allem jedoch, weil die Autorin tief ins Grauen der Legebatterien eingedrungen ist und die Ereignisse teilweise von wirklich anstrengenden Figuren vorangebracht wurden - aber wenn die nicht genauso gewesen wären, wie sie waren, wäre überhaupt nichts passiert. Das beginnt bei der zu Beginn des Romans noch jugendlichen Protagonistin Janey, die sich durch einen schlimmen Irrtum von New York ins sehr ländliche Iowa verpflanzt findet - wie das genau geschieht, möchte ich hier nicht spoilern - , und erstreckt sich auf nahezu alle weiteren Haupt- und Nebenfiguren, die durch die Bank irgendwie "einen Sprung in der Schüssel" haben und dennoch (oder auch hier: gerade deshalb) Sympathie auf sich ziehen oder sogar Identifikationsfläche bieten.

Die teils skurrilen, teils verblüffend effizienten Planungen und Aktionen, aber auch Fehleinschätzungen der Tierschützer*innen rund um die Entnahme einer knappen Million abgewirtschafteter Käfighennen wechseln sich ab mit teils wunderschönen, teils aber auch erschreckenden (weil einen Blick auf die Zukunft der Erde werfenden) philosophischen Passagen (z.B. zur Identitätentwicklung oder zur Rolle des Menschen im Ökosystem) und überraschenden Perspektiven aufs Geschehen, hier v.a. die Wahrnehmungen und Gefühle der Hühner, die mich sehr bewegt haben. Man erkennt an vielen Stellen die Liebe der Autorin zu diesen Vögeln, wenn ihre natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse im Widerspruch zur Legebatterie- oder geschlossenen Stallhaltung oder der Verlust der früher einmal ausgeprägten kulturellen Wertschätzung für Hühner (wie auch für andere "Nutz-"Tiere) geschildert werden. Besonders das Schicksal der Henne "Bwaauuk", tierische Heldin dieses Romans, ist mir sehr nahegegangen. Ich habe mir viele Stellen markiert, um sie noch einmal zu lesen oder in mein Notizheft abzuschreiben.

Diesen Roman kann ich allen Leser*innen empfehlen, die sich für Tier- und Umweltschutz, die Folgen rein profitorientierter Landwirtschaftsmethoden und die fragwürdige Rolle des Menschen auf dieser Erde interessieren.


Cover des Buches Happy Green Family (ISBN: 9783803133441)
sursulapitschis avatar

Rezension zu "Happy Green Family" von Deb Olin Unferth

sursulapitschi
Gut gemeint

Dies ist ein schön geschriebenes Buch mit interessantem Thema. Komischerweise hat es mich zu großen Teilen gelangweilt.

Es geht um Hühnerfarmen. Zwei Frauen, die eigentlich Prüferinnen des Veterinäramtes sind, beschließen eine große Hühnerfarm mit fast einer Millionen Tiere auszuräumen, um ein Zeichen zu setzen. Das ist ambitioniert und hoffnungslos, wenn man bedenkt, was man denn mit so vielen Tieren machen soll, selbst wenn man es schafft, sie zu stehlen. Jedem außer Janey und Cleveland ist das klar, was das eine Problem dieses Buches ist. Das Unternehmen ist zum Scheitern verurteilt und der Weg, bis die beiden das einsehen, ist sehr lang, fast das ganze Buch lang. Die meiste Zeit denkt man als Leser: Himmel, ihr könnt doch nicht so dumm sein, zu glauben, dass das klappt!  

Dann haben wir hier einen ganzen Strauß spannender Figuren, originelle Menschen, Individualisten, Aktivisten, Außenseiter, deren Geschichten alle vorgestellt werden, nur wird niemand davon wirklich lebendig. Sie haben eine Geschichte aber kaum Eigenschaften. Noch nicht einmal Janey und Cleveland selbst. Sie haben viel erlebt und sind da, das ist aber noch längst kein Grund sie zu mögen oder mit ihnen zu fühlen. Dabei ist der Erzählstil sehr schön, frisch, originell, ideenreich.

Das beste am Buch ist der Epilog, in dem in einer fernen Zukunft Superhühner die Welt bevölkert haben. Das ist spaßig und unerwartet im Gegensatz zum restlichen Buch.

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