Tage ohne Hunger

von Delphine de Vigan 
4,2 Sterne bei32 Bewertungen
Tage ohne Hunger
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Knigaljubs avatar

Ein intensives Leseerlebnis über Magersucht. De Vigane wird nicht umsonst als eine der wichtigsten Stimmen der frz Gegenwartsliteratur bezei...

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Ein kurzweiliger Roman über die Magersucht

Alle 32 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Tage ohne Hunger"

Laure ist neunzehn Jahre alt und magersüchtig. Als die Krankheit ihr Leben bedroht, wird sie in eine Klinik eingewiesen. Dort taucht Laure in eine ganz eigene Welt ein und begreift, dass sie nicht die Einzige ist, die sich in eine Krankheit flüchtet. Und so beginnt sie zu schreiben: über Monsieur Hundertdreißigkilo, dem genau das Gegenteil von ihr gelingen muss, über die Blaue, ein grausam-gehässiges Klatschweib, deren Krankheit ihre Boshaftigkeit ist, über Fatima, die sich nicht zum ersten Mal in der Klinik aufhält. Alle kämpfen, so wie sie. Laure hasst die Kalorien, das Fett, das sie zunehmend auf ihrem Körper spürt. Es gibt Tage, da hasst sie ihren Arzt, der sie dafür lobt, dass sie allmählich wieder aussieht wie ein ‚normaler‘ Mensch. Sie weint, sie tobt, sie plant die Flucht zurück in die Krankheit. Doch sie bleibt, denn Dr. Brunel ist der Einzige, der wirkliches Interesse an ihr zeigt und der hartnäckig um sie ringt. Nach langer Zeit ist er der erste Mensch, dem sich Laure öffnet. Ihm erzählt sie, was die Ursache für ihren Zustand ist: das Zusammenleben mit ihrer psychisch kranken Mutter und die angstmachenden Auseinandersetzungen mit ihrem cholerischen Vater. Es sind nicht nur die Gespräche, sondern auch sein stilles Verstehen, seine behutsames Beharren, seine aufrichtige Verzweiflung, die ihren Lebenswillen wieder wecken.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832164690
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:176 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:13.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    nicekingandqueenvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein kurzweiliger Roman über die Magersucht
    Ein kurzweiliger Roman über die Magersucht

    "Tage ohne Hunger" ist der Debütroman von Delphine de Vigan. Ich hatte schon einige andere Werke von ihr gelesen und kannte ihren besonderen Schreibstil.


    Inhaltlich: Es geht um die 19-jährige Laure, die an Anorexie erkrankt ist und in einem Krankenhaus auf Heilung hofft. Hierbei kommt sie in Kontakt mit anderen, denen es genauso ergeht und dem genauen Gegenteil, Patienten, die "nichts lieber tun als essen". Zudem wird auch bekannt, warum sie erkrankt - durch das Erzählen ihres Hintergrunds. 


    Stilistisch: Sehr einfach gehaltene Sätze, kaum Fremdwörter, aufgrund der wenigen Seiten auch sehr schnell zu lesen. (Ob es da aber auch den Preis rechtfertigt? Hier würde ich eher "Nach einer wahren Geschichte" empfehlen. Günstiger, mehr Seiten, mehr Unterhaltung und Spannung.)


    Einige Passagen empfand ich persönlich begründet etwas abwegig und unrealistisch - da kann man sich aber sicherlich streiten.


    Das Buch ist sicherlich jedem zu empfehlen, der reif genug ist, um sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Jüngeren als 18 würde ich es nicht schenken, da sie womöglich die genauen Zahlen von Größe zu Gewicht als Ansporn ansehen und dadurch abnehmen wollen und auf die ganzen genannten Nahrungsmittel verzichten, auf die auch Laure verzichtet hat.


    Für den Verlag: Im Umschlag/Klappentext steht Fatima und im Buch nur Fatia.

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    Simi159s avatar
    Simi159vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Geht unter die Haut...
    Geht unter die Haut

    Magersucht, Anorexia Nervosa, in der Fachsprache ist eine Krankheit, die für alle im Umfeld der Betroffenen Sichtbar ist, meist alle sprachlos macht und gleichzeitig totgeschwiegen wird.


