Didier Decoin

 4.2 Sterne bei 21 Bewertungen

Lebenslauf von Didier Decoin

Preisgekrönter Schriftsteller und Drehbuchautor: Der preisgekrönte französische Schriftsteller Didier Decoin wurde 1945 im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt als Sohn des bekannten Filmemachers Henri Decoin geboren. Nach seiner Ausbildung arbeitete Didier Decoin als Journalist bei verschiedenen Zeitungen wie Le Figaro und veröffentliche 1966 seinen Debütroman „Le Procès à l'Amour“. Der große Durchbruch gelang ihm im Jahr 1977 mit „John L'Enfer“ (dt.: „Fenster zur Hölle“, 1994): Die Erzählung über einen amerikanischen Ureinwohner, der im New York der 70er-Jahre als Fensterputzer an Wolkenkratzern arbeitet, wurde mit den größten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet. 2017 widmete er das Buch „Le bureau des jardins et des étangs“ (dt.: „Das Ministerium der Gärten und Teiche“, 2018) seinen japanischen Vorbildern wie dem Autor Kawabata. Schriftsteller, Drehbuchautor und Festivalpräsident: Didier Decoins Werk umfasst Romane, Essays und Theaterstücke, zahlreiche Drehbücher und Adaptionen von Romanklassikern für das Fernsehen. Sein Drehbuch für die Miniserie „Der Graf von Monte Christo“ wurde 1999 mit dem Filmpreis Le Sept d'Or ausgezeichnet. Seit 1995 gehört Didier Decoin der Académie Goncourt an, die den gleichnamigen Preis verleiht, und wurde 2012 zum Präsidenten des jährlichen Fernsehfestivals in Biarritz gewählt. Didier Decoin lebt mit seiner Frau in der Normandie.

Alle Bücher von Didier Decoin

Der Tod der Kitty Genovese

Der Tod der Kitty Genovese

 (17)
Erschienen am 28.02.2011
Das Ministerium der Gärten und Teiche

Das Ministerium der Gärten und Teiche

 (2)
Erschienen am 30.08.2018
Die schöne Buchhändlerin

Die schöne Buchhändlerin

 (1)
Erschienen am 01.09.1999
Henri ou Henry : Le roman de mon père

Henri ou Henry : Le roman de mon père

 (1)
Erschienen am 23.05.2006
Est-ce ainsi que les femmes meurent ?

Est-ce ainsi que les femmes meurent ?

 (0)
Erschienen am 26.05.2010

Neue Rezensionen zu Didier Decoin

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Rezension zu "Das Ministerium der Gärten und Teiche" von Didier Decoin

Ich kann zu dem Buch keine eindeutige Aussage machen
Xandrinvor 17 Tagen

ch kann zu diesem Buch keine klare Aussage machen ob ich es gut fand oder nicht.
Das Positive:
Der Schreibstil auch in der Übersetzung ist teils sehr poetisch und zeichnet ein wunderbares Bild , wie man es von alten japanischen Bildern kennt die vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen. Es ist mehr die Geschichte einer Reise , es gibt keinen Spannungsbogen im üblichen Sinn.
Das Negative:
Es gibt sehr ausschweifende , langatmige Passagen die mit der gesamten Handlung nichts zu tun haben und auch nichts zur Geschichte beitragen.
Die teils sehr detaillierten Sexszenen wirken störend und unpassend in der sonst harmonischen Erzählung , sie tragen auch nichts sinnvolles zur Handlung bei und sind überflüssig. Das Ende habe ich als sehr überstürzt empfunden . Das Buch war einfach plötzlich aus so das ich dachte , was soll das jetzt .
Es hätten wenigstens noch ein paar Sätze gefehlt um das Ende harmonisch abzurunden , das hätte dem Buch in jedem Fall gut getan .
Ich möchte weder von dem Buch abraten noch es empfehlen.

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Rezension zu "Der Tod der Kitty Genovese" von Didier Decoin

... und sie taten nichts.
Stefan83vor 4 Jahren

„Die Welt ist ein gefährlicher Ort. Nicht wegen denen, die Böses tun, sondern wegen denen, die dabei zusehen und nichts tun, um es zu verhindern.“

Albert Einsteins Zitat setzt den Schlusspunkt in dem gerade mal 160 Seiten umfassenden Tatsachenbericht, der, in Romanform verfasst, zum Besten gehört, was ich im Genre des sogenannten „True Crime“ zwischen den Händen gehalten habe. Und die Worte des schlauen Mannes mit der langen Zunge sind auch mehr als gut gewählt, bezieht doch Didier Decoins Rekonstruktion eines echten Verbrechens ihre Stärke nicht nur aus den dramatischen Vorgängen des Tathergangs, sondern auch aus der beklemmenden Ungeheuerlichkeit – was zu gleichen Teilen am Vorgehen des Mörders wie dem Verhalten der zahlreichen Zeugen liegt.

