Der Richter und sein Fixer

von Detlef Wolff 
1,0 Sterne bei1 Bewertungen
Der Richter und sein Fixer
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Anhäufung von Klischees und schlechten Zufällen. Zusammen mit dem Stil eine handfeste Katastrophe.

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Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:B002C2Q12U
Sprache:
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:rororo
Erscheinungsdatum:01.01.1985

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    sternbluts avatar
    sternblutvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Anhäufung von Klischees und schlechten Zufällen. Zusammen mit dem Stil eine handfeste Katastrophe.
    Chaos in Bangkok - eine heillose Katastrophe

    In seinem Urlaub wird der Kriminalbeamte Katenkamp von einem Hotelmitbewohner, Richter - ebenfalls im Urlaub - in ein Unterfangen eingespannt: er soll dessen Sohn, der in Bangkok an der Nadel hängen würde, finden - dem Wunsch seiner zweiten Frau entsprechend. Unterdessen versucht jemand, gerade diesen Sohn mit Hilfe von mit Gift versetztem Heroin zu vergiften. Stattdessen stirbt ein Hund - doch alles ist auf der Suche nach dem Verursacher. Doch auch die zweite Frau des Richters ist nicht untätig, denn Jürgen ist für sie von zentraler Bedeutung.


    Was man nicht alles in die Hand nimmt, wenn man Bücher geschenkt bekommt. So unbedarft. So naiv. Interessant klang das Buch ja - auch wenn ich dahinter nicht unbedingt einen Kriminalroman vermutet hätte. Mehr eine Geschichte à la Christiane F. Aber: es war ein Kriminalroman. Und dazu einer, der relativ spät in einer Reihe eingegliedert war. Nun gut, Kriminalromane sind da ja zum Glück unkompliziert - da stört es meistens nicht so sehr, weil die Fälle ja für sich stehen. Trotzdem ein bisschen nervig - zumal ich nie darauf gekommen wäre, wenn ich nicht bei einer Recherche um das Buch herum die weiteren Titel des Autors gesehen hätte. Nicht zu ändern. Aber in Ordnung.

    Oder nicht in Ordnung. 

    Letztlich was das Buch nämlich gerade das nicht: in Ordnung. Alles war ein heftiges Durcheinander. Von einem zum anderen. Ja, Bangkok ist chaotisch. Bangkok ist groß. Aber gerade das macht das alles ja so unfassbar unlogisch und gestellt. Aber ich denke, ich sollte vorne anfangen. 

    Das Buch besteht aus vielen unterschiedlichen Sichtweisen, die zwischen der eigentlichen Geschichte eingebettet sind. Dabei springt nicht nur die Geschichte schnell zwischen den verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen hin und her, sondern auch zwischen den Gedanken unterschiedlicher Personen. Dabei muss man natürlich selbst mitdenken, um zu verstehen, wer da gerade spricht - das wird nicht irgendwo irgendwie angekündigt oder vermerkt, sondern muss aus Stil und Inhalt selbst geschlossen werden. Also ein bisschen was zum Mitdenken. An und für sich nicht schlecht, ja, aber auch nicht optimal. Zumal das viele Hin und Her nicht nur verwirrend, sondern auch recht anstrengend ist. Die Passagen zwischendurch, die aus den Gedanken der Einzelpersonen bestehen, sind an und für sich interessant, um in die Denkweise der Personen reinzukommen und dabei nach und nach alles zusammenzusetzen, aber ich empfand es stilistisch nicht als gelungen.

    Hier möchte ich ein Beispiel anbringen. So ging mir am meisten der Richter auf die Nerven, weil hier so sehr mit Klischees gespielt wird, dass ich am liebsten laut geschrien hätte. Als Richter muss er natürlich auch wie ein Richter denken, der sich in einem Prozess befindet (natürlich! - wie auch sonst -.-"):

    "Die Aussage einer solchen Zeugin, Hohes Gericht, wird man bei der Urteilsfindung wohl kaum berücksichtigen können. Ich bitte um Freispruch. Sollte ich in einem anderen als dem juristischen Sinne strafbar sein, so bin ich weiß Gott gestraft genug. Mein Sohn ist tot und meine Frau in Bangkok im Gefängnis, nachdem ihr von unbekannter Seite Rauschgift ins Gepäck... 
    Nerven behalten. Ich fange schon an, mein Plädoyer in eigener Sache vorzubereiten. Als ob es überhaupt zu einer Verhandlung kommen könnte." (S. 124)

    Dummerweise war es gerade er, dessen Gedanken die meiste Zeit ausgebreitet wurden. Mir persönlich ging das ziemlich gegen den Strich. Natürlich braucht es Möglichkeiten, die Menschen gegenseitig zu differenzieren, insbesondere, wenn man anhand der Gedanken erraten muss, wer da gerade denkt. Trotzdem ist das doch irgendwie ein bisschen überzogen gewesen so. 

    Vielleicht war es mir stilistisch aber alles in allem allgemein ein bisschen zu... primitiv? ... ungelenk? Ich finde nicht die richten Worte dafür. Es hat irgendwie einfach nicht so richtig zusammengepasst. Es war nicht - rund. 

    Also alles war nicht wirklich rund. Nicht nur der Stil und die Art und Weise und alles, sondern die Geschichte und die Sprünge und... alles eben. Das hat sich auch nicht nach den ersten Seiten und Kapiteln geändert. Manchmal tut es das ja. Aber wurde es nicht. Dabei fand ich schade, dass eigentlich von Anfang an klar ist, wer hinter was steckt und was die unterschiedlichen Motive sind. Das einzige, was nicht ganz klar ist, ist, wie alle am Ende zusammenkommen und wie das Geständnis herausgepresst wird. Was mit hier besonders gestört hat ist dieses willkürliche und zufällige Zusammentreffen aller. Alle haben die gleiche Idee. Alle haben das gleiche Ziel. Und alles ist gaaaanz einfach auf einmal. Das kauf ich denen nicht ab. Mir ist klar, dass eine große Drogen-Organisation einen Blick über alles und jeden hat und deswegen keine Zufälle zulässt. Das kann ich verstehen. Und auch wenn ein Stadtbekannter vermutlich ein System in Bangkok und den Touris dort erkennen kann, dann kann das schon sein. Aber jeder erkennt jeden. Jeder weiß scheinbar alles. Es war mir einfach zuwider, wie sich alles so scheinbar zufällig in sich gefügt hat. 

    Was mich aber am unzufriedensten gelassen hat, war das Ende des Buches. Und ich tue jetzt etwas, das ich sonst nie tue. Nicht in einer Rezension. Aber weil ich eigentlich nur vor dem Buch warnen möchte tue ich es trotzdem. Ich zitiere die letzten Sätze des letzten Dialogs:

    "Ich muss nur noch was in den Safe legen."
    "Ist das so wertvoll?"
    "Ein Geständnis. Aber ich fürchte, es ist nicht viel wert. Auch wahre Geständnisse kann man widerrufen." (S. 155)

    Damit endet das Buch. Ich meine. Ja. Hallo? Das war der absolute Overkill. Dass das Buch darauf aus ist, einem Menschen gleich drei verschiedene Straftaten nachgesagt werden, die er auch gesteht - und am Ende kann es eben doch sein, dass alles für die Katz ist. Ja, Geständnisse können widerrufen werden - immer. Gibt da ja so spezielle Umstände. Aber seien wir mal ganz ehrlich. In einem Roman - vor allem einem erfolgreich beendeten Kriminalroman! - will sowas doch keiner hören! Da möchte man hören, dass der Täter gefunden, die Tat aufgeklärt ist und alles seine geregelten Bahnen verläuft. 

    Aber nein. Schade. 


    Der Richter und sein Fixer ist also ein Kriminalroman, der meiner Meinung nach nicht nur völlig falsch aufgebaut und aufgezogen ist, sondern in seinem Stil einfach nicht mein Fall war. Die Geschichte an sich hätte interessant sein können, wenn der Autor anders damit umgegangen wäre. Letztlich war alles zu viel, mir zu experimentell und vor allem unrund. Somit ein vielleicht vernichtendes Urteil, aber nur meine ehrliche Meinung. Ich rate herzlich gerne davon ab und werde auch kein weiteres Buch der Reihe in die Hand nehmen - ein Glück, dass ich nur aus Zufall dieses eine Buch zu Hause hatte.

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