Unorthodox

von Deborah Feldman 
4,4 Sterne bei110 Bewertungen
Unorthodox
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Positiv (100):
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Ein faszinierender Einblick in eine jüdische Sekte, in der Misogynie Alltag ist und Dogmen das Leben stark einschränken. Klare Empfehlung.

Kritisch (1):
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Hab mir deutlich mehr erwartet - leider langweilig und zach zu lesen.

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Inhaltsangabe zu "Unorthodox"

Am Tag seines Erscheinens führte »Unorthodox« schlagartig die Bestsellerliste der New York Times an und war sofort ausverkauft. Wenige Monate später durchbrach die Auflage die Millionengrenze. In der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, herrschen die strengsten Regeln einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe weltweit. Deborah Feldman führt uns bis an die Grenzen des Erträglichen, wenn sie von der strikten Unterwerfung unter die strengen Lebensgesetze erzählt, von Ausgrenzung, Armut, von der Unterdrückung der Frau, von ihrer Zwangsehe. Und von der alltäglichen Angst, bei Verbotenem entdeckt und bestraft zu werden. Sie erzählt, wie sie den beispiellosen Mut und die ungeheure Kraft zum Verlassen der Gemeinde findet – um ihrem Sohn ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Noch nie hat eine Autorin ihre Befreiung aus den Fesseln religiöser Extremisten so lebensnah, so ehrlich, so analytisch klug und dabei literarisch so anspruchsvoll erzählt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442715343
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:19.06.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 16.09.2016 bei Audiobuch Verlag OHG erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Babschas avatar
    Babschavor 17 Tagen
    Eine tolle, starke Frau

    Wenn man durch New York schlendert, stößt man immer wieder mal auf sie. Gruppen von Männern in langen schwarzen Mänteln, mit großen schwarzen Hüten, Bärten und den auffälligen Schläfenlocken. Ultraorthodoxe Juden. In einer sehr speziellen Ausprägung gibt es sie in der Gemeinschaft der chassidischen "Satmarer", einer im New Yorker Stadtteil Williamsburg beheimateten Sekte, die sich durch religiösen Fanatismus incl. teils menschenverachtender Begleiterscheinungen auszeichnet. Das Leben dort wird durch brachiale Gesetze und Vorgaben unter dem Diktat eines obersten "Rebbe" reglementiert, alles Tun und Lassen ist den Mitgliedern bis ins Kleinste vorgeschrieben. Das Denken ist komplett auf erwartete jenseitige Gerechtigkeit ausgelegt, weltliches Agieren wird (zumindest nach außen hin) vollständig abgelehnt und gesprochen wird ausschließlich Jiddisch. Die Männer studieren unablässig Talmud und Torah, den Frauen werden Bildungschancen und Selbstverwirklichung komplett versagt, sie sind ausschließlich dazu da, fürs Heim zu sorgen, es dem Manne recht zu machen und vor allem nach der üblichen obligatorischen Zwangsverheiratung im Alter von etwa achtzehn Jahren so viele Kinder wie möglich zu gebären.  

    In diesem indiskutablen Umfeld ist die Autorin des Buches im Haus ihrer Großeltern, ungarischstämmigen gezeichneten Holocaustvertriebenen, aufgewachsen. Ihr geistig behinderter Vater und die Mutter, die bereits nach ihrer Geburt von jetzt auf gleich abgehauen war, konnten bzw. wollten keinen elterlichen Halt bieten, der Makel war also von klein auf da. Sie erzählt mal drastisch, mal sehr gefühlsbetont aus ihrem unerträglichen täglichen Leben und Aufwachsen zwischen diesen verblendeten Menschen, von ihren Ängsten, Zweifeln und Sehnsüchten, die sie belastet und geformt haben und ihrer von klein auf immer da gewesenen inneren Gewissheit, nicht dazuzugehören und eines Tages hier auszubrechen zu werden. Nach einer arrangierten perspektivlosen Ehe mit siebzehn mit dem schwierigen, unreifen Spross einer anderen Eifererfamilie, aus der dann ihr Sohn Isaac hervor geht, verlebt sie noch einige unerfreuliche Jahre vor Ort und schafft es dann irgendwann tatsächlich, über eine langwierige Scheidung, aus der sie zumindest das Sorgerecht für den Sohn erhält, mit der Vergangenheit komplett zu brechen. Heute lebt sie lt. eigener Aussage verwandelt und neu geerdet in Berlin.

