Denis Johnson Ein gerader Rauch

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Inhaltsangabe zu „Ein gerader Rauch“ von Denis Johnson

'Der Gott, an den ich glauben möchte, hat eine Stimme und einen Humor wie Denis Johnson.' JONATHAN FRANZEN Vier Männer und eine Frau verschlägt es in die Katastrophen eines grausamen Dschungelkrieges. Denis Johnson zeichnet ein erschütterndes Porträt ihrer Verzweiflung und ihrer Einsamkeit, der sie zu entkommen suchen. Ein großartiges, bewegendes, sprachgewaltiges Epos über menschliche Getrieben- und Verlorenheit. Ausgezeichnet mit dem National Book Award 2007.

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  • Rezension zu "Ein gerader Rauch" von Denis Johnson

    Ein gerader Rauch

    walli007

    15. February 2012 um 19:48

    Vietnam Kennedy ermordet und Krieg in Süd-Ost Asien. Dort treiben sie sich herum. Amerikaner, Deutsche, Vietnamesen. Geheimdienste, Armeen und keiner kann gewinnen. Alle verlieren, viele sterben, viele kommen in der Heimat nicht mehr klar, viele landen in einer Heimat, die nicht die ihre ist. Bücher von Dennis Johnson sind manchmal schwer verdaulich und schwer zu durchblicken, doch hier hat mich gerade die erste Hälfte sehr positiv überrascht. Zwar gibt es keine für mich erkennbare durchgehende Handlung, doch wird das Kriegsgeschehen in Vietnam so eindringlich und anschaulich geschildert, dass man sich mitten im Geschehen wähnt. Man sieht die Strände, an denen die Soldaten rumlungern, die Strandbars oder die anderen Bars, die Ventilatoren an den Decken, die sich träge in der Hitze drehen. Die Männer in Uniformen oder hellen Anzügen, die etwas zu besprechen haben. Der Krieg als leichte Unterhaltung, eine Zeit, die es totzuschlagen gilt, in der nicht viel passiert. Bis es plötzlich Tote gibt, Wanderungen durch den Dschungel, mit gezogener Waffe, immer einen Hinterhalt vermutend, die Angst gegenwärtig, der unschöne Krieg. Doch je weiter die nicht vorhandene Handlung voran schreiten desto Johnson-typischer und undurchdringlicher wird es, bis zumindest ich nicht mehr wusste, worum es in diesem Buch gegen sollte. Und am Ende hat keiner etwas geschafft, was dann doch sehr realistisch ist. Insgesamt hatte ich hier mal wieder ein Buch, bei dem ich nur empfehlen kann, sich bei Interesse eine eigene Meinung zu bilden.

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  • Rezension zu "Ein gerader Rauch" von Denis Johnson

    Ein gerader Rauch

    PaulTemple

    28. December 2010 um 17:27

    Wer an den Vietnamkrieg denkt, hat oftmals die Bilder von Filmen wie "Platoon" oder dem schier unglaublichen "Apocalypse Now!" vor Augen. Nach dem Lesen dieses Romans jedoch, wird das Spektrum um den Charaktere William Sands und seinem Onkel, dem "Colonel" definitiv erweitert. Der Leser verfolgt in diesem, sprachlich sehr dichtem Werk die Werdegänge der zwei Protagonisten, die Mitte der 60er Jahre euphorisch in den Vietnamkrieg eintreten, aber nach und nach - parallel zur Streitmacht USA - immer mehr Rückschläge einstecken müssen und schließlich scheitern. Dieses Scheitern vollzieht sich auf mehreren Ebenen: militärisch, geistig und persönlich. Die Sinnlosigkeit, Brutalität und der Surrealismus des Vietnamkrieges wird hier ausgezeichnet wiedergegeben, man fühlt sich als Leser quasi mitten im Geschehen.

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  • Rezension zu "Ein gerader Rauch" von Denis Johnson

    Ein gerader Rauch

    Lesemann

    16. May 2010 um 21:28

    Entweder, ich fliege zu oft raus, weil ich ständig Personen verwechsle - oder es liegt daran, dass mir so typische "große amerikanische Erzähler" ein bißchen auf die Nerven gehen ...

  • Rezension zu "Ein gerader Rauch" von Denis Johnson

    Ein gerader Rauch

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    24. February 2009 um 20:39

    „Das Grauen! Das Grauen!“. So erschallt es aus dem fiebrigen Munde des wahnsinnigen Elfenbeinhändlers Kurtz auf den letzten Seiten von Joseph Conrads großartiger Novelle „Herz der Finsternis“. Francis Ford Coppola verfilmte das Buch und verlegte in seiner cineastischen Version „Apocalypse Now“ das finstere Herz in den Vietnamkrieg. Während man bei Conrad und Coppola bis zum Ende warten muss, um dem zwischen Genie und Wahn waltenden Tyrannen zu begegnen, tritt einem der Colonel in Denis Johnsons Epos „Ein gerader Rauch“ schon auf den ersten Seiten entgegen. Doch weder spricht dieser über Albträume, in denen Schnecken über Rasierklingen spazieren, noch zitiert er Lyrik... wir sehen ihn, wie er sich vor einer Bambushütte erleichtert. Und was den Wahnsinn des Colonels angeht, sehen Zeitzeugen diesen darin manifestiert, dass dieser sich den Film eines bestimmten Footballspiels nach Vietnam liefern lässt, um diesen seinen Truppen zeigen zu können. Willkommen in einem der besten und wichtigsten amerikanischen Romane des 21. Jahrhunderts! Der fast 900 Seiten starke Opus Magnum aus der Feder Denis Johnsons liest sich stellenweise, als hätte Kafka einen Kriegsroman geschrieben. In komplexer Form schildert Johnson das Schicksal verschiedener Menschen im Vietnamkrieg: Der an Conrads Charakter erinnernde Colonel, dessen Neffen Skip Sands (im geheimen Auftrag des CIA), die jungen Houston Brüder (die ihrer Provinz durch Einschreibung glauben entronnen zu sein), sowie Kathy Jones (eine Kinderkrankenschwester, die ihren Mann verloren hat) – das ganze umfasst den Zeitraum 1963 bis 1983. Wer hier Dschungelkrieg in Oliver Stone Manier erwartet, dürfte auf dem falschen Kontrollschiff den Fluss entlangfahren. Ganze 400 Seiten vergehen, bis man erstmals Bilder geliefert bekommt, die man aus den Filmen und Büchern dieser Art kennt. Genau genommen spielt der Roman um den Krieg herum. Den Schrecken des Krieges liest man über weite Strecken aus der Rast- und Ziellosigkeit seiner Protagonisten ab („... als ein starker Regen schönem, sonnigem Wetter wich, von dem er sich ausgeschlossen fühlte.“), die sich durch Sex, Literatur und Religion zu retten versuchen, jedoch damit nur noch weiter in die Abwärtsspirale geraten. Pathos und Heldentum sind der Geschichte fremd. In einer Szene erinnert sich der Colonel, wie er während des zweiten Weltkriegs in japanischer Kriegsgefangenschaft war, kurz vorm Sterben stand und dann von einem Mitgefangenen in einer selbstlosen Tat ein hartgekochtes Ei als Geschenk erhielt. Noch Jahrzehnte später treten dem Colonel Tränen in die Augen, wenn er diese Geschichte erzählt, doch als er eben diesem Mitgefangenen später begegnet, ihm dafür dankt, zweifelt dieser erst an der Geschichte, bestreitet es schlussendlich. Ernüchterung und Desillusionierung par excellence! Auch wenn der Roman zum rastlosen durch-die-Nacht-lesen verführt, empfiehlt sich das nicht. Sonst könnten einem die kunstfertig arrangierten Zwillingsmotive entgehen. Während sich die Erzählweise in Form von Ringen darstellt (später wird der Colonel dies gar thematisieren, um psychologische Kriegsführung zu erklären), halten immer wieder Motive und Szenen Einzug, die virtuos verdoppelt werden. Gleich zu Anfang stirbt ein Affe und weint dabei wie ein Mensch, während ihm einer der Houston Brüder, der ihn unmotiviert erschossen hat, dabei zusieht. Später im Roman: Ein Leutnant, der von den eigenen Leuten versehentlich in den Rücken geschossen wurde, liegt in einem Krankenbett und weint dabei wie ein Hund, während ihn der andere Houston Bruder besucht. Und auch die titelgebende Rauchsäule, die der Bibel entnommen ist, aber auch dem Napalm Beschuss des Dschungels gleicht, wird in solch einem Verfahren auftauchen. Nicht immer geben sich diese Doppelungen gleich zu