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DianaMenschig

vor 5 Jahren

Weltenwechsel-Fantasy heiter bis grantig

Ab Montag, 01. Oktober 2012 ist mein Roman „Hüter der Worte“ offiziell im Handel erhältlich und pünktlich zum Erscheinen möchte ich Euch sehr herzlich zu einer Leserunde einladen, die ich auch begleiten werde.

Es ist eine Buch-in-Buch Geschichte mit einigen Wendungen und Einsichten, mit denen ich Euch hoffentlich überraschen kann :-)

Der Klappentext: Der junge Autor Tom Schäfer steht unter Druck. Nach dem großen Erfolg seines ersten Buches über den Fantasy-Helden Laryon warten Verlag und Leser auf die Fortsetzung, und ausgerechnet jetzt leidet er unter einer Schreibblockade. Doch dann findet er sich eines Tages plötzlich in seiner Buchwelt wieder. Im ersten Moment ist Tom geschockt, doch auf den zweiten Blick gefällt ihm der Gedanke hervorragend: Das könnte die Lösung seiner Probleme sein! Aber Tom hat die Rechnung ohne Laryon gemacht. Der ist von Toms Auftauchen nämlich alles andere als begeistert, wird seine Heimat doch von einer Gefahr bedroht, die Laryons ganze Aufmerksamkeit fordert …

Die Leseprobe: http://www.droemer-knaur.de/livebook/LP_978-3-426-51111-4/index.html

Die Spielregeln sind Euch ja von Lovelybooks bekannt: Bewerbt Euch als Testleser, nehmt an der Leserunde teil und verfasst anschließend eine Rezension, über deren Verbreitung im weltweiten Netz Verlag und Autorin sich natürlich freuen werden.

Der Verlag Droemer Knaur hat dazu 15 Verlosungsexemplare zur Verfügung gestellt.

Beantwortet für Eure Bewerbung einfach folgende Frage: Stellt Euch vor, Euch ergeht es wie Laryon: Ihr lebt zufrieden Euer Leben und auf einmal erfahrt Ihr, dass jemand Einfluss auf Euch nimmt, also ein wenig „Schicksal“ spielt. Wie fändet ihr das?

Bewerbungsschluss ist Freitag, der 05. Oktober 2012 um 24.00 Uhr

Ich freue mich auf Euch und die Runde, die startet, sobald alle Ihr Buch erhalten haben.

Viele Grüße Diana

Autor: Diana Menschig
Buch: Hüter der Worte

mecedora

vor 5 Jahren

Bewerbung für die Leserunde

Oh, toll, ein Buch-Buch! So was lese ich ja immer wieder gern - wie hab ich die Tintentrilogie, Das Kartengeheimnis, Die unendliche Geschichte und ähnliches geliebt! "Hüter der Worte" klingt nach einem tollen Schmöker ganz nach meinem Geschmack!

Ich wäre unheimlich gerne dabei.

Nun aber zur Bewerbungsfrage: was ich tun würde, wenn ich erführe, dass mein Leben fremdbestimmt ist und irgendjemand Einfluss auf mich nimmt? Ich glaube, ich würde zunächst in Schockstarre verfallen, ist das doch etwas ganz Großes, beinah Unvorstellbares, was da mit einem geschieht - wenn man sein Leben lang gedacht hat, im Rahmen der gesellschaftlichen Grenzen etc. seine eigenen Entscheidungen treffen zu können und eigenbestimmt zu sein. Ich würde wohl erst mal versuchen, mich zu verstecken und so dem Einfluss "von oben" zu entkommen. Aber das würde wohl nicht klappen, hat der Einflussnehmende ja doch eine wohl sehr große Macht über mich. Nach der Schockstarre würde ich wohl sehr sehr wütend werden, denn ich habe ja sehr wohl meinen eigenen Kopf und meine eigenen Vorstellungen und lass mir da nicht gerne (vor allem nicht gerne wissentlich!) reinpfuschen. Ich würde versuchen zu rebellieren, ich würde meinen "Herrn" versuchen auszutricksen, ihm zu entwischen, ihm eins auszuwischen und ganz anderes tun als das, was man mit mir plant, ausbrechen und kämpfen. Dazu müsste ich mir erst mal klar darüber werden, WER es denn ist, der mich lenkt und Einfluss auf mein Leben hat. Und ihn beobachten, um seine Schwächen kennenzulernen. Und seine Pläne, die er mit mir hat. Und dann geht es ans eigene Pläneschmieden für den Kampf um die Freiheit - um die Freiheit, ich selbst zu sein.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mitlesen darf!