    Der megainteressante und beeindruckende Lebensbericht einer wahrlich starken Frau, die sich nie wirklich hat unterkriegen lassen, der dem Leser aus erster Hand tiefste Einblicke in die Lebenswirklichkeit einer düsteren Welt gewährt, wie man sie keinem Kind wünschen möchte und in dieser extremen Ausprägung auch nicht direkt vis-a-vis des schillernden Manhattan erwarten würde.




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    Mia_Spatzs avatar
    Mia_Spatzvor einem Monat
    Religion

    Dieses Buch machte mir bewusst wie wenig ich über orthodoxe Juden wusste. Gleichzeitig war es aber auch ein bisschen merkwürdig, denn vor noch nicht allzu langer Zeit habe ich ein Buch über den Islam gelesen – auch von einer Frau verfasst. Und beides ähnelte sich so sehr. Die Verhüllung der Frau, ob nun Tuch oder Perücke. Das Verlangen sich auszudrücken. Das Unrein sein während der Periode. Das nicht aufgeklärt sein über seinen Körper und die Sexualität. 
    Dieses Buch führt vor Augen wie ein Leben eingeengt sein kann. Wie einem Dinge verboten sind und aufgrund dessen furchtbare Fehler passieren können. Es hat Konsequenzen wenn einem verboten wird den Körper anzufassen und zu erkunden. Man kennt ihn nicht, und das obwohl Kinder bekommen und Fruchtbarkeit in diesen Religionen für so wichtig erachtet wird.
    Ich habe kein Problem mit Religion. Aber immer dann wenn es Menschen einschränkt und sie zwingt Dinge zu tun, die sie nur tun, weil es von ihnen erwartet wird, dann finde ich Religion nicht richtig. Dann bin ich froh, dass mir keine Religion aufzwingt was ich mache. Einfach nur weil ich Glück hatte und in Deutschland geboren bin, bei toleranten Eltern.   
    Ich möchte euch dieses Buch ans Herz legen, weil ich auch nicht wusste, dass in einer Stadt wie New York solche Gemeinschaften existieren. Deborah Feldman erzählt ihre Geschichte, und wir haben die Chance ein Stück weit in eine Gruppe von Menschen einen Einblick zu bekommen.

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    ahukaders avatar
    ahukadervor 3 Monaten
    Unorthodox

    Deborah lebt mit ihren Großeltern in Williamsburg, einem Stadtteil von Brooklyn, in der nur unorthodoxe chassidische Juden, die der Satmarer Glaubensgemeinschaft angehören, leben. Ihre Mutter hat von Anfang an alle Regeln gebrochen und die Gemeinde verlassen. Ihr Vater scheint geistig nicht imstande zu sein, eine Tochter groß zu ziehen.

    Von Anfang an erzählt Deborah von Regeln und Anweisungen in der Gemeinde, an die sich Frauen strikt halten müssen. Sie bekommt zwar eine schulische (Religionsschule für Mädchen) Bildung, doch nur das Notwendigste. Denn Frauen sind dafür da, dass sie sich auf ihre Heirat, die arrangiert wird, konzentrieren und ihrem Mann dienen. Ihre Schönheit dürfen sie nicht präsentieren.

    Doch das Schlimmste für Deborah ist, dass Bücher verboten sind. Bücher würden ihre Fantasie verstärken, sie könnte wissen, dass es auch ein anderes lebenswertes Leben da draußen gibt. Doch sie traut sich in eine Bibliothek und lässt sich einen Ausweis ausstellen. Sie leiht die Bücher aus und liest sie heimlich. Versteckt sie nachts beim Schlafen unter der Matratze ihres Bettes.

