Didier Eribon

 4,2 Sterne bei 56 Bewertungen
Autor von Rückkehr nach Reims, Gesellschaft als Urteil und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Didier Eribon

Homosexueller Franzose avanciert zum Bestsellerautor: Der 1953 geborene französische Autor hat in Reims und Paris Philosophie studiert und als Journalist für die Zeitung „Libération“ und das Magazin „Le Nouvel Observateur“ gearbeitet. Nach Gastprofessuren an der University of California in Berkeley und am Institute for Advanced Study in Princeton erhielt er eine Anstellung als Hochschullehrer an der Université de Picardie Jules Verne in Amiens. Sein Werk „Retour à Reims“ erschien in Frankreich im Jahr 2009. Die Übersetzung „Rückkehr nach Reims“ (2016) avancierte in Deutschland zum Bestseller. Didier Eribon erzählt die autobiographisch geprägte Geschichte über seine Kindheit im vorwiegend kommunistischen Arbeiterviertel in Reims. Unter der Homophobie seines Herkunftsmilieus hat der homosexuelle Schriftsteller, der nun in Frankreichs Hauptstadt Paris lebt, sehr gelitten.

Alle Bücher von Didier Eribon

Cover des Buches Rückkehr nach Reims (ISBN: 9783518473139)

Rückkehr nach Reims

 (41)
Erscheint am 13.03.2023
Cover des Buches Gesellschaft als Urteil (ISBN: 9783518073308)

Gesellschaft als Urteil

 (6)
Erschienen am 09.10.2017
Cover des Buches Michel Foucault (ISBN: 9783518395868)

Michel Foucault

 (5)
Erschienen am 19.12.1999
Cover des Buches Betrachtungen zur Schwulenfrage (ISBN: B07QC7KBY6)

Betrachtungen zur Schwulenfrage

 (2)
Erschienen am 15.12.2019
Cover des Buches Rückkehr nach Reims (ISBN: 9783864846618)

Rückkehr nach Reims

 (1)
Erschienen am 27.01.2021
Cover des Buches Retour à Reims (ISBN: 9782081244832)

Retour à Reims

 (1)
Erschienen am 27.10.2010

Neue Rezensionen zu Didier Eribon

Cover des Buches Rückkehr nach Reims (ISBN: 9783518072523)
LittleRoses avatar

Rezension zu "Rückkehr nach Reims" von Didier Eribon

Gnadenlos direkt
LittleRosevor 8 Monaten

"Ich verwirrte sie [seine Mutter], und mir wurde das immer gleichgültiger. Ich hatte mich von ihr, von ihnen, von ihrer Welt längst losgesagt."

Inhalt

Der Tod seines Vaters veranlasst Didier Eribon nach Reims zurückzukehren, dem Ort seiner Kindheit, die Heimat seiner Familie. Doch es ist eine widerwillige Heimkehr, nach jahrelanger Funkstille. Konfrontiert mit vergessen geglaubten Erinnerungen und erneut aufflammenden Konflikten, begibt sich der Autor auf Spurensuche. Er möchte die Ursachen des Zerwürfnisses zwischen ihm und seiner Familie ergründen.  Als Soziologe kommt Eribon nicht umhin, zu begreifen, dass seine Probleme weit über das Private hinausreichen, denn sie sind Sinnbild einer gespaltenen Gesellschaft.

Meine Meinung

Mir hat „Rückkehr nach Reims“ ausgesprochen gut gefallen. Die Mischung aus Autobiographie und soziologischer Abhandlung ist dem Autor schön gelungen. Es ist ein informativ dichtes Buch, das zeigt sich vor allem an den Fußnoten, die auf weitere Werke der Soziologie verweisen. Gleichwohl bleibt Eribon dem literarischen Stil seiner Erzählung treu. Demensprechend habe ich das Buch schnell und gerne gelesen. Zwar mag der Schreibstil leicht sein, die hier präsentierten Themen sind es nicht.

Zum einen spielt die Homosexualität des Autors eine wichtige Rolle, sie ist einer der Gründe, die zur Entwurzelung beigetragen haben. So hat der Vater nie akzeptiert, dass sein Sohn Männer liebt. Darüber hinaus hat sich Eribon im Zuge seines sozialen Aufstiegs, immer mehr von der Lebenswirklichkeit seiner Familie entfernt. Aber nicht nur die zunehmende Distanz zu seiner Heimat, macht ihm zu schaffen. Als Spross einer Arbeiterfamilie, wird unser Autor gleichzeitig mit den Eigenheiten des französischen elitären Universitätssystems konfrontiert. Er ist in zwei Welten unterwegs und gehört doch nirgends dazu.

Auf gekonnte Weise stellt Eribon seine persönlichen Erfahrungen in den Kontext von Bourdieus Habitus-Theorie. Nichtsdestotrotz kann es den Schmerz ob der Zurückweisung nicht kaschieren. So schwingt an vielen Stellen Bitterkeit mit, sei es über den Bruch mit der Familie oder über das Nichtvorhandensein der vielbeschworenen Chancengleichheit.