ForeverAngel

vor 5 Jahren

Bewerbung für die Leserunde

Wuah, solche Geschichten liebe ich auch! "Tintenherz", Wolfgangs Hohlbeins "Das Buch", Walter Moers "Die Stadt der träumenden Bücher"... hach, wie schön, davon müsste es mehr geben!
Hm, wenn jemand mit mir Schicksal spielen würde? Ich weiß nicht. Woher weiß ich denn, dass das nicht wirklich jemand tut? Sind Glück und Pech wirklich Glück und Pech, oder ist da jemand, der die Fäden zieht, der mit uns allen Puppen spielt? Oder gibt es Karma? Ich glaube, es kommt drauf an, wen man fragt. Jemand, der auf der Straße sitzt, würde sagen: Was eine Sauerrei, ich hasse das, warum ich?
Und eine wunderschöne Berühmtheit würde sagen: Ich kann mich nicht beschweren.
Ich selbst? Puh. Keine Ahnung. Mal denke ich: Danke, mal etwas wneiger Nettes. Der Gedanke, dass alles vorbestimmt ist... Dabei wird mir schlecht. Solange ich es nicht weiß, ist es noch erträglich, aber wenn ich mein Schicksal kennen würde... Oh weia. Keine Ahnung, was ich tun würde.
Das Buch klingt super spannend und ich wäre sooooo gerne bei der Leserunde dabei! :)
Schönes Wochenende :)

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FabianD

vor 4 Jahren

2. Teil Bergkrieg (S. 89-192)
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Eigentlich wollte ich das schon vor Tagen hinzufügen. Der Punkt den ich bei diesem Teil vergessen habe. Die Halle! Von allen Dingen der Geschichte spukt sie mir am meisten im Kopf herum. Veilleicht weil sie in meiner Vorstellung der Ort ist, wo sich alle Welten überschneiden, sozusagen ein Ort, der in allen Welt existiert. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch das ich mich hier irre - aber es war immer eines meiner liebsten Elemente in solchen Weltreisen-Storys.

Und keine Sorge, die langen Beiträge werden nicht aufhören. Langsam mach ich mir sorgen, ob die Rezension noch eine übersichtliche Kürze behalten könnte, dann am Ende.

FabianD

vor 4 Jahren

3. Teil Wortwechsel (S. 193-266)
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Endlich. Es kommt zum Treffen von Laryon und Tom. Vom Zeitpunkt im Buch finde ich es unglaublich gut gesetzt. Früher hätten wir die Charaktere noch gar nicht wirklich gekannt, man hätte sich über dieses Gespräch einen Großteil der Meinung über die Beiden gebildet. Das ist finde ich ein guter Ansatz für eine Kurzgeschichte, aber in einem Buch funktioniert es, denke ich besser, das wir die Gesprächspartner schon kennen. Wir haben sie in alltäglichem Kleinklein gesehen (Schreiben, Grenzreiten), aber auch in Krisen (in die Brüche gehende Beziehung, Chaos in der Grenzregion). Das erhöt hier die Spannung wie die Begegnung verlaufen wird und lenkt die Frage für mich eher darauf, wie sie aus dem Konflikt hervorgehen werden, anstatt darauf, wer die beiden eigentlich sind. Und die Konfronation kommt - ohne Frage.

Ich muss sagen, dass ich es sehr gut fand, dass du im Endeffekt auf das befremdete Umherirren von Laryon verzichtet hast. Erstens hat man das wirklich schon oft gesehen und es wirkt mittlerweile nicht mehr auf die Weise komisch wie es das einmal war und ist es denn wirklich die Geschichte, die hier erzählt werden soll, wie Laryon in unsere Welt kommt? Ich hätte es als Abmäandern vom wichtigen Punkt, nämlich der Beziehung Tom-Laryon empfunden. Umso schöner fand ich die Skuriliät der Vorstellung von Laryon und Tom in dem Café. Auch weil Laryon in Straßenklamotten in meinem Kopf so unglaublich witzig und fehlgekleidet wirkt. Als würde man einen Italiener in Kimono stecken.

