Deborah Feldman Unorthodox

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Inhaltsangabe zu „Unorthodox“ von Deborah Feldman

Schon am Tag als »Unorthodox« in den USA erschien, führte dieser aufrührende autobiografische Bericht schlagartig die Bestsellerliste der New York Times an und war sofort ausverkauft. Wenige Monate später durchbrach die Auflage die Millionengrenze. Die amerikanische Presse erklärte den Erfolg von Deborah Feldman und ihrem Buch so: Noch nie hat eine Autorin ihre Befreiung aus den Fesseln religiöser Extremisten so lebensnah, so ehrlich, so analytisch klug und dabei literarisch so anspruchsvoll erzählt. In der chassidischen Satmar Gemeinde in Williamsburg, New York, herrschen die strengsten Regeln einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe weltweit. Die Satmarer, wie sie sich seit ihrer Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg nennen, sehen im Holocaust eine von Gott verhängte Strafe. Um eine Wiederholung der Shoa zu vermeiden, führen sie ein abgeschirmtes Leben nach strengen Vorschriften. Sexualität ist ein Tabu, Ehen werden arrangiert, im Alltag wird Jiddisch gesprochen, Englisch gilt als verbotene, unreine Sprache. Nach Schätzungen zählt die Gemeinde heute 120.000 Mitglieder, denen sie ein Netz an Sicherheit gewährt – ohne jegliche Freiheit. Deborah Feldman hat schon als Kind Anstoß an der strikten Unterwerfung unter die vom Gründungsrabbiner der Sekte aufgestellten Lebensgesetze genommen, an der Ausgrenzung, der ärmlichen Lebensweise und der Unterordnung der Frau. Ihr Gerechtigkeitsempfinden und ihr Wissenshunger haben sie – verstärkt durch verbotene Literatur – angetrieben, ihren Alltag zu hinterfragen. Stets hat sie Angst, entdeckt und bestraft zu werden, und ihren einzigen Ausweg aus der Enge ihrer Welt zu verlieren. »Unorthodox« führt in die einzigartige Welt von Kindheitserlebnissen, die voller Unschuld scheinen und Einblick geben in alte jüdische Traditionen. Sie führt uns bis an die Grenze des Erträglichen, wenn sie ihre Zwangsehe schildert, und sie lässt uns nachempfinden, wie sie Mut und Kraft zum Auszug aus der Gemeinde findet – um mit ihren Sohn in eine ihr völlig unbekannte Welt in New York zu ziehen. »Unorthodox« ist eine meisterhafte Schilderung des Emanzipationsprozesses einer jungen Frau aus tiefer Einsamkeit und Angst hin zu einem einzigen Punkt: dem eigenen Denken und Fühlen.

Beindruckend, bewegend und manchmal auch erschreckend. Absolut lesenswert!

— Regenblumen
Regenblumen

Erschütternd, unfassbar, beeindruckend!

— hexhex
hexhex

Beeindruckend!

— PaulaAbigail
PaulaAbigail

Hab mir deutlich mehr erwartet - leider langweilig und zach zu lesen.

— Sahani88
Sahani88

Eine junge Frau emanzipiert sich aus einer ultra-orthodoxen jüdischen Gemeine - beeindruckend und Mut machend!

— Saari
Saari

Ebenso ergreifende wie spannende Autobiografie über das Aufwachsen & die eigene Befreiung einer jüdisch-orthodoxen Frau! Sehr lesenswert!

— DieBuchkolumnistin
DieBuchkolumnistin

Eine zu Herzen gehende Lebensgeschichte

— Milagro
Milagro

Ein zum Teil verstörendes Buch über das Leben in einer chassidischen Siedlung in den USA.

— sar89
sar89

Großartig erzähltes Leben. Sehr faszinierend.