    Die Satmarer Chassiden sehen den Holocaust als Strafe Gottes dafür an, dass sie nicht fromm genug waren. Somit leben sie nach strengen Regeln, um einem zweiten Holocaust zu entgehen. Diese Stelle im Buch hat mich sehr entsetzt. Wie kann man an so etwas glauben?!

    „Wir lernen in der Schule, Gott habe Hitler gesandt, um die Juden dafür zu bestrafen, sich selbst erleuchtet zu haben. Er kam, um uns zu reinigen, um alle assimilierten Juden zu vernichten, alle frejen Jidden, die dachten, sie könnten sich selbst vom Joch, die Auserwählten zu sein, befreien“

     

    Deborah fängt schon in jungen Jahren an, die Regeln ihrer Gemeinde zu hinterfragen. So geht sie heimlich mit ihrer Freundin ins Kino und sie hören gemeinsam Musik.

    Nach ihrem Abschluss in der religiösen Mädchenschule arbeitet sie dort als Lehrerin, obwohl sie keine wirkliche Ausbildung dafür hat.

    Mit 17 Jahren geht sie eine arrangierte Ehe mit dem 6 Jahre älteren chassidischen Juden Eli ein. Ich glaube, sie erhofft sich durch die Ehe ein wenig mehr Freiheit, doch dem ist nicht so. Da Deborah sexuell nicht aufgeklärt ist, weiß sie nicht, was auf sie in der Hochzeitsnacht zukommt. Der Geschlechtsverkehr kann nicht vollzogen werden, da Deborah eine ausgeprägte Form des Vaginismus hat. Sie holt sich professionelle Hilfe.

    Sie wird erst nach einem Jahr schwanger. Auch das schwanger werden ist nicht so einfach, denn sie muss sich an Rituale halten. Eine unorthodoxe Frau ist unrein während ihrer Menstruation und muss, um Sex haben zu können, mittels 14 weißen Tüchern 7 Tage nach der Menstruation nachweisen, dass sie morgens und abends an diesen 7 Tagen tatsächlich nicht geblutet hat. Zum Zeichen ihrer Reinheit muss sie in einem Mikwe (jüdisches Ritualbad) baden. Erst dann kann sie den Akt des Geschlechtsverkehrs vollziehen.

    An diesen Stellen des Buches habe ich parallelen zu meiner eigenen Religion gefunden. Eine muslimische Frau darf während ihrer Menstruation das Tagesgebet nicht vollziehen, nicht aus dem Koran lesen, in der Fastenzeit Ramadan nicht fasten. Nach der Menstruation vollzieht sie ein Ritualbad in ihren eigenen vier Wänden. Deshalb habe ich mich als Frau, sehr angegriffen gefühlt, als ich mir vorgestellt habe, dass ich mit Tüchern nachweisen müsse, dass ich wieder rein bin und an einem öffentlichen Ritualbad teilnehmen muss. So etwas ist schier unvorstellbar und für eine 17-jährige, wie Deborah es zu diesem Zeitpunkt war wohl sehr beschämend.

    Für Deborah steht nach der Geburt ihres Sohnes fest, dass sie die Glaubensgemeinschaft verlassen wird, bevor ihr Sohn drei Jahre alt ist und dann eine religiöse Schule besuchen muss. Deborah verlässt die Glaubensgemeinschaft zusammen mit ihrem Sohn und lebt seit dem in Berlin.

    Dieses Buch hat mich als Frau sehr bewegt. Ich habe keine Geschichte gelesen, die sich im 18. oder 19. Jahrhundert abgespielt hat. Nein, es ist eine Geschichte meines Zeitalters. Deborah ist gerade mal vier Jahre jünger als ich, und ich glaube, diese Tatsache, hat mich am meisten bewegt und entsetzt.