Aber das Hauptgewicht lag natürlich auf dem Gespräch von den beiden. Schön fand ich daran, dass es nicht einfach ein langes Gespräch in Toms Zimmer war und fertig. Sondern es gibt mehrere Runden an mehreren Orten und in verschiedenen Situationen, immer kurz unterbrochen durch kleinere Episoden, wie zB Toms Zusammenbruch. Das machte den ganzen Komplex fand ich besser verdaulich. Gerade weil ja schon neben viel gesagtem auch viel impliziert wurde. Vom Toms Seite habe ich beobachtet - und das kann ich gut nachfühlen - das er wirkliche Schwierigkeiten damit hatte sich von der Vorstellung zu lösen, Laryon sei eine literarische Figur. Selbst nach dem er verstanden hat, dass er Leibhaftig vor ihm stand. Er löst sich nicht so schnell von, ich sage mal, Eigentumsvorstellung über seine eigene Figur, selbst nachdem er geschnallt hat, dass er nicht dessen Schöpfer ist. Das ist schön menschlich... den niemand wandelt seine Vorstellungen von einer Sekunde auf die andere. Besonders nicht, wenn es so extrem zur Sache geht. Das macht auch den Druck, den er ausübt vielleicht nicht verzeihlicher aber jedoch verständlicher.
Laryon wird in diesem Gespräch für mich erst wirklich interessant. Vorher war es - wie ich schon mal meinte - mehr seine Welt und seine Umstände als seine Person. Aber hier beginnt er sich mit Zähnen und Krallen zu wehren. Er stämmt sich gegen diese ihm aufgedrängte Vorstellung von einem lenkenden, personifizierten Schicksal - aus dem Weltbild der Bewohner Willerins sehr verständlich wie wir später feststellen. Aber an dieser Stelle steht sein emotionaler Widerwille viel mehr im Vordergrund und dass lässt mich ihm als Leser viel näher fühlen. Zwar führen Tom und Laryon teils eine philosophische Debatte, aber sie ist konkret mit den Emotionen der beiden aufgeladen. Dadurch liest es sich gut; Dadurch hebt es sich von bloßer Exposition bzw Andeutung der Worthüter(?)-Mechaniken ab. Und Laryon wird hier sehr sympathisch weil er Tom nicht Verärgerung und Wutschnauben begegnet und panisch im Kreis rennt, sondern er seine Intelligenz nutzt und den Konflikt erwachsen erstmal zu durchsteigen versucht. Was Tom natürlich topediert und ihn noch kindlicher wirken lässt. Sehr schön gemacht jedenfalls.

Was mir aber als Frage bleibt ist immer noch: Ist der Laryon den wir jetzt kennen lernen tatsächlich der selbe den wir in den Laryon-Kapiteln kennen lernen? Es ist aufgrund der ungewohnten Situation für Laryon und seinen Emotionen nicht klar zu sagen, aber dieser Laryon hier wirkt doch düsterer als der etwas unbeschwerte Grenzreiter. Ich glaube jedoch die Antwort darauf muss nicht unbedingt heißen, dass es zwei Laryons gibt. Sondern das Tom nicht unbedingt alles von Laryon wahrnimmt sondern nur einen Teil, vielleicht abhänging davon, dass er nur einen Teil wahrnehmen kann oder unterbewusst eher die positiven Seiten seines Charakters sehen will. Das ist hier noch die Frage. Eine kleine Auffälligkeit für mich war auch, dass wir Laryon nicht wiedersehen nach seiner Rückehr nach Willerin bis Tom ihn auch wiedersieht.

Also, das wars erstmal wieder von mir. Frohe Weihnachten!