    Die Protagonistin und Ich-Erzählerin in Delphine de Vigans Roman „Tage ohne Hunger“ leidet genau an dieser Krankheit. Sie besteht nur noch aus Haut und Knochen, geht nicht mehr aus dem Haus und hat den Kontakt zu Familie und Freunden fas komplett verloren. 

    Ihr ist kalt. Und als sie  diese Kälte, trotz unzähliger Lagen Kleidung und sitzen an der Heizung, nicht mehr aushält,  sucht sie Hilfe in einer Fachklinik für Essstörungen.


    Erst will sie sich nicht stationär behandeln lassen, denn noch hat sie Kraft um in die Klinik und den Gesprächen mit den Spezialisten dort zu gehen, und doch faßt sie kurz darauf den Entschluss, sich dort fest in Therapie zu geben. Ihr Geist und ihr Körper wehren sich gegen jedes Kilogramm….



    Fazit:

    Die Autorin fasst die Gedanken und Handlungen der Figur so eindringlich und anschaulich in Worte, daß man oft eine Gänsehaut beim Lesen hat.

    Die Gedanken, Ängste und Zwänge um den Verlust an Kontrolle sind auch für Leser, die nichts mit der Krankheit zu tun haben, keinen Betroffenen kennen, sehr gut versteh- und nachvollziehbar.


    Die Magersucht wird real, der Kampf der Kranken gegen sich, ihren Körper und Willen sehr emotional und doch mit sehr wenigen sparsamen Worten geschildert.

    Die Figur, die ihr Schicksal, ihren Kopf selbst schildert, wirkt lebensnah und authentisch. Der reduzierte Schreibstil der Autorin macht es doppelt emotional und eindringlich.


    Dies ist ein Buch das einem Nahe geht, auch wegen dieses normalen wie gleichzeitig besonderen Charakters, Laure, die dem Leser all ihr Leid und dann auch ihr Überleben und den Weg dahin schildert.



    5 STERNE.

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    WinfriedStanzickvor einem Jahr
    Eine ganz außergewöhnliche und wertvolle Heilungsgeschichte, die unter die Haut geht



    Mit ihren Romanen „Das Lächeln meiner Mutter (2013) und „Nach einer wahren Geschichte“ 2016) wurde die 1966 geborene französische Schriftstellerin Delphine de Vigan auch in Deutschland einem größeren Publikum bekannt.

    Die Art und Weise, wie sie in beiden bei Dumont in Köln erschienenen Romanen biographische Erfahrungen literarisch verarbeitete, hat mich damals sehr angesprochen und begeistert.

    Durch diesen Erfolg ermutigt, hat der Dumont Verlag nun ein Buch veröffentlicht, das 2001 das literarische Debüt de Vigans war und das sie damals wohl auch wegen dem biographischen Charakter und der sehr persönliche  Thematik unter dem Pseudonym Lou Delvig veröffentlichte.

    In „Tage ohne Hunger“ erzählt sie von der 19-jährigen Laure, die unter einer schweren Magersucht leidet. Als die Krankheit ihr Leben bedroht und ohne rasche Hilfe der baldige Tod droht. Wer den Arzt, der sie anruft und ihr regelrecht befiehlt, sofort in seine Klinik zu kommen, über ihren Zustand informiert hat, bleibt im Dunkel.  Sie wartet noch einige Tage, unschlüssig, was sie tun soll: „In ihrem Bauch klopfte der Tod, sie konnte ihn berühren.“ Und sie wählt die Nummer des Krankenhauses.

    Dort macht sie jeden Tag Notizen darüber, was mit ihr passiert, wie sie sich fühlt. Sie schreibt über ihre Beziehung und ihre Beziehung zu ihrem Arzt, Dr. Brunel und zu manchen ihrem Mitpatienten.  Sie berichtet ihrem Notizbuch von ihrem dauernden Kampf, von ihrer Sehnsucht nach dem alten Zustand, von der Kraft, die sie aufbringt, durchzuhalten und was ihr dabei hilft.  