Queens, 13. März 1964: Um 3.15 Uhr stellt die 28-jährige Kitty Genovese, die von ihrer Schicht als Kellnerin nach Hause kommt, ihren Wagen in der Nähe ihres Apartments ab. Als sie aus dem Auto steigt, nähert sich ihr ein Mann. Dieser Mann ist Winston Moseley, der mit seiner Frau und zwei Kindern ebenfalls in Queens lebt. Winston Moseley arbeitet als Bürokraft, hat keine Schulden, ist nicht vorbestraft und bisher nie auffällig geworden. Trotzdem erregt etwas an der Art, wie er sich Kitty Genovese nähert, deren Misstrauen. Sie versucht, eine Notrufsäule zu erreichen, wird jedoch von Moseley eingeholt und auf offener Straße niedergestochen. Über einen Zeitraum von mehr als einer halben Stunden wird Kitty Genovese von Winston Moseley vergewaltigt, schwer verletzt und am Ende ermordet – während mindestens 38 Zeugen ihre Schreie hören oder aus erleuchteten Fenstern heraus das Geschehen beobachten.

Niemand hilft …

Die Aufgabe einer Rezension ist es naturgemäß, den vorliegenden Inhalt eines Buches sachlich zu beschreiben, zu analysieren und zu bewerten, um unter anderem etwaig interessierten Lesern bzw. potenziellen Käufern einen kurzen Überblick zu geben und eventuell sogar bei der Entscheidungsfindung unter die Arme zu greifen. Didier Decoins „Der Tod der Kitty Genovese“ hebelt diese übliche Herangehensweise jedoch bereits nach wenigen Seiten aus, so dass am Ende der Lektüre viel mehr die eigenen Gefühle, als der vorliegende Text verarbeitet werden wollen. Seit „Kaltblütig“ von Truman Capote – das völlig zurecht von dem politischen Wochenmagazin „Le Point“ auf dem Titelbild als Vergleich hinzugezogen wird – habe ich nicht mehr eine solche Anteilnahme an dem Inhalt eines Buches empfunden, fühlte ich derart intensiv den Finger in die Wunde gelegt, ob die eigenen Beteuerungen der Zivilcourage im Angesicht eines Verbrechens wirklich standhalten würden. Wie hätte ich selbst in dieser Situation reagiert? Wie würde ich damit umgehen, nichts getan zu haben? Wie anmaßend ist es von mir, Scham und Wut angesichts der 38 (!) Personen zu empfinden, die sich tatenlos abgewandt und damit den Mord an dieser jungen Frau im Prinzip erst ermöglicht haben?

Wo sich sonst die Behandlung eines Verbrechens auf die Tat selbst konzentriert, beleuchtet Decoin das Vergehen aus psychologischer Sicht. Wir wissen wer das Opfer ist, was es vorher tat, was ihr Umfeld war. Wir wissen, dass der Angeklagte der Täter war, wissen warum er es getan (auch wenn wir weit davon entfernt sind, es zu verstehen bzw. verstehen zu wollen). Wir wissen, wie die Geschworenen im Prozess entscheiden werden. Was wir aber nicht wissen ist: Welche Rolle haben die Zeugen gespielt? Wie ist es möglich, dass 38 Menschen NICHT gesehen haben wollen, dass vor ihren Augen, unter ihren Fenstern, vor ihrer Haustür, ein brutaler Mord geschehen ist. Und warum eine Frau – mehrmals – so laut sie konnte um Hilfe schrie, ohne diese von irgendjemanden zu erhalten. Decoin geht diesen Punkt geschickt an, indem er aus der Perspektive eines fiktiven Erzählers – ein Anwohner, welcher zum Zeitpunkt des Mordes gemeinsam mit seiner Frau verreist war – die schrecklichen Ereignisse dieser Nacht minutiös rekapituliert. Und er tut dies mit einer präzisen, pragmatischen Sachlichkeit, welche die grausamen Umstände genauso hervorhebt, wie der Schnee das Blut des Tatorts.

Didier Decoins schriftstellerische Fähigkeiten angesichts einer solchen, wirklich begangenen Gewalttat hervorzuheben, ist nicht ohne einen gewissen makabren Zynismus, aber dennoch notwendig, ist es doch die Wahl der Worte, die hier relativ schnell den Schutzpanzer des Lesers durchdringt, weshalb zumindest mir dieses relativ kurze Buch stärker an die Nieren ging, als so mancher 500 Seiten umfassenden Serienkillerplot. Schnörkellos und vor allem ohne moralischen Fingerzeig skizziert er diesen halbstündigen Ausfall des menschlichen Mitgefühls, der es Moseley erlaubte, sein Verbrechen ohne größere Störung zu begehen und in seinem Sinne zu beenden. Eine halbe Stunde – vom ersten Stich des Messers über die zwischenzeitlich geglückte Flucht Kittys bis hin zur Vollendung der Tat im Hausflur eines riesigen Mehrfamilienhauses. Erst hier, das Opfer ist bereits tödlich verletzt und geschändet worden, greift eine der Zeuginnen zum Telefonhörer. Viel zu spät …

