Die geheime Bibliothek von Daraya

von Delphine Minoui 
5,0 Sterne bei3 Bewertungen
Die geheime Bibliothek von Daraya
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19angelika63s avatar

Sehr bewegend ....

Igelmanu66s avatar

Dieses Buch sollte jeder lesen! Sehr intensive und beeindruckende Schilderung – und die Kraft der Bücher ist schlicht faszinierend!

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Inhaltsangabe zu "Die geheime Bibliothek von Daraya"

Eine Bibliothek als Waffe gegen die Diktatur

Daraya beherbergt einen außergewöhnlichen Ort: eine unterirdische Bibliothek mit über 15 000 Büchern ‒ die meisten vom herrschenden Regime verboten, von Menschen aus dem Schutt zerstörter Häuser geborgen. »Massenunterrichtswaffen« nennt Delphine Minoui diesen Schatz und erzählt in ihrem Buch von jungen Syrern, die ihr Leben riskieren, um Bücher zu retten. Die Bibliothek wird zu einem Ort der Gemeinschaft, an dem Menschen lesen, lernen, diskutieren – und für kurze Zeit der brutalen Realität des Krieges entkommen können.

Alles begann mit einem Foto, das die französisch-iranische Journalistin Delphine Minoui zufällig auf Facebook entdeckte: zwei junge syrische Männer, umgeben von Regalen voller Bücher inmitten von Zerstörung. Darunter war die Rede von einer geheimen Bibliothek im Untergrund Darayas, einem Vorort von Damaskus, der von den Regierungstruppen permanent bombardiert und dem Erdboden nahezu gleichgemacht wurde. Minoui gelang es, mit den Gründern der Bibliothek Kontakt aufzunehmen und sie über zwei Jahre bei allen Wendepunkten und Tiefschlägen des Krieges zu begleiten. Wir begegnen Einzelschicksalen, die durch Bücher verbunden werden und sich so gegen Verzweiflung und Resignation stemmen. Eine Geschichte von der Macht des Lesens und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783710900426
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:232 Seiten
Verlag:Benevento
Erscheinungsdatum:28.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Igelmanu66s avatar
    Igelmanu66vor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Dieses Buch sollte jeder lesen! Sehr intensive und beeindruckende Schilderung – und die Kraft der Bücher ist schlicht faszinierend!
    Die Kraft der Bücher

    »Es ist ein ungewöhnliches Bild. Eine rätselhafte Aufnahme aus der syrischen Hölle, ohne jede Spur von Blut oder Kugeln. Zwei Männer im Profil, umgeben von Wänden aus Büchern. Der eine beugt sich über einen in der Mitte aufgeschlagenen Band. Der andere blickt suchend in ein Regal. Sie sind jung, um die zwanzig, der erste trägt eine Trainingsjacke, der zweite eine Baseballkappe. Das künstliche Licht, das in dem fensterlosen Raum auf ihre Gesichter fällt, verstärkt noch den befremdlichen Eindruck der Szene. Wie ein vorsichtiges Atemholen in den Zwischenräumen des Krieges.«

     

    Mit diesem Foto, das sie im Internet entdeckt hatte, begann es. Delphine Minoui, französisch-iranische Journalistin und Nahost-Expertin, wollte mehr wissen, wollte ergründen, wer und was hinter dem Foto steckt. Sie wurde fündig.

     

    Daraya, ein rebellischer Vorort von Damaskus, wird ab 2012 eingekesselt und bombardiert. Während der folgenden vier Jahre versuchten die eingeschlossenen Bewohner, irgendwie zu überleben, dem täglichen Hunger und den täglichen Bomben zu trotzen. Wie fängt man es an, da nicht den Verstand zu verlieren?

     

    Eine Gruppe junger Männer fand einen ungewöhnlichen Weg. Aus den Trümmern der zerstörten Stadt retteten sie Tausende von Büchern und errichteten damit in einem unterirdischen Versteck eine Bibliothek, die allen Einwohnern zugänglich ist. Die Akzeptanz ist groß, im Schnitt wagen sich pro Tag 25 Nutzer dorthin, eine wirklich beeindruckende Zahl, wenn man sich vergegenwärtigt, dass man sein Leben riskieren muss, wenn man ein Buch ausleihen will. Auch einer der Leiter der Bibliothek wurde auf dem Weg Opfer einer abgeworfenen Fassbombe, überlebte nur knapp und schwerstverletzt.