DianaMenschig

vor 4 Jahren

2. Teil Bergkrieg (S. 89-192)
@FabianD

Ich sag dazu besser nichts, sonst verrat ich an dieser Stelle noch was :-)

DianaMenschig

vor 4 Jahren

3. Teil Wortwechsel (S. 193-266)
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oh, *wow*, Fabian, *wow*
Danke für das Lob, was das Umherirren von Laryon anbelant. Das wurde auch schon bemängelt, aber (das sagte ich glaube ich hier auch schon), ich wollte einfach nicht Zigste Variante dieses Themas bringen. Nein, darum ging es eben nicht.

Zwei Laryons ist in gewissem Sinne richtig. Tom sieht ihn mehr durch seine rosarote Brille gefiltert und muss eben jetzt feststellen, dass es eine andere Wirklichkeit gibt. Allerdings lernt der Leser aufgrund der Ereignisse den "lockeren Typen" aus Toms Büchern gar nicht so recht kennen. Der kommt später ein bissel wieder raus, aber das dauert noch :-)

Bis dahin!

FabianD

vor 4 Jahren

4-1. Teil Bergwache (S. 267-331)
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So Weihnachten und Silvester überlebt und eine weitere gute Nachricht: Hüter der Worte durchgelesen! Sehr befriedigt durchgelesen.

Gerade ab "Bergwache" muss ich sagen, ging es in einem Rutsch durch. Woran das jedoch genau liegt kann ich nicht sagen - der (Frei)Zeitfaktor spielt dabei halt auch eine Rolle. Aber es spricht ja für sich, dass ich es gut runterlesen konnte ohne an einer Stelle aus dem Buch katalputiert zu werden oder das Interesse daran zu verlieren. Was hier an Anmerkungen gemacht wurde, dass ein beinahe "analytisches" bzw. hermeneutisches Lesen nötig ist, empfand ich nicht so. Natürlich ein aufmerksames Lesen, wo man schon hier und da kleine wichtige Details bei genauerem hinsehen erkennt, aber gerade das macht ein Buch ja interessant bzw. anregend. Jedoch fand ich den Text an keiner Stelle in einer Weise kryptisch, dass ich mich überfordert oder abgeschreckt sah. Es wird einem eigentlich immer genug Zeit gelassen die Information für sich zu ordnen. Das war ja gerade in "Wortwechsel" mit dem immer wieder unterbrochenem Gespräch von Tom und Laryon zu merken.

Es gab nur eine Stelle wo ich mich etwas... schnell voran geworfen fühlte. Ich kann es leider in keine bessere Worte kleiden. Das war die Stelle, wo Tom nach Willerim kam. Ich als Leser hatte kaum Zeit die Ausgangssituation (Flughafen) zu durchsteigen und schon war ich der Schutzhütte. Das fiel mir vor allem deswegen schwer, glaube ich, weil ich halt vorher nicht richtig auf dem Flughafen angekommen war bzw. nicht so richtig die Brücke schlagen konnte von dem letzten Tom Kapitel. Natürlich weiß ich, dass dort sein Aufbruch schon vorbereitet wurde - doch irgendwie fehlt mir da ein Stück in der Mitte. Natürlich ist in der Zwischenzeit nichts spannendes passiert und deswegen gehört dieser Teil auch nicht wirklich ins Buch. Das ist aus handwerklicher Sicht also sicher nicht die Lösung, aber vielleicht wäre ein wenig mehr Zeit bevor Tom expediert wird nett gewesen, um die Ausgangslage zu realsieren.