— Buchhandlung_am_Schaefersee
Buchhandlung_am_Schaefersee

Das Buch kommt ohne Klischees, Vorwürfe und Vorurteile aus. Ich verbeuge mich vor deborah feldman. Die Geschichte einer starken Frau

— Das_Leseleben
Das_Leseleben

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  • Beindruckende Erzählung über eine Befreiung aus einer strenggläubigen Gemeinde

    Unorthodox
    Regenblumen

    Regenblumen

    23. July 2017 um 17:28

    Ich lese gerne Geschichten, egal ob rein fiktiv oder aus der Realität geboren, die mir von Menschen erzählen, die tiefgreifende Transformationsprozesse erleben oder irgendetwas erleben und dieses Erleben reflektieren, und darauf aufbauend weiter gehen, lernen und sich immer (noch) auf das Leben einlassen. Geschichten von Menschen, die das Leben von innen, von außen, von oben und von unten betrachten und die gleichzeitig, etwas in mir selbst zum Klingen bringen. Deborah Feldman hat mit Unorthodox ein Buch geschrieben, das in diese Kategorie fällt. Sie wächst in einer der weltweit strengsten jüdisch-orthodoxen Gemeinden in Williamsburg, New York auf. Die Mitglieder der Satmar Gemeinde leben streng nach ihren eigenen Regeln, sie schotten sich von der restlichen Gesellschaft ab und leben in ihrem eigenem System. So werden Ehen arrangiert, wobei sich die Frau gänzlich dem Willen des Mannes beugen muss. Auch Sexualität ist ein absolutes Tabuthema. Sie sprechen Jiddisch, da Englisch als unreine Sprache gilt.„Zeidi sagt, die englische Sprache wirke wie ein langsames Gift auf die Seele ein. Sollte ich sie zu viel sprechen oder lesen, würde meine Seele derart trüb werden, dass sie nicht länger für göttliche Reize empfänglich wäre.“ (S. 110)Im Grunde dreht sich der gesamte Alltag der Gemeindemitglieder darum Gott durch regelkonformes Verhalten gnädig zu stimmen, Unreinheit zu vermeiden bzw. rein zu werden. Da Deborah Feldmans Eltern nicht für ihre Tochter sorgen können, wächst sie bei ihren Großeltern Zeidi und Bubby auf. Beide sind Holocaust-Überlebende, was das Aufwachsen für die Autorin nicht unbedingt einfacher macht. Im Vergleich zum erlebten Leid ihrer Großeltern, erscheinen ihr ihre Probleme als nahezu nichtig. Gleichzeitig entwickelt die Autorin eine offene Neugier auf das Leben und seine Hintergründe. Auch wenn sie ihre Fragen und Gedanken nicht laut aussprechen darf, existieren sie in ihrem Kopf. Heimlich besorgt sie sich verbotene Literatur aus der Bücherei oder spart monatelang, um sich ein Buch zu leisten. Sie liest Geschichten und Sachbücher über das Judentum. Zuhause darf sie niemand mit diesen Büchern erwischen. Trotz dieser Gefahr bedeutet ihr diese Rückzugsmöglichkeit sehr viel, wo dieser gedankliche Raum doch der Motor ihrer Emanzipation ist.„Ich bin machthungrig, aber nicht, um über andere zu herrschen; nur, um mir selbst zu gehören.“ (S. 108)Als Leser_in begleitet man Deborah Feldman durch ihre Kindheit und Jugend, durch die schwierigen Jahre ihrer arrangierten Ehe und auf ihrem Weg in ein Leben außerhalb der Gemeinde. Deborah Feldman schildert Höhen und Tiefen, erzählt von Rückschlägen und untermauert ihren Lebenslauf mit Informationen, die helfen, das System der Satmarer zu verstehen.Mich hat es überrascht, dass Deborah Feldman und ich ungefähr gleich alt sind. Beim Lesen habe ich oft daran gedacht, was ich zur gleichen Zeit erlebt habe. Vielleicht bin ich naiv, aber ich hätte es vor der Lektüre von Unorthodox nicht für möglich gehalten, dass es wirklich möglich ist, so abgeschottet von der Gesellschaft und ihres Einflusses zu leben. „Unorthodox“ hat mich beeindruckt und sehr bewegt. Es war nicht immer leicht, das Buch zu lesen und doch hat es sich gelohnt.

