Declan Burke

 3.8 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Absolute Zero Cool, Eight Ball Boogie und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Declan Burke

Absolute Zero Cool

Absolute Zero Cool

 (5)
Erschienen am 27.08.2014
Eight Ball Boogie

Eight Ball Boogie

 (2)
Erschienen am 05.03.2018
The Big O

The Big O

 (1)
Erschienen am 03.03.2016

Neue Rezensionen zu Declan Burke

Neu
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Eight Ball Boogie" von Declan Burke

der Schmuddeldetektiv aus Irland - Dark-Krimi
Gwhynwhyfarvor 6 Monaten

Der erste Satz: »Wenn es um fünf Uhr morgens an der Tür klingelt, bedeutet das schlechte Nachrichten: Jemand ist tot oder stirbt gerade.«

Wer kann sich an die uralten Dark-Krimiserien erinnern? Ein Detektiv, meistens schlecht bei Kasse, wenig gebucht, zerknitterter Anzug, er besitzt ja nur einen, schmuddeliges Büro in übler Wohngegend, unaufgeräumt, manchmal schläft er auch dort, Sprücheklopfer als Zweitberuf, die Bullen haben ihn auf dem Kieker, er ist dem Alkohol zugetan, bekommt öfter was aufs Maul, weil er seine Nase in Dinge steckt, die ihn nichts angehen. So einer ist Harry Rigby. USA? Nein, dieser Detektiv wohnt in einer nicht benannten Stadt mit Fluss, am Meer, im Old Quarter «ein angenehmer Ort zum Leben … wenn man eine blinde Freundin hatte und die Klienten noch verzweifelter waren als man selbst». Die meisten Aufträge beziehen sich auf das Auffinden von Haustieren, hin und wieder muss er das Fremdgehen von Ehepartnern beweisen. Der Icherzähler Harry hat Ärger mit seiner Lebenspartnerin, die ihn vor die Tür gesetzt hat. So ganz akzeptiert er den Rauswurf nicht, denn es ist seine Wohnung. Nebenbei arbeitet Harry als Journalist, im Team mit Herbie, seinem Kumpel, der als Fotograf agiert. Die beiden recherchieren in einem Mordfall, ahnen, dass hinter der Ermordung einer Politikergattin eine brisante Story stecken könnte. Parallel erhält Harry den Auftrag, die Ehefrau eines Geschäftsmanns zu observieren. Harry braucht Geld, doch dieser Auftrag stinkt gewaltig, es gibt keinen Grund zu vermuten, die Frau würde fremdgehen, dem Ehemann wäre es auch egal.

»Es war Montagmorgen, drei Tage vor Weihnachten, so ein Montag, der gut in der Lage war, für sich selbst zu sorgen. Ich schob mir ein Kissen hinter den Rücken, drehte mir eine Fluppe mit einer Prise Dope und verzwirbelten Ende, um ihr die Schärfe zu nehmen. Meine Augen waren verklebt, mein Magen verkorkst, mein Schädel vibrierte wie ein straff gespanntes Seil. Im Zimmer stank es nach Mundgeruch, gelangweiltem Sex und kaltem Zigarettenrauch.«

Eigentlich will Harry lediglich seine zwei Jobs erledigen, doch plötzlich steht er selbst unter Beschuss. Detective Sergeant Ronan Brady und Detective Inspector Senan Galway drehen sein Büro auf den Kopf, jemand bricht bei Harry ein, zerlegt das Büro in Einzelteile. Harry selbst wird zerlegt, mehrfach. Der Detektiv reagiert nur noch, wie eine Billardkugel, er wird gestoßen, touchiert und die ganze Story nimmt eine neue Wendung, steuert auf etwas zu, der Aufprall auf die Bande ändert die Richtung. Was geht ab, wie hängt das zusammen?, fragt sich Harry, mit ihm der Leser, der dem Icherzähler folgt. Korrupte Cops, Drogenbanden, Korruption, falsche Freunde, wem kann der Antiheld trauen? Alkohol, Fluppen Kaffee, zynische Sprüche halten ihn am Leben.

»›Du willst das wirklich tun?‹
›Ich tu nichts, es tut mich. Ich bin bloß der Beifahrer.‹«

Ein Hardboiled-Privatdetektivroman mit einem Helden, der auf dem Seil tanzt, sich selbst nichts gibt, sich selbstkritisch beobachtet. Harry ist chaotisch, wie der Plot, auf den ersten Blick. Man muss ihn gernhaben, den Mann, der jeden Tag sein Hemd wechselt. Bis beide gelb sind. Der eine Knarre in der Schublade liegen hat, die lediglich ein Modell ist. Wenn allerdings seine Familie bedroht wird, dreht er auf, dann mutiert er zum Helden. Sprachlich bewegt sich Declan Burke im Millieubereich, passend zum Klientel. Harry ist schlagfertig und sarkastisch, resümierend im eigenen Leben, ein typischer Noir-Krimi. Als Leser fasst man sich an den Kopf, blickt kaum durch, beruhigt am Ende, es löst sich alles auf. An einer Stelle konnte ich nicht mitgehen. Der Roman wurde 2012 veröffentlicht. Und ich frage mich, wie jemand kurz vor Schneefall mehrere Minuten in der Flussmündung schwimmend, schwer verletzt, überlebt, sich im eiskalten Wasser bewegen kann, klitschnass eine Weile durch die Gegend rennt und dann auch noch nach dem Bad das Handy in der Jackentasche klingelt … Wenn man über diese Szene hinwegschaut, ist es ein guter Krimi, ein Lesevergnügen.