Ansonsten gab es ja viel zu lernen in diesem Teil. Die ganze Grundlagen-Exposition der Wortgestalten und Worthüter plus die kleine Fabel (nett wie du sie später nocheinmal kurz aufgreifst, damit ein par letzte Puzzelstücke an ihren Platz fallen). Sehr reizvoll natürlich die beiden lateinischen Benennungen forma verbi und animus. Wobei ich bei "forma" etwas gestutzt habe... es ist natürlich vor allem klassisches Latein was ich kenne, aber es ist mir bisher nicht in der Bedeutung wie du es hier verwendest über den Weg gelaufen. Es bedeutet ja in erster Linie "Gestalt" im Sinne von "Aussehen", "Schönheit", "Äußere Form". Es kommt ja auch von "formare" also etw. "gestalten", "bilden" (wobei ich nicht glaube, dass du es so gemeint hast, obwohl mir auch keine Stelle einfällt, die das genau belegt). So wie man es zB in einem satz á la "Die Gestalt beugte sich über ihn" verwedet, funktioniert es glaub ich nicht. Doch ich lehne mich hier schon ganz schön weit aus dem Fenster. Der größte aller Latinisten bin ich nicht (vor allem weil es für mich immer nur ein Werkzeug war, meine eigene Sprache besser zu beherrschen, bzw. als Quellenzugriff für Geschichte). Naja, aber das kleine Rumgemäkel hier ist eigentlich auch nur ein kleines Stolpern gewesen und vor allem vielleicht sogar gar falsch. Aber hier kommt auch zu tragen, was ich an diesem Konzept eigentlich wirklich interessant finde. Die Frage nach dem Verhältniss zwischen Forma und Animus... Wie es unter Umständen möglich ist auszubrechen... das war ja auch der ursprüngliche Grund, warum ich mich für die Leserunde beworben hatte. Das Konzept fand ich schon in Sophies Welt wirklich interessant - dort aber fand ich war es nicht wirklich ausgespielt bzw. kam es eigentlich zu keiner echten Interaktion zwischen Schreiber und Geschriebenen. Hier natürlich ganz anders, wo es möglich erscheint, dass eigentlich gar keine der beiden Welt literarisch ist... bzw. beide, wenn man es vom Standpukt des Geistes sieht. Also ein schönes weiter Spielen mit dieser Idee. Das macht für mich den Hauptreiz an den "Hütern" aus.

Sind die beiden Begriff forma verbi bzw animus in dieser Hinsicht eigentlich deine Kreation? Oder handelt es sich dabei um philosohische Begriffe, die irgendwer mal als Konzept aufgestellt hat?

Interessant ist aber immernoch für mich, wie genau die Verbindung von Tom und Laryon gestaltet ist bzw. bei Forma und Animus generell funktioniert? Greift der Animus dabei direkt auf das Geschehen zu? Auf die Erinnerung der Person? Letzteres ist besonders interessant, weil es ja schon in der Macht eines Hüters steht, Erinnerungen zu schaffen. Was schon eine krasse Möglichkeit der Machtausübung ist - wenn man bedenkt das ein Mensch faktisch seine "Erinnerung" ist, das Abbild der ihn formenden Ereignisse. Interessant wäre natürlich wie sehr sich die Welt an solche nachträglich geschaffenen Erinnerungen anpasst oder auch nicht. Da liegt unglaubliches Konfliktpotential, weil ein anderes Ereigniss ja alles verändert haben könnte... ich fühlte mich an dieser Stelle auch ein wenig an Inception erinnert (vor allem weil ich den Film, wenige Tage zuvor wieder gesehen hatte).

Dann natürlich drängt sich noch eine Frage auf: Werden Wortgestalten eigentlich geboren, kommt irgendwann ein Punkt ab dem sie zu Wortgestalten werden oder werden sie tatsächlich "geformt"? Ich meine geformt von einem Worthüter... der Erzähler fällt aus solchen Diskusionen sowieso irgendwie raus.

Außerdem frage ich mich, warum kann ein Worthüter seine Wortgestalt ab dem Kontakt nicht mehr so sehr kontrollieren. Ist das einfach ein Naturgesetz? Hat es etwas damit zu tun, dass sie sich nun irgendwie auf einer Ebene befinden? Oder das ein Hüter damit irgendwie den Glauben an die "Literarizität" der Figur verlieren muss?

Davon abgesehen fand ich noch zwei Punkt sehr schön. Einmal die "Meta-Vögel" und der "Meta-Lärm" und dass dahinter auch ein realter Trick steckt (Gleich in die eigene Werkzeugkiste verpackt). Ich finde es eigentlich gerade bei Büchern mit diesem Thema schön, wenn der Autor ein wenig zumindest die Aufmerksamkeit auf solche Tricks lenkt. Es ist ja hier kein "sehr her was ich kann" sondern wird im Laufe der nächsten Kapitel wirklich ein schönes Element der Geschichte mit dem du in Laryon Kapitel die Aufmerksamkeit auf die sich wandelnde Tom Laryon Beziehung setzt. Laryons anfänglicher Ärger bishin zu einer vertrauten Gegenwart seines Hüters. Auch natürlich das Element, dass sich in Toms Texten Autor-Wissen mit Laryon-Wissen vermischt fand ich sehr nett.

