Mit „Junglaub – Jahre in Japan“ erzählt Autor Detev van Heest von seiner Zeit in der namensgebenden Wohnsiedlung „Junglaub“. Von 2000 bis 2004 lässt er uns an seinem Leben teilhaben und berichtet von den kulturellen und persönlichen Eigenarten seiner Nachbarn. Bei dem Buch handelt es sich nicht um einen klassischen Roman, sondern eher um eine Art kuratiertes Tagebuch, in dem van Heest auf fast 600 Seiten den verschiedenen Persönlichkeiten jeweils ein Kapitel widmet. Die Kapitel variieren dabei stark im Umfang, je nachdem, was es zu erzählen gibt. Wir lernen dabei nicht nur die persönlichen Schrullen des Autors, sondern auch die seines Umfelds kennen.
„Junglaub“ ist kein Buch, bei dem ich in einen „Flow“ kam. Für mich war meistens nach maximal 30 Seiten Schluss, und ich habe es oft als Bettlektüre genossen. Nichtsdestotrotz erzeugen die Erzählungen von van Heest eine gewisse Art von Spannung, und man will dann doch wissen, ob der 80-jährige Nachbar ein Kriegsverbrecher ist oder wie es mit dem Flötenunterricht bei Herr Siebenseen weitergeht. Für mich haben sich interessante Passagen mit banalen oder gar öden abgewechselt, alles in allem hat für mich aber der interessante Teil überwogen.
Gewöhnungsbedürftig war auch die Entscheidung von Autor oder Verlag, alle Eigennamen ins Deutsche zu übersetzen. Zuerst dachte ich: „Es gibt eine Siedlung in Japan, die ‚Junglaub‘ heißt – wie cool ist das denn?“ Leider ist dem nicht so, genauso wenig wie beim Stadtteil Zumbach, und auch die Familiennamen seiner Nachbarn werden lokalisiert. Irgendwann habe ich mich daran gewöhnt, aber ich finde es weder gut noch nachvollziehbar. Insgesamt tendiere ich zwischen 3 und 4 Sternen, bin aber näher an der 3