    Ich danke an dieser Stelle der Randomhouse Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar.

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    Angelfish1000s avatar
    Angelfish1000vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Packendes Buch über das Erwachsenwerden eines jüdisch-orthodoxen Mädchens.
    Eines der mitreissendsten Bücher, das ich gelesen habe.

    Ich bin begeistert und geschockt.
    Alle Feinheiten des Gefühlslebens eines Mädchens, das im restriktiven jüdisch-orthodoxen System einer Gemeinde in New York aufwächst, sind so geschildert, dass ich jede Freude, Angst Bedrückung, Scham und Wut mitfühlen musste.
    Dabei ist es nicht eine besonders blumige Ausdrucksweise, die das bewirkt, sondern der Buchaufbau selbst.
    So sprungartig, wie die Zeit im Besonderen beim Erwachsenwerden vergeht - von Woche zu Monat zu Jahr- ist sie auch hier im Buch wiedergegeben.
    Das nimmt uns mit auf eine Erinnerungsreise, während der wir geradezu neben der Erzählerin stehen und mit ihr fühlen.
    Eine teilweise sehr bedrückende Geschichte, in der Deborah Feldmann meisterlich ihre Lebensgeschichte mit ihren Lesern teilt.
    Spannend aber auch sachlich informativ, können wir hier etwas vom Leben lernen.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 4 Monaten
    ‚Ich kann nicht eines dieser Mädchen sein [...].'

    ‚Ich kann nicht eines dieser Mädchen sein, die ihr ganzes Leben in diesem kleinen, stickigen Block von Mietshäusern verplempern, wo da draußen doch eine ganze Welt darauf wartet, erkundet zu werden.‘ (Seite 120)

    Deborah Feldman wuchs in der chassidischen Satmar-Gemeinde, einer ultraorthodoxen jüdischen Sekte, auf. Zusammen mit ihren Großeltern wohnte sie in Williamsburg, einem Stadtteil des New Yorker Stadtbezirks Brooklyn, wo die größte Zahl der Satmarer Chassidim lebt.

    Feldmans Leben war geprägt von Regeln und Verboten, und in ‚Unorthodox‘ erzählt Feldman vom Alltag eines ultraorthodoxen Juden und von ihrer persönlichen Geschichte.

    Mit ‚Unorthodox‘ erhält der Leser Einblicke in die eher unbekannte Welt des ultraorthodoxen Judentums, erfährt von verschiedenen jüdischen Feiertagen, von jüdischen Riten und Traditionen, von der starken Reglementierung des Alltags und des gesamten Lebens. Man liest aber auch von Feldmans eigenen Erfahrungen wie ihrer Kindheit mit der strengen Erziehung und wenig emotionaler Wärme. Feldman erzählt von Sittsamkeit und Unreinheit, von Weiblichkeit und Unterdrückung der Frau, von Sehnsüchten und dem Wunsch nach einem anderen Leben, von Zweifeln und Auflehnung, von Hochzeit und Mutterschaft.

    Ich habe mich schon intensiver mit dem Judentum beschäftigt, habe jüdische Freunde und Bekannte sowie Freunde, die Judaistik studiert haben. Ich habe demnach ein gewisses Vorwissen, das sowohl Fakten als auch Anekdoten beinhaltet, so dass mir viele im Buch angesprochene Aspekte geläufig waren, z.B. das strenge Regelwerk der ultraorthodoxen Juden, das Rasieren des Haupthaars der Frauen und das Tragen von Perücken. Auch einzelne Traditionen und die Feiertage waren mir nicht neu. Nichtsdestotrotz empfand ich Feldmans Ausführungen als sehr fesselnd, vielleicht vor allem aufgrund der Tatsache, dass ich auf Wissen aufbauen konnte und mich deshalb schnell in ihren Schilderungen zurechtgefunden habe, mir wenig wirklich fremd war.