Dann die Fleischvergiftung. Sehr gut. Anfänglich war ich ob des Klischees, dass die zivilisierten Fantasy-Geschöpfe kein Fleisch essen, doch etwas... befremdet. Vor allem weil keine richtige Begründung hinterher kam. So aber. Wirklichgut... das Laryon dann doch ein moralisches "Ding" damit hat wird somit wieder zu einem persönlichen Charakterzug und weniger Klischee.

Eine Frage dann noch. Waschsamen. Also die Hülle löst sich auf, wenn sie Nass wird? Passiert das nur, wenn sie reif sind? Weil ansonsten ist das doch evolutionär eher schwierig zu erklären, wie die Pflanze überlebt. Wenn die Samen nicht reif sind und es regnet, hat der Busch plötzlich keine Früchte mehr zu Vermehrung! Witzig und sehr stimmig aber wie Tom sich am Anblick eines für Laryons Emfpinde so banalen Dings erfreut.

DianaMenschig

vor 4 Jahren

4-1. Teil Bergwache (S. 267-331)
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Oh nein, oh nein! Irgendwie hab ich diese letzte Rückmeldung total übersehen. Dabei sind da doch so spannende Fragen und Ideen, zu denen ich gern was sagen möchte:

>So Weihnachten und Silvester überlebt und eine weitere gute Nachricht: Hüter der Worte >durchgelesen! Sehr befriedigt durchgelesen.

Danke! Das freut mich sehr!

>Sehr reizvoll natürlich die beiden lateinischen Benennungen forma verbi und animus.
>Wobei ich bei "forma" etwas gestutzt habe(,,,). Es bedeutet ja in erster Linie "Gestalt" im
>Sinne von "Aussehen", "Schönheit", "Äußere Form". Es kommt ja auch von "formare" also
>etw. "gestalten", "bilden" (wobei ich nicht glaube, dass du es so gemeint hast, obwohl mir
>auch keine Stelle einfällt, die das genau belegt). So wie man es zB in einem satz á la "Die
>Gestalt beugte sich über ihn" verwedet, funktioniert es glaub ich nicht.

Ja und Nein. Ich bin in Latein auch nicht die allerhellste Leuchte und glaube, dass es so nicht verwendet werden könnte. Ich habe, dass als „Gestalt des Wortes“ übersetzt. Diese Gestalt soll hier durchaus wörtlich gemeint sein. Weil eben JEDE Figur in einem Buch aus Worten gestaltet ist. Mehr ist sie ja nicht. Eine tatsächlich visuelle Gestalt oder sogar Persönlichkeit formt sich aus den Worten NUR in unserem Kopf. Faktisch ist sie nicht da, sondern nur die äußere Form, eben die Worte.
Die zweite Bedeutung ist Wortgestalter. Der, der aus den Worten etwas gestaltet. Ich habe lange überlegt, ob ich die Figuren Wortgestalten oder Wortgestalter nenne. Letzten Endes empfinde ich aber bei Wortgestalten den größeren Interpretationsspielraum.

>Doch ich lehne mich hier schon ganz schön weit aus dem Fenster.

Nö, gar nicht :-)

>Hier natürlich ganz anders, wo es möglich erscheint, dass eigentlich gar keine der beiden
>Welt literarisch ist... bzw. beide, wenn man es vom Standpukt des Geistes sieht. Also ein
>schönes weiter Spielen mit dieser Idee. Das macht für mich den Hauptreiz an den "Hütern"
>aus.

*Juchhu!!*

>Sind die beiden Begriff forma verbi bzw animus in dieser Hinsicht eigentlich deine
>Kreation? Oder handelt es sich dabei um philosohische Begriffe, die irgendwer mal als
>Konzept aufgestellt hat?