    Diese Notizen werden ihr Jahre später, als sie längst wieder in ein normales Leben zurückgekehrt ist und Mutter zweier Kinder geworden ist, helfen, dieses Buch zu schreiben, unter dem Schutz eines Pseudonyms, aber nicht weniger offen und ehrlich. Später dann wird sie mit ihren weiteren Romanen auch öffentlich mit ihrem Namen dafür stehen, dass sie persönlich Erlebtes und Erfahrenes auf eine Weise literarisch verarbeitet, die dem Leser Respekt abringt.

    „Noch heute sagt sie trotz der vielen Jahre, die vergangen sind, und trotz der Lebensfreude, die sie wiedergefunden hat, genau das, wenn sie davon spricht: Er hat mir das Leben gerettet.“

    Eine ganz außergewöhnliche und wertvolle Heilungsgeschichte, die unter die Haut geht und nicht nur Betroffenen Mut zum Leben vermittelt.

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    Jetztkochtsies avatar
    Jetztkochtsievor einem Jahr
    pure Begeisterung

    Am Wochenende hab ich Delphine de Vigans "Tage ohne Hunger" beendet.

    Ich habe von ihr schon "No & ich" als Hörbuch gehört und war damals nicht 100prozentig zufrieden, vermutlich weil sich ihre Texte aus meiner heutigen Sicht eher nicht als Hörbuch eigenen. Sie erzählen zwar grundsätzlich eine abgeschlossene Geschichte, bestehen aber häufig aus Fragmenten, Gedankengängen und lassem dem Leser sehr viel Raum für eigene Ideen. Das funktioniert für mich bei einem Hörbuch schlechter, als bei einem gelesenen Text.

    "Tage ohne Hunger" habe ich also gelesen und war von der ersten bis zur letzten Seite hingerissen. Wie der Titel vermuten läßt, geht es um eine Essstörung, den Leidensweg, den Weg zur Heilung und die Probleme, die man mit sich ausfechten muß. Es ist ein sehr bedrückendes und intensives Buch und durch die Schilderung der Gedanken der Protagonistin ist man sehr nah am Geschehen dran. Es wird nicht auf den Ekel gesetzt und die widerlichen Dinge, die man als essgestörter Mensch teilweise tut, werden eher angedeutet, als wirklich im Detail beschrieben, das fand ich gut und hat mir absolut gereicht.

    Ich persönlich habe ja diverse sehr persönliche Erfahrungen in meinem Leben mit Personen gemacht, deren Verhältnis zum Essen ein etwas anderes war und auch ich konnte meine Mahlzeiten nicht immer in der Form genießen, wie ich es heute zum Glück kann. Für mich war das Buch trotzdem sehr gut lesbar und ich fühlte mich verstanden, bzw. habe sehr vieles wieder erkannt. Für eine Person, die akut in einer Behandlung ist würde ich das Buch allerdings wirklich nur bedingt empfehlen, es ist drastisch, es triggert, es zieht einen herunter, ob das in jeder Lebensphase immer das Richtige ist, sollte jeder selbst entscheiden.

    Laure, die Protagonistin des Buches, ist ein etwas schwieriger Mensch, der sich aber eben kurz vor dem zu Spät sein, doch dafür entscheidet, die Hilfe einer Therapie anzunehmen. Sie thematisiert ihren Therapieverlauf, ihre Kontakte in der Klinik, sie selbst ist mit knapp 35 Kilo eingeliefert worden, andere Patienten sind aus anderen Gründen dort, und Laure beobachtet, anlysiert, schließt Freund und Feindschaften und ficht dabei ihren ganz eigenen Kampf mit sich selbst aus.

    Sie beschreibt die Qual einer Magensonde, den Drang sich zu bewegen, um Kalorien zu verbrennen und die Probleme etwas zu essen. Sie tut das sehr eindrücklich und aus meiner Sicht auch für einen nicht Betroffenen sehr nachvollziehbar. Ohne große Erklärungen versteht man, was ihr Problem ist, warum sie so oder so handelt. Natürlich lassen sich Laures Probleme nicht auf jede Person mit Eßstörung übertragen, trotzdem hat mir hier die Schilderung von Laures Gedanken sehr positiv aufgezeigt, was einen Menschen bewegt und was andere Menschen in einem bewirken können.