Auch wenn sich Decoin mit Verurteilungen zurückhält (lediglich in der Aussage des ermittelnden Polizisten deutet er die Abscheu angesichts des Ausbleibens jeglicher Hilfeleistung an), ist „Der Tod der Kitty Genovese“ natürlich ein Fingerzeig auf den Mangel an Zivilcourage, der mit Sicherheit kein Relikt der 60er – erst im August 2008 kam es in Queens wieder zu einem ähnlichen Verbrechen – sondern immer noch Teil unserer Gesellschaft ist. Der Fall zeigt gleichzeitig auf, wozu Menschen fähig und wozu sie eben nicht fähig sind, was, und das haben Sozialpsychologen herausgefunden, im höchsten Maße von der Gruppendynamik abhängig ist. Je mehr Menschen Zeuge eines Verbrechens sind, umso mehr verlässt sich jeder einzelne auf das Einschreiten des anderen, wird sich untereinander im Stillen die Verantwortung zugeschoben, um nicht selbst in die schrecklichen Umstände mit hineingezogen zu werden. Genau diese Thematik griff 1964 auch der „New York Times“-Journalist Martin Gansberg auf, welcher die Diskussion über Zivilcourage mit seiner schonungslosen Reportage über den Mord an Kitty Genovese befeuerte. Seitdem nennt man die anhaltende Untätigkeit von Zeugen auch „Bystander-Effekt“ oder „Genovese-Syndrom“.

Gansbergs Reportage wird – wie auch Decoins Buch – sicherlich einige schockiert und sprachlos gemacht, aber angesichts der vielen ähnlichen Fälle in den Jahren danach, nur wenig Wirkung gezeigt haben. Beide geben sie zwar Antworten auf viele Fragen, aber die eine, bereits oben genannte, kann nur jeder für sich selbst – und das wohl ebenfalls nicht ohne Zweifel – für sich beantworten: Was hätte ich getan?

„Der Tod von Kitty Genovese“ ist von literarisch herausragender Qualität. Eine protokollarische, klar gegliederte Kriminalgeschichte, welche genauso tief berührt und schockiert, wie sie nachdenklich macht. Für mich eines der besten Bücher meines persönlichen Lesejahrs 2014.

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Rezension zu "Der Tod der Kitty Genovese" von Didier Decoin

Rezension zu "Der Tod der Kitty Genovese" von Didier Decoin
pardenvor 6 Jahren

DEN DAUMEN IN DIE WUNDE...

... legt Didier Decoin mit seinem Roman über die wahre Begebenheit um die Ermordung der 28-jährigen Kitty Genovese.

Als Kitty Genovese im März 1964 um 3.15 Uhr von ihrer Schicht als Kellnerin nach Hause kommt, ihren Wagen in der Nähe ihres Apartments abstellt und aus dem Auto steigt, nähert sich ihr ein Mann. Etwas an der Art, wie er sich ihr nähert, erregt Kitty Genoveses Misstrauen. Sie versucht, eine Notrufsäule zu erreichen, wird jedoch eingeholt und auf offener Straße niedergestochen.
Obwohl sie immer wieder um Hilfe ruft, wird sie über einen Zeitraum von mehr als einer halben Stunde vergewaltigt, schwer verletzt und am Ende ermordert - während mindestens 38 Zeugen ihre Schreie hören oder sogar aus erleuchteten Fenstern heraus das Geschehen beobachten. Niemand hilft...

Nach Einsicht der alten Akten zu Zeugenbefragungen und Gerichtsverhandlung, hat Didier Decoin in diesem Roman die Rekonstruktion des Verbrechens gewagt. Dabei ist es ihm gelungen, eine atmosphärisch dichte Erzählung zu weben, die genaue Bilder der Umgebung vermittelt und dabei Opfer, Täter und einen unbeteiligten Beobachter zu Wort kommen lässt.
Sachlich geschildert, wird dennoch die Ungeheuerlichkeit der Vorgänge deutlich - sind doch die Zeugen des Vorfalls durch ihr Nichtstun zu großen Teilen für den Tod der Kitty Genovese verantwortlich...

Im Anschluss an die Rekonstruktion des Verbrechens und seiner Folgen legt der Autor im Nachwort nochmal nach. Er legt Ergebnisse wissenschaftlicher Experimente zum Phänomen der Untätigkeit von Zeugen vor: wenn nur 2 Personen einen Hilferuf vernehmen, greifen sie in 85% aller Fälle ein, bei 3 Zeugen sind es schon nur noch 65% und bei 6 Personen lediglich noch 31% - sobald andere anwesend sind, diffundiert die Last der Verantwortung.
Und so wird schnell deutlich, dass der "Bystander-Effekt" oder auch das "Genovese-Syndrom" (benannt nach o.g. Mordfall) kein einmaliges Phänomen ist. Sondern Gültigkeit hat bis in die heutige Zeit. Selbst Einstein kannte dies schon und meinte dazu: "Die Welt ist ein gefährlicher Ort. Nicht wegen denen, die Böses tun, sondern wegen denen, die dabei zusehen und nichts tun, um es zu verhindern." (S. 159)

Beeindruckend und aufwühlend!

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Didier Decoin wurde am 13. März 1945 in Boulogne-Billancourt (Frankreich) geboren.

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