Loyalitäten

von Delphine de Vigan 
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Loyalitäten
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Milagros avatar

Beeindruckende Geschichte, unbedingt zu empfehlen!

B

Der Roman ist wirklich gut geschrieben, man fühlt sich sofort in die verschiedenen Personen hinein versetzt. Die imaginäre Uhr beginnt immer

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Inhaltsangabe zu "Loyalitäten"

Der 12-jährige Théo ist ein stiller, aber guter Schüler. Dennoch glaubt seine Lehrerin Hélène besorgniserregende Veränderungen an ihm festzustellen. Doch keiner will das hören. Théos Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt. Der Junge funktioniert und kümmert sich um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. In ihren Augen ist also so weit alles gut. Doch Théo trinkt heimlich, und nur sein Freund Mathis weiß davon. Der Alkohol wärmt und schützt ihn vor der Welt. Eines Tages wird ihn der Alkohol ganz aufsaugen, das weiß Théo. Doch wer sollte ihm helfen? Hélène, seine Lehrerin, würde es tun, doch wie soll das gehen, ohne dass er die Eltern verrät? Mathis beobachtet das alles voller Angst. Zu gerne würde er sich seiner Mutter anvertrauen, aber Théo ist sein einziger Freund. Und einen Freund verrät man nicht. Außerdem würde er damit auch seinem großen Bruder in den Rücken fallen, denn der besorgt den Alkohol für die Minderjährigen. Und er ist es auch, der das gefährliche Spiel in dem schneebedeckten Park vorschlägt, bei dem Théo bewusst den eigenen Tod in Kauf nimmt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832183592
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:176 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:13.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Bianca_Wurstervor 2 Tagen
    Kurzmeinung: Der Roman ist wirklich gut geschrieben, man fühlt sich sofort in die verschiedenen Personen hinein versetzt. Die imaginäre Uhr beginnt immer
    Nervenaufreibende Verwirrungen und Familiendramen

    Theo und Mathis haben ein Geheimnis. Ihre Lehrerin Madame Destree beobachtet Theo schon eine Weile. Nur sie erkennt seine schleichende Veränderung, die Zeichen seines Rückzugs. Theo ist ein Kind zwischen zwei Fronten. Er lebt wochenweise im Wechsel bei seiner Mutter und seinem Vater. Doch sein Vater kann sich schon lange nicht mehr um ihn kümmern, Theo muss die ganze Verantwortung für Haushalt und Erledigungen übernehmen. An dieser Verantwortung scheint der Junge zu zerbrechen. Ihm bleibt nur noch die Flucht in den Alkohol. Sein Freund Mathis scheint es da besser zu haben, doch auch bei seinen Eltern bahnt sich eine Katastrophe an. Die Situation spitzt sich immer weiter zu. Gelingt der Lehrerin der Durchbruch durch ein Netz aus Loyalität und Geheimnissen? 

    Der Roman ist wirklich gut geschrieben, man fühlt sich sofort in die verschiedenen Personen hinein versetzt. Die imaginäre Uhr beginnt immer schneller zu ticken und man kann das Buch fast nicht aus der Hand legen. Das war zwar mein erstes Buch von Delphine de Vigan, es wird aber sicher nicht mein letztes sein! :)

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    buchstabensammlerins avatar
    buchstabensammlerinvor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Nur wer die Augen aufmacht, kann helfen....
    Nur wer die Augen aufmacht, kann helfen....

    Rund ums Buch:

    Titel: Loyalitäten
    Autorin: Delphine de Vigan
    Übersetzung: Doris Heinemann
    Verlag: Dumont
    Buch: Gebundene Ausgabe / Vorsatzpapier /Lesebändchen
    Seiten: 176
    Erschienen: 13.09.2018
    ISBN: 978-3-8321-8359-2
    Preis: 20,00 €


    Inhalt:
    Da ist Théo, gut in der Schule, 12 Jahre alt, Trennungskind.. mal lebt er beim Vater, mal bei der Mutter. Beide interessieren sich nicht für die Probleme und das Leben ihres Sohnes, sprechen auch nicht miteinander. Nur seine Lehrerin Hélène merkt etwas, ....etwas was ihr Sorgen bereitet, denn Théo torkelt in die Schule. Und da ist sein Freund Mathis, der manchmal mitmacht und manchmal verzweifelt Ausflüchte sucht.

