Delphine Minoui

 4.9 Sterne bei 11 Bewertungen

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Cover des Buches Die geheime Bibliothek von Daraya (ISBN:9783710900426)

Die geheime Bibliothek von Daraya

 (11)
Erschienen am 28.09.2018

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Rezension zu "Die geheime Bibliothek von Daraya" von Delphine Minoui

Die Kraft der Bücher
Federchenvor 17 Tagen

In Daraya, Vorort von Damaskus in Syrien, wütet der Krieg in verheerender, brutaler und zerstörerischer Wut. Daraya ist für Baschar al-Assad ein riesiger Dorn in seiner Politik. Unentwegt erklärt er der Welt, dass die Stadt voll mit Terroristen sei. Ohne jegliche Skrupel lässt er Daraya bombardieren, hält Lebensmittellieferungen zurück, tritt den Freiheitskämpfern mit Festnahme und Folter entgegen. Doch die Menschen in Daraya, wiedersetzen sich Assad, weil sie sich eine Demokratie für Syrien wünschen, weil sie ihre Meinung frei äußern wollen. Sie wollen keine Folter, kein menschenverachtendes Leben, keinen Diktator an der Macht. Mitten in dieser Zerstörung gibt es einen geheimen, magischen Ort, von dem das Regime nichts wissen soll. Eine unterirdische Bibliothek, voll mit Büchern, die die Männer zumeist unter Einsatz ihres Lebens aus den Trümmern geborgen haben. Eine Bibliothek voll mit Literatur, mit Romanen genauso wie mit Sachbüchern. Die Männer und Frauen von Daraya flüchten in die Welt der Worte. 

Als Delphine Minoui durch Zufall ein Bild auf Facebook entdeckt, bei dem Männer inmitten von kriegerischer Zerstörung vor einem Büchregal posieren, ahnt sie nicht, in welche brutale Realität sie reisen wird. Wie nah ihr das Leben und das Kämpfen der Bürger von Daraya gehen wird. Langsam entwickelt sich die Idee, ein Buch zu schreiben. So entsteht nach und nach eine Art Zeitzeugenbericht, den Delphine Seite für Seit festhält. Dieses Buch ist das Sprachrohr für die Männer von Daraya, die der Welt zeigen wollen, dass sie keine Terroristen sind, dass das Regime sie zu Sündenböcken machen will, dass Daraya für Assad ein einziger Schandfleck ist, weil die Bürger von Daraya sich nichts sehnlicher wünschen, als in einer Demokratie zu leben. "Die geheime Bibliothek von Daraya" hat es wirklich gegeben und jeder einzelne Satz im Buch von Delphine Minoui ist eine Hommage an das Lesen und an die Bücher dieser Welt. Die Kraft und die Liebe zur Literatur vereint die Menschen von Daraya. Sie gibt ihnen den Halt, den sie in der vollkommen abgeschnittenen Stadt brauchen. In dieser Liebe empfinden sie die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Delphine Minoui erzählt in einzelnen Kapiteln von den unterschiedlichen Träumen der Menschen von Daraya, von ihren täglichen Erlebnissen inmitten eines Krieges. Dabei ist der Wechsel von glücklichen Momenten zu grausigen Szenerien beinah fließend. Mich hat dieses Buch sehr berührt, schockiert und zum Nachdenken angeregt. Warum ließ die Welt die Menschen von Daraya allein? Gibt es ein höheres Gut, als das Leben unschuldiger Menschen? Ich bin verärgert, dass so wenig von Daraya in den Medien berichtet wurde, dass den Lügen von Assad Glauben geschenkt wurde und dabei Menschen gefoltert wurden, sei es körperlich oder seelisch. Dieses Buch zeigt mir aber auch, dass man nur das beurteilen sollte, was man selbst gesehen hat. Was einem von jemandem erzählt wird, der es miterlebt hat. Kein Generalverdacht für Menschen, die flüchteten, weil sie sich nur Frieden wünschen. Diese Welt sollte gegen Terrorismus vorgehen, keine Frage, aber sie sollte vorher genau schauen, wem sie diese Radikalisierung unterstellt. 

(c) buchgefieder.blogspot.com

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Rezension zu "Die geheime Bibliothek von Daraya" von Delphine Minoui

Es ist eine Mut machende Geschichte von der Macht des Lesens
WinfriedStanzickvor einem Jahr


Delphine Minoui ist eine französisch-iranische Journalistin, die sich seit langem für die Situation im Nahen Osten interessiert und mit vielen Artikeln in französischen Magazinen engagiert. Eines Tages entdeckt sie bei ihren regelmäßigen Recherchen auf Facebook ein Bild:

„Es ist ein ungewöhnliches Bild. Eine rätselhafte Aufnahme aus der syrischen Hölle, ohne jede Spur von Blut oder Kugeln. Zwei Männer im Profil, umgeben von Wänden aus Büchern. Der eine beugt sich über einen in der Mitte aufgeschlagenen Band. Der andere blickt suchend in ein Regal. Sie sind jung, um die zwanzig, der erste trägt eine Trainingsjacke, der zweite eine Baseballkappe. Das künstliche Licht, das in dem fensterlosen Raum auf ihre Gesichter fällt, verstärkt noch den befremdlichen Eindruck der Szene. Wie ein vorsichtiges Atemholen in den Zwischenräumen des Krieges.“

 

Unter dem Bild ist die Rede von einer geheimen Bibliothek im Untergrund Darayas, einem Vorort von Damaskus, der von den Regierungstruppen permanent bombardiert und dem Erdboden nahezu gleichgemacht wurde. Minoui ist fasziniert und es gelingt ihr unter sehr schwierigen Umständen mit den Gründern dieser „Bibliothek als Waffe gegen die Diktatur“ Kontakt aufzunehmen und diesen zu halten. Über etwa zwei Jahre begleitet sie über das Internet die Gründer dieser Bibliothek durch alle ihre Erlebnisse, bei allen Wendepunkten und Tiefschlägen, die der Krieg ihrem wunderbaren Projekt zufügt.

 

Der faszinierte und sehr berührte Leser begegnet Einzelschicksalen, die durch Bücher verbunden werden und sich so gegen Verzweiflung und Resignation stemmen. Es ist eine Mut machende Geschichte von der Macht des Lesens und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

 

 

 

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Rezension zu "Die geheime Bibliothek von Daraya" von Delphine Minoui

Bücher haben eine besondere Macht – auch während eines Krieges
Sikalvor einem Jahr

Die Autorin Delphine Minoui ist eine französisch-iranische Journalistin und gilt als Nahost-Expertin. Mit ihrem Buch „Die geheime Bibliothek von Daraya“ zeigt sie eine besondere Seite des Syrien-Krieges.

 

„Es ist ein ungewöhnliches Bild. Eine rätselhafte Aufnahme aus der syrischen Hölle, ohne jede Spur von Blut oder Kugeln. Zwei Männer im Profil, umgeben von Wänden aus Büchern. Der eine beugt sich über einen in der Mitte aufgeschlagenen Band. Der andere blickt suchend in ein Regal. … Wie ein vorsichtiges Atemholen in den Zwischenräumen des Krieges.“

 

Als die Autorin dieses Foto im Internet entdeckt, will sie die Hintergründe wissen, will erfahren was es mit den jungen Männern und diesen vielen Büchern auf sich hat. Was sie findet und wie sich die Situation danach entwickelt, erzählt sie in diesem Buch – eine unglaubliche Geschichte.

 

Daraya ist ein Vorort von Damaskus, sämtliche Zufahrtswege sind seit 2012 versperrt, laufend werden Fassbomben auf die dortigen Bewohner abgeworfen. Jahrelang versuchen die verbliebenen Menschen in Daraya zu überleben. Der junge Ahmed und seine Freunde haben einen besonderen Weg gefunden, um dem Wahnsinn des Krieges zumindest immer für kleinere Atempausen zu entkommen: Sie retten aus den zerstörten Häusern sämtliche Bücher und errichten in einem Kellerversteck eine Bibliothek. Mühsam und oft unter Einsatz ihres Lebens sammeln die jungen Männer die oftmals zerstörten Bücher zwischen den Trümmern, reparieren diese, versehen alle mit dem Namen der Besitzer und sortieren die Bücher in Regale, die sie selbst herstellen. Für die Bewohner von Daraya ist es eine Besonderheit, viele nutzen die Bibliothek, können sich nun auch über Literatur unterhalten und nicht nur über den stets präsenten Krieg.

 

„Der Krieg ist pervers, er verändert die Menschen, er tötet die Emotionen, die Ängste, die Furcht. Wenn man in den Krieg zieht, sieht man die Welt anders als zuvor. Das Lesen lenkt uns ab, es hält uns am Leben. Wenn wir lesen, dann vor allem, um Menschen zu bleiben.“

 

Die Autorin hatte keine Chance direkt in Daraya zu recherchieren, so wurden sämtliche Interviews über Skype, Mails, SMS und dergleichen geführt. Und trotzdem baut sie eine sehr persönliche Beziehung zu diesen jungen Leuten auf, fühlt mit ihnen, sorgt sich, wenn mal wieder tagelang kein Lebenszeichen zu hören war. „Es [das Buch] wird das lebendige Gedächtnis von Daraya sein.“

 

Ergänzend finden sich im Buch eine Karte Syriens und einige persönliche Fotos. Ein sehr berührendes und erstaunliches Projekt, das eine andere Seite des Krieges aufzeigt.

Auf jeden Fall bekommt dieses Buch 5 Sterne und ich würde mir viele Leser dafür wünschen.

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