Deborah Feldman

 4.3 Sterne bei 133 Bewertungen
Autorin von Unorthodox, Überbitten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Deborah Feldman

Die US-amerikanisch-deutsche Autorin Deborah Feldman wird 1986 in New York geboren. Da ihre Eltern getrennt leben, wächst Feldman bei ihren Großeltern im stark jüdisch geprägten Stadtteil Williamsburg auf, die sie streng nach dem Glauben der Satmarer Chassiden erziehen. Als Muttersprache lernt Feldman Jiddisch, da Englisch als zu weltlich gilt. Feldmans Jugend ist von vielen Verboten geprägt, beispielsweise muss sie Körper und Haar vollständig bedecken und darf nichts Rotes tragen. Sie besucht eine private religiöse Mädchenschule und wird auf ein Leben als Mutter und Ehefrau vorbereitet. Heimlich liest sie englischsprachige Romane und geht mit einer Freundin ins Kino. Mit siebzehn Jahren heiratet Feldman einen Satmarer Chassiden, den ihre Familie für sie ausgesucht hat und mit neunzehn bekommt sie einen Sohn. Ohne dass ihr Mann es weiß, schreibt sich Feldman am Sarah Lawrence College ein und studiert englische Literatur. Heimlich plant sie, die Satmarer Chassiden zu verlassen, sobald ihr Sohn drei Jahre alt ist. Sie betreibt einen anonymen Blog über ihr Leben als chassidische Frau, laut ihrer Autobiographie ihr erster schriftstellerischer Erfolg. Nachdem sie schließlich mit ihrem Sohn wegzieht, erscheint 2012 ihr autobiographischer Roman „Unorthodox“, der von der Kritik hoch gelobt wird und es sofort auf die Bestsellerliste der New York Times schafft. Heute lebt Deborah Feldman mit ihrem Sohn in Berlin.

Neue Bücher

Überbitten

 (14)
Erscheint am 10.12.2018 als Taschenbuch bei btb.

Entinnerung

Neu erschienen am 24.09.2018 als Taschenbuch bei Secession Verlag für Literatur.

Alle Bücher von Deborah Feldman

Unorthodox

Unorthodox

 (111)
Erschienen am 19.06.2017
Überbitten

Überbitten

 (14)
Erschienen am 10.12.2018
Entinnerung

Entinnerung

 (0)
Erschienen am 24.09.2018
Unorthodox

Unorthodox

 (6)
Erschienen am 12.09.2016
Exodus: A Memoir

Exodus: A Memoir

 (0)
Erschienen am 24.02.2015

Neue Rezensionen zu Deborah Feldman

Neu
Babschas avatar

Rezension zu "Unorthodox" von Deborah Feldman

Eine tolle, starke Frau
Babschavor 2 Monaten

Wenn man durch New York schlendert, stößt man immer wieder mal auf sie. Gruppen von Männern in langen schwarzen Mänteln, mit großen schwarzen Hüten, Bärten und den auffälligen Schläfenlocken. Ultraorthodoxe Juden. In einer sehr speziellen Ausprägung gibt es sie in der Gemeinschaft der chassidischen "Satmarer", einer im New Yorker Stadtteil Williamsburg beheimateten Sekte, die sich durch religiösen Fanatismus incl. teils menschenverachtender Begleiterscheinungen auszeichnet. Das Leben dort wird durch brachiale Gesetze und Vorgaben unter dem Diktat eines obersten "Rebbe" reglementiert, alles Tun und Lassen ist den Mitgliedern bis ins Kleinste vorgeschrieben. Das Denken ist komplett auf erwartete jenseitige Gerechtigkeit ausgelegt, weltliches Agieren wird (zumindest nach außen hin) vollständig abgelehnt und gesprochen wird ausschließlich Jiddisch. Die Männer studieren unablässig Talmud und Torah, den Frauen werden Bildungschancen und Selbstverwirklichung komplett versagt, sie sind ausschließlich dazu da, fürs Heim zu sorgen, es dem Manne recht zu machen und vor allem nach der üblichen obligatorischen Zwangsverheiratung im Alter von etwa achtzehn Jahren so viele Kinder wie möglich zu gebären.  