    Natürlich hat auch Laure ein problematisches Elternhaus, Schuldgefühle, Ängste, alles was zu so einer Eßstörung in der Regel dazu gehört, alles, was die Heilung noch schwieriger macht. Sie findet sehr oft Trost im Stricken (bzw. später auch in anderen Dingen), was mich sehr gefreut hat, schließlich hat auch für mich das Stricken hin und wieder eine (wenn auch andere) Art therapeutische Wirkung. Das hat mir sehr gefallen, dass hier mein liebstes Hobby in der Form erwähnt wurde.

    Laures Schilderungen sind für mich nachvollziehbar, glaubwürdig und eher auf ihr Innenleben gerichtet, es geht hier nicht darum den Klinikalltag zu beschreiben oder ein Sachbuch für den Weg aus der Essstörung zu lesen, hier geht es wirklich um die sehr poetische Schilderung, was eine solche Störung mit einem macht, wie man sie besiegen oder es zumindest versuchen kann und dass sie einen im Grund niemals verläßt.

    Ich fühlte mich von Delphine de Vigan nicht nur gut unterhalten, sondern wirklich begeistert. Das war für mich für 2017 eines der Jahres-Highlights auf dem Nachttischlesestapel und hat mich tatsächlich endlich längere Zeit am Stück wieder konzentriert lesen lassen.

    Tage ohne Hunger ist als Hardcover im Dumont Buchverlag erschienen.

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    Isaoperavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Beeindruckender Roman einer ohnehin tollen Autorin - für mich hat es sich sehr gelohnt
    Endlich der Debütroman

    Seit ich im letzten Jahr „Nach einer wahren Geschichte“ entdeckt habe, bin ich ein großer Fan der Autorin Delphine de Vigan und habe inzwischen alle ihre Bücher im Regal stehen. Da durfte natürlich ihr neuer Roman, der eigentlich ihr Debütroman war und nun das erste Mal in deutscher Sprache vorliegt, nicht fehlen. „Tage ohne Hunger“ ist die Geschichte der jungen Laure, die zunächst schleichend, dann rapide in eine Magersucht abgerutscht ist und sich selbst nicht mehr befreien kann. Sie wird in einer Klinik stationär behandelt und trifft dort nicht nur auf Leidensgenossinnen, sondern auch auf Unverständnis gegenüber ihrer Störung.

    Was mich an diesem Buch begeistert hat, war die klare und doch starke Sprache. Das Buch ist sehr persönlich geschrieben und ich habe mich Laure vom ersten Moment unheimlich nah gefühlt. Es ist eindrücklich, weckt Verständnis und ist trotz seiner eigentlichen „Kürze“ gerade richtig lang. Einerseits wird eine ganz individuelle Geschichte erzählt, andererseits hatte ich als Leserin auch das Gefühl, dass die Geschichte stellvertretend für viele betroffene Frauen steht.

    Zum Schluss bleibt unklar, ob der Roman auch ein (auto-)biographisches oder zumindest non-fiktionales Element hat, was die Autorin ja eigentlich recht oft einbringt. Da es aber ihr erster Roman war, weiß man das nicht genau und ich finde es auch nicht schlecht, dass Einiges der Fantasie überlassen bleibt.

    Für mich ein wirklich starkes Buch zu diesem aufwühlenden Thema! Sicherlich vor allem für Leser, die sich für psychologische Hintergründe interessieren, sehr interessant. Ich kann bisher alle Bücher der Autorin empfehlen!