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  • Einblicke in eine für mich fremde, erschreckende Welt

    Unorthodox
    gaby2707

    gaby2707

    05. March 2017 um 19:18

    New York, Brooklyn, Williamsburg – hier wächst die kleine Devoiri bei ihren ultraorthodoxen Großeltern Bubby und Zeidi in der chassidischen Satmar Gemeinde auf. Die religiösen Extremisten führen ein abgeschirmtes Leben nach strengen Regeln und Vorschriften, denen sich die kleine Devoiri schon bald versucht zu widersetzen. Sie fühlt sich unverstanden, in ihr steckt soviel Wissensdurst und Neugier, was sie versucht mit dem Lesen von verbotenen Büchern zu kompensieren. Ihre Männerwelt besteht aus stillen, blassen Männern mit schwarzen langen Mänteln, schwarzen Hüten und gekringelten Schläfenlöckchen. Ehen werden arrangiert. Es ist ein langer und steiniger Weg, bis aus Devoiri Deborah Feldman wird, die heute mit ihrem Sohn in Berlin lebt. Aber sie hat es geschafft und sich aus den Fängen einer religiösen Vereinigung befreit, die auch heute noch ihren ganz eigenen Weg geht und man dort der Ansicht ist, nur dieser Weg sei der richtige. Ein Buch, dessen wahre Geschichte noch lange in mir nachwirken wird.

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  • Der Kampf um die Freiheit

    Unorthodox
    storiesonpaper

    storiesonpaper

    08. August 2016 um 09:20

    „Unorthodox“ gibt Einblicke in eine Welt, die für viele von uns nicht existiert. Es ist kaum vorzustellen, dass diese Parallelgesellschaft direkt in  der Weltmetropole New York existiert und dass die chassidische Satmar Gemeinde mit ihren eigenen Regeln lebt. Deborah Feldman ist eine zutiefst ehrliche Erzählung gelungen, in denen sie nicht zurückschreckt, den Lesern ihr Leben zu offenbaren. Im Internet tummeln sich viele schlechte Rezensionen und Blogs, die versuchen, „Unorthodox“ als falsch zu entlarven und dem Buch vorwerfen, bewusst Lügen zu verbreiten. Die Autorin spaltet mit diesem sicher nicht nur die jüdische Gemeinde. Feldman schildert ihr Leben ab dem frühen Teenageralter und lässt ihre Kindheit lediglich in kurzen Erinnerungen aufblitzen. Sie kämpft für ihre Selbstständigkeit und Freiheit und in vielen Situationen möchte man in das Geschehen springen, um die junge Frau zu beschützen. Das Leben als ewiges Büßen anzusehen, die Angst, durch jeden Fehltritt einen neuen Holocaust durch Gott auszulösen – keine Regel wird in Frage gestellt, niemand gibt Widerworte. Sektenartig werden die Mitglieder manipuliert und abgeschottet. Gerade die Frauen leiden unter diesem System, das Feldman so eindringlich schildert. Erstaunlicherweise sind ihre Schilderungen nicht von Wut durchzogen. Sie versucht immer, ihren Weg mit der Aussicht auf eine bessere Zukunft zu sehen und kann sich so von den Einflüssen ihrer Umwelt schützen, indem sie eine freie Parallelwelt erschafft, in der gerade die Literatur eine große Rolle spielt. Es gibt viele Beispiele, die ich aus dem Buch ziehen kann – vom den Rasieren der Haare der Frauen, um danach eine Perücke zu tragen, dem Verbot, unter einem Strickpullover lediglich nackte Haut zu tragen bis hin zu den erniedrigenden Ritualen nach der Periode und der Zwangsverheiratung – um mir die Frage zu stellen, wie man so etwas durchstehen kann, dennoch ist es für uns, die in einem komplett anderen Umfeld leben, schwierig, dieses Leben verstehen zu können und ich will niemandem zu nahe treten, der sich bewusst für solch einen streng orthodoxen Weg entscheidet.  Deborah Feldman konnte gemeinsam mit ihrem Sohn fliehen und lebt heute in Berlin. Für sie gehören die letzten 20 Jahre zu einer anderen Person und ich bewundere sie für ihren Mut, „Unorthodox“ veröffentlicht zu haben und damit bewusst zur Zielscheibe des religiösen Fanatismus geworden zu sein. Fazit:  „Unorthodox“ ist für mich eines der beeindruckendsten Bücher der letzten Zeit. Gerade die Tatsache, dass es sich nicht um Fiktion handelt, macht den Text so schwer und interessant. Ich gebe dem Buch 4,5 von 5 Sternen und werde mich sicher weiter mit dieser Thematik beschäftigen.

