Dennis Bauers Alice Baker

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Inhaltsangabe zu „Alice Baker“ von Dennis Bauers

Carl „Cowboy“ Johnson ist Mitglied der Aryan Brotherhood, einer berüchtigten Gefängnisgang. Bereits in frühester Kindheit war sein Leben von Gewalt und Verbrechen geprägt. Während seiner Odyssee durch verschiedene Strafanstalten arbeitete er sich zu einem Anführer innerhalb der Aryan Brotherhood hoch. Doch auch schon vor seiner Inhaftierung war sein Leben alles andere als einfach. Nach der Trennung seiner Eltern lebte er einige Jahre in der Obhut einer Pflegefamilie und im Anschluss danach in einer Erziehungsanstalt für Jugendliche. Auf den Straßen Kaliforniens lebte er ein Leben auf der Überholspur, das ihn schließlich ins Gefängnis brachte.Alice Baker ist eine Achterbahnfahrt durch Carl Johnsons Leben. Emotional, bösartig, ungeschminkt und ehrlich. Die Intensität seiner Worte ist schmerzhaft und verstörend, bis zum bitteren Ende.

Schockierend und ehrlich, einfach faszinierend!

— Wortmagie
Wortmagie

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  • Seelenstrip der schockierendsten Sorte

    Alice Baker
    Wortmagie

    Wortmagie

    03. June 2014 um 13:47

    Seit vielen Jahren hege ich ein deutliches Interesse für gesetzlose Organisationen. Das beginnt bei den Hell's Angels, reicht über den Ku-Klux-Klan und endet bei Sekten im weitesten Sinne. Für mich war es daher kein großer Schritt, mir "Alice Baker - Mein Leben in der Aryan Brotherhood" zu besorgen. Bevor ich detailliert meine Eindrücke dieses Buches beschreibe und die Hintergründe dieser erkläre, möchte ich der verehrten Community einen Hinweis zu meinem Lesevergnügen geben: Ich habe dieses Buch innerhalb weniger Stunden ausgelesen. Ich fing etwa gegen 16 Uhr an und war gegen 01 Uhr morgens fertig. So sehr hat es mich gefesselt. Normalerweise bemühe ich mich, in meinen Rezensionen zumindest kurz auf den Inhalt einzugehen. Darauf möchte ich hier jedoch bewusst verzichten. "Alice Baker" ist ein biografischer Roman, es steht mir nicht zu, das Leben des Carl "Cowboy" Johnson wiederzugeben. Meiner Meinung nach ist es sein exklusives Privileg, sein Leben vor dem Leser auszubreiten, da er sich dazu entschlossen hat, mit Hilfe des Autoren Dennis Bauers der Öffentlichkeit einen tiefen Einblick in seine Gedankenwelt zu geben. Ich bin der Ansicht, dass das für ihn keine leichtfertige Entscheidung war, daher sollte man dieser Respekt zollen und ihm das Erzählen überlassen. Wie ich bereits schrieb, habe ich das Buch innerhalb weniger Stunden verschlungen. Haben mich die Gewalt, die Brutalität und die Skrupellosigkeit in Johnson's Schilderungen schockiert? Definitiv. Doch hat es mich dazu gebracht, ihn und seine ganze (kriminelle) Welt strikt abzulehnen? Nein. Natürlich bin ich persönlich der Meinung, dass Gewalt nie ein Mittel sein kann und keine Lösungen in sich birgt. Im Grunde wird das auch durch Johnson's Darstellung seines Lebens bestätigt, da er selbst rasend schnell in den Teufelskreis aus Aktion und Reaktion, den gewaltsames Verhalten mit sich bringt, gerät und dort auch bleibt. Tatsächlich konnte ich mich aber der Logik, die seinem Verhalten inne ist, basierend auf seinen Gedankengängen und Schlussfolgerungen, nicht entziehen. Ich verstehe nicht, wie er sein Leben lang soviel Hass empfinden konnte, ohne daran irgendwann zu zerbrechen und einfach... müde zu werden, denn Hass ist anstrengend und zehrt. Doch ich kann durchaus nachvollziehen, dass seine Denkweise für ihn automatisch zu diesen massiv gewalttätigen Ausbrüchen führen musste. Ich kann nachvollziehen, dass es für ihn logisch war. Seine Schilderungen waren so hemmungslos ehrlich und drastisch, dass ich glaube, dass ich mich in ihn einfühlen konnte und auf diese Art sein Leben zumindest ansatzweise verstehen kann. Johnson's Weg ist nicht mein Weg und wird auch nie mein Weg werden. Doch ich gestehe, dass mich auch seine Kompromisslosigkeit beeindruckt hat. Vielleicht ist es dieses typische Frauen-Syndrom, immer die großen, bösen Jungs anziehend zu finden, die sogenannten Bad Boys. Ich glaube allerdings eher, dass es daran liegt, dass Johnson etwas ausgelebt hat, was sich viele wünschen (auch wenn der Großteil es sicherlich nicht zugeben würde): er tat, was er wollte, wann er wollte, wie er wollte, ohne Rücksicht auf Verluste. Er lebte im Grunde komplett nach seinen eigenen Regeln, auch im Gefängnis. Ich bin zwar der Meinung, dass auch seine Ansprüche sich den Situationen, in denen er sich befand, stark angepasst haben, vermutlich sogar ohne dass er es selbst merkte, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass er immer einen Weg fand, seinen Willen durchzusetzen. "Fressen oder gefressen werden", das war seine Lebensdevise. Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass die Macht, die Johnson viele Jahre lang ausübte und empfand, für viele berauschend gewesen wäre. Kann man es ihm verdenken, dass er dieses Machtgefühl geil fand? Ich finde nicht, denn wenn man ehrlich zu sich selbst ist, stellt man schnell fest, wie gern man selbst so großen Einfluss hätte, wie Johnson ihn innerhalb und außerhalb des Gefängnisses ausgeübt hat. Es geht nicht mal um die Richtung des Einflusses - ich will hier niemandem unterstellen, gern über Leben und Tod von Menschen gebieten zu wollen, aber es geht um Ansehen und Prestige im Allgemeinen. Wäre es nicht schön, wenn es Leute gäbe, die ausführen, was du möchtest und deine Wünsche erfüllen, nur weil DU es bist, der diese Wünsche äußert? Widmen wir uns nun dem Thema Aryan Brotherhood. Ist Carl Johnson ein Rassist, weil er Mitglied und Führungspersönlichkeit in dieser weißen kriminiellen Organisation ist? Nein. Er sagt es selbst und ich möchte es hier betonen: er empfindet keinen Fremdenhass. Er empfindet Hass auf diejenigen, die sich ihm und seinen Plänen in den Weg stellen. Welche Hautfarbe oder Abstammung diese Menschen haben, ist ihm völlig egal, es kommt für ihn auf das Gleiche hinaus: sie müssen sterben. Ich bin mir völlig sicher, er hätte die gleiche Karriere hingelegt, wäre er schwarz. Sein fragwürdiger Aufstieg hat in keinerweise etwas mit seiner Hautfarbe zu tun. Sicher, es wäre eine andere Gang geworden, er wäre über andere Leichen gegangen, aber das Ergebnis wäre das Gleiche. Warum? Weil er immer bereit war, das zu tun, was nötig war, um ihn selbst und seine Bruderschaft voran zu bringen. Carl Johnson schaffte es tatsächlich, Loyalität und Opportunismus in sich zu vereinen. Zu allerletzt möchte ich den zukünftigen LeserInnen noch einen Hinweis geben: im Buch sind einige Fotos von Kriminellen abgedruckt, die Johnson während seiner Laufbahn begegnet sind. Doch niemals er selbst. Ich habe mich beim Lesen bereits darüber gewundert, im Nachwort wurde es dann erklärt: Carl "Cowboy" Johnson ist ein Pseudonym. Sein Name wurde vom Autor geändert, was ich für eine respektvolle Maßnahme halte. Johnson bietet dem Leser einen Seelenstrip, ein wenig Anonymität sollte ihm zugestanden werden. Ich gebe zu, dass ich furchtbar neugierig war, wie der Mann aussieht, über dessen Leben ich so viel erfahren durfte. In Folge dessen habe ich recherchiert und habe versucht, herauszufinden, wer er ist. Mich interessiert sein wahrer Name eigentlich nicht, aber den braucht man nun mal, um ein Foto zu finden. Schande über mich. Ich möchte dem Autor aber hier ein Kompliment aussprechen: obwohl ich einige Erfahrungen in der Recherche habe und einigen Hinweisen im Buch nachgegangen bin, konnte ich nicht das Geringste finden. Das mag daran liegen, dass das Buch etwa 2001 endet. Das bedeutet, dass die letzten einschneidenden und beschriebenen Erlebnisse in Johnson's Leben mehr als 10 Jahre zurück liegen. In Zeiten des schnelllebigen World-Wide-Web ist es nur durch einen sehr hohen Recherche-Aufwand möglich, so "alte" Informationen zu finden, besonders, wenn es Nachrichten betrifft. Ich frage mich nun, ob es so lange gedauert hat, das Buch fertig zu stellen oder ob diese Taktik vielleicht sogar beabsichtigt war, um Johnson den höchstmöglichen Schutz zu bieten. Sollte letzteres der Fall sein, kann ich Dennis Bauers nur meinen zutiefst empfundenen Respekt aussprechen. Insgesamt ist es ein schockierendes, faszinierendes Buch, das mich wirklich gefesselt hat. Es ist in keinsterweise voyeuristisch, es bietet einfach nur eine komplett andere Sichtweise auf das Leben, die Gesellschaft und den daraus folgenden Konsequenzen. Wer ehrliches Interesse daran hat, seinen Horizont zu erweitern und nicht auf eine simple Aneinanderreihung brutaler Gewalt aus ist, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

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