erkennen, oft werden sie verzerrt, so dass man sich ihrer mitunter erst später gewahr wird. Ich möchte erneut auf die Figur des Colonels zurückkommen, denn auch hier walten ähnliche Methoden: Während Conrad und Coppola den Auftritt des Colonels hinauszögern, die Erwartungshaltung des Lesers auf dem Weg zur finalen Konfrontation durch Zeugenaussagen und Dokumente ins Unermäßliche steigern, dreht Johnson das Prinzip geradewegs herum: Wir beginnen mit dem Colonel, wie er leibt und lebt, bis dieser immer rarer wird und schlussendlich nur noch in aufgebauschten Erzählungen und verrückten Magazinbeiträgen in Gestalt tritt – avantgardistischer kann man das vice versa-Verfahren eigentlich nicht verwenden. Johnson hat alles in allem einen postmodernen Ansatz, wie ihn auch der Filmemacher Quentin Tarantino einsetzt (Aussparen eines großen Ereignisses; anfangs beliebig anmutende Chronologie, die später ihren Sinn offenbart). Gab es zu Anfang des 21. Jahrhunderts viele überlebensgroße Romane, deren Lektüre wie ein Erdbeben durrüttelte, deren Erhabenheit einen illuminierte? Eigentlich nein. Am ehesten wohl noch Cormac McCarthys Endzeitroman “Die Straße”. Und betrachtet man sich dieses literarische Duo, geben sich Gemeinsamkeiten zu erkennen. Beide pflegen einen lakonischen Stil, ganz weit entfernt von aufgebauschten Worten und ähnlichen Verzierungen, hier tritt ein Stil auf den Plan, der plätschernd seinen Lauf nimmt, einen aber auch kurzerhand packt und nicht mehr loslässt. Vom Kino sagt man: Gute Kameraarbeit ist jene, wo es nicht auffällt, dass überhaupt eine Kamera geführt wird. Ganz so verhält es sich auch mit Prosa. Um den Horror des Krieges zu veranschaulichen, ihn spürbar zu machen, bedient man sich jeher besonders drastischer Gewalttaten, die immer grausamer werden müssen, weil Gewalt als ästhetisches Mittel Einzug in gegenwärtige Literatur und Filme gehalten hat. Auch Johnson liefert eine solche Szene. Ein Soldat schneidet einem Vietcong das Auge heraus und hält ihm dieses vor das Gesicht, damit er „sich selbst betrachten könne“. Was im ersten Moment pures Grauen evoziert, ist, betrachtet man sich die Symbolik genauer, ein doppelbödiges Spiel, das den Autor ganz klar über alle Gewalt zum Selbstzweck ausschlachtenden Künstler erhebt, ein weiteres mal den Genius des Denis Johnson unterstreicht. Doch wie gelingt es einem Romancier, trotz eines kargen Stils eine Intensität und Dichte zu entwickeln, die an die beklemmende Hitze des Dschungels erinnert, mitunter eine poetische Sprengladung zündet, deren Schlagkraft einen regelrecht zwingt, langsam zu lesen? Auch im Zögern, das auf eine solche Frage folgt, liegen Antworten. Denn so dicht Johnson das Netz spannt, so kryptisch gibt es sich doch auch in manchen Passagen (gerade in jenen Phasen, wo es um psychologische Kriegsführung geht). Anfangs denkt man noch, die Chronologie der Ereignisse wäre unbeholfen, vielleicht sogar bewusst wahl- und ziellos angerichtet, aber je weiter man voranschreitet, umso klarer wird die Genialität, die den Autor hier geritten hat. Sind es Ablenkungsmanöver, wenn Johnson Anspielungen auf Filme wie „Die durch die Hölle gehen“, „Apocalpyse Now“ und „Dead Presidents“ einstreut? Handelt es sich um Täuschungsmanöver, wenn triviale Elemente, wie etwa der deutsche Attentäter (nur vollständig mit Nazivater und bizarren Waffen wie einem Blasrohr), eingesetzt werden? Ein Roman, der den Leser so viele Fragen mitreicht, sich so tief in sein Unterbewusstsein schraubt, dass dieser noch Wochen nach Beendigung der Lektüre die Bilder plastisch in sich trägt, ist heutzutage wahrlich eine Seltenheit. Ein Grund mehr, diesen Roman zu feiern! „Bei der psychologischen Kriegsführung geht es immer um ungewöhnliche Ideen, Mann. Wir blasen einen Gedanken so prall auf, bis er kurz vom Platzen ist. In puncto Wirklichkeit bewegen wir uns auf des Messers Schneide. Genau da, wo sie sich in einen Traum verwandelt.“ Denis Johnson, Ein gerader Rauch.

