In Zeiten von Partnerbörsen und durch sms, E-Mail-Kürzel und Twitter- Begrenzung arg verkommener Sprache gerade in Sachen der Liebe, kommt dieser kleine Ratgeber vielleicht gerade recht. Zwar besteht er auch aus wenig Sprache und vielen Bildern und Symbolen, die seinen Nutzer oder seine Nutzerin animieren soll, sich über den Menschen in den man sich verliebt hat, Gedanken zu machen, doch er soll immerhin etwas schreiben.
Und weil die Autorin davon ausgeht, dass offenbar niemand mehr in der Lage oder willens ist, einen richtigen Brief zu schreiben, legt sie ein kleines Büchlein vor, das man ausfüllen soll, um es dann seinem Liebsten oder seiner Liebsten zu schenken.
Die Felder, die überhaupt zum Schreiben frei gelassen sind, sind so klein, dass selbst der ungeübteste Zeitgenosse wenigsten ein paar Wörter aus seinem sms oder twitter-Schatz hinschreiben können sollte.
Das Buch, so witzig und pfiffig in Zeiten verkümmernder Schreibkultur seine Idee auch ist, hat mich nachdenklich gemacht. Ich jedenfalls hätte, wenn mir jemand so ein ausgefülltes vorgefertigtes Werk geschenkt hätte, geschlossen auf Faulheit, fehlende Fantasie und Poesie, Oberflächlichkeit und Desinteresse. Ich hätte den Kontakt sofort abgebrochen. Doch ich gehöre einer anderen Generation an und deshalb halte ich es für möglich, dass tatsächlich passiert, was ein kleines Band, das das Buch einhüllt verspricht: „mit Erfolgsgarantie“.
Vielleicht … vielleicht animiert es ja doch den einen oder anderen, sich hinzusetzen und einen richtigen Brief zu schreiben oder ein eigenes Gedicht zu verfassen. Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben.