    Meine Meinung:
    Ich glaube, über dieses Buch ist hier in den letzten Wochen so viel geschrieben worden. Doch ich möchte eines hinzufügen: MICH MACHT DIESE GESCHICHTE WÜTEND! Wütend, weil alle hinsehen, aber nicht eingreifen, weil Viele vermuten, aber keiner den Schritt wagt, und vor allem weil keiner Probleme möchte... ab der Norm geht nicht! Es kann ja auch nicht sein, dass ein Kind in dem Alter trinkt. Nein..... DOCH! Es kann sein, das gibt es und ich vermute, mehr als wir uns das vorstellen können. Sie verrennen sich in den Alk, der sie glücklich macht, vergessen macht, der warm macht, Hilfe bietet, zumindest für den Moment.
    Für mich war dieses Buch schlimm, das Lesen eine Qual, denn ich habe mein Leben lang mit Alkoholikern zu tun. Freunde, Familie, ja, ich bin jetzt sehr offen, der Alkohol hat viele Menschen in meinem Umfeld in den Abgrund gezogen. Aber man kann nichts machen, man kann nicht helfen, denn nur, wenn diese Menschen Hilfe annehmen, kann man noch eine Hand reichen.
    ABER: Macht den Mund auf. Schreit, helft, und wann immer euch etwas merkwürdig vorkommt: sprecht es an, immer wieder....

    In dem Buch ist es fast zu spät.... aber nur fast... denn da ist Hélène.

    Fazit:
    Wenn man sich dem Thema öffnet, wenn man die schwarzen Seiten dieses Lebens sehen möchte, und vor allem, wenn man sich nicht verstecken will.... dann ist dieses Buch ein ganz Großes, denn es geht um Menschen, die für einen da sind, die loyal zu einem stehen. 

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    K
    Klassikfanvor 5 Tagen
    wie weit darf Loyalität gehen ?

    Dieses Buch ist mein erstes Buch der Autorin Delphine de Vigan, aber es wird defintiv nicht mein letztes sein. ich habe selten ein Buch gelesen, das so eindringlich gesellschaftliche Aspekte kritisch beleuchtet wie dieses und dabei eine hohe litherarische Qualität aufweist.

    " Wie wichtig ist eine funktionierende Familie und welche Konsequenzen drohen, wenn dies nicht so ist? "Dieser Frage geht dieses Buch nach in dem es eine Geschichte schildert, die aus der Sicht verschiedener Personen erzählt wird. Wie verhalten sich Kinder, die zwischen ihren Eltern hin und her gerissen werden und auf deren Schultern die Konflikte einer Ehe oder die einer gescheiterten Ehe ausgetragen werden ?

    Ich habe oft den Atem angehalten beim Lesen dieses Buches und mich gefragt, wie können Eltern ihre Probleme , die sie mit dem Partner haben , auf ihre Kinder übertragen, sie zu Komplizen ihrer Unfähigkeit machen  und von ihnen erwarten, sich zwischen der Liebe beider Elternteile zu entscheiden. Kinder lieben beide Elternteile, egal was sie gemacht haben, sie sind loyal bis zur Selbstaufgabe und welche Konsequenzen daraus entstehen können und welche Qual dies für die Kinder bedeutet, schildert dieses Buch.