Fazit

„Rückkehr nach Reims“ bezieht sich in erster Linie auf Frankreich, kann aber meiner Meinung nach, auf fast alle modernen Gesellschaften übertragen werden. Wer verstehen möchte, weshalb rechtspopulistische Bewegungen [nach wie vor] Erfolge verzeichnen, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Und falls man noch nicht das Vergnügen hatte, empfehle ich als zusätzliche Lektüre, Bourdieus „Die feinen Unterschiede“. Natürlich ist das kein Muss. Eribons Werk allein, bietet genügend Stoff für aufschlussreiche Erkenntnisse. Von mir gibt es fünf von fünf Lesesternchen.

Kommentare: 6
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Cover des Buches Rückkehr nach Reims (ISBN: 9783864846618)
sabatayn76s avatar

Rezension zu "Rückkehr nach Reims" von Didier Eribon

'Wiedersehen mit einem ebenso konservierten wie negierten Selbst'
sabatayn76vor einem Jahr

‚Die Spuren dessen, was man in der Kindheit gewesen ist, wie man sozialisiert wurde, wirken im Erwachsenenalter fort, selbst wenn die Lebensumstände nun ganz andere sind und man glaubt, mit der Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Deshalb bedeutet die Rückkehr in ein Herkunftsmilieu, aus dem man hervor- und von dem man fortgegangen ist, immer auch eine Umkehr, eine Rückbesinnung, ein Wiedersehen mit einem ebenso konservierten wie negierten Selbst. Es tritt dann etwas ins Bewusstsein, wovon man sich gerne befreit geglaubt hätte, das aber unverkennbar die eigene Persönlichkeit strukturiert: das Unbehagen, zwei verschiedenen Welten anzugehören, die schier unvereinbar weit auseinanderliegen und doch in allem, was man ist, koexistieren.‘ (Track 1)

Jahrzehntelang hat Didier Eribon Abstand gesucht: Abstand vom verhassten Vater. Abstand von der Gegend, in der er aufgewachsen ist. Abstand von der sozialen Schicht, aus der er ursprünglich stammt.

Nach der Krankheit und dem Tod seines Vaters kehrt Eribon zurück nach Reims, und mit der Rückkehr in die alte Heimat kommen die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, an seinen Vater und seine Mutter, an seine regelrechte Flucht nach Paris, an sein Coming-out, an die Scham, die ihn oft begleitete, wenn er an seine Familie, seine Herkunft, das Milieu seiner frühen Sozialisierung dachte.

‚Rückkehr nach Reims‘ ist ein persönliches Bekenntnis, aber auch ein soziologischer, philosophischer, psychologischer, politischer Abriss des Lebens in Frankreich. Mich hat dieser Mix an Themen und Einflüssen begeistert, und beim Hören merkt man sehr gut, wie stark der Einfluss Eribons auf seinen Freund Édouard Louis ist, dessen Bücher ich sehr schätze und der sich mit ganz ähnlichen Themen beschäftigt. 

Eribons Text fand ich somit schlichtweg wunderbar und lege diesen jedem ans Herz. 

Weniger begeistert hat mich die Lesung von Thomas Ostermeier, dessen Interpretation von ‚Rückkehr nach Reims‘ auf mich eher gelangweilt wirkte. Für meine Ohren klang Ostermeiers Lesung bemüht relaxt und stellenweise etwas überheblich. 

‚Rückkehr nach Reims‘ selbst ist allerdings ein ganz besonderes, ein weises, ein sehr ehrliches und ein berührendes Buch. 

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Cover des Buches Betrachtungen zur Schwulenfrage (ISBN: B07QC7KBY6)
Nespavanjes avatar

Rezension zu "Betrachtungen zur Schwulenfrage" von Didier Eribon

Didier Eribons wichtigstes Werk
Nespavanjevor 3 Jahren

Bereits Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts hat Didier Eribon das Buch mit dem Titel „Betrachtungen zur Schwulenfrage“ veröffentlicht. Zu der damaligen Zeit wäre wohl ein solches Sachbuch auf Deutsch ein Skandal und nicht möglich gewesen. So musste der geneigte Leser beinahe 20 Jahre auf dessen Übersetzung warten. Das hat einen Vorteil. Es ist quasi ein frischer Blick in die jüngste Vergangenheit. In 20 Jahren verändert sich sehr viel und wenn man zurückblicht, gerade bezüglich der LGBTIQ Community und den gesetzlichen Regelungen angeht, hat sich viel zum Positiven verändert. Didier Eribon begann bereits 1995 an diesem Buch zu schreiben. Als dieses Buch 1999 erschien, war es erst 9 Jahre her, dass die WHO Homosexualität noch als psychische Erkrankung gelistet hatte. Der eingefangene Zeitgeist setzt sich mit damals aktuellen Themen auseinander und hilft auch die Gegenwart zur reflektieren. Zuerst beschäftigt er sich mit den Beleidigungen gegenüber von Homosexuellen. Zum ersten Teil tönt „Die Welt“, dass er Opfer seiner eigenen Ressentiments ist. Fast möchte ich meinen, dass der Ersteller des Artikels wohl heterosexuell ist und sich diesen Beleidigungen noch nie stellen musste, oder er hat schlicht den ersten Teil überlesen oder nicht verstanden. Der zweite Teil ist historisch orientiert und bezieht sich auf Größen Oscar Wildes bis hin zu Michel Foucault. Dem Philosophen widmet sich der Soziologe hauptsächlich im dritten Teil.

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Zusätzliche Informationen

Didier Eribon wurde am 10. Juli 1953 in Reims (Frankreich) geboren.

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