Deniz Yücel

 4.6 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Agentterrorist, Wir sind ja nicht zum Spaß hier und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Deniz Yücel

Renommierter Schriftsteller und Journalist: Der deutsch-türkische Journalist und Schriftsteller İlker Deniz Yücel wurde 1973 in Flörsheim am Main geboren. Nach seinem Studium der Politikwissenschaften hat er als Redakteur bei der Tageszeitung und Wochenzeitung Jungle World sowie als freier Schriftsteller gearbeitet. 2014 wurde sein erstes Werk "Taksim ist überall – Die Gezi-Bewegung und die Zukunft der Türkei" veröffentlicht. Als Türkei- Korrespondent bei der Welt setzt er sich seit 2015 kritisch mit den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Zuständen auseinander und wird auch deshalb 2017 bei einer Reise in das Heimatland seiner Eltern verhaftet. Während seines Gefängnisaufenthaltes beschließt er seine Lebensgefährtin Dilek Mayatürk zu heiraten. 2018 erscheint ein Sachbuch "Wir sind ja nicht zum Spaß hier" von ihm, in welchem er journalistische Texte der vergangenen 14 Jahre und ein paar seiner Texte, die im Gefängnis entstanden veröffentlicht. 2011 wird ihm der Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik verliehen und 2017 wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Außerdem nahm er nach seiner Freilassung 2018 den M100 Medienpreis des M100 Sanssouci Colloquiums in Potsdam entgegen.

Alle Bücher von Deniz Yücel

Cover des Buches Agentterrorist9783462000429

Agentterrorist

 (6)
Erscheint am 05.11.2020
Cover des Buches Wir sind ja nicht zum Spaß hier9783960540731

Wir sind ja nicht zum Spaß hier

 (6)
Erschienen am 14.02.2018
Cover des Buches Taksim ist überall9783960540465

Taksim ist überall

 (2)
Erschienen am 12.04.2017
Cover des Buches Agentterrorist9783864846649

Agentterrorist

 (1)
Erscheint am 28.10.2020
Cover des Buches Wir sind ja nicht zum Spaß hier9783954716265

Wir sind ja nicht zum Spaß hier

 (0)
Erschienen am 18.04.2018

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Neue Rezensionen zu Deniz Yücel

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Rezension zu "Agentterrorist" von Deniz Yücel

Sehr beeindruckend !
Die-Rezensentinvor 6 Monaten



Bevor er 2017 in der Türkei inhaftiert wurde, kannte ich Deniz Yücel nicht.

Doch durch die vielen Medienberichte habe ich einiges von #FreeDeniz mitbekommen und die Entwicklungen dann interessiert verfolgt.

Auf der Buchmesse im Oktober 2019 habe ich ihn Live bei einer Diskussionsrunde erlebt und war ziemlich beeindruckt. Daraufhin habe ich dann direkt sein Buch gelesen.

`Agentterrorist` beginnt in der Zeit vor der Festnahme, Deniz Yücel war damals Türkeikorrespondent der „Welt“ und lebte in Istanbul. Zu diesem Zeitpunkt war er noch der Auffassung, ihm könne nicht wirklich viel passieren, wenn er seine Meinung kundtat. Doch das stellte sich als schrecklicher Irrtum heraus.

Nach einem längerem Aufenthalt in Polizeigewahrsam wurde er im März 2017 in das Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr.9 verlegt.


Deniz Yücel berichtet ausführlich, unter die Haut gehend, wie eine Anklage in der Türkei abläuft -  dass Richter und Staatsanwälte meist in der gleichen Wohnanlage wohnen, zusammen im Dienstwagen zum Prozess fahren und dementsprechend auch die Verhandlungen laufen. Für die Urteilsbesprechungen werden die Anwälte aus dem Saal geschickt, die Staatsanwälte bleiben. Es waren extrem viele, für uns unfassbare Dinge, die Yücel erzählt hat. Wäre es nicht so schreckliche Realität, ich hätte es schon fast wie einen Krimi gelesen.