    Durch die Sicht verschiedener Personen in diesem Buch, wird die Vielschichtigkeit von Loyalität sichtbar, die sich auch auf Lehrer und Freunde ausweiten kann und wie leicht es ist Dinge zu vertuschen, die der gesellschaftlichen Norm nicht entsprechen und daher nicht sichtbar gemacht werden dürfen. Doch irgendwo brauchen diese Personen ein Ventil, um den Druck, den sie empfinden zu mindern. Sie brauchen Vertraute mit denen sie reden können, Freunde oder allen voran die Eltern. Wenn diese Möglichkeit nicht gegeben ist , wird der Druck so groß, dass er zu einer Gefahr wird .

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    ulistuttgarts avatar
    ulistuttgartvor 6 Tagen
    Roman ohne Kompromisse - Knallhart - Absolute Leseempfehlung

    Loyalitäten von Delphine de Vigan

    DuMont Buchverlag 2018

     

    Der 12-jährige Théo wohnt im wöchentlichen Wechsel bei seinen geschiedenen Eltern. Er ist ein stiller, introvertierter aber guter Schüler. Seine Eltern sind mit sich selbst beschäftigt und erwarten von ihm Selbständigkeit. Er muss funktionieren !!!

    Doch Théo trinkt heimlich. Er trinkt, weil er dieses Gefühl der Wärme in seinem Körper liebt. Er trinkt, um die Problematik seiner Familie zu vergessen.

    Nur sein bester Freund Mathis weiß davon. Jedoch will auch er gegenüber seinem Freund loyal bleiben und ihn nicht verraten.

    Théos Lehrerin Hélène bemerkt die Veränderung ihres Schülers, mischt sich ein, will mehr erfahren und stößt von allen Seiten auf Widerstand. Bis es für alle kein Entrinnen mehr gibt.

     

    Vorab, mich hat der Roman umgehauen, total aus der Fassung gebracht, bestürzt … Beim Schreiben dieser Zeilen kommen mir wieder die Tränen. Einfach unfassbar und dennoch absolut real.

    Wie viele Kinder unserer Gesellschaft müssen mit solchen Problemen leben, mit Eltern, die nur ihr eigenes Schicksal sehen, die nicht bemerken was mit ihren Kindern geschieht???

    Die unschuldigen Wesen, die ihre Eltern trotz allem lieben, wollen diesen gegenüber loyal sein. Niemals würden sie ihre Eltern verraten oder Hilfe rufen. Sie wollen es selbst schaffen und landen oft in der Verwahrlosung.

    Zum Glück gibt es Menschen wie Hélène, die aufmerksam ist (warum ist der Junge immer müde und hat Augenringe), die sich einmischen will (das Gespräch mit der Mutter und Kollegen sucht), die aber trotzdem kurz davor ist aufzugeben (weil sie auf taube Ohren stößt).

     

    Die zwischenmenschlichen Missstände unserer teilweise kranken Gesellschaft dürfen nicht unbemerkt bleiben, gerade und hauptsächlich, wenn Kinder davon betroffen sind.

    Und dann hilft keine Loyalität – Es muss gehandelt werden. Still gehaltene Treue kann tödlich enden.

     

    Théo, der von seinen Eltern keinerlei Zärtlichkeit und Berührung erhält, beschreibt, wie er es liebt den Alkohol in seinem Körper zu spüren. „Erst im Mund, dieser Augenblick, wenn die Kehle die Flüssigkeit aufnimmt, und dann diese wenigen Zehntelsekunden, in denen die Wärme in seinen Magen hinuntergleitet, er könnte ihrer Spur sogar mit dem Finger folgen. Er mag diese feuchte Welle, die ihm den Nacken streichelt und sich in seinen Gliedern wie ein Betäubungsmittel ausbreitet.“

    „Zwei Dragees Airwaves-Kaugummi Menthol-Lakritz“ kauen und keiner merkt etwas.

     

    Fassungslos liest man diese Zeilen und kann es einfach nicht glauben. Beim Durchgehen meiner Markierungen, die ich fast auf jeder Seite des Buches gesetzt habe, spüre ich wieder diese Betroffenheit, diese Konsterniertheit.