    Trotzdem haben mich ihre detaillierten Berichte über die Regeln und Verbote, die Kultur und die Traditionen fasziniert, aber teilweise auch abgestoßen, wenn es um die Rolle der Frau, die Unreinheit und die Unterdrückung von Frauen ging.

    Auch die Schilderungen der eigenen Biografie Feldmans haben mich bewegt und berührt. Sie auf ihrem persönlichen Weg zu Selbstbestimmung und Glück zu begleiten, empfand ich als sehr bereichernd und zudem eindrücklich erzählt.

    Ich freue mich schon auf ‚Überbitten‘ von Feldman, das zwar bereits erschienen ist, das ich aber noch nicht gelesen habe.

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    Vefaravor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Erschreckend und zugleich faszinierend trifft dieses Buch wohl am ehesten.
    "Sie folgten ihren Führern blind"

    Mir war die Welt der chassidischen Gemeinden bisher vollkommen unbekannt und fremd. Fremd ist mir diese Lebensweise und der Umgang zwischen den Gemeindemitgliedern aber noch immer. Ich denke niemand, der in einer westlich, aufgeschlossenen Welt aufgewachsen ist, kann sich auch nur annähernd vorstellen wie es ist, unter ultraorthodoxen Gläubigen aufzuwachsen. 
    Deborah Feldman hat das in ihrem ersten Buch sehr gut und anschaulich beschrieben. Wie sie es geschafft hat ihre eigenen Ideale zu behalten und aus der Gemeinde "zu fliehen" zeugt von einem starken und willensstarken Charakter.

    Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage quasi verschlungen weil ich so eingenommen von dieser ganzen Welt war. Mich hat das Buch innerlich noch sehr viele Tage beschäftigt und aufgewühlt. Meine Nachforschungen (leider gibt es zu dem Thema noch nicht allzuviel, da die Menschen doch sehr zurückgezogen und ohne Social Media leben) haben die Erzählungen in dem Buch nur noch bestärkt. Aber auch das bedrückende Gefühl diese Lebensweise nicht verstehen zu können bzw wollen. 

    Einige Passagen aus dem Buch:

    "Wir machen einander keine Komplimente. Stattdessen beobachten wir einander genau, stehts bereit, ... Verfehlungen des einen oder anderen aufzuzeigen."

    "Je lauter eine Frau, desto wahrscheinlicher ist sie geistig beraubt, wie eine leere Schale, ..."

    "Jedes Mal, wenn ein Mann den Anblick irgendeines Teils eures Körpers erhascht, ... sündigt er. Schlimmer aber ist, dass ihr ihn dazu verleitet habt zu sündigen. Ihr seid es, die die Verantwortung für seine Sünde am Tag des Jüngsten Gerichts zu tragen habt."

    "Bildung, sagen sie, führt zu nichts Guten."

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    Saphir610vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein anderer Blich aufs Judentum, was alles Extreme mit Vorsicht genießen lässt
    Extreme Religionsausübung

    Deborah Feldman wächst in Williamsburg, New York auf, innerhalb der chassidischen Satmar-Gemeinde, einer der strengsten ultraorthodoxen jüdischen Gruppen. Es herrschen sehr strenge Regeln, die die Autorin anhand ihrer Kindheit und Jugend schildert. Dabei versteht man als Leser sehr schnell, wie unerträglich es für einen frei denkenden Menschen sein muss. Sicherlich gibt es auch Regeln für die Männer, doch für die Frauen ist es wesentlich schlimmer und so viele befolgen sie, nehmen es als gottgegeben hin. Früh heiraten, Kinder bekommen, den Haushalt machen und für die vielen Feiertage kochen. Ansonsten eher in Armut leben und wegen der abrasierten Haare eine Perücke tragen. Dann muss man sich ein Mal im Monat „reinigen“ und ist eine gewisse Zeit unrein. Nach und nach schafft Deborah es, sich ihre kleinen Freiheiten zu schaffen und sich dann zu trennen und ein ganz neues Leben zu beginnen.

