Delphine Minoui

 4,7 Sterne bei 28 Bewertungen

Lebenslauf

Delphine Minoui ist Franko Iranerin. Sie arbeitet als Auslandskorrespondentin bei Le Figaro und hat lange im Iran gelebt. Sie berichtet seit 25 Jahren über das Geschehen im Nahen und Mittleren Osten. 2006 wurde sie für eine Artikel serie über den Irak und den Iran mit dem Prix Albert Londres ausgezeichnet. Ihre bisher erschienenen Romane wurden in dutzende andere Sprachen übersetzt. Badjens war 2024 Finalist beim FNAC-Prix du Roman und erhielt 2025 den Prix Visionnaires.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Delphine Minoui

Cover des Buches Die geheime Bibliothek von Daraya (ISBN: 9783710900426)

Die geheime Bibliothek von Daraya

(15)
Erschienen am 28.09.2018
Cover des Buches Badjens. Roman (ISBN: 9783949545795)

Badjens. Roman

(13)
Erschienen am 17.09.2025

Neue Rezensionen zu Delphine Minoui

Cover des Buches Badjens. Roman (ISBN: 9783949545795)
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Rezension zu "Badjens. Roman" von Delphine Minoui

lilli1906
Sehr berührend

Der Roman "Badjens" von Delphine Minoui ist ein überraschend kurzes Buch. Bei einem Buch mit unter 100 Seiten ertappe ich mich oft bei dem Vorurteil, dass darin eigentlich nicht genug Inhalt stecken kann. Doch dieser Roman hat mich eines Besseren belehrt.

Es geht um ein sechzehnjähriges Mädchen im Iran, das im Buch unter dem Namen Badjens auftritt. Dies ist der Kosename, den ihre Mutter ihr gegeben hat. Sie wächst mit ihren Eltern und einem jüngeren Bruder auf und hat schon früh die Erfahrung gemacht, dass sie als Mädchen für ihren Vater nichts wert zu sein scheint. Die Mutter scheint das anders zu empfinden, ist aber durch ihre Rolle als Frau im Iran gezwungen, nicht gegen ihren Mann aufzubegehren.

Badjens erlebt die Unruhen und Aufstände im Iran, verfolgt, wie Frauen und Mädchen anfangen, sich zu wehren und Widerstand zu leisten, und schließt sich schließlich dieser Revolution an. Wie es dazu kommt und was sie erlebt, lesen wir in diesem Roman.

Mich hat die Geschichte sehr berührt. Nicht nur, weil ich eine Frau bin, sondern auch, weil ich Mutter bin. Einerseits habe ich Badjens für ihren Mut bewundert. Andererseits wollte mein Mutterherz sie beschützen und sie warnen, dass sie sich in Gefahr begibt.

Es ist ein Roman, der mich bewegt und mitgenommen hat, der mich betroffen gemacht hat und sehr gut aufzeigt, was wir sonst nur über Social Media aus dem Iran mitbekommen. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

Cover des Buches Badjens. Roman (ISBN: 9783949545795)
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Rezension zu "Badjens. Roman" von Delphine Minoui

Seitenmusik
Wie viel Mut passt in 144 Seiten?

Mit "Badjens" erzählt Delphine Minoui eine Geschichte über weibliche Selbstbestimmung, Wut und Widerstand im Iran der Gegenwart. Der Roman erschien im Orlanda Verlag GmbH, übersetzt von Astrid Bührle-Gallet, und begleitet die sechzehnjährige Zahra, genannt Badjens, während der Proteste rund um „Frau, Leben, Freiheit“ im Herbst 2022. Auf einem Müllcontainer stehend, kurz davor ihr Kopftuch öffentlich zu verbrennen, blickt sie auf ihr bisheriges Leben zurück. Auf Unterdrückung, familiäre Kontrolle, Sehnsucht nach Freiheit und den Wunsch, endlich selbst über den eigenen Körper und das eigene Leben bestimmen zu dürfen.

Meine Meinung

Ich habe dieses Buch aufgrund des Umfangs innerhalb eines Tages gelesen. Die Sprache ist poetisch und sehr schön zu lesen. Während Badjens auf einem Müllcontainer steht und ihr Kopftuch verbrennt, entfaltet sich in Rückblenden Stück für Stück ihre Geschichte und mit ihr die Geschichte vieler junger Frauen im Iran. Die innere Zerrissenheit zwischen Angst und Widerstand kommt dabei sehr gut heraus. Badjens erzählt rückblickend von ihrer Kindheit, von Verboten und Demütigungen, aber auch davon, wie Social Media, Musik und westliche Popkultur ihr ein anderes Leben zeigen. Genau darin liegt für mich eine der zentralen Aussagen des Buches: Diese junge Generation kennt die Welt außerhalb der Grenzen des Regimes und lässt sich deshalb nicht mehr so leicht kontrollieren.

Dass der Roman auf Social-Media-Beiträgen und Interviews mit jungen Iranerinnen basiert, spürt man deutlich. Badjens wirkt nah an der Realität und macht die Dringlichkeit dieser Protestbewegung emotional greifbar. Gerade die Perspektive einer Jugendlichen funktioniert stark, weil sie die alltägliche Unterdrückung nicht abstrakt beschreibt, sondern körperlich erfahrbar macht: das Kopftuch, die Kontrolle über den weiblichen Körper, die Angst vor Blicken und Bestrafung.

