Derf Backderf

 4 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Mein Freund Dahmer, My Friend Dahmer und weiteren Büchern.
Derf Backderf

Lebenslauf von Derf Backderf

Derf Backderf oder nur Derf ist ein Pseudonym des US-amerikanischen Comiczeichners John Backderf. John Backderf wurde 1956 in Richfield, Ohio geboren und wurde durch seine, in ca. 100 Tageszeitungen veröffentlichte Comicserie "The City", bekannt. 2006 erhielt er dafür den Robert F. Kennedy Journalism Award. Seine Graphic Novel "My Friend Dahmer" (dt. "Mein Freund Dahmer") handelt von Jeffrey Dahmer, einem Serienmörder, der mit Derf zur Highschool ging.

Alle Bücher von Derf Backderf

Mein Freund Dahmer

Mein Freund Dahmer

 (16)
Erschienen am 12.04.2013
My Friend Dahmer

My Friend Dahmer

 (2)
Erschienen am 19.03.2012
Mi amigo Dahmer

Mi amigo Dahmer

 (0)
Erschienen am 01.01.2014

Neue Rezensionen zu Derf Backderf

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katzenminzes avatar

Rezension zu "Mein Freund Dahmer" von Derf Backderf

Sehr gelungenes Portrait
katzenminzevor 10 Monaten

Sehr gelungenes Portrait

Als sein ehemaliger Klassenkamerad Jeffrey Dahmer als Serienmörder verhaftet wurde, war Derf Beckderf verständlicherweise geschockt. Schon damals begann er, die Erinnerungen an den seltsamen Einzelgänger Jeff und ihre gemeinsame Schulzeit zeichnerisch zu verarbeiten. Doch erst nachdem Dahmer dann im Gefängnis ermordet wurde, setzte er sein Projekt konsequent in die Tat um. Und auch danach vergingen noch einmal Jahre mit Recherche, Zeichnen und Verlagssuche. Was aber letztlich dabei herausgekommen ist, kann sich wahrlich sehen lassen!

Backderf zeichnet das Bild eines seltsamen und verstockten Einzelgängers, der sich durch seine Teenagerzeit mogelt, ohne groß gesehen zu werden. Weder seine Eltern noch seine Lehrer wollen gemerkt haben, wie schlecht es dem jungen Jeff ging. Die einen waren mit ihren Eheproblemen beschäftigt, den anderen war es wohl schlicht und einfach egal. Mit dem Jungen, der schon mit 15 zu harten Alkoholika greift, um seine Gedanken zum Schweigen zu bringen, der im Wald auf Bäume einschlägt, weil er die Streitereien seiner Eltern nicht erträgt, kann man schon Mitleid haben. Backderf macht aber auch klar, dass sein Mitleid an dem Punkt endet, an dem Dahmer zu morden anfängt – und nicht damit aufhört.

Wer übrigens Nervenkitzel sucht oder möglichst Blutrünstiges sehen möchte, ist hier falsch. Um die Morde selbst geht es nicht. Nur um den Teenager Dahmer wie Backderf und seine Klassenkameraden sich an ihn erinnern. Die Mischung zwischen der unbeschwerten Highschoolzeit seiner Freunde und der Düsternis und Ignoranz in Dahmers Leben ist toll umgesetzt. Die Zeichnungen in Backderfs speziellem Stil – comichaft aber irgendwie modern und einprägsam - haben sehr gut zur Story gepasst. Auch der Aufbau ist klasse gemacht. Gerade die letzten zwei Szenen der Novel sind grandios gewählt. Dass Beckderf auch noch ein Vorwort angefügt hat, fand ich sehr gut. Entstehung und Intention der Novel sind darin sehr gut erklärt.

Einzig zu kritisieren habe ich, dass das Nachwort von Lutz Göllner – wer ist das überhaupt? - etwas an der Geschichte vorbei geschrieben ist. Man hätte es ohne weiteres weglassen können. Und leider haben sich ein paar ganz blöde Tippfehler eingeschlichen. Drei sind mir aufgefallen. Einer davon war beispielsweise „Mobster“ statt „Monster“. Das tut schon ein bisschen weh, vor allem weil man merkt, wie viel penible Arbeit Backderf in die Novel gesteckt hat. Da hätte der deutsche Verlag sorgfältiger sein müssen!