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    eulenmatzvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein interessanter Einblick in die Gedanken und den inneren Kampf einer Magersüchtigen.
    Zurück ins Leben

    INHALT:

    »Die Kälte in ihr sagte ihr, dass sie zwischen Leben und Sterben wählen musste.« Laure ist neunzehn Jahre alt und magersüchtig. Als die Krankheit lebensbedrohlich ist, wird sie in eine Klinik eingewiesen. Bei der Wahl für oder gegen das Leben hilft ihr vor allem der Arzt, dessen Patientin sie wird. Er ist der Einzige, der hartnäckig um sie ringt. Nach langer Zeit ist er der erste Mensch, dem sich Laure öffnet. Und sie erzählt von dem Teil ihrer Kindheit, der sie in diese Krankheit getrieben hat: das Zusammenleben mit ihrer psychisch kranken Mutter.
    Drei Monate Krankenhausleben werden geschildert, drei Monate, in denen Laure ihren Todeswunsch überwindet und sich in ihr allmählich ein Lebenswille und sogar der Wunsch nach Freude am Leben wieder einstellt.


    MEINUNG:

    Von Delphine de Vigan wollte ich immer schon gerne etwas lesen und ich freut mich ein neues Buch von ihr in Rahmen einer Leserunde zu entdecken. Mit Tage ohne Hunger greift sie das schwere Thema Anorexie auf, welches auch autobiographische Züge enthält, wenn ich es richtig verstanden habe.


    Laures Weg beginnt mit der Einweisung in die Klinik. Sie hat bereits ein lebensbedrohliches Gewicht erreicht und dies ist ihre letzte Chance am Leben zu bleiben. Den Wunsch zu überleben erweckt vor allem ein Arzt in ihr, der ihr das Gefühl gibt wirklich um sie kämpfen zu wollen. Man weiß, wie wichtiger er für Laure ist, aber in meinen Augen blieb er sonst relativ im Hintergrund. Was sicherlich auch daran liegt, dass die Geschichte komplett aus Laure Sicht erzählt wird und man keine Perspektive von außen auf Laure zu lesen bekommt (was sicher interessant gewesen wäre), aber es handelt sich hier um eine sehr persönliche Geschichte. Oft liest es sich wie ein Tagebuch.


    Die Gründe für eine solche Erkrankung sind ja stets mannigfaltig, aber bei Laure spielt sicher auch das schwierige Elternhaus eine Rolle. Eine Mutter, die starke psychische Probleme hat und mehr mit sich selbst beschäftigt ist, als sich um Laure und ihre Schwester zu kümmern und einen Vater, der neu verheiratet ist, aber seine Kinder nur beschimpft als wären sie ihm eine Last. Das zu lesen hat mir wirklich innerlich wehgetan. Ich habe mich mal wieder gefragt, wie man so seine eigenen Kinder behandeln kann. Die Quintessenz daraus ist, dass Laure auf sich alleine gestellt ist und wenig Rückhalt hat. Scheinbar fällt es auch kaum jemanden auf, dass mit ihr etwas nicht stimmt.


    Das Buch beschreibt Laures Zeit in der Klinik von der Einweisung bis zur Entlassung. Dort kommt sie auch in Kontakt mit anderen Erkrankten. Es wird nicht viel auf die gesundheitlichen Konsequenzen eingegangen, aber ein Freundin von ihr kann auf Grund der Magersucht nun keine Kinder mehr bekommen und ihr Mann droht ihr damit sie deswegen zu verlassen. Das hat mich wirklich sehr mitgenommen. Ansonsten begleiten wir Laure in ihrem Alltag und bei den kleinen Schritten, die sie macht, um wieder richtig zu essen. Laure inneren Kampf dabei fand ich sehr gut dargestellt. Das Buch weißt keine große Spannung auf Anfang und Ende sind relativ klar. Manchmal habe ich mich erwischt, wie meine Gedanken beim Lesen abgedriftet sind. Gerne hätte es auch noch ein paar mehr Seiten sein können. Ein wenig mehr Einblick  hätte ich mir noch gewünscht.