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  • LESEN

    Unorthodox
    Das_Leseleben

    Das_Leseleben

    21. July 2016 um 14:19

    Das Buch wurde mir neulich in einer Buchhandlung empfohlen. Obwohl ich Bücher zum Thema Judentum sehr schätze, ist mir„ Unorthodox“von Deborah Feldman Nicht Bekannt gewesen. Der Roman ist im März 2015 im Secession Verlag für Literatur, mit 319 Seiten, erschienen.  Inhalt: Deborah Feldman wächst als Kind und Jugendliche in der in der Satmar Gemeinde in Wilhelmsburg New York auf. Wie berichtet vieles ist als Kind in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde erwachsen zu werden und dabei zu spüren dass man eigentlich wir vom Leben erwartet, als nur Hausfrau und Mutter zu sein. Meine Meinung: Ein Buch, das ich von der ersten Seite bis zur letzten Seite absolut fesseln konnte.  Innerhalb weniger Stunden habe ich den Roman komplett durchgelesen. Besondere an dem Buch ist, das ist nicht nur an autobiografischen Ereignissen der Autorin angelehnt ist, sondern auch wie von der Liebe zu Büchern erzählt wird und wie sie Freiheit bringen können. Dieses fällt dem Leser an den Kapitelanfängen auf, denn an jedem Anfang werden Textstellen zitiert aus Büchern, die der Autorin zu jener Zeit besonders wichtig waren.  Jedes Kapitel erzählt Einen Abschnitt im Leben, das bedeutet das alle Kapitel auch meist etwas länger sind. Die Sprache ist dabei besonders dicht und eingängig. In einem Glossar werden typisch jüdische Begriffe sehr gut erklärt. Somit ist das Buch auch für Leser geeignet, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen wollen. Für Jemanden, der nicht jüdisch ist erst recht nicht einer ultraorthodoxen Glaubensgemeinschaft angehört dem werden in diesem Buch oft die Haare zu Berge stehen. Es hat mich mitgenommen, wie wenig Wert eine Frau in dieser Gemeinschaft hat. Die Bildung ist nur auf die Tora begrenzt und lehnt alles moderne ab. Englisch gilt als Teufelssprache, was zur Folge hat das die Satmarer Juden kaum bis gar kein Englisch können, obwohl sie in der mit Metropole New York Leben. Deborah Feldman ist nur ein Jahr älter ist, als ich selber. Das Buch aber wirkt, als ob es in den fünfziger, sechziger Jahren spielt und nicht im 20. Jahrhundert, wo es normal ist, das Frauen Bildung erhalten und arbeiten gehen.  Trotz das mir die Handlung fremd vorkommen, kann ich die meisten Figuren und deren Leben nachvollziehen. Dieses schafft Deborah Feldman, in dem Sie völlig wertfrei und ohne Wut Ihre Geschichte schildert. Ich möchte noch einmal betonen, dass die Geschichte an die Biografie der Autorin angelehnt und Tatsachen verändert wurden um Menschen zu schützen. Ich persönlich kann daran nichts verwerfliches finden. Der größte Teil des Romans spielt wider erwarten in der Gemeinschaft. Erst ganz zum Schluss wird erzählt, wie die Autorin flieht. Vielmehr Erzählt der Roman die Geschichte einer Entscheidungsfindung, der aber nichts an Spannung verloren geht. Ich muss mich vor Deborah Feldman verbeugen, dass dieses Buch ganz ohne Vorwürfe, Klischees und Vorurteile auskommt. „Unorthodox“ kann ich einfach nur empfehlen.

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  • Ein Zeugnis der Geschichte einer mutigen Frau

    Unorthodox
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    15. June 2016 um 09:44