     

    Delphine Minoui stand bei ihren Recherchen vor dem Problem, dass es nicht möglich war, nach Daraya hineinzukommen. Die einzige mögliche Verbindung bestand in einer wackligen Internetleitung. Auf diese Weise stand sie über Jahre hinweg, manchmal rund um die Uhr, mit Rebellen und Aktivisten in Kontakt, meist per Skype oder WhatsApp. Sie sprach mit Dutzenden von ihnen, erhielt regelmäßig Fotos und Videos. Immer wieder beschreibt sie, wie das Bild ihres Gegenübers auf dem Bildschirm plötzlich wackelt und verzerrt wird, weil wieder einmal in der Nähe eine Bombe einschlug, immer wieder hört sie die Detonationen im Hintergrund.

    Deutlich merkt man, wie all das die Autorin berührt, ein Abschalten im normalen Alltag ist kaum noch möglich. Die Gespräche mit den jungen Männern beeindrucken sie sehr, vieles von dem, was sie sagen, zitiert sie wörtlich. Das kann den Leser nicht kalt lassen. Unglaublich, wie Menschen es in solchen Situationen schaffen, ruhig zu bleiben! Friedlich zu bleiben, sich nicht von Hass und Verzweiflung forttragen zu lassen. Ihnen helfen die Bücher, sie bieten Ablenkung, die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen. Auch Kämpfer gehören zu den regelmäßigen Lesern, in Feuerpausen greifen sie zum Buch…

    »Der Krieg ist pervers, er verändert die Menschen, er tötet die Emotionen, die Ängste, die Furcht. Wenn man in den Krieg zieht, sieht man die Welt anders als zuvor. Das Lesen lenkt uns ab, es hält uns am Leben. Wenn wir lesen, dann vor allem, um Menschen zu bleiben.«

     

    Gestaunt habe ich auch über die Wahl der Lektüre, neben der erwähnten Ablenkung ist in hohem Maß Bildung angesagt! Da werden Sachbücher verschlungen und psychologische Ratgeber, es wird über die im Dunkeln gehaltene Vergangenheit geforscht. Hoch im Kurs stehen auch Erfahrungsberichte von Menschen, die ebenfalls in Krisensituationen steckten. Man muss sich vorstellen, dass Menschen versteckt in Kellern sitzen und lesen, während über ihnen Bomben einschlagen…

    »Die Bibliothek ist ihre verborgene Festung, die sie vor den Bomben schützt. Und die Bücher sind ihre Massenbildungswaffe.«

     

    Die Errichtung der Bibliothek war ein Projekt zur Rettung des kulturellen Erbes, das Lesen wird zu einem Projekt des Widerstands. Und stets bleibt das Ziel vor Augen, der Wunsch nach Leben, Freiheit und Demokratie. In jedes Buch wurde auf die erste Seite der Name des Besitzers geschrieben, um es zurückgeben zu können, wenn der Krieg vorbei ist.

    Nach vier Jahren Aushungern war es vorbei mit Daraya, nach Saringas und manchmal bis zu 80 Fassbomben täglich, erhielt die Stadt den Todesstoß: Napalm.

    »Es ist also vorbei?«
    »Natürlich nicht! Man kann eine Stadt zerstören. Aber Ideen nicht!«

     

    Im Buch finden sich eine große Übersichtskarte von Syrien und ein Innenteil mit sehr berührenden Farbfotos.

     

    Fazit: Dieses Buch sollte jeder lesen! Man darf nicht vergessen, was in Syrien geschieht. Sehr intensive und beeindruckende Schilderung – und die Kraft der Bücher ist schlicht faszinierend!

    Kommentare: 7
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    Jashrins avatar
    Jashrinvor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Bewegend, beeindruckend, lesenswert.
    "Silmiye, silmiye...

    …friedlich, friedlich.“ (S.48) Diese Parole wiederholen Ahmad und ein Großteil der Rebellen von Daraya bei jeder Versammlung. Friedlich soll der Widerstand gegen das Assad-Regime bleiben, auch wenn in Daraya die Lebensumstände immer schwieriger werden, seit die Stadt von der Außenwelt abgeriegelt wurde. Wie Damaskus verlauten lässt, will man die Terroristen endgültig in die Knie zwingen. Doch sind die eingeschlossenen Bewohner wirklich Terroristen?


    Als die französische Journalistin Delphine Minoui von einer geheimen Bibliothek in der belagerten Statdt Daraya hört, wird sie neugierig, recherchiert und es gelingt ihr tatsächlich via Internet und WhatsApp mit den Gründern der Bibliothek Kontakt aufzunehmen. In den nächsten Monaten erhält sie durch Ahmad und andere junge Männern Einblicke in deren Leben, die widrigen Umstände unter denen sie ausharren und leben und natürlich erfährt sie, wie die Bibliothek entstand und welche Bedeutung die Bücher für die verbliebenen Bewohner von Daraya haben.

    „Bücher beherrschen nicht. Sie geben. Sie schränken nicht ein. Sie erweitern den Horizont.“ (S.27)


    Ich muss gestehen, dass ich bis zur Lektüre dieses Buches keine Ahnung hatte, wo Daraya liegt, geschweige denn, wie die Zustände in der Stadt sind. Das, was ich gelesen habe, hat mich erschreckt, bewegt, nachdenklich gemacht und teils tief beeindruckt. Zum Beispiel, dass in jedes Buch, welches die Gründer der Bibliothek aus zerstörten Häusern geborgen haben, fein säuberlich der Name des eigentlichen Besitzes notiert wurde, damit jeder nach Kriegsende sein Eigentum finden und zurückerhalten kann. Besonders angesichts der bedrohlichen Lebensumstände, war ich beeindruckt davon, dass es selbstverständlich war, an die anderen zu denken.

    Auch wenn es die Bibliothek inzwischen leider nicht mehr gibt, da sie nach der Zwangsräumung der Stadt 2017 geplündert wurde, lässt Delphine Minoui sie noch einmal auferstehen. Einige Fotos aus der Bibliothek, der Stadt und Aufnahmen von ihren Gesprächspartnern, ergeben ein zusätzliches Bild.

    Neben den vielen Informationen über Daraya, gab es auch ein paar Einblicke in das Leben der Autorin, die 1997 an der CELSA Paris promoviert hat und derzeit in Istanbul lebt. Sie arbeitet unter anderem für bekannte französische Zeitungen und wurde 2006 für ihre Reportagen mit dem wichtigsten französischen Journalistenpreis - Albert-Londres-Preis – ausgezeichnet. Mir hat besonders gefallen, dass ihr Buch kein nüchterner Bericht ist, sondern mit vielen Emotionen ein Bild zeichnet, das wir so aus den Medien eher nicht kennen. Man merkt beinahe jeder Zeile an, dass sie zu Ahmad, Hussam, Ustaz, dem Lehrer, zu Shadi, der nirgends ohne seine Kamera hingeht, und auch zu ihren anderen Kontakten eine teils tiefe Zuneigung aufgebaut hat. Sie leidet mit ihnen, macht sich Sorgen, wenn sie länger nichts hört.

    Je länger ich beim Schreiben dieser Rezension über das Buch nachdenke, desto mehr Begebenheiten fallen mir ein, die ich gerne unterbringen würde, doch das würde wohl den Rahmen sprengen. Daher kann ich jedem raten, der auch nur das geringste Interesse am Thema verspürt, lest selbst, wie die Rebellen zwischen Fassbomben, zunehmendem Hunger, Napalm und Sarin immer noch das Bedürfnis haben, sich in der Bibliothek zu treffen, zu diskutieren und zu lesen - ihren Raum der Freiheit zu genießen.

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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Sehr bewegend ....
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