    Dann sind da noch so viele Kleinigkeiten, die mich als nicht sehr religiösen Menschen nur den Kopf schütteln lassen.

    Deborah Feldman schildert ihr Leben in der Satmar-Gemeinde in einem guten Schreibstil. Wie sie es erlebt hat, aus ihren Erinnerungen und ihren Gefühlen. Aber nicht reißerisch oder bewusst emotional. Es reicht in dieser From vollkommen aus, damit ich mir als Leser die Verhältnisse annähernd vorstellen konnte. Es ist nachvollziehbar geschrieben und das Ende freut mich.

    Sehr viel mehr kann und mag ich gar nicht erwähnen, weil man das Buch und die Geschichte von Deborah selber erlesen muss. Es ist zu Recht Bestseller genannt und gibt einem einen Einblick in ein eher völlig unbekanntes religiöses Leben.

    Es macht deutlich, dass alles Extreme mit Vorsicht zu genießen ist.

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    wandablues avatar
    wandabluevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Jüdisches Leben geprägt von Gottesfurcht und unmenschlichem Regelwerk, dessen Opfer wer ?? - DIE FRAUEN sind. Natürlich, wer sonst?
    Leben in einer jüdischen Extremistengemeinde

    Leben bei jüdischen Extremisten.
    Unaufgeregt, ohne auf den Putz zu hauen, berichtet die Autorin von ihrer Jugend bei den Satmarern, als sie bei einer besonders strikten jüdischen Denomination in Williamsburg, New York aufwächst, den Chassiden.

    Sie lebt im Haus ihrer Grosseltern, dem Talmudgelehrten Zeidi und der Großmutter Fraida, die sie Bubby nennt, denn ihre Mutter wurde aus der chassidischen Gemeinde aufgrund derer sexuellen Neigungen ausgeschlossen, der Vater ist „ein besonderer Mensch“, eine Last, die Gott dessen Eltern auferlegte, mit anderen Worten psychisch krank. Auch er kann sich nicht um sie kümmern. Und keiner kümmert sich um ihn. Man soll nicht die Aufmerksamkeit auf ihn lenken, sagen die Großeltern. Behandlung? Gott bewahre: Gott schickt die Prüfungen, wie er will, IHM pfuscht man nicht durch Eigenwillen ins Handwerk. Hier liegt der Hund begraben bei den Chassiden. Sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen, ist Gotteslästerung.

    Deborah liebt ihre Großeltern sehr. Ihre Fesseln, die aus unzähligen beschränkenden Regeln bestehen, ein Mädchen darf dies nicht, ein Mädchen darf das nicht, sind trotz ihres wissbegierigen Geistes, nicht leicht abzustreifen, da sie den Großeltern keine Schande machen will. Liebe kann erpressbar machen! So lässt sie das Meiste über sich ergehen und schickt sich auch in die Ehe, die man früh für sie arrangiert.

    Nun beginnt das Martyrium erst richtig. Hat man sie voher dazu angehalten, ihren Körper zu verleugnen, ihre Weiblichkeit zu negieren, soll ihr Lebenszweck plötzlich darin bestehen, das Sexualobjekt des auserkorenen jungen Mannes zu sein. Deborahs Körper rebelliert. Nach einem langen Leidensweg gelingt es ihr, die chassidische Gemeinde zu verlassen.

    Ich liebe dieses Buch. Ich mag die schlichte Art der Erzählerin. Ich mag, wie sie ihr Viertel beschreibt, ihre Lebensumstände, ihre kleinen Fluchtpunkte. Ruhig, gelassen, lyrisch. Immer scheint die Liebe zu ihren Familienangehörigen durch, die sie fürchterlich nerven, sie ständig kontrollieren und ducken, ihre Liebe zu ihrer Lebensweise, trotz allem. Und ihre Anstrengungen, es richtig zu machen, sind besonders bedrückend in der Brautzeit, als die Reinigungsvorschriften im Prinzip nichts anderes sind als eine fortgesetzte Reihe von Demütigungen.