Die Begriffe sind meine Eigenkreation, wobei „Animus“ quer durch die philosophische/ psychologische Geschichte extrem mit Bedeutung aufgeladen ist.
Die Grundfragen haben sich schon Hunderte Philosophen gestellt. Ich habe mich am ehesten an Arthur Schopenhauer orientiert, aber auch Platon fließt ein. Wenn du übrigens davon ausgehst, dass der Hüter im Jahr 2010 spielt und du von den Todesdaten von Gorn und seinem Worthütern rückwärts rechnest, kommst du auf den Gründungszeitpunkt der Halle. Dieser Zeitpunkt ist auch der mögliche Todeszeitpunkt eines Philosophen, der damit *vielleicht* nie gestorben ist, sondern zum Erzähler wurde….

>Interessant ist aber immernoch für mich, wie genau die Verbindung von Tom und Laryon
>gestaltet ist bzw. bei Forma und Animus generell funktioniert?

Dazu gibt es im Buch keine 100%ige Auflösung. Ich wollte es nicht noch weiter „technisieren“ oder entzaubern, habe aber vor, dass im Blog noch ausführlich zu erläutern.
In Kürze: Tom kann viel weniger als der Erzähler/ Animus, der ja nun an der Spitze der Pyramide steht. Dann kannst du dir die Interaktion wie eine fortwährend mentale Unterhaltung vorstellen. Die kleine (unhörbare) Stimme im Kopf, die dir extrem überzeugend etwas einflüstert.
Vielleicht hast du selbst mal Dinge getan, ohne groß nachzudenken. Handlungen, bei denen du dich hinterher fragst, warum du es so gemacht hast. Ich höre ganz sicher keine Stimmen - Aber solche Situationen habe ich erlebt, und dann war die Idee des Worthüters, der im Hintergrund Fäden zieht, irgendwann geboren.
Ich hoffe, ich beantworte gerade die Frage richtig. Ansonsten frag nochmal nach!

>Greift der Animus dabei direkt auf das Geschehen zu? Auf die Erinnerung der Person?

Kann er beides, sollte er tunlichst unterlassen! Und Animus unterlässt das auch. Der hat einfach nur Freude daran, als Zuschauer dabei zu sein.

>Letzteres ist besonders interessant, weil es ja schon in der Macht eines Hüters steht,
>Erinnerungen zu schaffen. Was schon eine krasse Möglichkeit der Machtausübung ist -
>wenn man bedenkt das ein Mensch faktisch seine "Erinnerung" ist, das Abbild der ihn
>formenden Ereignisse.

Und dazu muss man kein Worthüter sein. Erinnerungen zu manipulieren ist VIEL einfacher, als du denkst. Wir tun das selbst, andere tun das bei uns tagtäglich. Mach dir mal den Spaß und schreibe auf, was du an deinem Geburtstag erlebst, wen du triffst, wie du gekleidet bist. Mach es nach zwei Wochen und mach es nach einem halben Jahr (natürlich ohne nachgucken!) Dann vergleiche mal die Erinnerungen und du wirst dich wundern, was du vergessen hast und/ oder falsch erinnerst!

>Interessant wäre natürlich wie sehr sich die Welt an solche nachträglich geschaffenen
>Erinnerungen anpasst oder auch nicht. Da liegt unglaubliches Konfliktpotential, weil ein
>anderes Ereigniss ja alles verändert haben könnte... ich fühlte mich an dieser Stelle auch
>ein wenig an Inception erinnert (vor allem weil ich den Film, wenige Tage zuvor wieder
>gesehen hatte).

Den Vergleich mit Inception nehme ich gerne an. :-) Auch auf diesen Punkt konnte ich im Buch nicht zu tief eingehen. Erst einmal würden alle Erinnerungen von Nicht-Wortgestalten gnadenlos übergebügelt, egal, was wirklich „passiert“ ist. Sobald an einer Situation eine Wortgestalt beteiligt wäre, wäre ihre Erinnerung immer die „richtige“. Würde sie sich später mit anderen über diese Situation unterhalten, würden die Leute einlenken und zugeben, dass sie sich in der Erinnerung irren. Bei zwei Wortgestalten verschiedener Hierarchieebenen gilt immer die höhere. Und in allen anderen Fällen? Tja…Auf jeden Fall gibt es einen Konflikt, ja klar! Ich will es gar nicht verraten, denn das ist vielleicht doch nochmal ein Punkt, den ich erzählen will. Aber deshalb sollte so etwas ja tunlichst nie gemacht werden!! (Und es kommt auch selten vor!)