     

    In diesem extrem emotionalen Buch geht es nicht nur um Verwahrlosung und Alkohol, sondern auch um Gewalt, um Kindesmisshandlung, um Unterdrückung und Rassismus.

    Jeder, der mental dazu fähig ist, sollte diese Geschichte lesen.

    Erschreckend und Kompromisslos

    Kommentare: 2
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    Andrea-Pehles avatar
    Andrea-Pehlevor 6 Tagen
    Kurzmeinung: Ein fantastisches Buch, in dem Delphine de Vigan schonungslos einen Teil unserer heutigen Gesellschaft spiegelt. Packend geschrieben!
    Dieses Buch erscheint genau zur richtigen Zeit!

    Als die Hélène beginnt, eine siebte Klasse zu unterrichten, fällt ihr sehr schnelm der zwölfjährige Theo auf. Auf eine bestimmte Art und Weise, so meint sie, entzieht sich der Schüler seiner Aussenwelt; versucht unsichtbar und unauffällig zu sein. Hélène kennt dieses Verhalten aus ihrer eigenen, kindlichen Erinnerung und erkundigt sich über den Jungen. Théo's Eltern sind geschieden. Er pendelt wöchentlich zwischen beiden Parteien, die sich seit der Trennung hassen und auch nicht über ihren Sohn austauschen. All das erfährt der Leser aus der Sicht von Théo, denn in der Geschichte wechselt Delphine de Vigan häufig zwischen den Ansichten der Parteien (der Lehrerin, Théo selbst, seines besten Freundes Mathis und dessen Mutter Cécile, die selbst ein schweres Päckchen zu tragen hat) Eine Art und Weise eine Geschichte zu erzählen, die mir in diesem Fall ausserordentlich gut gefallen hat.
    Nachdem Cécile den Jungen zur Schulkrankenschwester beordert hat, und diese keine sichtbaren Anzeichen für eine Vernachlässigung oder Misshandlung feststellen kann, entsteht Ratlosigkeit in der jungen Lehrerin.
    Théo wird unterdessen immer mehr zum Spielball aller Parteien und bemüht sich nach Kräften die emotionalen Löcher seiner Mitmenschen zu füllen und entdeckt schliesslich den Alkoholrausch als Fluchtpunkt. Und so nimmt seine tragische Geschichte seinen Lauf....
    Delphine de Vigan trifft mit diesem grossartigen Roman absolut den Zahn der Zeit.
    Ich bin selbst Patchwork-Mama. Jeder Ehepartner hat zwei Kinder in die Beziehung gebracht und nur eines meiner Kinder lebt bei mir und eines beim Vater. In unserer kleinen Familienwelt bemühen wir uns sehr um einen respektvollen Umgang unter den Erwachsenen, dennoch muss auch ich zugeben, dass es zeitweise nicht leicht ist, sich mit dem anderen Elternteil auseinanderzusetzen und mit Sicherheit tragen alle unsere Kinder ihre Narben, auch wenn diese glücklicherweise nichts mit denen des Protagonisten dieses Buches gemein haben. Loyalitäten ist aus meiner Sicht ein wichtiges Buch, das zum Denken und Umdenken anregt. Théo steht stellvertretend für viele Kinder getrennter Eltern und dieser Roman ist ein Hilfeschrei an unsere heutige Gesellschaft.
    Ich fand "Loyalitäten" sehr packend und kann es nur uneingeschränkt empfehlen! Für mich ein weiteres Lesehighlight. 5/5 Sternen! 

