Dieter Bührig Der Klang der Erde

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Inhaltsangabe zu „Der Klang der Erde“ von Dieter Bührig

Der Geiger Max Auerbach hat nach dem Scheitern seiner Ehe eine Anstellung beim Lübecker Stadtorchester unter Leitung des jungen Dirigenten Wilhelm Furtwängler gefunden. Als der glühende Verehrer Mahlers im Mai 1911 vom Tod des Wiener Meisters erfährt, verliert er jeden Halt: Auerbach entwickelt eine gefährliche Persönlichkeitsstörung. Er nimmt einen Doppelgänger wahr, der ihm aufträgt, in München die Orchesterpartitur von Mahlers „Lied von der Erde“ zu stehlen und den Dirigenten der Uraufführung, Bruno Walter, zu töten …

Sehr gute Verbindung von historischen Roman und bildhafter Beschreibung der Musik!

— mabuerele
mabuerele

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  • Leserunde zu "Der Klang der Erde" von Dieter Bührig

    Der Klang der Erde
    DieterBuehrig

    DieterBuehrig

    Ich möchte euch wieder zu einer Leserunde einladen, diesmal jedoch nicht über einen Krimi sondern über meinen ersten historischen Roman "Der Klang der Erde". Zum Buch: Der Geiger Max Auerbach hat nach dem Scheitern seiner Ehe eine Anstellung beim Lübecker Stadtorchester unter Leitung des jungen Dirigenten Wilhelm Furtwängler gefunden. Als der glühende Verehrer Mahlers im Mai 1911 vom Tod des Wiener Meisters erfährt, verliert er jeden Halt: Auerbach entwickelt eine gefährliche Persönlichkeitsstörung. Er nimmt einen Doppelgänger wahr, der ihm aufträgt, in München die Orchesterpartitur von Mahlers „Lied von der Erde“ zu stehlen und den Dirigenten der Uraufführung, Bruno Walter, zu töten … Ein historischer Roman aus der Zeit des Fin-de-Siècle (also der turbulenten Zeit kurz vorm 1. Weltkrieg) nach Motiven aus dem "Lied von der Erde" von Gustav Mahler. Ein Roman über die Würde unerfüllter Träume. ... Nur für Leser, die keine Berührungsängste mit der Musik haben ... Zum Einstieg ein paar kleine Fragen: Warum lest ihr historische Romane ? Warum beschäftigt ihr euch mit der Vergangenheit? Wäre es nicht besser, den Blick in die Zukunft zu richten? Ich freue mich auf die Leserunde zu einem Buch, das mir besonders am Herzen liegt.

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    DieterBuehrig

    DieterBuehrig

    12. December 2013 um 08:39
    elisabethjulianefriederica schreibt Eine schöne Adventszeit voller Musik ! (Vielleicht in dem Fall nicht unbedingt Gustav Mahler ;))

    Danke, gleichfalls. Danke auch für die positive Rezension. Nein, in der nebligdüsteren Vorweihnachtszeit steht bei mir meistens besinnliche Musik von der Laute oder der Konzertgitarre auf dem ...

  • Der Klang der Erde - Reminiszenz an Gustav Mahlers Musik

    Der Klang der Erde
    elisabethjulianefriederica

    elisabethjulianefriederica

    11. December 2013 um 21:39

    Stimmungsvoller Roman voll Musik von Gustav Mahler Zum Inhalt: Der Geiger Max Auerbach hat nach dem Scheitern seiner Ehe eine Anstellung beim Lübecker Stadtorchester unter Leitung des jungen Dirigenten Wilhelm Furtwängler gefunden, Als der glühende Verehrer Mahlers im Mai 1911 vom Tod des Wiener Meisters erfährt, verliert er jeden Halt : Auerbach entwickelt eine gefährliche Persönlichkeitsstörung. Er nimmt einen Doppelgänger wahr, der ihm aufträgt, in München die Orchesterpartitur von Mahlers „Lied von der Erde“ zu stehlen und den Dirigenten der Uraufführung, Bruno Walter, zu töten ... Dieser atmosphärisch dichte Roman war das dritte Buch, das ich von Dieter Bührig gelesen habe, nach „Die verschollene Jungfrau“ und „Schattenmenagerie“. Wieder muss man sich auf die Geschichte und die musikalische Atmosphäre einlassen, um das Buch geniessen zu können.Ich fand die Beschreibung des Bildungsbürgertums im Lübeck des Jahres 1911 sehr gelungen, die Passagen zur Musik Gustav Mahlers bei der Uraufführung des „Lieds von der Erde“ gut recherchiert und die Musik schon in der Beschreibung in Farben und den Vergleich mit einem Aquarell sehr poetisch und gut nachvollziehbar. Ich empfehle , bei der Lektüre dieses Buches gleich eine Aufnahme mit Mahlerscher Musik anzuhören. Dann kann man sich so richtig auf die Geschehnisse dieses melancholischen Romans einlassen, ich empfehle dieses Buch für Musikliebhaber, die ein wenig musikgeschichtlichen Hintergrund mitbringen oder sich mit der Musik dieser Zeit beschäftigen wollen. Allerdings verschmilzt der Bereich von Fiction und Historie ziemlich, es wäre gut gewesen, dies in einem Nachwort ein wenig zu erläutern.Interessant fand ich den Anhang mit der Gegenüberstellung von Hans Bethges Text „Das Trinklied vom Jammer der Erde“ und der Fassung von Gustav Mahler, sowie die zahlreichen Fussnoten zum Text, die mir aber direkt unten an der jeweiligen Textstelle übersichtlicher erschienen wären.

