Denise Docekal Realität. Im Grunde ziemlich beschissen.

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Inhaltsangabe zu „Realität. Im Grunde ziemlich beschissen.“ von Denise Docekal

Ana ist 17. Ana ist Schülerin. Ana hat Bulimie. Nach sechs Monaten wird sie nun endlich wieder aus einer Klinik entlassen, wird allerdings direkt mit der Realität konfrontiert. Aber, die Realität ist im Grunde ziemlich beschissen. Ana muss sich zurück in ein geregeltes Leben kämpfen. Ehemalige, hinterlistige Freundinnen, der frauenfeindliche Ex und die eigene Unsicherheit sind dabei aber keine große Hilfe. Wer allerdings eine Hilfe ist, ist Alex. Der Neue. Der Mädchenschwarm will Ana kennenlernen. Er will Ana helfen. Aber ist sie schon soweit? Und wie soll er ihr helfen, wenn er ihr nicht mal die volle Wahrheit gestehen kann? Denn auch Alex hat eine Vergangenheit.
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  • Irgendwie keine Buch über Essstörungen

    Realität. Im Grunde ziemlich beschissen.
    AngelikaKroll

    AngelikaKroll

    20. August 2015 um 23:55

    Als ich mir das Buch ausgeliehen habe, erwartete ich eine Geschichte über Essstörungen. Aber so wirklich bekommen habe ich sie nicht. Antoinette, genannt Ana, ist die Hauptfigur des Buches, lebt mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in Wien. Ana ist 17 und war einige Zeit wegen Bulimie in einer Klinik. Jetzt ist sie wieder zuhause und muss sich erstmal wieder zurechtfinden. Das ist gar nicht so einfach, denn natürlich wird in der Schule getuschelt, was das Zeug hält. Vieles hat sich verändert, während Ana weg war, aber vieles ist auch noch genauso doof wie vorher. Ihr Bruder hilft ihr, wo er kann, doch er kann nicht immer auf sie aufpassen. Doch dann ist da noch Alex, der Neue. Er ist bereits dicke mit Anas Bruder befreundet und hat viel von ihr gehört. Und allein vom Hörensagen her wusste er, dass Ana seine Traumfrei sein könnte. Ana glaubt ihm kein Wort, kann aber nicht leugnen, dass Alex ihr gefällt. Aber irgendwas verbirgt er vor ihr... Das ist die grobe Geschichte. Es geht um Liebe, Freundschaft, Schule - die Essstörung selbst hat kaum eine Bedeutung. Ana hätte auch wegen Drogen oder Krebs in der Klinik sein können, das hätte kaum einen Unterschied gemacht. Das macht die Geschichte nicht unbedingt schlechter, aber wenn die Bulimie als eine von Anas Haupteigenschaften im Klappentext genannt wird, dann sollte sie auch eine wichtigere Rolle spielen.  Der Stil ist gar nicht mal schlecht. Ein wenig schnodderig, ja, aber das ist zielgruppenangemessen und spiegelt auch das Alter der Autorin wieder. Also generell nicht unsympathisch. Allerdings wirkt er auch mich etwas hölzern und krampfhaft darauf bedacht, cool und jugendlich zu wirken. So haben alle Charaktere ausländische (hauptsächlich amerikanische) Vornamen, die auch noch ganz cool abgekürzt werden. Jer(ome), Sam(antha), Michelle, Kim - klar sind das heutzutage normale Vornamen, auch im deutschsprachigen Raum, aber diese Häufung ist schon sehr übertrieben. Ein Thomas oder eine Melanie hätte dem Ganzen nicht geschadet. Tatsächlich habe ich lange Zeit gedacht, das Buch würde in den USA spielen, bis plötzlich deutsche Musik im Radio lief und von Wien die Rede war.  Auch haben die Familien alle ein Haus, die 17-jährigen fahren alle Auto, die Schulzicke ist blond und reich... Das könnte auch 90210 gewesen sein. Also ich hätte mir da etwas mehr Authentizität gewünscht. Das hätte alles glaubhafter gemacht. Was mir ebenfalls nicht gefiel war die Tatsache, dass alles innerhalb von zwei oder drei Wochen spielt. Es passiert sehr viel - Gutes wie Schlechtes - in so kurzer Zeit, dass es einfach nicht glaubhaft ist. Die Masse an Ereignissen an sich ist schon ziemlich übertrieben, aber so viel direkt hintereinander ist absurd. Dadurch haben die Charaktere auch keine Chance, sich zu entwickeln, weil Ihnen so viele Dinge um die Ohren gehauen werden, dass sie nur reagieren können. Mit etwas mehr Zeit wären die Geschichte echter und die Figuren sympathischer rübergekommen. Rechtschreibfehler waren erfreulich wenig zu finden, wobei ich über "fett wie ein Wahl" (kam mehrmals vor) herzhaft lachen musste. Allerdings wurde das ganze Buch hindurch die wörtliche Rede falsch formatiert. So wurde z.B. ein Punkt vor den Anführungszeichen oben gesetzt, der da nicht hingehört (ja, ich bin pingelig). Aber dafür, dass wahrscheinlich kein Lektor drüber geschaut hat, war das alles ganz ordentlich. Das klang jetzt alles nach viel Gemecker, aber ehrlich, das hier ist kein schlechtes Buch. Und ich weiß, dass die Autorin selbst erst 17 ist. Aber ich möchte trotzdem eine ordentliche Rezension geben und keinen Neulingsbonus verteilen. ;) Das Lesen hat mir generell Spaß gemacht, auch wenn es manchmal so wirkte, als müsste bloß jedes Klischee eines Highschool-Dramas abgefrühstückt werden, und das Ende war mir definitiv ZU dramatisch. Aber trotzdem hat das Buch es geschafft, mich bei der Stange zu halten, auch wenn es mich in den Wahnsinn getrieben hat, dass die Figuren in jedem zweiten Satz den Vornamen ihres Gegenübers nennen XD  Die Charaktere (von denen es verdammt viele gab!) waren generell okay, und besonders Jerome als überfürsorglichen Bruder fand ich sympathisch. Wirklich gestört hat mich aber, wie gesagt, die geringe Wichtigkeit der Bulimie. Es gibt quasi keine Rückblicke auf Anas Krankheit vor bzw. in der Klinik, keine wirkliche Klärung der Gründe dafür, es läuft einfach so am Rande mit als Grund für andere, Ana zu mobben. Aber die Krankheit ist in diesem Zusammenhang austauschbar, und das ist einfach zu wenig. Die Autorin gibt selbst zu, nie essgestört gewesen zu sein. Das merkt man. Ich weiß nicht, ob sie während ihrer Recherche zum Buch mit Essgesörten gesprochen hat. Wenn nicht: beim nächsten Mal dringend nachholen! Fazit: Kurzweiliger Roman für Mädchen ab ca. 14 Jahren von einer ebenfalls jugendlichen Autorin, die viel Talent, aber noch wenig Erfahrung hat. Aber da steckt auf jeden Fall viel Potential drin.

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