In diesem indiskutablen Umfeld ist die Autorin des Buches im Haus ihrer Großeltern, ungarischstämmigen gezeichneten Holocaustvertriebenen, aufgewachsen. Ihr geistig behinderter Vater und die Mutter, die bereits nach ihrer Geburt von jetzt auf gleich abgehauen war, konnten bzw. wollten keinen elterlichen Halt bieten, der Makel war also von klein auf da. Sie erzählt mal drastisch, mal sehr gefühlsbetont aus ihrem unerträglichen täglichen Leben und Aufwachsen zwischen diesen verblendeten Menschen, von ihren Ängsten, Zweifeln und Sehnsüchten, die sie belastet und geformt haben und ihrer von klein auf immer da gewesenen inneren Gewissheit, nicht dazuzugehören und eines Tages hier auszubrechen zu werden. Nach einer arrangierten perspektivlosen Ehe mit siebzehn mit dem schwierigen, unreifen Spross einer anderen Eifererfamilie, aus der dann ihr Sohn Isaac hervor geht, verlebt sie noch einige unerfreuliche Jahre vor Ort und schafft es dann irgendwann tatsächlich, über eine langwierige Scheidung, aus der sie zumindest das Sorgerecht für den Sohn erhält, mit der Vergangenheit komplett zu brechen. Heute lebt sie lt. eigener Aussage verwandelt und neu geerdet in Berlin.

Der megainteressante und beeindruckende Lebensbericht einer wahrlich starken Frau, die sich nie wirklich hat unterkriegen lassen, der dem Leser aus erster Hand tiefste Einblicke in die Lebenswirklichkeit einer düsteren Welt gewährt, wie man sie keinem Kind wünschen möchte und in dieser extremen Ausprägung auch nicht direkt vis-a-vis des schillernden Manhattan erwarten würde.




Kommentieren0
16
Teilen
Mia_Spatzs avatar

Rezension zu "Unorthodox" von Deborah Feldman

Religion
Mia_Spatzvor 2 Monaten

Dieses Buch machte mir bewusst wie wenig ich über orthodoxe Juden wusste. Gleichzeitig war es aber auch ein bisschen merkwürdig, denn vor noch nicht allzu langer Zeit habe ich ein Buch über den Islam gelesen – auch von einer Frau verfasst. Und beides ähnelte sich so sehr. Die Verhüllung der Frau, ob nun Tuch oder Perücke. Das Verlangen sich auszudrücken. Das Unrein sein während der Periode. Das nicht aufgeklärt sein über seinen Körper und die Sexualität. 
Dieses Buch führt vor Augen wie ein Leben eingeengt sein kann. Wie einem Dinge verboten sind und aufgrund dessen furchtbare Fehler passieren können. Es hat Konsequenzen wenn einem verboten wird den Körper anzufassen und zu erkunden. Man kennt ihn nicht, und das obwohl Kinder bekommen und Fruchtbarkeit in diesen Religionen für so wichtig erachtet wird.
Ich habe kein Problem mit Religion. Aber immer dann wenn es Menschen einschränkt und sie zwingt Dinge zu tun, die sie nur tun, weil es von ihnen erwartet wird, dann finde ich Religion nicht richtig. Dann bin ich froh, dass mir keine Religion aufzwingt was ich mache. Einfach nur weil ich Glück hatte und in Deutschland geboren bin, bei toleranten Eltern.   
Ich möchte euch dieses Buch ans Herz legen, weil ich auch nicht wusste, dass in einer Stadt wie New York solche Gemeinschaften existieren. Deborah Feldman erzählt ihre Geschichte, und wir haben die Chance ein Stück weit in eine Gruppe von Menschen einen Einblick zu bekommen.

Kommentieren0
0
Teilen
ahukaders avatar

Rezension zu "Unorthodox" von Deborah Feldman

Unorthodox
ahukadervor 4 Monaten

Deborah lebt mit ihren Großeltern in Williamsburg, einem Stadtteil von Brooklyn, in der nur unorthodoxe chassidische Juden, die der Satmarer Glaubensgemeinschaft angehören, leben. Ihre Mutter hat von Anfang an alle Regeln gebrochen und die Gemeinde verlassen. Ihr Vater scheint geistig nicht imstande zu sein, eine Tochter groß zu ziehen.

Von Anfang an erzählt Deborah von Regeln und Anweisungen in der Gemeinde, an die sich Frauen strikt halten müssen. Sie bekommt zwar eine schulische (Religionsschule für Mädchen) Bildung, doch nur das Notwendigste. Denn Frauen sind dafür da, dass sie sich auf ihre Heirat, die arrangiert wird, konzentrieren und ihrem Mann dienen. Ihre Schönheit dürfen sie nicht präsentieren.

Doch das Schlimmste für Deborah ist, dass Bücher verboten sind. Bücher würden ihre Fantasie verstärken, sie könnte wissen, dass es auch ein anderes lebenswertes Leben da draußen gibt. Doch sie traut sich in eine Bibliothek und lässt sich einen Ausweis ausstellen. Sie leiht die Bücher aus und liest sie heimlich. Versteckt sie nachts beim Schlafen unter der Matratze ihres Bettes.

Die Satmarer Chassiden sehen den Holocaust als Strafe Gottes dafür an, dass sie nicht fromm genug waren. Somit leben sie nach strengen Regeln, um einem zweiten Holocaust zu entgehen. Diese Stelle im Buch hat mich sehr entsetzt. Wie kann man an so etwas glauben?!

„Wir lernen in der Schule, Gott habe Hitler gesandt, um die Juden dafür zu bestrafen, sich selbst erleuchtet zu haben. Er kam, um uns zu reinigen, um alle assimilierten Juden zu vernichten, alle frejen Jidden, die dachten, sie könnten sich selbst vom Joch, die Auserwählten zu sein, befreien“

 

Deborah fängt schon in jungen Jahren an, die Regeln ihrer Gemeinde zu hinterfragen. So geht sie heimlich mit ihrer Freundin ins Kino und sie hören gemeinsam Musik.

Nach ihrem Abschluss in der religiösen Mädchenschule arbeitet sie dort als Lehrerin, obwohl sie keine wirkliche Ausbildung dafür hat.

Mit 17 Jahren geht sie eine arrangierte Ehe mit dem 6 Jahre älteren chassidischen Juden Eli ein. Ich glaube, sie erhofft sich durch die Ehe ein wenig mehr Freiheit, doch dem ist nicht so. Da Deborah sexuell nicht aufgeklärt ist, weiß sie nicht, was auf sie in der Hochzeitsnacht zukommt. Der Geschlechtsverkehr kann nicht vollzogen werden, da Deborah eine ausgeprägte Form des Vaginismus hat. Sie holt sich professionelle Hilfe.

Sie wird erst nach einem Jahr schwanger. Auch das schwanger werden ist nicht so einfach, denn sie muss sich an Rituale halten. Eine unorthodoxe Frau ist unrein während ihrer Menstruation und muss, um Sex haben zu können, mittels 14 weißen Tüchern 7 Tage nach der Menstruation nachweisen, dass sie morgens und abends an diesen 7 Tagen tatsächlich nicht geblutet hat. Zum Zeichen ihrer Reinheit muss sie in einem Mikwe (jüdisches Ritualbad) baden. Erst dann kann sie den Akt des Geschlechtsverkehrs vollziehen.

An diesen Stellen des Buches habe ich parallelen zu meiner eigenen Religion gefunden. Eine muslimische Frau darf während ihrer Menstruation das Tagesgebet nicht vollziehen, nicht aus dem Koran lesen, in der Fastenzeit Ramadan nicht fasten. Nach der Menstruation vollzieht sie ein Ritualbad in ihren eigenen vier Wänden. Deshalb habe ich mich als Frau, sehr angegriffen gefühlt, als ich mir vorgestellt habe, dass ich mit Tüchern nachweisen müsse, dass ich wieder rein bin und an einem öffentlichen Ritualbad teilnehmen muss. So etwas ist schier unvorstellbar und für eine 17-jährige, wie Deborah es zu diesem Zeitpunkt war wohl sehr beschämend.

Für Deborah steht nach der Geburt ihres Sohnes fest, dass sie die Glaubensgemeinschaft verlassen wird, bevor ihr Sohn drei Jahre alt ist und dann eine religiöse Schule besuchen muss. Deborah verlässt die Glaubensgemeinschaft zusammen mit ihrem Sohn und lebt seit dem in Berlin.

Dieses Buch hat mich als Frau sehr bewegt. Ich habe keine Geschichte gelesen, die sich im 18. oder 19. Jahrhundert abgespielt hat. Nein, es ist eine Geschichte meines Zeitalters. Deborah ist gerade mal vier Jahre jünger als ich, und ich glaube, diese Tatsache, hat mich am meisten bewegt und entsetzt.

Ich danke an dieser Stelle der Randomhouse Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar.

Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Deborah Feldman im Netz:

Community-Statistik

in 209 Bibliotheken

auf 32 Wunschlisten

von 7 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks