Mit Alles, was heilig ist habe ich nun den dritten Band der Kenzie-&-Gennaro-Reihe gelesen – und spätestens jetzt ist klar: Dennis Lehane hat ein außergewöhnliches Talent dafür, Figuren weiterzuentwickeln, ohne dass sie ihre innere Wahrheit verlieren.
Was diese Reihe bisher für mich so besonders macht, zeigt sich auch hier wieder: Die Bücher ähneln sich auf gewisse Weise, sind aber gleichzeitig komplett unterschiedlich. Jeder Band setzt andere Schwerpunkte, ohne dass die Reihe ihren Kern verliert. Gerade deshalb kann ich bisher nicht sagen, welcher der stärkste ist.
Die große Stärke dieses dritten Bandes liegt für mich in Patrick Kenzie und Angela Gennaro selbst. Die beiden kommen sich hier spürbar näher, aber nie losgelöst von dem, was vorher passiert ist. Die Ereignisse des Vorgängerbandes hängen wie ein dunkler Schatten über der Geschichte, ohne sie zu erdrücken. Lehane erzählt das nicht ausschweifend noch einmal aus, sondern lässt die Vergangenheit einfach nachwirken – und genau dadurch wirkt sie umso stärker. Die Gefühle der Figuren sind dabei so greifbar beschrieben, dass man sie als Leser fast selbst empfindet.
Auch die Story ist beeindruckend konstruiert. Sehr früh fällt sinngemäß der Gedanke, dass man hier nichts einfach so glauben darf – und genau so liest sich der Roman dann auch. Immer wieder denkt man, man sei der Geschichte einen Schritt voraus, nur damit sich Zusammenhänge neu ordnen und Dinge plötzlich in einem anderen Licht erscheinen. Diese Wendungen wirken nie überzogen und nie willkürlich. Lehane verwirrt nicht um der Verwirrung willen, sondern steuert die Wahrnehmung des Lesers mit erstaunlicher Präzision.
Genau darin liegt für mich die eigentliche Meisterschaft dieses Romans: in seiner Plotmechanik. Wenn scheinbar zufällige Dinge passieren, sind sie so gut vorbereitet, dass sie sich vollkommen organisch anfühlen. Nichts wirkt bequem oder konstruiert. Alles gehört genau dorthin, wo es passiert.
Auch die Ermittlungsarbeit ist wieder ein Traum. Die Geschichte entwickelt sich mit einer Selbstverständlichkeit, die man nur selten liest. Und selbst das Ende bleibt dieser Linie treu: kein überladener Showdown, keine Effekthascherei, kein künstliches Spektakel. Die Auflösung bleibt vergleichsweise reduziert – und wirkt gerade deshalb so stark.
Denn Lehane will hier nicht mit Explosionen oder großen Actionmomenten beeindrucken. Er will, dass wir uns in Kenzie und Gennaro verlieben. Und genau das gelingt ihm seit Band 1.
Fazit:
Alles, was heilig ist ist ein weiterer herausragender Band dieser Reihe – emotional dicht, erzählerisch präzise und mit einer Plotmechanik, vor der man nur den Hut ziehen kann. Lehane beweist erneut, dass große Spannung nicht laut sein muss, sondern aus Figuren, Atmosphäre und einem meisterhaft gesteuerten Blick auf die Wahrheit entstehen kann.































