Diana Reiners Verinnerlichte Prekarität

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Inhaltsangabe zu „Verinnerlichte Prekarität“ von Diana Reiners

Jugendliche mit Migrationshintergrund sind häufig mit einer ausgeprägten Bildungsbenachteiligung konfrontiert. Diese eröffnet der Mehrzahl der Jugendlichen nur Zugang zum untersten Arbeitsmarktsegment und schreibt den niedrigen sozialen Status der Elterngeneration fest. Diana Reiners geht der Frage nach, welche Erfahrungen jugendliche MigrantInnen bei erfolgloser Ausbildungssuche, Arbeitslosigkeit oder unsicherer Beschäftigung machen. Im Zentrum der ethnographischen Studie stehen die eigenen Sichtweisen der Jugendlichen und ihr Umgang mit den prekarisierten Lebensbedingungen. Dabei wird deutlich, dass ihre Suche nach Handlungsstrategien angesichts der Perspektivlosigkeit sie gerade in jene prekäre und flexibilisierte Beschäftigungsbedingungen hineinsozialisiert, die sie überwinden möchten. Die Arbeit wurde 2008 mit dem Dissertationspreis für Migrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien ausgezeichnet.

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  • Rezension zu "Verinnerlichte Prekarität" von Diana Reiners

    Verinnerlichte Prekarität

    michael_lehmann-pape

    02. May 2011 um 15:01

    Prekäre Folgen des neoliberalen Umbaus der Gesellschaft Die Diskussion ist seit Jahren im Gange. Dass zumindest in allen westeuropäischen, aber auch in vielen anderen Kulturen, um sich greifend, Formen von sozialen Biographien entstehen, die prekäre Lebensformen fast schon „vererben“. Dass hier gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund eine zahlenmäßig deutlich erhöhte Gruppierung darstellen und wie mit dieser zunehmenden Entwicklung ein konstruktiver Umgang gefunden werden kann, damit wesentliche gesellschaftliche Elemente wie soziale Teilhabe und mögliche Integration nicht vollends unumkehrbar geschädigt werden. Für einen solchen konstruktiven Umgang aber bedarf es zunächst einer genauen Klärung der Hintergründe und der auslösenden Momente einer solchen Entwicklung. Eine Untersuchung, die Diana Reiners nun auf knapp 220 Seiten vorlegt und deren Schwerpunkt eine Erhebung des Status quo ist, wie sich die Erfahrungen von Prekarität auf dem Lehrstellen- und Arbeitsmarkt und in der Erlebniswelt der Jugendlichen niederschlagen. Desintegration breitet sich an de Rändern der Gesellschaft aus, dass ist eines der Ergebnisse der Untersuchung und führt zu einer „Exklusion der Überflüssigen“, wie Reiners es durchaus angemessen drastisch formuliert. Dabei wirft sie einen zweiten Schwerpunktblick auf die fundiert erhobene Darstellung der Auswirkungen auf den gesamten Lebensbereich und die gesamte Lebenshaltung dieser schwindenden Aussichten in einem sich verengendem Arbeitsmarkt gerade auf Jugendliche mit Migrationshintergrund, die besonders betroffen von dieser Entwicklung sind. Exemplarisch für die Situation erhebt Reiners im ersten Teil ihrer Untersuchung die Auswirkungen der Prekarisierungsprozesse auf das soziale und kulturelle Gefüge der Gesellschaft Österreichs. Im zweiten Teil konkretisiert Reiners ihre Einlassungen in Hinsicht einer strukturellen Ausgrenzungen, die durchaus systemisch Migranten niedere Positionen im Sozialgefüge zuweisen. Im dritten Teil stellt sie, anhand der Methode von 30 Tiefeninterviews, in Auswahl vier Portraits exemplarischer Lebenshaltungen und konkret vorhandener Lebenswelten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund dar. Der letzte Teil des Buches dient der Ergebnissicherung und darin der Darstellung der Folgen (auch prognostisch) der Untersuchungsergebnisse und der drohenden Verfestigung der Prozesse samt deren Auswirkungen auf die Gesellschaft einerseits und die Betroffenen andererseits. Eine der wichtigen Erkenntnisse der Untersuchung ist, dass die gewählten Strategien des Umgangs mit dem Problem der Prekarisierung von beiden Seiten, der Seite der Gesellschaft und der Seite der Betroffenen her, gegenwärtig eher zu einer Reproduktion der prekären Lage führt als zu deren Veränderung. Diana Reiners Einlassungen enthalten wichtige Informationen und Hinweise auf die Notwendigkeit eines Strategiewechsels von politischer Seite her, aber auch auf solche Strategieänderungen in der zukünftigen Arbeit mit betroffenen Jugendlichen, die dort andere Möglichkeiten und die Notwendigkeit zu veränderten Strategien einsichtig mitteilt und verankert. Die bisherige Form des Umgang mit dem Problem sich verfestigender Prekarität in bestimmten Gruppen der Bevölkerung würde nur zu einer Fortschreibung des Problems führen. Das Buch ist für interessierte Laien kaum geeignet. Es dient als sozialwissenschaftliches Fachbuch in erster Linie der vertiefenden Forschung in der aufgeworfenen Frage, der weiteren Erhebung von möglichen Strategien und auf politischer Seite einer neuen Herangehensweise an das Problem zunehmender und sich verfestigender Prekarisierung. Logisch folgerichtig aufgebaut, methodisch sauber gearbeitet und im Ergebnis zu klaren Folgerungen gelangend stellt Reiners mit ihrer Untersuchung wichtiges Material für die weitere Diskussion dieses „prekären“ Themas zur Verfügung.

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