>Dann natürlich drängt sich noch eine Frage auf: Werden Wortgestalten eigentlich geboren,
>kommt irgendwann ein Punkt ab dem sie zu Wortgestalten werden oder werden sie
>tatsächlich "geformt"? Ich meine geformt von einem Worthüter... der Erzähler fällt aus
>solchen Diskusionen sowieso irgendwie raus

Wortgestalt sein wird vererbt, und sie werden als solche geboren. Es gibt (kein Witz!) maximal 5040 Wortgestalten gleichzeitig in beiden Welten. Der Worthüter übernimmt das Formen der Wortgestalt, wenn diese ca. 10-12 Jahre alt ist. Das ist ein wenig von seinen Lebensumständen abhängig.

>Außerdem frage ich mich, warum kann ein Worthüter seine Wortgestalt ab dem Kontakt
>nicht mehr so sehr kontrollieren. Ist das einfach ein Naturgesetz? Hat es etwas damit zu
>tun, dass sie sich nun irgendwie auf einer Ebene befinden? Oder das ein Hüter damit
>irgendwie den Glauben an die "Literarizität" der Figur verlieren muss?

Nja, Ein Naturgesetz und: die „flüsternde Stimme im Kopf“ wird nun bewusst. Auf etwas, das man bewusst wahrnimmt, kann man reagieren. Und es liegt im Ermessen der Beteiligten. Je nachdem, wie ihr Verhältnis ist, muss sich gar nicht so viel ändern.
Dann die Fleischvergiftung. (…) Wirklichgut... das Laryon dann doch ein moralisches "Ding" damit hat wird somit wieder zu einem persönlichen Charakterzug und weniger Klischee.
Wobei ja nun die Frage nach der Ursache nicht ganz klar ist: Es könnte ja sein, dass es bei Laryon eine moralische Sache wurde, weil Tom Vögel so gern hat…Dann wäre es nicht seine eigene Überzeugung. Oder aber Tom hat sein Interesse an Ornithologie entdeckt, weil Laryon so moralisch war? Wer kann das schon sagen…?

>Eine Frage dann noch. Waschsamen. Also die Hülle löst sich auf, wenn sie Nass wird?
>Passiert das nur, wenn sie reif sind? Weil ansonsten ist das doch evolutionär eher
>schwierig zu erklären, wie die Pflanze überlebt. Wenn die Samen nicht reif sind und es
>regnet, hat der Busch plötzlich keine Früchte mehr zu Vermehrung!

*grins* Jetzt mach ich doch mal den Brandon Sanderson und liefere die „realistische“ biologische Erklärung (und ähnliche Entsprechungen gibt es in der Natur): Die Netja-Samen brauchen Regen, um zu keimen. Die Region ist kühl und trocken. Also hat die Pflanze eine Strategie entwickelt, um die Samen zum richtigen Zeitpunkt loszuwerden: Solange sie unreif sind, ist die Hülle undurchdringlich (und kein Willeriner würde sie pflücken, weil sie mühselig aufgeschnitten werden müssen. In der frühen Szene, in der Laryon seine Klamotten auswäscht, zerquetscht er ein paar Samen mit den Fingern, damit es schneller geht. Das könnte er mit unreifen Kapseln gar nicht machen). Sobald sie reif sind, wird sie gegen Hitze resistent, löst sie jedoch beim nächsten Regen auf. Das ist alles. Die Anfälligkeit für Wärme im unreifen Stadium hat keinen evolutionären Nachteil, da ein Temperatureinfluss von >30 Grad ja gar nicht vorkommt. Falls doch, hat die Pflanze ein Problem. Aber das ist auch in der Wirklichkeit so.

FabianD

vor 4 Jahren

Rezensionen

Wie immer spät, aber besser als nie:
http://www.lovelybooks.de/autor/Diana-Menschig/H%C3%BCter-der-Worte-968135772-w/rezension/1039463113/

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