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    AnnBees avatar
    AnnBeevor 9 Tagen
    Der Mut zur Initiative

    In „Loyalitäten“ geht es um die zwölfjährigen Jungen Théo und Mathis, ihre Eltern und ihre Biologielehrerin Helène. Die beiden Jungs verdrücken sich regelmäßig während der Schulzeit um Alkohol zu trinken. Während das für Mathis eher etwas mit Ausprobieren und Abenteuer zu tun hat, will Théo immer mehr. Der Alkohol hat für ihn eine ganz andere Funktion: seinen Kummer zu betäuben, darüber, wie schlecht es seinem Vater geht, wie sehr sich seine Eltern hassen und wie allumfassend die Sprachlosigkeit in seiner Familie ist. Die Loyalität seinem Vater gegenüber lähmt ihn und hindert ihn daran, das Problem zur Sprache zu bringen – ähnlich wie Mathis Théo nicht verpetzen will.
    Auf der anderen Seite steht Helène, die Lehrerin, die als Kind Gewalt erlebt hat und sich geschworen hat, nicht wegzusehen. Aus Loyalität zu sich selbst, oder zu ihrem kindlichen Selbst, versucht sie immer wieder Théo die Hand zu reichen und herauszufinden, warum er so furchtbar still ist. Mathis Mutter wiederum kündigt ihrem Mann die Loyalität auf, nachdem sie eine unschöne Entdeckung über ihn macht und sie endlich lernt, zu sich selbst zu stehen.
    De Vigan erzählt diese Geschichte(n) aus verschiedenen Perspektiven. Es ist wirklich beeindruckend, mit wie wenigen Worten oder Pinselstrichen sie komplexe Charaktere in existentiellen Krisen zeichnen kann, dabei zutiefst empathisch und nie mit dem erhobenen Zeigefinger. Dadurch gelingt ihr ein außerordentlich berührendes Werk zu einer ganzen Reihe wichtiger Themen: nicht „nur“ dem der jugendlichen Alkohol- oder Drogensucht, sondern auch dem, wie viel Mut es kostet, die Initiative zu ergreifen statt seine Probleme (und die der anderen) zu ignorieren. 

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    Booklove91vor 14 Tagen
    Weckruf

    Inhalt
    Der 12-jährige Théo ist ein stiller, aber guter Schüler. Dennoch glaubt seine Lehrerin Hélène besorgniserregende Veränderungen an ihm festzustellen. Doch keiner will das hören. Théos Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt. Der Junge funktioniert und kümmert sich um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. In ihren Augen ist also so weit alles gut. Doch Théo trinkt heimlich, und nur sein Freund Mathis weiß davon. Der Alkohol wärmt und schützt ihn vor der Welt. Eines Tages wird ihn der Alkohol ganz aufsaugen, das weiß Théo. Doch wer sollte ihm helfen? Hélène, seine Lehrerin, würde es tun, doch wie soll das gehen, ohne dass er die Eltern verrät? Mathis beobachtet das alles voller Angst. Zu gerne würde er sich seiner Mutter anvertrauen, aber Théo ist sein einziger Freund. Und einen Freund verrät man nicht. Außerdem würde er damit auch seinem großen Bruder in den Rücken fallen, denn der besorgt den Alkohol für die Minderjährigen. Und er ist es auch, der das gefährliche Spiel in dem schneebedeckten Park vorschlägt, bei dem Théo bewusst den eigenen Tod in Kauf nimmt.

    Meine Meinung
    Zuallererst möchte ich den absolut großartigen und herausstechenden Schreibstil der Autorin hervorheben.

    Die Story berührt.
    Die Charaktere und ihre Geschichten sind sehr authentisch geschildert, man fiebert und leidet mit.

    Loyalitäten wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, was zu einem insgesamt bedrückenden Gesamtbild zusammenwächst.

    "Eines Tages möchte er gerne das Bewusstsein verlieren, völlig. Sich für ein paar Stunden oder für immer in das dicke Gewebe der Trunkenheit fallen, sich davon bedecken, begraben lassen, er weiß, dass so etwas vorkommt." (ZITAT)

    Die Geschichte um den 12-jährigen Théo spitzt sich immer mehr zu. Er versucht seine Unsicherheit und seine emotionale Verlassenheit mit Alkohol zu kompensieren. Sein Freund Mathis steht zu ihm, aber dessen Mutter ahnt, wie auch die Lehrerin Hélène, dass die beiden Jungs auf einem gefährlichen Weg sind.