    Sie ahnt, dass in der Art und Weise wie in der jüdischen Denomination der Glaube an Gott gelebt wird, die Regeln selber zum Status eines Gottes werden, das eigentliche heilige Wesen Gottes  rückt in die Ferne.

    Wie anders kann man sich erklären als mit Heuchelei, dass ein heftiger, neiderfüllter Kampf um die Nachfolge des Gemeindevorstehers entbrennt?

    Die Gemeinde arbeitet mit allen Mitteln, um sich von „der Welt“ zu isolieren. Der Horizont Deborahs wird jedoch durch die verbotenen „englischen Bücher“ geweitet. Immer wieder schleicht sie sich heimlich in die öffentliche Bibliothek. 

    Aber die Großeltern haben den Holocaust überlebt, das ist ein starkes Argument. Sie brachten ihr bei, dass die Chassidim sich fügen müssen, sühnen, damit dasselbe nicht wieder passiert. Erschütternd ist die Angst der jüdischen Gemeinde nach dem Anschlag 9/11, weil sie befürchten, dass sie als Juden wieder als Sündenböcke herhalten müssen. Glücklicherweise ist es diesmal nicht der Fall.

    "Unorthodox" ist ein Aussteigerbuch. Ganz klar. Aber keines der üblichen Sorte. Es ist ein Zeugnis der chassidischen Lebensart, einer jüdischen Sekte, die sich absondert und Öffentlichkeit meidet. Diese Gemeinde lebt mitten in New York und doch erkannte kaum einer, wie sehr gerade die Frauen die Lasten der vermeintlich göttlichen Regeln zu tragen haben.

    Man muss sich für jüdisches Leben interessieren, um dieses Lebenszeugnis zu goutieren.

    Fazit: In den USA wurde "Unorthodox" so oft verkauft, dass Deborah Feldman heute keine finanziellen Sorgen mehr hat. Sie lebt inzwischen in Berlin und kann endlich tun und lassen, was sie will.  Dafür hat sie aber auch einen hohen Preis bezahlen müssen.

    P.S. Holpriger Erzählstil? Überhaupt nicht. Stellenweise sogar richtig lyrisch.

    Kategorie: Autobiographie
    Verlag, btb, 2017

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    katzenminzes avatar
    katzenminzevor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Tolle Frau, tolles Buch! Bedrückende Erfahrungen wurden hier sympathisch, offen und informativ verarbeitet.
    Erwartungen übertroffen

    Erwartungen übertroffen

    Schon lange wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Klang die Geschichte einer jungen Frau, die sich von ihrer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde und somit auch von ihrer Familie lossagt doch wahnsinnig interessant. Die hohen Erwartungen haben mir glücklicherweise nicht den Lesegenuss verdorben. Im Gegenteil: Ich fand die Geschichte einfach klasse.

    Dafür, dass Unorthodox kein Roman ist, ist es wirklich unterhaltsam und mitreißend geschrieben. Deborah Feldmann informiert leicht und gekonnt. Man wird beim lesen keineswegs belehrt und es geht keine Informationsflut nieder, alles was man Neues erfährt, erfährt man nebenbei.

    Besonders der packende Schreibstil und die offene, ehrliche Art zu erzählen haben mich begeistert. Deborah Feldmann schont sich nicht, gibt authentisch ihre Gefühle und teilweise intime Details preis. Sympathisch und nachvollziehbar schildert sie ihre Ängste und Hoffnungen. Es ist beglückend und frustrierend zugleich sie dabei zu begleiten, wie sie es schafft ihren Horizont zu erweitern, wie sie kritische Gedanken zulässt und Dinge hinterfragt. Dabei gelingt es ihr von Tag zu Tag besser, ihre Gefühle zu verbergen und sich anzupassen. „Normal“ zu wirken, obwohl sie doch rebellieren will.

