Eine Katze schleicht durch Deborah Levys Buch „Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein“ wie ein roter Faden. Kein Faden, ein geisterhafter, katzenhaft leiser Nebel. Ein bisschen so surrealistisch wie Leonora Carringtons Katzen auf dem Buchcover von Levys jüngstem Werk: eine Annäherung an die große Gertrude Stein, neugierig, vorsichtig tastend, ohne Ehrfurcht.
Ihr Versuch, einen Essay über Gertrude Stein zu schreiben, mündet in einen Roman über den Versuch, einen Essay über Gertrude Stein zu schreiben. Und obwohl das ziemlich „escheresk“ und kompliziert klingt, ist das höchst ungewöhnliche (und schmale) Buch (151 Seiten) unterhaltsam, witzig und anregend. Eine Geschichte von Freundschaft, Liebe und neuen Anfängen.
Zurück zur Katze: Die Erzählerin, die vermutlich der Autorin ähnelt, wohnt für ein Jahr in Paris, wo sie Freundschaft mit zwei Frauen schließt. Eine davon, Eva, vermisst ihren Kater. Die Freundinnen suchen den Kater, beraten die Erzählerin beim Schreiben ihres Essays, hadern mit ihren eigenen Lebensentscheidungen, treffen sich regelmäßig und essen gut. Wenn die Erzählerin kocht, dann aus dem Kochbuch von Steins Geliebter, Alice B. Toklas.
Auf dem Friedhof Père Lachaise und auf der Suche nach Steins Grab findet die Erzählerin viele kleine Geschichtensplitter über „die Toten, die in ihrem Kopf begraben sind“ und auf dem Weg zu Steins Grab auch viele über Gertrude Stein. In ihren Streifzug komponiert sie Bruchstücke von Gertrude Steins Biografie hinein, besonders den Mut, mit dem sie sammelte und schrieb. Ein gleichsam kubistisches Gemälde der Wegbereiterin der Moderne entsteht. Schließlich galt auch für die: „Sie war besessen von dem, was sie ‚Komposition‘ nannte.“ Levy unterstreicht die emanzipatorische Leistung Steins, die niemals mit der Frau eines Genies Smalltalk führen wollte, sondern selbst Genie sein.
Das alles erzählt Levy in einem leichten, oft ironischen Ton, der dem Gertrude Steins so gar nicht entspricht. Die wollte nicht verstanden werden. Das wäre ihr zu langweilig gewesen, meint die Erzählerin.
Fun fact: Gertrude Stein mochte übrigens Hunde, keine Katzen.
Übersetzung: Marion Hertle
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