    "Übrigens seltsam, dieses Gefühl einer Besänftigung, wenn schließlich das hervorkommt, was man nie sehen wollte, obwohl man wusste, dass es ganz in der Nähe vergraben war, dieses Gefühl von Erleichterung, wenn sich das Schlimmste bestätigt." (ZITAT)

    De Vigan schafft es ein nahezu allgemeingültiges Gesellschaftsporträt zu beschreiben. Eltern und Lehrer, die mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten kämpfen, ihre Traumata bearbeiten / verdrängen und auf der Suche nach sich selbst sind. Kinder, die der Überforderung ausgesetzt werden, die häufig als „frühe Eigenständigkeit“ gefeiert wird und die letztlich allein sind mit dem Umfeld und dem Scheitern ihrer Kernfamilie.

    Das Cover ist schlicht, zugleich aber sehr passend. Durch die am Anfang beigefügten Interviews, erfährt man als Leser mehr von der Autorin, ihren Werken und Hintergründen. Großer Pluspunkt!

    Absolute Leseempfehlung von mir. Ein Meisterwerk, das bleibt.

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    CocuriRubys avatar
    CocuriRubyvor 15 Tagen
    Ein beeindruckendes Buch

    Das Buch ist aus verschiedene Sichten geschrieben: Théo (der Protagonist) und sein bester Freund Mathis (die beide im Er-Sie-Erzähler geschrieben sind) und Théos Lehrerin Hélène und die Mutter von Mathis Cécile (die beide im Ich-Erzähler geschrieben sind). Falls es hinter diesen unterschiedlichen Erzählertypen einen tieferen Sinn gab, dann hat er sich mir leider nicht erschlossen.


    Die Last, die jede Person mit sich trägt ist enorm und damit auch die Themenvielfalt:

    Zum einen haben wir die Familiensituation von Théo: Scheidungskind, lebt abwechselnd je eine Woche bei je einem Elternteil – und dieser Rosenkrieg, der auf seinen Rücken ausgetragen wird – sowohl bewusst, als auch unbewusst – dass er sich z.T. mehr um seine Eltern kümmern muss, als umgekehrt – und die daraus resultierenden Schlafstörungen und Alkoholabhängigkeit in seinen jungen Jahren.


    Es gibt aber noch zahlreiche weitere: Kindesmissbrauch und häusliche Gewalt, Menschenhass/Rassismus und dessen verschleiern, Armut und Selbstaufgabe, der soziale Status, Traumata – vielleicht auch das Versagen der Empathie: das fehlen von hinsehen, wenn jemand Hilfe braucht, statt wegzusehen – es sich trauen aktiv zu werden.


    Das ist für mich vielleicht sogar die größte Aussage des Buches: dieses verweilen im Nichts tun – bzw. das aufrecht erhalten des Nichts-tun-müssen – wird hier zurecht, sehr gekonnt angeprangert.


    Es ist unglaublich wie viele Lebensbereiche, wie viele Themen in ein so dünnes Buch passen und das ohne, dass eins zu kurz kommt – oder es zu gestopft wirkt – oder es unzureichend behandelt werden würde.

    Wie jedes einzelne Themenfeld aufgearbeitet ist, wie genau hingesehen wird, wie präzise es beschrieben wird, mit immer genau den richtigen Worten, ist herausragend.

    Die Formulierungen treffen einen direkt – sie bewirken viel beim Leser. Dadurch steckt man sofort in der Situation, man fühlt mit der Person mit.


    Oder kurz gesagt: der Schreibstil der Autorin ist großartig – es ist ein wahrer Genuss zu lesen, obwohl oder gerade wegen den Abgründen die sich hier auftun.


    Ich muss aber auch sagen, dass es schon einen Punkt gab, wo ich das Gefühl bekommen hatte, dass die Handlung einem gewissen Stillstand verfallen ist – wenn auch recht kurz.