    FAZIT:

    Tage ohne Hunger lässt den Leser in den Gedanken- und Gefühlwelt einer an Magersucht erkrankten jungen Frau. Ebenso wie der Prozess der Heilung und des täglichen Kampfes mit dem Essen wird hier eindringlich beschrieben. Man sollte beachten, dass es sich hier nicht um einen Ratgeber oder eine ausführliche Erläuterung von Therapiemöglichkeiten handelt, sondern es ist Laures Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

    Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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    Maddinliests avatar
    Maddinliestvor einem Jahr
    Lebenswille


    Laure steht an einem entscheidenden Punkt in ihrem Leben. Sie muss sich entscheiden, ob sie leben will oder nicht. Die Krankheit der Anorexie hat ihren Geist und Körper heimgesucht und durch den ständigen Essensentzug wiegt sie nur noch 36 kg. Ein grenzwertiges Gewicht, welches nach Veränderungen in ihrem Leben ruft. Da sie alleine mit diesem Problem überfordert ist, geht sie in eine Klinik und tritt den Kampf um ihr Leben an. Wird sie die inneren Blockaden überwinden können und zu einem normalen Gewicht zurückkehren können?


    Delphin de Vigan beschreibt das Schicksal von Laure sehr authentisch und ungeschönt. Sie erzählt die Geschichte der Magersüchtigen mit harten und kurzen Sätzen und führt so dem Leser die schwierige und dramatische Situation der Patientin vor Augen. Innerhalb der Klinik trifft Laure auf ähnlich Gesinnte und leidet bzw. hofft mit ihnen. Ihr eigener Kampf erfordert aber auch schon die volle Energie. Der Lebenswillen muss aufrechtgehalten werden und er bekommt durch ihren behandelnden Arzt täglich neue Nahrung. Die Sehnsucht nach seiner Nähe und Anerkennung gibt dem täglichen Kampf einen Sinn. Ihr Wunsch nach Kontrolle über ihren Körper und ihr Leben steht ihr allerdings das ein ums andere mal im Weg. Die Autorin schildert hier sehr gut nachvoll-ziehbar, wie schwierig es ist, eine solche Krankheit zu bekämpfen bzw. sogar zu besiegen. 


    Die Autorin Delphin de Vigan hat mit "Tage ohne Hunger" ein aus meiner Sicht sehr ergreifendes Buch geschrieben, in dem sie sehr respektvoll mit der schweren Krankheit Anorexie  umgeht, die in der heutigen Zeit leider immer weiter in den Fokus rückt. Der Roman hat mich trotz seiner Kürze noch lange nachdenklich zurückgelassen und mir ein sensibles Thema nähergebracht. Es hilft definitiv auch Verständnis für Erkrankte aufzubringen und Wege zu finden, ihnen Hilfe zukommen zu lassen. Ich empfehle das Buch daher als seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema Anorexie gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.



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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein beeindruckendes Buch, das unter die Haut geht.
    Dieses Buch geht unter die Haut

    Laure kämpft gegen ihren Körper und hat sich das Nicht-Essen als Disziplin auferlegt. Als sie sich kaum noch auf den Beinen halten kann, begibt sie sich in die Hände eines Arztes und lässt sich in die Klinik einweisen. Dort soll sie Stück für Stück wieder lernen, ihren Körper zu akzeptieren und Nahrung normal zu sich zu nehmen. Doch der Weg, den Laure vor sich hat, ist sehr weit.
    Delphine de Vigan hatte mich bereits mit ihrem Werk „Nach einer wahren Geschichte“ begeistert und mit diesem Roman, „Tage ohne Hunger“ schließt sie qualitativ nahtlos daran an. Die Autorin überzeugt mit einer psychologischen Erzählung, die den Leser direkt in die abgründigen Gedanken der magersüchtigen Laure mitnimmt. Eindringlich erzählt sie Laures Geschichte von Verzweiflung und Kontrolle, die einem als Leser tief unter die Haut geht. Die Hilflosigkeit und Verzweiflung der 19-Jährigen Laure ist regelrecht erdrückend, die Hoffnung, die sie in den Arzt projiziert, fast zum Scheitern verurteilt. Die Verzweiflung und der Wunsch nach Kontrolle zeigt sich auf wunderbare Weise auch in der Sprache von Delphine de Vigan, die kühl und kontrolliert ist, in kurzen Sätzen, immer genau auf den Punkt, die den Finger in die Wunde legt und so die Gefühle von Laure noch stärker zum Ausdruck bringt.
    „Tage ohne Hunger“ ist eine beeindruckende und nahe gehende Geschichte, die Delphine de Vigan sehr bewegend erzählt. Ein dünnes Buch, das so viel mehr gibt, als die wenigen Seiten vermuten lassen und damit zu einer ganz besonderen Erzählung wird, die mich bewegt und begeistert hat. 

