Detlef Guhl

 4.8 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Detlef Guhl

1946 in Essen geboren, Diplom-Ingenieur, von 1975 bis 1992 als Bauingenieur tätig, von 1992 bis 2015 als freischaffender bildender Künstler. Gemeinsam mit seiner Frau Gründung und Leitung der >Kleinkunst in NordenFORUM SWITTHUSKUNST RAUM PRAXIS< in der Praxis von Dr. Christoph Söllenböhmer in Berlin (www.kunst-raum-praxis.de oder www.kunst-raum-praxis.berlin).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Detlef Guhl

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Cover des Buches Die weißen Bücher / scheiß auf die Rippe9783745062168

Die weißen Bücher / scheiß auf die Rippe

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Erschienen am 09.06.2017
Cover des Buches Die weißen Bücher / nützt ja nix9783745020960

Die weißen Bücher / nützt ja nix

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Erschienen am 15.09.2017
Cover des Buches Die weißen Bücher / AKTE KLO9783746784854

Die weißen Bücher / AKTE KLO

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Erschienen am 27.11.2018
Cover des Buches Splitter9783737587372

Splitter

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Erschienen am 02.02.2016
Cover des Buches ...neben der Venus9783943382013

...neben der Venus

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Erschienen am 15.11.2011
Cover des Buches Die weißen Bücher / AKTE KLO9783746777863

Die weißen Bücher / AKTE KLO

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Erschienen am 07.11.2018
Cover des Buches Die weißen Bücher / nee, echt jetzt?!9783741816161

Die weißen Bücher / nee, echt jetzt?!

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Erschienen am 01.06.2016

Neue Rezensionen zu Detlef Guhl

Neu

Rezension zu "Die weißen Bücher / . . . bis die Tage (Die weißen Bücher)" von Detlef Guhl

Chaos ist eigentlich normal ...
Thomas_Lawallvor 4 Monaten


Manche Drohungen werden wahr. Leider. Detlef Guhls zehntes Buch soll tatsächlich sein letztes sein. Kurz vor einer Massenschlägerei in einer sehr bekannten Berliner Lokalität, konnte dies dem Rezensenten durch den Autor, welcher durch persönliche Anwesenheit glänzte, daselbst bestätigt werden.

Ob die spontan entstandene, handfeste Auseinandersetzung in ursächlichem Zusammenhang mit Guhls Ankündigung stand, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen, wohingegen sich böse Folgen, obgleich von noch nicht zu ermessendem Ausmaß, klar abzeichnen. Ein schwerer Schlag für die deutsche und internationale Literaturszene, eines aktiven Literaten beraubt zu werden, der wie kein anderer die Essenz des Lebens in Worte zu fassen imstande war.

Nun möchte man dem Autor unterstellen, im letzten Werk literarische Ausschussware feilzubieten, nachdem in der Literaturwerkstatt einmal kräftig durchgefegt und gewischt wurde. Resteverwertung und ein Schlussverkauf womöglich. Der letzte Mist vom Wühltisch sozusagen.

Derart bescheidene Erwartungen können aber auch ein Segen sein, denn es ist mitnichten so. Berlins führender Autor in Sachen Geschichten, die das Leben gerne schreiben würde, wenn es denn könnte, gibt noch einmal Gas. Ach was, Vollgas!

"... bis die Tage" ist ein restlos verpointetes, urkomisches Lesebuch der Absonderlichkeiten, denen wir täglich begegnen, oder jenen, die wir selbst veranstalten. Letztere wären dann beispielsweise "Marotten". Der Herr Guhl nimmt sich da selbst nicht aus, hält uns aber, was seine Spezialität ist, gleichzeitig einen Spiegel vor die Nase.

Denn wer kennt das Problem nicht, man schaut einen Film und plötzlich schleichen sich recht störende Fragen ein: Ja wo habe ich den smarten Bankräuber oder die störrische Rechtsanwaltsgehilfin schon mal gesehen? Wie hießen die noch gleich und in welchem verdammten Film haben die letztens mitgespielt? War das nicht ...

Während sich Kollegen der schreibenden Zunft gerne mit den abgründigen Seiten unserer Existenz beschäftigen, bleibt der Autor dem diametralen Gegenteil treu. An jeder Ecke des Lebens lauert der Tod ... oder ein Witz. Dies zu erkennen und zu beschreiben gelingt ihm in seiner Eigenschaft als wandelndes Lexikon, unter Zuhilfenahme eines adäquaten Breitbandvokabulars, und dank seiner Fähigkeit, die Dinge auf den Punkt zu schreiben, wie keinem anderen. Da sitzt jede Pointe ...

... egal ob er Nachhilfestunden in Latein gibt, vom unentbehrlichen "Wischwisch" seiner Frau erzählt, den "Götz von Berlichingen" und "Wilhelm Tell" um moderne Floskeln bereichert, Märchen oder Krimiserien zerpflückt, sich mit der "sachlichen, wertneutralen Höflichkeit deutscher Verkäufer/innen" beschäftigt, oder selbst vor einer Begegnung mit dem Leibhaftigen nicht zurückschreckt.

Kleine Wunder vollbringt er, wenn seine Zeilen mitunter klingen, als hätte sie Heinz Erhardt erdacht. Auch Experimentelles fehlt nicht, wenn er es wagt, herkömmliche Strukturen der Lyrik zu durchbrechen. Zwei Mittel gegen "1amkeit" gefunden zu haben, kann er sich auf seine Fahnen schreiben. "3st" ist dieser Mann!

Detlef Guhl gibt vor, zwei Marotten zu haben. Sicherlich eine, wenn auch liebenswerte, Untertreibung. Wie dem auch sei, jene sind nur schwer abzulegen. Das Bücherschreiben ist ja auch so eine. Mit Tränchen der Hochachtung in den Augen gibt der Rezensent abschließend seiner ebenso nachhaltigen wie inständigen Hoffnung Ausdruck, der Autor möge nicht in der Lage sein, diese Marotte ablegen zu können.

Kein Buch mehr. Hahaha. Vielleicht ist es ja auch nur einer seiner zahlreichen Gags. In diesem Fall ja fast einer der üblen Sorte. "Himmelkreuzfixfetzen!" oder wie Mehmet, den ab sofort existenzielle Probleme quälen dürften, sagen würde: "Du schreibst nix mehr? Bistu plemplem?"

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Rezension zu "Die weißen Bücher / AKTE KLO" von Detlef Guhl

Menschliche Hinterlassenschaften
Thomas_Lawallvor einem Jahr

Wenn ein neues Buch von Detlef Guhl erscheint, kann man sich, wie immer, auf einige Überraschungen gefasst machen. Zu Beginn führt er uns ins Jahr 1950 zurück. Gerade einmal vier Jahre alt ist er und lebt mit seinen Eltern samt Verwandtschaft in einem Haus, welches im Krieg sehr gelitten hat. 

Eine Wasserspülung für die sanitären Einrichtungen gab es aber schon vor dem Krieg nicht, und genau um jene Thematik dreht sich die "Nachkriegsposse". Man fühlt sich aber nicht nur durch die katastrophalen Zustände im Haus in jene Zeit zurückversetzt, sondern durch die weltpolitischen Einschübe, die Detlef Guhl nahtlos einfügt.

Das steigert einerseits die Authentizität ungemein und andererseits entbehrt die Art und Weise, wie der Autor an den unmöglichsten Stellen zum großen Überblick ausholt, einer gewissen Komik nicht. Auch die Meldungen selbst befinden sich unsortiert und in gewollter Wahllosigkeit, so als ob der Autor die Absurdität des Lebens damit zu unterstreichen gedenkt. 
 
Es dreht sich im Prinzip also um allzu menschliche Hinterlassenschaften. Genauer gesagt, um beschädigte und viel zu knapp bemessene Abortgruben. In Verbindung mit aufsässigen Hausbewohnern und einem sturen "Fräulein" Vermieterin ergeben sich Komplikationen der heftigen Art, während der Koreakrieg tobt und in Wuppertal der Zirkuselefant Tuffi bei einer Werbefahrt aus der Schwebebahn fällt.

Man bedauert es fast, wenn der Mix aus (berechtigter) Mieterrenitenz, der entsprechende Briefwechsel mit Ämtern, Behörden und der Vermieterin, sowie der Nachhilfeunterricht in ganz großer Politik, schon nach achtzig Seiten ein Ende findet. Bis dahin wird man jedenfalls prächtigst unterhalten.

Eine Überraschung ist dann aber auch, dass es nun und insgesamt etwas "dünn" wird. Sowohl inhaltlich als auch formal. Nach 100 Seiten ist bereits Schluss, wobei die "weiteren Kalamitäten" bis dahin etwas an Substanz zu verlieren scheinen. Weder Gedichte noch "Mehmet" können diesmal richtig überzeugen. Allein "Evolution" kann dann an vergangene Großtaten anknüpfen.

Doch was ist jetzt los? Es kommen doch noch 62 Seiten! Ganz einfach, denn diesmal greift der Autor kräftig in die Werbetrommel und stellt ausführlichst Leseproben zu seinen letzten vier Werken "Splitter", "nee, echt jetzt?!", "scheiß auf die Rippe" und "nützt ja nix" zur Verfügung. Na gut, so kriegt man ein Buch auch voll.

Aber in diesem Fall völlig berechtigt, worauf der Rezensent jetzt besonderen Wert legt. Man hat es als Einzelkämpfer in diesem Gewerbe schon schwer genug, weshalb eine Eigenwerbung schon aus diesem Grund hier seine Berechtigung hat. Zudem kann einer potentiellen Leserschaft zugesichert werden, dass sich ein entsprechender Zugriff in jedem Fall lohnt. Mein Rat:

Die künftigen Sammlerstücke am besten im Paket erwerben!

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Rezension zu "Die weißen Bücher / scheiß auf die Rippe" von Detlef Guhl

Doppeltes Lesevergnügen
Thomas_Lawallvor einem Jahr

Dem Dichter sitzt sowohl der Ernst des Lebens als auch der Schalk im Nacken. Gut so, denn wie sollte man das Leben anders ertragen. 