    Das Ende ist übrigens ganz bewusst recht offen gehalten, was zum einen toll ist, weil dadurch die Fantasie des Lesers angesprochen wird, zum anderen aber recht fies.


    Fazit

    Ich bin unfassbar beeindruckt von dem Stil der Autorin und wie viele Themen sie auf kleinsten Raum (würdig) unterbekommt.

    In diesem Roman kommen Abgründe auf, die mich sehr ergriffen haben.

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    Buecherwurm1973s avatar
    Buecherwurm1973vor 17 Tagen
    Die Suche nach Wärme

    Helen ist Lehrerin. Einer ihrer Schüler fällt ihr besonders auf. An der Körperhaltung von Théo merkt sie, dass da irgendetwas nicht stimmt. Sie kennt sich mit dem Vertuschen aus, sie wurde als Kind misshandelt. Jedoch wird sie weder vom Schulleiter noch von der Krankenschwester ernst genommen. Théo könnte Hilfe gebrauchen, denn er hat kein liebevolles Zuhause. Er wohnt wochenweise bei seiner Mutter, welche die Scheidung immer noch nicht verkraftet hat und alle ihre Antipathien gegenüber ihrem Ex-Mann an ihren Sohn weitergibt und seinem Vater, der erst arbeitslos wird, dann in Depressionen fällt und verwahrlost. Théo und Mathis beginnen mit Alkohol zu experimentieren. Für Théo wird aus dem Spiel die Sucht nach der Wärme, die der Alkohol ihm spendet, wenn er die Kehle hinunterläut. Mathis wird von seiner Mutter erwischt und sieht dies als Warnschuss. Er spürt, dass sein Freund sich in Gefahr bringt. Aber wie soll er ihm helfen, ohne ihn zu verraten?

    Delphine de Vigan gibt Helen, Mathis Mutter Céline, Mathis und Théo in kurzen Kapiteln eine Stimme. In denen sie in einer prägnanten und nüchternen Sprache ihre Sichtweise und Gefühle beschreiben. Da sich die Autorin nur auf die Fakten konzentriert, wirkt die Geschichte kalt und emotionslos. Aber sind wir mal ehrlich, in einem warmherzigen Umfeld hätte Théo nicht die Sehnsucht nach diesem Gefühl, welches ihm der Alkohol ihm gibt – nicht in diesem Alter. Durch diesen Schreibstil beschönigt sie nichts.

    Mich hat das Schicksal von Théo ziemlich hart getroffen, eines das mir nicht unbekannt ist. Mein Vater ist auch schon in frühester Jugend mit Alkohol in Kontakt gekommen und hat den Kampf gegen ihn verloren. 

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    M
    Marzena_Bokvor 18 Tagen
    sehr gefühlvoll

    Der zurückhaltende 12jährige Theo muss sein ganzes Leben jeden Freitag umziehen, um denn jeweils eine Woche bei seinem Vater und bei der Mutter zu wohnen. Schon die Leseprobe las sich ziemlich dramatisch und man hoffte, dass der Junge nicht ganz in den Alkoholismus abdriftet...
    Theos Lehrerin Helene bekommt mit, dass etwas mit dem stillen Schüler nicht stimmt, doch sie wid nicht richtig ernst genommen. Sein bester Freund ist auch recht ratlos, was er tun kann und Theos Bruder besorgt den Alkohol und plant ein gefährliches Spiel, das Theo umbringen könnte…
    Theos Lage macht einen als Leser selbst sehr ratos und man ist ziemlich bedrückt und lässt uns hilflos zurück. Einfach ein sehr gefühlvoll geschriebenes schönes Buch.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 3 Monaten
    Dieses Buch möchte ich auch lesen. Inhaltlich spricht es mich sehr an, von der Autorin habe ich schon viele positive Lesermeinungen wahrgenommen.
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    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 4 Monaten
    Bisher habe ich noch kein Buch von der Autorin gelesen. Aber diese hier spricht mich vom Inhalt her sehr an. Vielleicht wird das ein Vigan- Einstieg. :)
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