Allerdings habe ich mich mit dem Lesen auch immer wieder schwergetan. Yücel schreibt sehr sprunghaft, kommt vom `Hölzchen auf Stöckchen´, wie man sagt. Gerade berichtet er aus dem Gefängnis, im nächsten Satz  geht es um andere Personen in einem anderen Jahr und im dritten Satz wieder um etwas anderes. Auch wurden sehr viele Leute namentlich genannt, die wohl niemand im Nachhinein noch wirklich auseinanderhalten konnte. Journalisten, Zeitungsmitarbeiter insgesamt, Politiker, Staatsanwälte, Freunde, Richter, Gefängnisinsassen usw. Sicher lag es teilweise auch an den fremd klingenden Namen.

Auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass der Stoff  bestimmt für drei Bücher gereicht hätte.

Deniz berichtet über seine Isolationshaft mit den üblichen Schikanen, aber auch über Freundschaft, Liebe und kleine Glücksmomente. Es heißt immer wieder kämpfen, sich nicht hängen lassen, nicht aufgeben.

Durch geschickte Überlistung seiner Wärter und Aufsichtsbeamte schafft er es in der Zeit, ein Buch zu schreiben und es hinauszuschmuggeln. Die Art und Weise, wie er das angestellt hat, ließ mich oft schmunzeln, genau wie einige andere Szenen, was mir zeigt, dass er seinen Humor trotz allem nicht verloren hat.

Streckenweise bewundere ich Yücel, andererseits hätte ich ihn manchmal am liebsten geschüttelt, und ich glaube, seiner Ehefrau ging es ähnlich. Sie hätte ihn sich sicher oft weniger forsch gewünscht -  z.B. duzt der Staatsanwalt ihn einfach, Deniz lässt sich das nicht gefallen, duzt zurück, genau wissend, dass ihm das nicht von Vorteil sein kann. Aber er ist ein Kämpfer und garantiert kein Feigling.

Auch zu verschiedenen Zitaten, die immer wieder im Internet auftauchen, nimmt er Stellung. Es handelte sich damals um Satire, doch was einmal, aus dem Zusammenhang gerissen, geschrieben steht, bleibt so und taucht immer wieder auf.

Ich fand ´Agentterrorist´ hochinteressant, spannend, manchmal erschreckend, manchmal auch durchaus amüsant - vor allem, weil ich mich für dieses Thema vorher nicht sonderlich interessiert habe und ich nun ganz neue Einblicke bekommen habe.


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Rezension zu "Wir sind ja nicht zum Spaß hier" von Deniz Yücel

Verdiente Solidarität
Trotatvor einem Jahr

Über dieses Buch muss man zunächst einmal wissen, dass es während der ca. einjährigen Haft des Autors in der Türkei entstanden ist. Es handelt sich nicht um ein in sich geschlossenes Werk, sondern um eine Sammlung zahlreicher Texte Yücels. 
Diese Texte handeln von unterschiedlichsten Themen. Es geht um Pegida, die EU, Fußball, deutsche Bundespräsidenten und vieles mehr. Jeder Text entstand vor einem anderen Hintergrund und ist nicht unbedingt noch aktuell. Aber jeder Text schafft einen Zugang zum Autor und vervollständigt ein Bild, mit dem sich verstehen lässt, warum er sowohl bei hiesigen Regierungsanhängern als auch bei Rechten in Deutschland derart unbeliebt ist. 
Ganz abgesehen davon lohnen sich viele Texte, die als Zeitungsartikel erschienen, auch deshalb, da sie bestimmte Ereignisse noch einmal explizit und detailliert ins Gedächtnis rufen.

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Zusätzliche Informationen

Deniz Yücel wurde am 10. September 1973 in Flörsheim am Main (Deutschland) geboren.

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