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    Schmiesens avatar
    Schmiesenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sprachlich herausragend und berührend geschildert. Ich hätte mir allerdings mehr Informationen zu Familie und Ursachen gewünscht.
    Wer ist der Gewinner beim Kampf gegen sich selbst?

    "Sie wäre gerne imstande, alles wegzuwerfen, nichts zu besitzen. Dieses Zuviel in ihr und rings um sie, mit dem sie nichts anzufangen weiß."

    Laure hat sich fast zu Tode gehungert. Mit 36kg Körpergewicht wird sie in eine Klinik eingeliefert, denn sie hat begriffen: Jetzt muss sie sich zwischen Leben und Tod entscheiden. Im Krankenhaus trifft sie Frauen, die sind wie sie und doch ganz anders. Sie trifft Übergewichtige, Drogensüchtige, Wassersüchtige. Und sie trifft auch sich selbst. Durch Dr. Brunel lernt sie, dass es sich lohnt zu leben. Sie isst gegen den Ekel an und genest - langsam, aber stetig.

    Erstmals erscheint de Vigans Debütroman nun auf Deutsch. Ein schmaler Band, den ich in wenigen Stunden gelesen hatte. Ja, man merkt, dass es ein Debüt ist. Man merkt aber auch, dass es aus der Feder von Frau de Vigan stammt. Und so entsteht in mir ein Zwiespalt angesichts der Bewertung dieses Buches.

    Sprachlich hat es mich mitgerissen wie schon "Nach einer wahren Geschichte". Fast könnte es sich um Laures Tagebuch handeln. Die Ereignisse werden nicht chronologisch geschildert, sondern man springt mit Laure durch wichtige Phasen ihres Lebens, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es sind ihre Erinnerungen, ihre Gefühle, ihre Gedanken, die diese Geschichte tragen.

    Ein Fokus liegt definitiv auf der Körperlichkeit der Magersucht. Immer wieder setzt Laure sich mit ihrem Äußeren auseinander, beschreibt es in den bildhaftesten Metaphern, erklärt den Ekel, das Essenlernen, den Kampf gegen sich selbst. Denn ihre Magersucht ist begründet in ihrer Kindheit, geprägt durch psychisch labile Eltern. Nicht essen zu müssen heißt für Laure, die Kontrolle zu behalten über ihren Körper und ihre Bedürfnisse - eine Kontrolle, die sie als Kind und Jugendliche zu oft aus der Hand geben musste. All diese Ebenen von Laures Krankheit muss man allerdings zwischen den Zeilen lesen, denn vieles wird nicht versprachlicht. Gerade im Hinblick auf Laures Eltern und ihre Kindheit hätte ich mir ausführlichere Informationen gewünscht.  

    Auch Nebencharaktere treten in "Tage ohne Hunger" auf, jedoch bleiben sie immer seltsam blass. Dr. Brunel scheint Laures heimliche Liebe zu sein, für ihn scheint sie zuzunehmen und sich behandeln zu lassen. Mehr erfährt man über diesen Mann jedoch nicht. Dadurch werden Laures Beweggründe auch irgendwie fragwürdig und das Ende unrealistisch. Doch im Grunde zeigt ihre Zuneigung auch, dass ihr vor allem eins fehlt: Nähe und menschliche Wärme. Die findet sie auch bei anderen Patienten, wie der magersüchtigen Fatia oder den alten Damen. "Die Blaue" konfrontiert Laure in endlosen Monologen mit den gängigen Vorurteilen gegenüber Magersüchtigen, die einem selbst das eigene Unverständnis vor Augen führten. Laure hat auch Familie und Freunde, die sie besuchen kommen, doch auch diese Menschen bleiben seltsam blass.