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  • Rezension zu "Ein gerader Rauch" von Denis Johnson

    Ein gerader Rauch

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    23. January 2009 um 09:29

    „Ein gerader Rauch“ beginnt am Abend der Ermordung von J.F. Kennedy. In zwei Hauptgeschichten, die parallel verlaufen, wird zum einen von Colonel Sands erzählt, der in dem Kriegsgebiet Vietnam eine Abteilung aufbaut, deren erklärtes Ziel es ist, den Feind psychologisch zu unterwandern und durch gezielte Desinformation zu zermürben. Zugleich wird das Schicksal eines Brüderpaares geschildert, von denen der eine Bruder in der Heimat als krimineller Säufer endet, während der andere als brutale Kampfmaschine im Dschungel Vietnams wütet und mordet. In diesem vielschichtigen Elaborat existiert aber noch eine unglaubliche Fülle von Geschichten, Menschen und Schauplätzen wie Arizona, Manila, Kuala Lumpur, der Dschungel und die Bordelle Vietnams. Hier landen Menschen, die in den Krieg getrieben werden: ohne Vorbereitung, ohne zu wissen, was sie dort alles an Elend und Schrecken erwartet. Die Unschuld die sie einst besaßen, verlieren sie in dem Krieg, aus dem keiner schadlos herauskommt – wenn überhaupt lebend. Keiner wird sich jemals wieder im zivilisierten Leben zu Hause fühlen. Denis Johnson beweist mit seinem neuen Roman „Ein gerader Rauch“, dass er zu den wichtigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur gehört. Es ist nicht leicht, sich in diesem Roman zurechtzufinden, die wechselnden Perspektiven und chronologischen Sprünge verlangen dem Leser viel ab, sind aber notwendig, um das Wesen des Krieges zu charakterisieren. Man muss sich als Leser förmlich den Weg durch das undurchdringliche Dickicht des Dschungels frei schlagen. Dieses komplexe Beziehungsgeflecht, die nicht wirklich nachvollziehbare konstruierte erzählerische Ordnung und das Verschmelzen von biblischen als auch literarischen und symbolischen Verweisen sind Programm und verleihen dem wuchtigen Text eine wilde, halluzinogene Wirkung. Hier wird vom abseitigen Amerika erzählt, von Außenseitern und Einzelgängern, Gestrandeten und Freaks. Denis Johnson führt uns den menschlichen Niedergang seiner Protagonisten erbarmungslos vor Augen und zeigt schonungslos, wie der Krieg den Menschen für immer verändert. Der Autor war selbst Kriegsberichterstatter im Irak-Krieg und daher wirkt dieses Plädoyer gegen Krieg und Gewalt so absolut überzeugend. Trotz seines Umfangs von knapp 900 Seiten ist keine Zeile zu viel und dieses weise und ergreifende Buch ist spannend, mitreißend und bewegend, wie ein Faustschlag in die Magengrube. Beim Lesen muss man immer an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und an die Antikriegsfilme „Apokalypse Now“ oder „Die durch die Hölle gehen“ denken. „Ein gerader Rauch“ ist eine gewaltige Metapher für den Irrsinn des Krieges, für den Verlust der Menschlichkeit und das daraus entstehende traumatische Verlorensein. Dennoch schwebt über diesem Buch, das voller Traurigkeit, voller Rätselhaftigkeit, voller Mythen und Symbolik von der unfassbaren Brutalität erzählt, zu der Menschen fähig sein können, eine unzerstörbare Hoffnung. Eine Hoffnung auf Erlösung, Frieden und Sinn.

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  • Rezension zu "Ein gerader Rauch" von Denis Johnson

    Ein gerader Rauch

    LeGrandGris

    22. September 2008 um 16:43

    Johnson schreibt über fünf Schicksale im Umfeld des Vietnam-Krieges - er könnte aber auch den Irak gemein haben.
    Mit diesem Buch zementiert Denis Johnson seinen Ruf, einer der größten lebenden US-Schriftsteller zu sein.

  • Rezension zu "Ein gerader Rauch" von Denis Johnson

    Ein gerader Rauch

    Wolkenatlas

    02. September 2008 um 14:40

    Denis Johnsons neuer Roman „Ein gerader Rauch“ (orig. A Tree of Smoke- auch Gewinner des National Book Award) ist ein faszinierendes literarisches Werk. Ein vielschichtiges Werk mit großartiger Figurenzeichnung und unvergesslichen Protagonisten. Oberflächlich betrachtet, ist dieser am Abend der Ermordung von J. F. Kennedy einsetzende Roman ein „Vietnam Roman“, oder auch eine millionste Aufarbeitung der amerikanischen Verfehlungen und Sünden in Asien. Unter dieser Oberfläche schimmert jedoch viel mehr. Denis Johnson lässt eine Figuren kommentarlos agieren, bewertet nie und zwingt daher den Leser, die Aussage zwischen den Zeilen zu finden. Beeindruckend, wie sich seine Protagonisten entwickeln, wie er die zum Teil nur peripher miteinander verbundenen Schicksale zusammenschweißt. „Ein gerader Rauch“ ist ein sehr kritisches Buch, ein Roman, der die amerikanische Idee des Heldentums und selbsternannten Weltretters (bzw. Gottersatz), wie sie schon in der vierten Strophe des Star-Spangled Banner besungen wird: „Then conquer we must, when our cause it is just. And this be our motto: In God is our trust. And the star-spangled banner in triumph shall wave o’er the land of the free and the home of the brave!” auf konsequente Art und Weise ad absurdum führt. Denis Johnson führt den menschlichen Niedergang seiner Protagonisten erbarmungslos vor, er zeigt schonungslos, wie Krieg den Menschen verändert. „James crouched and duckwalked toward Black Man's position, firing down the hill at muzzle-flash. He knew he was killing people. Moving, that was the trick. Moving and killing he felt wonderful.” Seine Protagonisten finden erst im letzten epilogartigen Abschnitt (der nach einem Sprung von 12 Jahren einsetzt) Ruhe, eine Ruhe, die sich in der Einsamkeit und Entsagung bündelt. Ein mutiger, ein grandios erzählter Roman, ein kompromissloses Abschaben der heldenhaften Fassade der Vereinigten Staaten von Amerika, der trotz seines Umfangs keine einzige Zeile zu viel hat. Spannend, mitreißend und emotionell wie ein Schlag in die Magengrube. Ein weises Buch, das den Leser, wenn er einmal mit Denis Johnson in Saigon gelandet ist, bis zur letzten Seite und darüber hinaus, nicht loslässt. Ein origineller Roman, sicherlich eines der besten (mir bekannten) Plädoyers gegen Krieg und Gewalt, zugleich auch Denis Johnsons bisher bester und wichtigster Roman. Absolute, uneingeschränkte Leseempfehlung.

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