Bis auf diese Kleinigkeiten ist Mein Freund Dahmer eine erstaunlich einfühlsame und akkurat recherchierte Geschichte über die Teenagerzeit des späteren Serienmörders. Klasse umgesetzt im individuellen Stil von Backderf. Man merkt, wie viel Arbeit und Gedanken darinstecken. Die Ballance zwischen Düster und Unterhaltsam ist sehr gut gelungen. Ganz nebenbei liebe ich Cover und Haptik der Novel. Backderf hat einen klasse Job gemacht! Hut ab!

Kommentare: 3
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LaLectures avatar

Rezension zu "My Friend Dahmer" von Derf Backderf

Erschreckende und interessanter Blickwinkel auf die Jugend eines Serienmörders
LaLecturevor 4 Jahren

Inhalt

Derf Backderf, der mit dem späteren Serienmörder Jeffrey Dahmer zur Schule ging, erzählt in diesem Graphic Novel von Dahmers einsamer Jugend, von Eltern, die sich nicht um ihren verhaltensauffälligen Sohn kümmerten, Lehrern, die sich nicht für die häufige Abwesenheit und den Alkoholkonsum ihres Schülers interessierten und Mitschülern, die den seltsamen Schulkameraden ausgrenzten, kurz: von all den Menschen, die Dahmer vielleicht hätten helfen und vielleicht hätten verhindern können, dass er zum Killer wurde.

Meinung

Stell dir vor, du hast ein Mitschüler, den alle irgendwie belächeln, weil er so seltsam ist, und der als eine Art Attraktion in der Schule gilt, weil er durch seine Imitationen geistig Behinderter Aufmerksamkeit erregt. Stell dir vor, du wärst locker mit diesem Mitschüler befreundet gewesen, hättest dich aber nie großartig für sein Leben und seine Probleme, beispielsweise seinen übermäßigen Alkoholkonsum, interessiert.
Was würdest du tun, wenn du 13 Jahre später erfahren würdest, dass dieser Mitschüler einer der grausamsten Serienkiller der letzten Jahrzehnte geworden ist?

Genau das ist dem Autor und Zeichner dieses Graphic Novels, Derf Backderf, passiert. Und obwohl er Dahmers Taten selbstverständlich nicht entschuldigen kann oder will, hat er etwas Mitleid mit dem jungen Dahmer, den er kannte, der noch nicht getötet hatte, aber dringend Hilfe brauchte.
Daher hat er sich entschieden, die Geschichte dieser traurigen Jugend aus seinen Erinnerungen, denen seiner Schulfreunde, den FBI-Akten und diversen Interviews mit Dahmer und seinen Eltern zu rekonstruieren.
Herausgenommen ist ein ziemlich bedrückender und interessanter Graphic Novel, der dem Leser zeigt, dass ein Mensch nicht als Serienmörder geboren wird, sondern dass man solchen Menschen trotz ihrer gewalttätigen Fantasien und Veranlagungen oft noch helfen könnte, wenn man ihre Probleme rechtzeitig erkennen würde.
Dabei verzichtet der Autor auf ausführliche Beschreibungen von Dahmers Verbrechen und überhaupt fast gänzlich auf die Erwähnung der meisten Morde, sondern konzentriert sich lediglich auf die Jugend Dahmers bis zum ersten Mord, dem ersten Moment, in dem der spätere Serienmörder seinen Fantasien und Trieben nachgab.

Den Ansatz dieses Buches finde ich wirklich interessant, denn wie oft fragt man sich, wenn man von den Verbrechen eines Serienmörders hört, wie ein Mensch nur dazu kommt, so etwas Furchtbares zu tun. Selbstverständlich lassen sich durch eine einsame Jugend nicht sämtliche Verbrechen erklären, genauso wenig wie sich Dahmers Gewaltfantasien erklären oder seine Verbrechen entschuldigen lassen, doch ich finde Backderfs Herangehensweise an das Thema wichtig, um zu zeigen, dass man vielleicht Verbrechen verhindern oder allgemein Menschen zu besseren Menschen machen könnte, wenn man sich mehr für seine Mitmenschen interessiert, sich um sie kümmert und nicht wegsieht, wenn man merkt, dass sie Probleme haben.

Bewundernswert finde ich dabei, dass der Autor nicht davor zurückschreckt, seine eigene Rolle in Dahmers Jugend ehrlich zu schildern, wobei ein nicht gerade positives wenn auch verständliches Bild herauskommt. Backderf selbst war ein Jugendlicher, wie viele andere, der sich für die meisten seiner Mitschüler nur in der Schule interessierte, während ihr Privatleben und ihre Probleme ihn ansonsten nicht interessierten. Auch mir Jeffrey Dahmer ging es ihm damals so, denn obwohl er beispielsweise von dessen Alkoholabhängigkeit wusste, bot er ihm nie Hilfe an und fragte ihn nie nach den Gründen dafür.