Gleichzeitig hatte ich beim Lesen aber auch einen kleinen inneren Widerstand gegen die Darstellung der Familie. Obwohl mir bewusst ist, dass der Roman auf realen Erfahrungen, Social-Media-Beiträgen und Interviews basiert, wirkten viele männliche Figuren auf mich fast ausschließlich eindimensional grausam: der kontrollierende Vater, der privilegierte Bruder, der übergriffige Cousin. Mir fehlten hier teilweise Zwischentöne und differenziertere Charakterzeichnungen. 

Dennoch verliert das Buch dadurch nicht seine Wirkung. Im Gegenteil: Die emotionale Kraft bleibt enorm. Vor allem, weil Minoui nie vergisst, dass hinter jeder politischen Bewegung Menschen stehen. In diesem Fall junge Frauen mit Sehnsüchten, Humor, ersten Lieben und dem Wunsch, einfach FREI leben zu dürfen. 

Fazit

"Badjens" ist ein kurzer, intensiver Roman über weiblichen Widerstand, gesellschaftliche Kontrolle und die Sehnsucht nach Freiheit. Besonders empfehlenswert für Leser:innen, die sich literarisch mit den Protesten im Iran und feministischen Themen auseinandersetzen möchten. Wer vielschichtige Familienzeichnungen erwartet, könnte sich an manchen Figurenkonstellationen stören. Trotzdem ist dieses Buch eines, das emotional trifft, politisch relevant bleibt und lange nachhallt. Vielen Dank an Orlanda Verlag GmbH und NetGalley für das Rezensionsexemplar.

Cover des Buches Die geheime Bibliothek von Daraya (ISBN: 9783710900426)
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Rezension zu "Die geheime Bibliothek von Daraya" von Delphine Minoui

BelinaBlack
"Über die Macht der Bücher in Zeiten des Krieges"

Die Stadt Daraya war während des syrischen Bürgerkrieges mehrfach Schauplatz heftiger Gefechte zwischen der Armee Assads und den Kämpfern der freien syrischen Armee. Sie begannen mit friedlichen Demonstrationen der Bürger/-innen Darayas und endeten im Spätsommer 2016 mit der vollständigen Evakuierung der Stadt, in der zuletzt nur wenige tausend Menschen unter schwersten Bedingungen aushielten.


Delphine Minoui, französisch-iranische Journalistin und Nahost-Expertin, wurde bei ihren Recherchen zufällig auf die „geheime Bibliothek von Daraya“ aufmerksam. Inmitten des Kriegs und den Straßenzügen der bombardierten Stadt gründeten junge Männer in den Kellerräumen eines zerstörten Gebäudes eine Bibliothek. Die Bücher stammten aus zerstörten oder verlassenen Häusern, sorgfältig mit den Namen ihrer Vorbesitzer versehen und eingestellt in selbstgezimmerte Bücherregale.


Minoui hat diese Gruppe junger Männer in unzähligen Gesprächen über instabile Internetleitungen während ihres letzten Jahres in der belagerten Stadt begleitet und ihre Geschichte aufgezeichnet. Sie berichtet, wie die Bibliothek zu einem sicheren Ort wird, an dem Kämpfer, aber auch die in der Stadt verbliebenen Zivilisten, ehemaligen Studierende, Frauen und Kinder zusammenkommen, lesen, lernen und diskutieren und das ferne Ziel eines freien und friedlichen Syriens niemals aus den Augen verlieren. Bücher und das Lesen werden „Mittel gegen diejenigen, die die Erinnerung auslöschen, gegen die Beherrscher des einzig erlaubten Denkens“ (S. 61), dienen als praktische Lebenshilfe oder als Fluchtort vor der verzweifelten Gegenwart. Lesen wird zu einem friedlichen Akt des Widerstandes.


Die Autorin beschreibt das Leben in der Stadt sehr einfühlsam, aber zunächst auch mit der Distanz einer Zuhörerin, die nicht selbst vor Ort ist und die Lebensumstände dort nur schwer nachempfinden kann. Hinterfragt sie die Motive ihrer Gesprächspartner zu Beginn noch kritisch (die syrische Presse bezeichnet die in Daraya verbliebenen Kämpfer als Terroristen), so werden im Verlauf des Buches Gesprächspartner zu Freunden und die Erzählweise wird emotionaler. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass die Autorin selbst Zeugin eines terroristischen Anschlages wird und das Grauen plötzlich auch in ihrer Nähe Gestalt annimmt.


Für mich war der Einblick in ein Bürgerkriegsgebiet jenseits von den üblichen Nachrichten wertvoll und spannend zugleich. Minoui formuliert knappe, aber prägnante Sätze, die an eine Reportage erinnern und den Text leicht zugänglich machen. Auch Lesende, die sich mit der Landesgeschichte und Politik nicht auskennen, werden nicht überfordert und können dem Bericht leicht folgen. Gut gefallen hat mir auch die Fotostrecke in der Mitte des Buches und der Epilog, der das weitere Schicksal der genannten Personen erzählt (soweit bekannt). So fiel es noch leichter, eine Verbindung zu Daraya und seinen Bewohnern aufzubauen.


Das Buch ist nun schon einige Jahre alt, hat an seiner Aktualität jedoch nichts verloren. Die Konflikte und Bürgerkriege mögen sich gerade an anderen Orten abspielen, doch es sind immer Menschen und Einzelschicksale davon betroffen.


Ich empfehle das Buch unbedingt weiter!

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