    Dieses Buch ist das in den USA zum Bestseller avancierte Zeugnis der Geschichte einer mutigen Frau, die mittlerweile mit ihrem Sohn als Schriftstellerin in Berlin lebt.Deborah Feldman erzählt in „Unorthodox“ von der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde der Satmarer im New Yorker Stadtteil Williamsburg. Aufgebaut wie eine Sekte halten diese Menschen etwa den Holocaust für eine Strafe Gottes dafür, dass sich die Juden zu sehr ihrer säkularen Umwelt angepasst haben.Nach dem Zweiten Weltkrieg waren diese ultra-orthodoxe Juden aus Ungarn und Rumänien eingewandert, nachdem sie vor dem Holocaust geflohen waren oder ihn überlebt hatten. Sie gehörten zu den Hasidim, einer Strömung des ultraorthodoxen Judentums, deren Mitglieder eine mystische Vereinigung mit Gott via ihren verehrten Rebben, den für alle Lebensfragen zuständigen Mentor, anstreben. Vor allem die aus dem rumänischen Satu-Mare stammenden, streng orthodoxen Satmarer, Anhänger des Satmarer Rebben, zog es in das Quartier jenseits des East River. Ein Ziel dieser Sekte ist es, sich voll ihrem Glauben und ihrem Lebensstil zu widmen und sich von allem Weltlichen abzuschotten.Dort, wo es nur um strenge Religion und ihre Regeln und Sitten geht, wächst Deborah Feldman auf.  Es gibt kein Fernsehen, keine Bücher, all das wird von den Satmarern als weltlich abgelehnt. Ihre Frauen tragen rasierte Köpfe, damit ihre Haare die Männer nicht in Versuchung führen. Man muss nicht betonen, dass Sexualität und alle andere Dinge, die im Leben den Menschen Freude machen können, verpönt sind.Deborah Feldman erzählt, wie sie bei ihren Großeltern aufwächst, denn sowohl der debile Vater als auch die Mutter, die die Gemeinschaft schon früh verlassen hat, bieten keinen Halt. Doch auch bei den Großeltern sind Nähe und  Geborgenheit nur selten für sie zu spüren. Schon als kleines Mädchen versucht sie sich zu wehren, auch indem sie verbotene Bücher liest. Nach ihrer Zwangsverheiratung gibt sie ihren Widerstand nicht auf, und kann sich nach der Geburt ihres Sohnes schlussendlich befreien.„Unorthodox“ ist eine ebenso lebendige und lebensnahe wie ehrliche Schilderung der Befreiung aus den Fesseln religiöser Extremisten. Die Satmarer mögen eine kleine Gruppe sein, aber es gibt eine wachsende Zahl von Extremisten, insbesondere im Islam, die nicht nur ihre eigenen Gläubigen unterwerfen, sondern die ganze Welt unter ihr steinzeitliches Joch zwingen wollen.

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  • Zufällig glücklich geworden