"Where were the damn adults?"
- p. 67

Was mir in Backderfs Erzählung allerdings fehlt, ist eine Auseinandersetzung mit seiner eigenen Rolle, beispielsweise die Frage, ob er es bereut, sich nicht mehr um Dahmer gekümmert zu haben. Immerhin stellt er in seinem Buch mehr oder weniger deutlich die These auf, man hätte Dahmers Verbrechen vielleicht verhindern können. Stattdessen schiebt er die Schuld an Dahmers problematischer Jugend größtenteils auf die Erwachsenen in seinem Leben, obwohl man doch meinen sollte, dass ein 17- bis 18-jähriger Jugendlicher ebenfalls in der Lage sein sollte, sich für seine Mitmenschen zu interessieren.


Fazit

"Mein Freund Dahmer" ist die bedrückende, aber sehr interessante Geschichte der Jugend eines Serienmörders, die besonders dadurch interessant wird, dass sie von einen ehemaligen Mitschüler Dahmers erzählt wird und somit zeigt, dass Dahmers Mitmenschen bereits in dessen Jugend hätte auffallen müssen, dass er schwerwiegende Probleme hat. Während diese Aussage des Buches sehr wichtig und interessant ist, fehlt es mir allerdings, gerade wegen des autobiografischen Aspekts, an einer persönlichen Reflexion des Autors in Bezug auf seine eigene Rolle, weshalb ich nur 4 Sterne vergebe.

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Mueli77s avatar

Rezension zu "Mein Freund Dahmer" von Derf Backderf

Packend und glaubwürdig mit ein paar kleinen Mankos
Mueli77vor 5 Jahren

Die 70er Jahre in der US-Kleinstadt Akron. Hier sind Jeffrey Dahmer und Derf Backderf zur Schule gegangen. Eine Zeit lang waren sie sogar so etwas ähnliches wie Freunde. Doch richtige Freunde hatte Dahmer nie. War er anfangs noch ein Schüler unter vielen, unsichtbar und nach außen hin ohne Probleme, so entwickelte er sich binnen seiner Highschoolzeit zu einem merkwürdigen Menschen. Sein Verhalten führte zu den verschiedensten Reaktionen. Während seine Mitschüler über seine „Dahmerismen“, merkwürdige Ticks, welche er von seiner Mutter übernommen hatte, noch lächelten, schienen seine persönlichen Probleme, welche er mit diesen Ticks und wachsender Alkoholsucht zu verschleiern versuchte sowohl den Lehrern, als auch seinen Eltern nicht aufzufallen. Ein weiteres Geheimnis, das Jeffrey Dahmer tief in sich trug war, seine Homosexualität. Was aus heutiger Sicht für sich gesehen keine Besonderheit mehr ist, zeigte sich bei Dahmer wesentlich außergewöhnlicher und expliziter. Denn in seinen Träumen und Wahnvorstellungen waren seine „Partner“ immer männliche Leichen. Es erregte ihn bereits in jungen Teenagerjahren, tote Tiere zu sezieren und dadurch eine gewisse Macht ausüben zu können. Tiere, die er überfahren an den Durchfahrtsstraßen von Akron fand, wurden so ein eine stark verdünnte Säure eingelegt und zu einer heimlichen Leidenschaft von Jeffrey Dahmer, der später als Milwaukee Monster bekannt werden sollte. Während er mit seinen „Dahmerismen“ weiterhin für Belustigung unter seinen Mitschülern sorgte, wusste jedoch keiner, welche Geheimnisse in diesem jungen, verstörten Mann steckten.

Autor und Zeichner Derf Backderf zeichnet das Porträt eines missverstandenen jungen Menschen, der mit seinen Problemen von der Gesellschaft nicht nur alleine gelassen, sondern auch ignoriert wird. Aber Backderf fordert kein Mitgefühl ein und stellt Dahmer auch nicht als ein

gesellschaftliches Opfer hin. Er zeigt nur dessen Werdegang und das auch noch ziemlich ungeschönt. Er ist sich ebenfalls bewusst, wie groß auch seine Rolle in der Entwicklung Dahmers war und, dass er selbst auch nichts unternommen hat, obwohl er einige Anzeichen sehr wohl erkannt hat. Genauso wenig stellt Backderf die Morde von Dahmer in den Vordergrund oder versucht diese zu entschuldigen. In erster Linie ist „Mein Freund Dahmer“ die Bewältigung Backderfs mit der gemeinsamen Vergangenheit. Das Thema ist natürlich sehr schwierig und stellt auch eine nicht unbeträchtliche Gratwanderung dar. Dennoch hat Derf Backderf dies in meinen