"Ich stoße hier und da an Grenzen und an Schranken" schreibt er in "Frei" und ist überzeugt, im Räderwerk des Lebens festzusitzen, "... anders sein ist vergebens."

Doch all der Weltschmerz vergeht bereits im zweiten Gedicht "April, April". Um die Liebe geht es hier und um gewisse Pfeile, die hier und da treffen:  

"Sie liebten sich in wilder Eile. 
Das dauerte wohl eine Weile, 
doch Anfang Mai war sie verflossen ..."

Aufgeben ist aber nicht angesagt, denn das Spiel wiederholt sich, wenn man nur die nötige Geduld aufbringt. Pfeile gibt es ja genug ...! 

Wenig später stürzt Detlef Guhl den Leser gar derb und wollüstig in eine wilde "Verführung", "In praller Nacktheit lag sie da vor ihm in Saft und Fülle ...", verwirrt ihn, führt ihn an der Nase herum und klärt das Ganze am Ende mit einer überraschenden Pointe auf. 
 
Kein Gedicht ist wie das andere. Es liegen Welten zwischen den Zeilen und doch scheint sie eines zu vereinen. Es ist vielleicht eine Art von Zuversicht und ein Nichtaufgebenwollen. Man mag auch bei traurigen Versen nie die Fassung oder jeden Mut verlieren. Ganz im Gegenteil, denn hier schreibt jemand, der sich nicht von Wolken in tiefste Schluchten stürzt, sondern mit beiden Beinen fest im Leben steht. Oft auch gegen den Strom und als Fels in der Brandung sowieso.

Ein großer Erzähler ist er ebenfalls. Doch kapitellanges Versinken im eigenen Ozean der Worte ist nicht seine Welt. Weniger ist oft mehr. Und für das Wesentliche braucht es nicht viele Worte. Um sich von dem "Schmetterling Jugend" zu verabschieden, genügen wenige Sätze, für eine kurze Aufklärung über "Dämonen" ebenfalls. Der "Lebenskünstler" hat eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Weisheit zu bieten, ein Gegenentwurf zum melancholischen "Aprilwetter" ist schnell formuliert, und selbst ein "unendliches Gedicht" kommt mit knapp zwei Seiten ganz prima aus.

Detlef Guhl schreibt alles auf. Wirklich alles! Momentaufnahmen des Lebens, Ideen, Einsichten, Glücksmomente, Liebesgeschichten - aber auch Fragen, Zweifel und manchmal auch bittere Ironie - gleichwohl nur, wenn unbedingt nötig. 

Vielleicht ist das markanteste Markenzeichen des Autors die immerwährende Ambivalenz der Dinge. Keineswegs kehrt er sie unter den Tisch, sondern stellt sich ihr mit aller Konsequenz. Gnadenlos den Blick auf sich selbst und sein Schicksal werfend, entwirft Detlef Guhl in "Scharfrichter" eine makabre Aussicht auf das Unvermeidliche. Jener wird sich sicher in Sachen "baldiger Geschäftsbeziehung" irgendwann ankündigen. Eine "Hilfe bei der Pflege seines Werkzeugs" lehnt der sture Kerl glatt ab ...

Auf kopflastige Verschachtelungen verzichtet der Autor nahezu ganz, drückt sich allgemeinverständlich aus, und lässt seinen ausgeprägten Humor eine tragende Rolle spielen. Hintergründig und mit doppeltem Boden ausgestattet kommt er in "Der Regenwurm", und lässt uns einmal mehr innehalten und über die handfeste Pointe grübeln. Die eine oder andere Lehre dürfen wir ebenfalls ziehen - beispielsweise wie gesund eine "Trotzreaktion" sein kann. 

"scheiß auf die Rippe" ist ein wahre Fundgrube. Mehr Kontraste kann man auf 230 Seiten nicht unterbringen. Viel hätte der Rezensent noch erwähnen können, vielleicht die gut versteckte Liebeserklärung in "Trophäen" oder die böse Ironie in einem der neuen Gedichte "Gespenster". Der aktuelle Zeitgeist hält somit Einzug in die Zusammenlegung der bereits 2011 und 2012 erschienenen Lyrikbände "neben der Venus" und "dem Herzen so nah", die der Dichter in der vorliegenden Neufassung um einige Verse (und ein Inhaltsverzeichnis) bereinigt und um einige Gedichte bereichert hat.  

Leserinnen und Lesern bleibt also ein doppeltes Lesevergnügen, ein Stöbern, Entdecken, Wundern und Staunen. "scheiß auf die Rippe" sind Gedichte über den Ernst des Lebens, die sich oft selbst nicht ernst nehmen. Ein Füllhorn voller "Ungereimtheiten" und noch viel mehr. Das eine oder andere Anliegen mag sich vereinzelt verstecken, dezent und so ganz nebenbei. Vielleicht kann eine der wichtigsten Botschaften des Autors für ein schönes Fazit dienen: Seine Falten bekommt er lieber vom Lachen, als vom Trübsal blasen!

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