Detlev Meyer

 3.9 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Das Sonnenkind, In meiner Seele ist schon Herbst und weiteren Büchern.

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Das Sonnenkind

Das Sonnenkind

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Erschienen am 19.01.2018
David steigt aufs Riesenrad

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Erschienen am 15.12.2015
Im Dampfbad greift nach mir ein Engel

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Erschienen am 15.12.2015
Korrekte Anmache

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Erschienen am 03.09.2004
Stern in Sicht

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Erschienen am 01.01.1998
Ein letzter Dank den Leichtathleten

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Erschienen am 15.12.2015

Neue Rezensionen zu Detlev Meyer

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S

Rezension zu "Das Sonnenkind" von Detlev Meyer

Berlin 1960
Streifivor 8 Monaten

Detlev Meyer nimmt uns mit ins Berlin der 60er Jahre. Die Familie des kleinen Carsten ist eigentlich nichts besonderes, Opa und Oma leben im gleichen Haus, Opa hat seit Jahren eine Geliebte, jeder weiss es, meist wird es ignoriert. Carstens Eltern leben ihren Alltag, die Erlebnisse des Vaters im Krieg lassen ihn nie so richtig los. Und Stephan, der große Bruder ist ein richtiger Halbstarker, 17 Jahre alt, der gerade seine ersten Schritte in der Welt der Erwachsenen macht und doch den kleinen Bruder auch mal mitnimmt. Und Carsten ist tatsächlich ein Sonnenkind, sehr aufgeweckt, wissbegierig und manchmal auch ein bisschen arrogant und altklug.
Es ist das Frühjahr 1960 und Carsten fiebert auf seinen 10 Geburtstag hin, der allerdings erst im nächsten Jahr stattfinden wird. Die Stadt ist noch nicht geteilt, Ost und West vermischen sich noch, und doch sieht man die Unterschiede, besonders Sonntags, wenn die aus dem Osten sich am Kudamm die Nasen platt drücken. Wahrgenommen wird die Teilung der Stadt aber scheinbar nicht wirklich, zumindest ist es nur selten ein Thema.
Für Carsten dreht sich eh alles um die Familie und die Nachbarn aus dem Truseweg. Das ist seine kleine Welt, aus der er zumindest vorerst noch nicht ausbrechen will.
Bis bei seinem Opa Krebs diagnostiziert wird und sich die kleine Welt plötzlich drastisch verändert.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, es ist ein leiser Schreibstil, ein bisschen hat man das Gefühl in eine heile Welt geraten zu sein. So wie man sich das Leben damals vorstellt.
Detlev Meyer hat mit diesem Buch wohl einen Teil seiner Kindheit erzählt, kurz bevor er selbst verstarb.

Mir hat dieses kleine Kammerstück viel Spaß gemacht, von daher eine volle Leseempfehlung.

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Shellan16s avatar

Rezension zu "Das Sonnenkind" von Detlev Meyer

Eine Kindheit im Berlin der Nachkriegszeit
Shellan16vor 9 Monaten

Inhalt:

Der 9-jährige Carsten wächst im Berlin der 60er-Jahre auf. Er ist ein wahres Sonnenkind, von allen geliebt und zu seinem Großvater hat er eine besonders innige Beziehung. Sein grosser Bruder steht ihm beschützend zur Seite und die Nachbarn lieben ihn. Eines Tages erkrankt sein Grossvater und die heile Welt von ehemals ist nicht mehr so wie sie war.

Meine Meinung:

Detlef Meyer hat die Veröffentlichung seines Romans nicht mehr erlebt. Der Autor verstarb 1999 an einer Immunerkrankung. "Das Sonnenkind" ist 2001erstmals veröffentlicht worden und wurde nun in einer wunderschönen Ausgabe neu herausgebracht. Der leicht glänzende Leineneinband und das handliche Format machen das Buch zu einem kleinen Schmuckstück und so wird das Äußere auch dem Inhalt gerecht.

Carsten Wollin ist ein kleiner Dandy, der vieles seinem Großvater abschaut. Wie Max Wollin hat der kleine Carsten ein Faible für korrekte Kleidung und eine angemessene Ausdrucksweise. Dies führt im Buch an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln, wenn er Begriffe aufschnappt, die heutzutage schon etwas altertümlich wirken.

Carsten wächst im Truseweg, einer Strasse im Berliner Stadtteil Neukölln auf. Seine Mutter ist insgeheim etwas verdorben, sein Vater kämpft noch mit den Nachwirkungen des Krieges, während die Großmutter schon längst aufgegeben hat, gegen die Zweitfrau ihres Mannes zu kämpfen. Max Wollin hat, was jedem bekannt ist, in seiner ehemaligen Sekretärin schon seit Ewigkeiten eine Zweitfrau. Else Wollin pflegt ihre angeblichen Krankheiten, während die Sekretärin dem alten Wollin aufgetakelt schöne Augen macht. Trotzdem glaubt man Max Wollin, dass er beide Frauen liebt und auch beim Lesen kann man ihm irgendwie nicht böse sein.

Als Max Wollin dann allerdings schwer erkrankt, kann er sein Liebesarrangement nicht weiter führen wie bisher, er muss eine Entscheidung treffen.

Mit ganz viel Liebe zum Detail ist "Das Sonnenkind" geschrieben. Charaktervolle Figuren und ein der Zeit angepasster Schreibstil machen das Buch zu einem wahren Lesegenuss. Schaut man ein wenig über den Buchrand hinaus, erfährt man, dass der Autor als "einziger Dandy der Gegenwartslitertaur" (DIE ZEIT) galt. Da auch Carsten Wollin bei den Besuchen im Cafe Kranzler seine Sinalco stets aus Cognacschwenkern trank und seine Kniestrümpfe (keine Socken) stets auf die Farbe der Hose abgestimmt waren, kann man den autobiographischen Bezug erkennen.

Insgesamt war "Das Sonnenkind" ein Buchgenuss der besonderen Art, der zwar federleicht aber auch mit melancholischen Tönen daherkommt.

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M

Rezension zu "Das Sonnenkind" von Detlev Meyer

Eine Kindheit in Berlin
Miramisvor 9 Monaten

Der neunjährige Carsten Wollin erlebt einen Sommer im Nachkriegsberlin der 1960er Jahre und begleitet seinen Großvater gern auf dessen Besuchen im Café Kranzler. Der alte Wollin ist ein Charmeur der alten Schule und wickelt alle um den Finger, die mit ihm zu tun haben - nicht zuletzt seine Ehefrau und seine Geliebte, die sich den Schwerenöter zähneknirschend teilen, was bleibt ihnen auch anderes übrig. Carsten bewegt sich als geliebtes „Sonnenkind“ innerhalb dieser Familie, lässt sich verwöhnen und versucht allen zu gefallen. Mit seinem Bruder Stephan gründet er einen Jungs-Club und trifft Freunde, gerne wäre er ein wenig verwegener und wilder, kann aber nicht aus seiner Haut und bleibt Everybodys Darling. Nichts trübt diese glückliche Kindheit, bis der Großvater plötzlich eine niederschmetternde Diagnose erhält... Meine Meinung: „Das Sonnenkind“ ist in der Originalausgabe 2001 erschienen und wurde nun vom Aufbau-Verlag neu herausgegeben, in einer wunderbar hochwertigen Ausstattung - eine kleine Buchperle im Regal. Detlev Meyer hat den Roman bereits im Wissen um seinen bevorstehenden Tod angesichts einer Immuninfektion geschrieben und damit Rückschau auf seine Kindheit gehalten. Auch wenn die Erzählung auf den kleinen Carsten fokussiert ist, kommen doch die Perspektiven all der anderen Figuren ebenfalls zum Tragen, die wohl den Menschen in Meyers Kindheit ähnlich waren. Wir bewegen uns in einem sehr bürgerlichen Umfeld in Neukölln, in dem jeder versucht, so gut wie möglich vor den Nachbarn dazustehen, dunke Geheimnisse verschwiegen und gerne französische Begriffe verwendet werden, um die Vornehmheit der Familie zu unterstreichen. Die Doppelmoral des Großvaters, der noch dazu eine Nazi-Vergangenheit hat, das nicht bewältigte Kriegstrauma des Vaters, das hypochondrische Wesen der Großmutter, das alles wird zwar ganz schüchtern beschrieben, geht aber in dem augenzwinkernden Humor unter, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Und schnell wird klar, es geht nicht darum, irgendetwas aufzuarbeiten; Detlev Meyer gönnte sich und den Lesern einen wehmütigen und verklärenden Blick zurück in die Vergangenheit, in die Tage seiner eigenen Kindheit. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass mehrere Generationen beleuchtet werden und jeweils deren ganz spezielle Lebenssituationen geschildert werden. Daher ist es ein bunter Mix an Themen, die durch die Familienverbindung untereinander verknüpft sind und die als Ganzes betrachtet die Phasen eines ganzen Lebens darstellen. So vertritt Carsten die Kindheit und deren spezielle Denkart, während sein Bruder Stephan an der Schwelle des Erwachsenwerdens steht und seine erste Liebe erlebt; die Generation der Eltern kämpft mit Altlasten und dem täglichen Leben, während der Großvater seinen letzten Lebensabschnitt auf seine eigene Art und Weise genießt. Er ist auch derjenige, der am Ende mit Siechtum und Tod konfrontiert wird. Durch dieses Konstrukt konnte der Autor sein eigenes Erleben auf verschiedene Figuren projezieren und sein Leben Revue passieren lassen. Der heitere Ton, der die ganze Handlung bis zum Ende durchzieht, macht das Lesen zum Vergnügen, nimmt so manchem bitteren Moment seine Schärfe. Detlev Meyer verzichtete auf Anführungszeichen in der wörtlichen Rede, was sich für mich zunächst etwas seltsam anfühlte beim Lesen. Mit der Zeit bin ich aber sehr gut mit dem Stil zurecht gekommen und wusste den Lesefluss zu schätzen, der sich durch diese Schreibweise zunehmend einstellte. Die Sprache selbst ist elegant und treffsicher, ohne übertriebene Verschnörkelung, was ich als sehr angenehm empfand. Ein Nachwort von Matthias Frings rundet die Geschichte ab und gewährt einen Blick in das literarische Schaffen des Autors. Mein Fazit: Dieses kleine, aber feine Werk jenseits vom Mainstream dürfte vor allem LeserInnen gefallen, die weniger handlungsorientiert lesen, sondern mehr Wert auf die tiefgründige Ausarbeitung der Figuren und einen feingeistigen Sprachstil legen. Wer sich für den Zeitgeist der 1960er im bürgerlichen Berlin der Nachkriegsjahre interessiert und überhaupt mit der Berliner Literaturszene vertraut ist, wird ebenfalls seine Freude daran haben. Ich hatte den Lesegenuss vor allem durch den heiter-melancholischen Ton, der „Das Sonnenkind“ zu einem emotionalen Leseerlebnis werden lässt.

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