»›Ich bin die Managerin.‹
›Dann machen Sie Ihren Job.‹
Sie schob die Brille erneut nach oben, aber diesmal war sie gar nicht nach unten gerutscht.
›Entschuldigung?‹
›Entschuldigung angenommen. …«

Kommentieren0
3
Teilen
Gulans avatar

Rezension zu "Eight Ball Boogie" von Declan Burke

Screwball Noir.
Gulanvor 7 Monaten

Der Begriff „Screwball“ kommt ursprünglich aus dem Baseball und hat sich in der englische Umgangssprache durchgesetzt. Ein Screwball ist demnach eine exzentrische, skurrile Person. Auch ein Filmgenre wurde danach benannt. In der Screwball-Komödie taucht in der Regel mindestens eine solche skurrile Person als Hauptdarsteller oder Hauptdarstellerin auf und zeichnet sich laut Wikipedia „durch hohe Dialoglastigkeit, feinen und intelligenten Wortwitz, ein rasantes Tempo und eine raffiniert konstruierte Handlung aus“. Warum ich das alles erzähle?

Weil der Stil von Autor Declan Burke von vielen Rezensenten als „Screwball Noir“ bezeichnet wurde. Und das ist durchaus nachzuvollziehen. (Übrigens gibt es zahlreiche Paralleln zwischen screwball comedy und film noir, beide ungefähr zur gleichen Zeit in den 1930ern/1940ern populär geworden). Man stelle sich diese skurrilen Hollywood-Komödien vor, transportiere sie in den Nordwesten Irlands und füge eine nicht unerhebliche Menge Alkohol, Betäubungsmittel und Schusswaffen hinzu. Voilá! „Eight Ball Boogie“ ist der Debütroman des irischen Autors aus dem Jahr 2003. Seine späteren Romane „The Big O“ und „Absolute Zero Cool“ wurden bereits ins Deutsche übersetzt. Burke betreibt übrigens auch die interessante Krimiwebsite „Crime always pays“. Doch worum geht’s in „Eight Ball Boogie“?


Na gut“, sagte er. „Das ist Plan A. Und was ist, wenn sie nicht darauf eingehen?“

Dann überleg ich mir was anderes.“

Und das ist alles?“, fragte er ungläubig.
So ziemlich.“
Scheiße. Scheißescheißescheißescheißescheißescheiße.“ […]
Du willst das wirklich tun?“
Ich tu nichts, es tut mich. Ich bin bloß der Beifahrer.“ (S.212)


Harry Rigby ist Privatermittler und verkauft auch gerne pikante Storys an die Boulevardpresse. Er führt eine komplizierte Beziehung zu seiner Freundin Denise und seinem vierjährigen Sohn Ben, das Geschäft könnte auch besser laufen. Da wird die Ehefrau eines bekannten Politikers ermordet und Rigby erhält zeitgleich den Auftrag eines windigen einheimischen Geschäftsmannes, dessen Frau auszuspionieren. Und Rigby findet schnell heraus, dass die Ehefrau offenbar etwas mit dem verwitweten Politiker hatte. Aber das sind nur die ersten Elemente, denn getreu dem Screwball-Genre geht es in der Folgezeit ziemlich turbulent und abwechslungsreich zu. Und Harry ist über weite Strecken tatsächlich nur ein Getriebener in diesem Plot. Irgendwann wird klar, dass es hier irgendwie um Drogen geht, aber wer wie da jetzt mit drin hängt, ist schwer zu beurteilen (ein wenig auch nach Beendung des Buches). Die örtlichen Polizeikräfte rücken Harry auf die Pelle, die freie Journalistin Katie verdreht ihm etwas den Kopf. Zur Krönung taucht auch Harrys Bruder Gonzo nach vier Jahren Funkstille auf der Bildfläche auf. Mit seinem Bruder verbindet Harry so etwas wie eine Hassliebe, wobei die Betonung eher auf der ersten Silbe liegt.

Harry führt als Ich-Erzähler durch den Roman. Das ist ungemein praktisch, da der Leser genauso oft auf dem falschen Fuss erwischt wird wie Harry. In den besten Momenten liest sich das Buch wie die Vorlage zu einem frühen Guy-Ritchie-Film, aber es gibt auch Phasen, in denen ich einfach nur noch verwirrt war, wohin sich die Nummer jetzt wieder hinentwickelt hat. Doch alles in allem war ich schon zufrieden, wenn auch nicht begeistert. Declan Burke spart nicht an hartgesottenen Zutaten. Hier gibt es eine Menge schräger Typen in knackigen Dialogen und einem rabenschwarzen Plot. Und das sorgt auf jeden Fall nicht für Langeweile.

Kommentare: 2
53
Teilen
Buderballas avatar

Rezension zu "Absolute Zero Cool" von Declan Burke

Wirklich was Anderes
Buderballavor 2 Jahren

Ja, der Roman ist wirklich was anderes. Eigentlich ist er ein Krimi, aber eigentlich nicht wirklich, sondern nur ein bisschen. Billy Karlsson ist als Krankenhausportier tätig, so nebenbei auch mit Sterbehilfe beschäftigt. Er ist auch eine Romanfigur die ihren Schöpfer ganz ordentlich sekkiert. Wenn der nicht spurt, so wie Billy will, dann muss er halt das Krankenhaus in die Luft sprengen. Das wäre dann doch des Guten zuviel. Also muss sich der Autor was einfallen lassen. Das tut er auch. weniger

Kommentieren0
1
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 10 Bibliotheken

auf 3 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks