Deniz Utlu Die Ungehaltenen

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Inhaltsangabe zu „Die Ungehaltenen“ von Deniz Utlu

Elyas lebt in Kreuzberg, verbringt die Nachmittage in der Kneipe und erzählt seiner Mutter irgendwas von Jurastudium. Onkel Cemal ist der Einzige, von dem er sich traurige Wahrheiten sagen lässt. Denn Cemal hat sich Mutterwitz bewahrt, obwohl er zweimal seine Heimat verloren hat: die Türkei und, nach dem Mauerfall, auch seinen Kiez. Aber dann trifft Elyas die Ärztin Aylin – ausgerechnet auf der offiziellen Feier zum Anwerbeabkommen. Sie ist stark und klug, aber auch sie trägt eine Traurigkeit in sich, die die beiden nur gemeinsam loswerden können.

Nun ja, nicht ganz mein Fall

— Wuschelchen99
Wuschelchen99

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  • Die Ungehaltenen

    Die Ungehaltenen
    Wuschelchen99

    Wuschelchen99

    04. June 2014 um 19:41

    Elyas, Sohn türkischer Gastarbeiter, wächst in Berlin-Kreuzberg auf. Er ist sich nicht sicher, ob er Deutscher oder Türke ist. Seine Eltern sind Gastarbeiter der ersten Generation, der Vater totkrank, seine Mutter pflegt diesen. Eigentlich studiert er Jura, worauf seine Mutter sehr stolz ist, aber seine Begeisterung für das Studium ist recht schwankend. Oft läßt er es ganz schleifen, dann ist er wieder mit Eifer bei der Sache, bekommt gute Noten, aber letztendlich wird er doch exmatrikuliert. Bei seinen Touren durch Berlin werden viele seiner Begegnungen geschildert: Sein Kumpel Veit, der mit Elyas Hilfe eine Bar eröffnet, aber Frauen schlägt, Onkel Cemal, welcher Elyas immer wieder aufmuntert und voranbringen möchte. Der Tod des Vaters, zu dessen Beerdigung er nicht mit in die Türkei fliegt, bringt sein Leben vorübergehend durcheinander. Erst nach dem Tod erfährt Elyas von Onkel Cemal Dinge über seinen Vater und seine Mutter, die er nie von den Eltern selbst erfahren hat. Auch das bringt ihn aber nicht weiter auf der Suche nach seinen Wurzeln. Erst die Bekanntschaft mit der Ärztin Aylin, die er durch die Einladung des Berliner Bürgermeisters auf der Jubiläumsfeier des 50. Jahrestages des Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommens, kennen lernte, bringt ihn wieder näher ans Leben heran. Auch sie weiß nicht, wo ihre Wurzeln sind. Doch beide möchten diese zu finden. Eine Reise in die Türkei bringt eine erstaunliche Reise für beide. Hier war ich begeistert über die Hilfsbereitschaft der vielen Verwandten und Bekannten, was als Selbstverständlichkeit dargestellt wird. Durch das ganze Buch zieht sich die Frage der Wurzeln von Migranten. Eine sehr wichtige Frage! Doch mal ehrlich, muss diese Frage so desinteressiert von seiten der Betroffenen angegangen werden? Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass es Elyas doch eher nicht interessiert, woher er kommt oder was er ist. Er hätte hier konsequenter sein können, gleiches gilt für sein Studium. Alles wird angefangen, aber nichts zu Ende gebracht. Vielleicht hatte ich nur das Gefühl, oder der Autor hat es doch absichtlich so gestaltet. Sehr oft mußte ich zurückgehen, um die Stellen noch einmal anzuhören. Leider ergab sich für mich sehr oft keine Lösung. Für mich bliebt bis zum Schluss die Frage offen, wie sich die Geschichte gestaltet hätte, wenn Elyas entweder in Türkei aufgewachsen wäre oder wenn er Deutscher wäre. Wäre er auch so inkonsequent gewesen? Mein Fazit: Das Buch hätte ich sicher nach der Hälfte beiseite gelegt. Das Hörbuch war halt im Auto, so hörte ich doch immer weiter. Der Sprecher Stipe Erceg brachte es sprachlich sehr gut rüber. Doch inhaltlich war ich einfach nicht überzeugt.

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  • Ungehalten

    Die Ungehaltenen
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    04. April 2014 um 11:21

    "Die Ungehaltenen" - welch passender Titel für dieses Debüt von Deniz Utlu. Die Protagonisten, allen voran der im Mittelpunkt stehende Ich-Erzähler Elyas, sind ungehalten in zweierlei Hinsicht: Sie sind rastlos, wütend, unzufrieden mit sich, ihrer Umwelt, der Gesellschaft, wissen irgendwie genauso wenig wohin mit diesem inneren Zorn wie wohin mit sich selbst und ihrem Leben. Sie sind aber auch ungehalten in dem Sinn, dass sie nirgendwo Halt finden. Nicht in den Familien, nicht in Traditionen, nicht in der Gesellschaft. Dabei sind es eigentlich privilegierte junge Menschen. Da ist zum Beispiel Elyas, einziger Sohn türkischer Eltern, die einst als Gastarbeiter unter schwierigen Bedingungen nach Deutschland gekommen sind, hier jahrelang schwer gearbeitet, Familien gegründet und doch nie ganz richtig angekommen sind. Nun müssen sie sehen, dass auch ihre neue Heimat Berlin zusehends verschwindet, sich mit ausufernder Gentrifizierung mehr und mehr verändert. Dem NSU-Fall stehen sie fassungslos gegenüber. Und immer bleibt diese Sehnsucht nach der alten Heimat, die für mich besonders auch darin zum Ausdruck kommt, dass Elyas Vater nach seinem Tod in der Türkei bestattet wird. Dieser schmerzvolle Krebstod wirft Elyas ziemlich aus der Bahn. Schon davor treibt er recht ziellos durchs Leben, studiert seinen Eltern zuliebe recht lustlos Jura, kann dort auch ohne große Mühe gute Leistungen erbringen, zieht aber statt dessen lieber mit eher zweifelhaften Freunden durch die Bars Berlins, trinkt, macht wahllose Frauenbekanntschaften, bekommt sein Leben nicht in den Griff. Im Hintergrund immer dieses Gefühl als Deutscher mit "Migrationshintergrund" doch nie richtig dazuzugehören. Im Gegensatz dazu verbindet ihn mit seinen Eltern und seinem Nenn-Onkel Cemal ein sehr liebevolles, verantwortungsvolles Verhältnis, auch wenn Elyas immer wieder versucht sich dem zu entziehen. Auch die junge Ärztin Aylin gehört zu den "Ungehaltenen". Auch sie, äußerlich sehr erfolgreich und integriert, hadert mit ihrem Status als Deutsch-Türkin. Die Ehe ihrer Eltern ist zerbrochen, die Mutter in die Türkei zurückgekehrt. Nun ist auch ihr Vater sterbenskrank. Durch die Ähnlichkeit ihrer Situation kommen sich Elyas und Aylin näher, beide sind von einer tiefen, dumpfen Traurigkeit bestimmt. Zunächst unabhängig voneinander fliehen beide regelrecht nach Istanbul. Aus dem Berlinroman wird nun eine Art Road-novel, als die beiden zusammen mit dem ebenfalls in der Türkei weilenden Berliner Freund Hekim nach Trabzon, im Nordosten der Türkei am schwarzen Meer gelegen fahren. Aber auch hier müssen sie erfahren, dass sich an ihrer Orientierungslosigkeit auch durch eine "Rückkehr" nichts ändert. Weiterhin müssen sie sich damit auseinandersetzen, was Elyas einmal so ausdrückt: "Die Aufgabenstellung, die unlösbar war, bestand nur aus zwei Silben, nur aus einem einzigen Wort. Sie hieß: Le-be!" Deniz Utlu schreibt in einer jungen, rauen Sprache, die manchmal ins poetische kippt, dann manchmal auch leicht den Kitsch streift, aber immer authentisch wirkt. Sie beschreibt anschaulich den Kampf um Orientierung, um einen Platz in der Gesellschaft, den viele junge Menschen, nicht nur mit Migrationshintergrund kämpfen. Besonders beeindruckend ist er da, wo er von der Elterngeneration erzählt, Rückblicke in die 60er und 70er Jahre gibt, in der soviel Hoffnung bestand. Dass viele dieser Hoffnungen scheiterten, sollte auch uns etwas ungehalten machen. Stipe Erceg liest das Buch spröde und leicht gebrochen vor, was sehr gut zum Protagonisten passt. Ein "Hörgenuss" ist es eher nicht.

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