    De Vigan behandelt in ihrem Erstling ein ernstes Thema, bei dem die Protagonistin mit einer psychisch induzierten Magersucht zu kämpfen hat. Dafür kam mir der psychologische Aspekt allerdings zu kurz. Gerne hätte das Buch noch einige Seiten mehr umfassen dürfen, um mehr über Laures Kindheit und ihre Eltern erfahren zu können. Auch Laures Genesungsprozess war nicht unbedingt realistisch, sie war zu willig, hat alles zu schnell angenommen - und das nur aufgrund einer vagen Zuneigung zu ihrem Arzt? So lässt mich der Roman seltsam neutral zurück, und ich möchte ihm vor allem aufgrund der herausragenden Sprache 4 Sternchen zusprechen. 

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    anushkas avatar
    anushkavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Mit Sachkenntnis und Empathie nähert sich die Autorin einem sehr ernsten Thema, bei gleichzeitig poetischer Sprache. Beeindruckend.
    Beeindruckend gegen Klischees

    Laure ist 19 Jahre alt und schon etliche Male auf der Straße einfach umgekippt. Ihr Körper ist im Ausnahmezustand, wärmt ihre Gliedmaßen nicht mehr richtig und so langsam breitet sich die Kälte in Laures Innerem aus. Gerade noch rechtzeitig ringt sie sich dazu durch, sich in eine Klinik einweisen zu lassen. Auf ihrem Weg hilft ihr vor allem ihr Arzt. Aber auch die anderen Patienten werden ein wichtiger Teil von Laures Leben. Und dann sind da noch die Kalorien, gegen die sich Loires Kopf immer noch vehement wehrt ...

    Delphine de Vigan hat ein unglaublich einfühlsames, wenn auch sehr belastendes, Buch geschrieben. Laure vertraut ihre Gedanken einem Tagebuch an. Allerdings bekommt der Leser keine abgedroschenen, kitschigen Tagebucheinträge zu lesen, sondern eine recht sachliche Selbstreflexion. Die Autorin macht sehr  deutlich und nachvollziehbar, in welcher Gedankenwelt sich Essgestörte bewegen und warum diese Krankheit(en) eigentlich als unheilbar gilt. Laure hat einen Lebenswillen und weiß, was sie dafür tun muss, und trotzdem kommt sie manchmal nicht aus dem Teufelskreis heraus, aus der übermächtigen Angst vor den Kalorien und den vorgestellten Fettpolstern. Was die Autorin auch sehr einfühlsam schildert ist, dass es eigentlich weniger wirklich ums das Abnehmen als Schönheitsideal und vielmehr als Ausdruck von Kontrolle geht. Nach und nach, auch im Kampf mit und gegen ihren Arzt, lässt Laure die Mauern bröckeln und immer stärker durchblicken, was die eigentlichen Ursachen sein könnten.
    In den Randfiguren lässt die Autorin auch die Klischees wie "Reiß dich endlich zusammen und iss wieder" und "Kindchen, das sieht ja wirklich nicht mehr schön aus, du solltest mehr essen" zu Wort kommen und von Laure entkräften.

    "Tage ohne Hunger" greift ein sehr ernstes Thema auf, das beim Lesen mitunter sehr belastend sein kann, weil es sehr realistisch und schonungslos geschildert wird. Möglicherweise kann es auch bei Personen mit ähnlichen Gedanken eine (erneute) Krankheit triggern. So etwas sollte man vorher bedenken. Der literarische Schreibstil ist dem ernsten und schweren Thema sehr angemessen und die Autorin geht respektvoll mit dem Thema und ihrer Protagonistin um. Es ist ein sehr einfühlsamer Roman, der die dysfunktionale Gedankenspirale sehr deutlich macht und ganz besonders, dass Essgestörte nicht "verrückt" sind oder sich einfach nur anstellen. Man erlebt die Zerrissenheit der Protagonistin hautnah. Mich hat das Buch sehr beeindruckt.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    DUMONT_Verlags avatar

    »Er hat mir das Leben gerettet.«

    Immer wieder wird Laure genau das sagen, auch dann noch, als sie ihre Lebensfreude längst wiedergefunden hat. Mit neunzehn gibt sie ihre lebensgefährliches Bedürfnis nach Kontrolle auf, überlässt sich der Obhut eines Arztes, der ihr hilft, ihre Magersucht zu besiegen.

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