Selbstmord im Paradies

von Deborah Layton 
4,7 Sterne bei6 Bewertungen
Selbstmord im Paradies
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Inhaltsangabe zu "Selbstmord im Paradies"

Er hatte ihnen das Paradies auf Erden versprochen. Und sie sind ihm gefolgt – bis in den Tod.

Vor dreißig Jahren geriet die US-Sekte People’s Temple in die Schlagzeilen der internationalen Presse. Ein regelrechtes Massaker hatte am 28. November 1978 in Jonestown (Guyana) stattgefunden, 913 Menschen starben, darunter 276 Kinder. Opfer eines charismatischen Führers, James Warren Jones. Was treibt Menschen dazu, sich in ein System der Unterdrückung und Manipulation zu begeben, das sie mit dem Leben bezahlen? Deborah Layton, die neun Jahre lang Mitglied der Sekte war, konnte ein halbes Jahr vor dem Massaker aus Jonestown fliehen. Zwanzig Jahre später schrieb sie diesen eindrücklichen Bericht. Ein Buch mit Wucht. Ein Buch, das auf fesselnde Weise aufklärt. Ein Buch von beängstigender Aktualität.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518460030
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:415 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:22.09.2008

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Selbstmord im Paradies" von Deborah Layton

    Wie hatte ich jemals an Flucht denken können? Ein tröstender Gedanke kam mir, als mein letztes Fünkchen Hoffnung zerstob […] Wenn es kein Entkommen gab, konnte ich mich erschießen. (S. 266)

    Deborah Layton, Überlebende des Massenselbstmords in Jonestown, Guyana, Südamerika, schildert in ihrem Buch Selbstmord im Paradies ihre Jahre in der Sekte des „People’s Temple“. Bereits mit 17 wurde sie in die Arme des Predigers Jim Jones getrieben, erst mit Mitte 20 gelang ihr die Flucht aus der Siedlung, die alles anderes als ein Paradies war: Das Gelobte Land wirkte eher wie ein Arbeitslager. (S. 211).

    Beeindruckend selbstreflektierend erzählt Layton, unter welchen Umständen sie der Sekte beitrat, wie sie mit der Zeit engste Vertraute von Jones wurde, wie es Jahre dauerte, bis sie so verzweifelt war, dass sie einen Plan zur Flucht fasste. Bis dahin hat sie viele schreckliche Erfahrungen machen müssen, die ich mir als Leserin nicht annähernd vorstellen konnte. Sie wird von Jones sexuell missbraucht, alle Mitglieder werden ausgebeutet, gesundheitlich nicht ausreichend versorgt, bekommen zu wenig zu essen und werden aufs Übelste für kleinste Vergehen bestraft. Der Terror des Jim Jones ist psychisch und physisch.

    Während der Lektüre fragte ich mich ununterbrochen, wie man es da aushalten konnte, warum nur so wenige Mitglieder wirklich flohen oder es zumindest versuchten. Natürlich: Angst. Layton berichtet beispielsweise von einer Familie, die zurück in die USA floh, jedoch wieder zurückgeholt und ab da gefangen gehalten wurde. Dennoch: Das Leid, das jeder jeden Tag erleben musste, wäre für mich Grund genug, alles zu versuchen. Aber gerade das ist es auch, was die Lektüre so spannend macht: Man fragt sich die ganze Zeit, ob so etwas oder zumindest etwas Ähnliches nicht auch einem selbst passieren könnte. Ausschließen kann man es immerhin nicht. Der Unterschied ist ein kleiner, aber nicht unbedeutender: Menschen, die schwach oder instabil sind, nicht über ausreichende soziale Strukturen verfügen, die einsam sind, mit Problemen zu kämpfen haben, all diese Menschen (so auch Layton, die drogenabhängig war, als sie ein paar Jünger der Sekte kennenlernte) sind gefährdeter. Hinzu kommt Jim Jones‘ Charisma und dass er in einer Zeit, als in den USA noch viele Schwarze verfolgt wurden, eine Kirche gründete, die allen offenstand. Dennoch war er ein Betrüger, größenwahnsinnig und fanatisch, der seinen Jüngern das Geld aus der Tasche zog - viele gaben ihm ihr gesamtes Vermögen, verkauften Häuser, Autos u.Ä., so dass er über Millionen von Dollar verfügte, die er auf viele verschiedene Konten auf der Welt verteilte. Er gab vor, Krankheiten heilen zu können (auch Krebs), enthielt aber den schwerkranken Mitgliedern jegliche Medikamente vor, die zumindest Schmerzen hätten lindern können. In den so genannten „Weißen Nächten“ testete er die Treue seiner Jünger und verabreichte ihnen vermeintlich vergiftete Limonade. Doch am 17. November 1987 wurde der Alptraum Wirklichkeit. 913 Mitglieder starben, darunter viele Kinder. Auslöser war ein Besuch des Abgeordneten Leo Ryan. Einige Mitglieder baten ihn um Hilfe, wollten zurück in die USA. Kurz vor dem Start des Flugzeuges schossen Jones-Anhänger auf die Abreisenden; Ryan, Journalisten und ein Kameramann sowie drei Mitglieder starben, viele weitere wurden verletzt. Danach kam es zu dem Massenselbstmord. Mitglieder, die sich weigerten, das Gift zu trinken, wurden von Wachen erschossen. Auch Jim Jones starb. Layton gelang nur wenige Wochen zuvor die Flucht.

    Ihre Geschichte ist unglaublich fesselnd und interessant. Jedem der sich für Sekten o.Ä. interessiert, kann ich dieses Buch empfehlen.

    „Menschen vertrauen sich nicht wissentlich Sekten an, die ihr Leben zerstören und auslöschen. Menschen schließen sich Selbsthilfegruppen, Kirchen, politischen Bewegungen, gesellschaftlichen Gruppen und Ähnlichem an, um Teil von etwas zu werden, das größer ist als sie selbst. Es sind meist die Unschuldigen und Naiven, die sich darin verfangen. In ihrem aufrichtigen Bestreben, ihrem Leben einen Sinn zu geben, laufen Sie mit geschlossenen Augen ins Verhängnis und glauben an Versprechen ultimativer Antworten und höherer Bestimmung. (S. 399)

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    MeaCulpavor 6 Jahren
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    marcels87vor 7 Jahren
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    HarrietKoehlervor 9 Jahren
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    LaFleurvor 10 Jahren

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