    „Im Grunde aber sind all diese Vergewisserungen Kopfsache, und wenn mein Kopf sich nicht binden lässt, wenn sich meine Träume nicht auswischen lassen, dann können noch so viele Verbote nicht für meine stille Unterwerfung sorgen." S. 348


    Besonders spannend fand ich es, im kleinen den Vergleich zu mir zu ziehen. Deborah Feldmann ist nämlich nur ein knappes Jahr älter als ich. Durch die Vorschriften des ultraorthodoxen Lebensstils, in dem die jüdischen Feiertage die größte Abwechslung bieten, kam es mir erst so vor, als sei sie wesentlich älter. Kein Radio, keine Popmusik, keine Kinofilme - nur Harry Potter hatten wir gemeinsam. Mit dem Unterschied, dass ich es nicht heimlich lesen musste. Und als ich mir meine erste Wohnung suchte, hatte sie quasi schon ein ganzes Leben hinter sich. Davor kann ich nur meinen Hut zeihen.

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Autobiographie über das Leben in der jüdischen Sekte und der Weg der Freiheit.
    Freiheit

    Deborah lebt in einer chassidischen Gemeinde in Brooklyn (NYC). Die Regeln sind streng. Sie umfassen das kulturelle (Bücher, Musik, Filme), Verhalten (sittsam, fromm, keusch), Aussehen (Vom Schlüsselbein bis zum Knie und auch die Handgelenke sollen bedeckt sein) bis hin wie zum Eheleben.
    Jeder beobachtet den anderen und kontrolliert ob dieser Verhaltenskodex eingehalten wird.
    Der Weg in die neue Welt hat sich Deborah erarbeitet, in dem sie heimlich in die Bibliothek geht und englische Bücher liest.
    In der Schule ist sie generell sehr schlecht, da sie sich nicht mit den jüdischen Lehren identifiziert und sie hinterfragt. Nur englisch ist sie gut und sie ist die einzige, die flüssig Texte vorlesen kann.
    Das Ziel eines jüdischen Mädchen ist es mit 17/ 18 verheiratet zu werden (arrangierte Ehe) und viele Kinder auf die Welt zu bringen.

    Sie lernt ihren zukünftigen Ehemann kennen, den sie einmal vor der Hochzeit sieht und einmal vorher mit ihm telefoniert. Durch die rigide Erziehung, hat sie ein Vaginismus, so dass die Ehe nicht vollzogen werden kann. Die Schwiegereltern mischen sich ein und setzen ihren Ehemann unter Druck. Sie konsultieren verschiedenen Spezialisten und durch eingewisses Training (nach einem Jahr), kann Sex mit ihrem Mann haben. Sie wird sofort schwanger mit einem Jungen und alle atmen auf. Heimlich nimmt sie ein Verhütungsmittel, so dass sie nicht noch einmal schwanger werden kann.

    Heimlich geht sie auf ein College, wo sie Literatur, Poesie etc. studiert. Durch dieses Studium schafft sie es sich von der orthodoxen Gemeinschaft zu emanzipieren. Sie nimmt ihren Sohn mit und verlässt sie.

    Eigene Meinung

    Das verlassen der orthodoxen Gemeinschaft und die  neuen Herausforderungen in der neuen Welt, wäre für mich der interessante Teil der Geschichte gewesen. Doch dies wird kurz im Nachwort geschildert. Dies wäre für mich auch sehr interessant gewesen. Denn ich denke das ist der schwierigste Teil, wenn man so behütet und weltfremd aufwächst. Trotzdem bewundere ich ihren Mut und der Glaube an sich, dass sie es schafft.

    Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es wird gut die enge Welt der chassidischen Welt beschrieben und welche Tücke und Charade sie spielen musste, um da hinaus zu kommen. Das Buch liest sich für mich wie in einem Rausch.

    Fazit:
    Ein tolles Buch, dem ich allen ans Herz legen möchte, dem das Thema interessiert!



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