Augen sehr gut bewältigt. Die mir vorliegende deutsche Fassung liest sich sehr angenehm und weist auch gewisse sprachliche Eigenheiten auf, um die Figuren besser zu charakterisieren. Es war sicherlich nicht einfach, dies aus dem Amerikanischen zu übernehmen. Jedoch ist mir auch ein kleiner Fehler aufgefallen, wobei ich hier nicht weiß, ob dies im Original auch bereits so ist. Auf Seite 198 des Bandes gibt es ein Wiedersehen von Backderf mit zwei seiner Highschoolkameraden. Dieses Treffen soll das Zehnjährige seit dem Verlassen der Highschool 1978 darstellen und noch vor dem Bekanntwerden des ersten Mordes 1991 sein. Dennoch wird dort gesagt, dass dieses Treffen 1998 stattfand.

„Mein Freund Dahmer“ wird es nicht nur wegen der Thematik schwer haben, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Ein weiterer Punkt sind die Zeichnungen, welche weit ab von den allseits bekannten und omnipräsenten Superheldencomics aus Amerika sind. Derf Backderf zählt zu den aufstrebenden alternativen Comickünstlern der Vereinigten Staaten und wurde sogar bereits zweimal für den Eisner Award nominiert. Außerdem schaffte es „Mein Freund Dahmer“ auf Platz 4 der TIME MAGAZINE-Liste der besten non-fiction Bücher 2012. Dies soll jetzt keine Lobhudelei oder Rechtfertigung für diese Graphic Novel sein, sondern ganz einfach nur zeigen, dass auch Nicht-Massen-Ware sehr wohl, oder vielleicht auch gerade wegen der fehlenden Zwänge in anderen Bereichen, eine ganz besondere Qualität erreichen kann, die sich nicht alleine durch bunte, actionreiche Bilder definiert. Ausufernde, actionreiche und bunte Bilder kann dieser Band nicht vorweisen. Vielmehr liegt hier der Reiz darin, das schwierige, mit Details durchzogene Thema in klaren und verständlichen Bildern, ganz ohne störende Nebeneffekte zu erzählen. Backderfs Stil ist sichtlich von Künstlern wie Robert Crumb oder Harvey Pekar inspiriert, ohne diese zu kopieren. Auch die Einbindung von Skizzen aus Backderfs Schulzeit werten das Gesamtbild enorm auf.

FAZIT:

Die Graphic Novel „Mein Freund Dahmer“ ist keine einfache Kost. Und unterhaltsam ist sie auch nicht. Doch das will „Mein Freund Dahmer“ auch überhaupt nicht sein. Es ist das Porträt eines Menschen, der um seine Fehler wusste, aber niemanden hatte, mit denen er sie teilen, oder bei dem er Hilfe suchen konnte oder es sogar wollte. Die Frage, ob all dies hätte verhindert werden können, wenn Dahmer sich seinen Mitmenschen geöffnet hätte, stellt Backderf auch überhaupt nicht. Er stellt sie nicht einmal zur Rede und so muss der Leser selbst für sich entscheiden, wie er in dieser Situation reagiert hätte, wenn er einer von Dahmers Mitschülern gewesen wäre. Dennoch ist es auch extrem faszinierend und mitreißend zu erfahren, wie schnell ein Mensch durch Nichtbeachtung abrutschen und so zu einem gefährlichen Mitglied für die Gesellschaft werden kann. Egal, ob man nun ein Freund solcher Thematik ist, oder nicht. Ob man nur Superheldencomics, Mangas oder was-auch-immer liest. An „Mein Freund Dahmer“ führt kein Weg vorbei, wenn man einen außergewöhnlichen Comic sucht, der sich mit menschlichem Schicksal und Werdegang befasst. Egal, wie das Endergebnis aus Sicht der handelnden Protagonisten ausgefallen ist.

Ein großes Manko hat die deutsche Fassung aber dennoch. Dadurch, dass Dahmer hierzulande nicht so bekannt ist, wie in den Vereinigten Staaten, wäre eine Erklärung durchaus angebracht gewesen. Zwar ist diese für das Lesevergnügen nicht zwingend notwendig, aber es bereichert dessen Inhalt um ein vielfaches und ermöglicht eine historische Eingliederung der geschilderten Ereignisse in das Leben von Jeffrey Dahmer. Hier wurde eine große Möglichkeit vertan, dem Buch eine größere Absatzchance zu ermöglichen.

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