    Unorthodox
    serendipity3012

    serendipity3012

    08. June 2016 um 18:31

    Zufällig glücklich geworden Die Lesung mit Deborah Feldman am frühen Samstagabend findet in einer Kirche in Berlin statt. Ob es ihr als Mitglied der chassidischen Gemeinschaft der Satmarer, in der sie aufwuchs, erlaubt gewesen wäre, eine Kirche zu betreten? Vermutlich nicht, denn dort beherrschte Kontrolle alles und jeden, und es gab jede Menge Regeln, die alle Lebensbereiche betrafen. Feldmann wurde 1986 geboren und wuchs bei ihren Großeltern in Williamsburg, Brooklyn auf. Die Satmarer sind eine Gemeinschaft aus Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen, die die Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg als eine Art Strafe Gottes verstehen und die glauben, dass sie besonders fromm sein müssen, um zu verhindern, dass sich etwas Ähnliches wiederholt. Modernisierung in jeder Form ist verboten und Zionismus wird abgelehnt, da es den Juden nicht gestattet sei, ihr Exil selbst zu beenden. In ihrer autobiographischen Erzählung „Unorthodox“ erzählt Feldman aus ihrem Leben. Als junges Mädchen war sie von morgens bis zum späten Nachmittag in der Schule, schließlich sollen ihre Mitschülerinnen und sie sich nicht draußen herumtreiben. Vor allem religiöses Wissen wurde ihr vermittelt (wenn sie später aus der Gemeinschaft ausgestiegen ist, wird ihr immer wieder klar werden, dass sie viele Defizite im Allgemeinwissen hat), Weltliches wird ausgeklammert. Einen Schulabschluss bekommt sie nicht – man benötigt ihn auch nicht, schließlich werden die Mädchen jung verheiratet und sollen dann möglichst viele Kinder bekommen, um die große Zahl an ermordeten Juden im Holocaust zu „reproduzieren“. Es gibt Regeln zur Kleidung, zum Essen, zum Auftreten. Als ihre Ehe arrangiert wird und man sie auf die Hochzeit vorbereitet, lernt sie, dass sich ihr Mann ihr nur zwei Wochen im Monat nähern darf und sie in der übrigen Zeit als unrein gilt. Wenn wir von den vielen Regeln bei den Satmarern hören, die Feldman in ihrem Buch erläutert und zu denen sie auf der Lesung befragt wird, so tun wir das immer aus der Perspektive des Außenstehenden und sollten uns dessen bewusst sein, bevor wir über sie urteilen. Es ist eine ganz eigene Welt, und wir können hier viel lernen über eine jüdische Strömung, über die die meisten wohl nichts oder wenig wussten. Man beginnt bald, zu verstehen, wie das Leben dort funktioniert. Es sind interessante Einblicke. Feldman erzählt vor allem eine ganz persönliche Geschichte, stets setzt sie die Regeln der Satmarer zu sich selbst in Beziehung, zu ihrem Leben und ihren Erfahrungen. Man kann nicht umhin, diese junge Frau zu bewundern: Sie begann früh, das so klar vor ihr liegende Leben in Frage zu stellen, zu bemerken, dass Regeln veränderbar waren und somit nicht verlässlich. So berichtet sie zum Beispiel davon, dass ihre Tanten auf Fotos aus den 70er Jahren kürzere Röcke trugen als es ihr gestattet war und man erklärte ihr auf Nachfrage, dass die Regeln damals weniger streng waren als jetzt, was sie irritierte. Sie sehnte sich nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung. Früh begann sie damit, heimlich in Bibliotheken zu gehen und Bücher aus der „Außenwelt“ zu lesen, die selbstverständlich ebenfalls verboten waren.„Bildung, sagen sie, führt zu nichts Gutem. Und zwar, weil Bildung – und das College – der erste Schritt heraus aus Williamsburg ist, der erste Richtung Pritzus, Freizügigkeit, von der Zeidi mir immer wieder versicherte, sie sei ein endloser Kreislauf von Fehltritten, der einen Juden so weit von Gott entfernt, das er die Seele in ein geistiges Koma versetzt.“ […] Kann man den Ort, dem man entstammt, je wirklich verlassen? Ist es nicht am besten, zu bleiben, wohin man gehört, besser, als einen Versuch zu riskieren, sich woanders einzugliedern und dabei zu scheitern?" S. 102Die Einhaltung der Regeln wird bei den Satmarern streng überwacht. Feldman schreibt in ihrem Buch immer wieder darüber, dass es kaum Privatsphäre gibt, auch, als es um Sexualität in ihrer Ehe geht. Auf der anderen Seite gibt die Gemeinschaft aber auch Schutz. Auf die Frage, ob das Gefühl der Geborgenheit oder der Einsamkeit überwogen habe, antwortet Feldman, bei anderen sei es womöglich Geborgenheit, bei ihr aber immer die Einsamkeit gewesen.Deborah Feldmans „Unorthodox“ ist der kluge Lebensbericht einer starken, jungen Frau, die schon früh die Ambivalenz dessen wahrgenommen hat, was um sie herum geschieht und dies auch schlüssig für ihre Leser zu vermitteln weiß. Und die früh das Gefühl hatte, an einem Ort zu sein, an den sie nicht gehörte. Feldman analysiert klug und klagt nicht an, es geht nicht darum, zu richten, sie nimmt stets etwas Abstand zum Geschehen, das sie beschreibt. Auch geht es nicht um eine Abkehr vom Glauben. Das Buch überzeugt vor allem auf der persönlichen Ebene, sprachlich ist der Bericht klar und ohne Finessen, die es aber auch nicht benötigt. Feldman lebt inzwischen mit ihrem Sohn in Berlin und spricht gut deutsch. Das Publikum erlebt sie als sehr präsent und sympathisch, man hört ihr gern und gebannt zu. Am Ende der Lesung wird sie gefragt, ob es in ihrer Gemeinschaft denn auch Frauen gebe, die dort glücklich seien. Feldman erzählt, dass sie in Deutschland immer wieder gefragt werde, ob sie glücklich sei und dass sie diese Frage zunächst überrascht habe, sie sei mit dem „Konzept Glück“ nicht aufgewachsen, Glück sei nichts, das bei den Satmarern angestrebt werde. Am Ende, in Berlin, in ihrem neuen Leben, sei sie „zufällig glücklich geworden“. Sie lächelt und das Publikum applaudiert befreit und geht mit einem positiven Gefühl in den lauen Sommerabend.

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