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  • Der Klang der Erde

    Der Klang der Erde
    Blaustern

    Blaustern

    10. December 2013 um 20:09

    Max Auerbach ist erster Geiger beim Lübecker Stadtorchester und ein großer Verehrer von dem Komponisten Gustav Mahler. Als er im Lübecker Anzeiger die Schlagzeile liest „Gustav Mahler ist tot.“, bricht für ihn eine Welt zusammen und seine Verhaltensmuster ändern sich fortan drastisch. Auerbach sieht sich selbst als Komponist und möchte eine Gedichtsammlung vertonen. Doch die gibt es bereits. Von Gustav Mahler als „Lied der Erde“. Er macht sich auf nach München, um diese Orchesterpartitur zu stehlen und als sein eigenes Werk auszugeben. Die Geschichte spielt kurz vor dem ersten Weltkrieg in Lübeck in der gehobenen intelligenten Gesellschaft, der High Society, mit einer Vielzahl an aparten Charakteren. Den interessantesten Charakter des Buches stellt Max Auerbach dar mit seiner bestürzenden Lebensgeschichte, die zu einer Persönlichkeitsstörung und zu Wahnvorstellungen führt. Es schwillt zu großem Leid an, und die Stimmung des Buches ist überwiegend bedrückend. Aber es ist auch durchgehend spannend und sorgt für beste Unterhaltung. Allein durch die Liebe des Autors zur Musik, die man in jedem Satz spürt und die den Mittelpunkt dieses Buches darstellt. Eine gute Idee ist der Aufbau des Buches, wie ein Musikstück, auch die kursiv hervorgehobenen Originalzitate aus den Musikstücken, und durch die erklingenden Töne entstehen umfassende Bilder vor Augen. Man erfährt auch einiges aus dem Leben und der Form des Komponierens von Gustav Mahler, was sehr interessant ist.

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  • Der Klang der Erde

    Der Klang der Erde
    unclethom

    unclethom

    06. December 2013 um 12:40

    Der Klappentext: Der Geiger Max Auerbach hat nach dem Scheitern seiner Ehe eine Anstellung beim Lübecker Stadtorchester unter Leitung des jungen Dirigenten Wilhelm Furtwängler gefunden. Als der glühende Verehrer Mahlers im Mai 1911 vom Tod des Wiener Meisters erfährt, verliert er jeden Halt: Auerbach entwickelt eine gefährliche Persönlichkeitsstörung. Er nimmt einen Doppelgänger wahr, der ihm aufträgt, in München die Orchesterpartitur von Mahlers „Lied von der Erde“ zu stehlen und den Dirigenten der Uraufführung, Bruno Walter, zu töten … Quelle: www.lovelybooks.de Der Autor: Abitur in Hannover. Ich studierte an der TU Berlin im Fachbereich Elektrotechnik und parallel dazu an der Hochschule für Musik Berlin im Studiengang Tonmeister. Mehrere Jahre arbeitete ich in Hamburg als Tonmeister in Musikstudios der Schallplattenindustrie und als Musikproduzent. Dann absolvierte ich ein Aufbaustudium an der Musikhochschule Lübeck. Seitdem unterrichtete ich in den Fächern Musik und Physik. Als Leiter der Schulchöre war ich jahrelang verantwortlich für eine überregional beachtete Chor- und Bandarbeit, insbesondere auf dem Gebiet des Musicals. Mehrere Jahre lang bildete ich als Studienleiter für Musik Referendare für den Unterricht an Gymnasien aus und war als Referent und Leiter zahlreicher regionaler und bundesweiter Fortbildungsveranstaltungen tätig. In Büchern, Unterrichtshandreichungen und Fachzeitschriften veröffentlichte ich eine Reihe von Beiträgen zu Fragen der Musikpädagogik, sowie Berichte zur Unterrichtspraxis. Des weiteren stammen aus meiner Feder zahlreiche Veröffentlichungen von Chor- und Bandarrangements. Ich promovierte am Fachbereich Musikpädagogik der Hochschule für Musik und Theater Hamburg über das Thema "Schule in der Musik". Mein erster Roman "Schattengold", ein musikalischer Kriminalroman nach den "Madagassischen Gesängen" von Maurice Ravel, erschien 2010 im Gmeiner-Verlag. Meine Hobbies: Segeln, Spanisch lernen, als Keyboarder, Bassist oder Gitarrist in einer Rockband spielen, Lesen. Meine Internetseite: www.dieterbuehrig.de Quelle. www.lovelybooks.de Meine Rezension: Ich habe lange überlegt ob ich dieses Buch von Dieter Bührig, wie schon die Bücher davor so bewerten kann wie ich es nun auch tue. Aber schlussendlich muss ich es genauso bewerten. Das Buch ist wie eine Komposition, man spürt in jedem Satz die liebe des Autors zur Musik. Natürlich versteht der Autor sein Handwerk als Autor und so ist es nicht verwunderlich, dass dieses Buch wieder beste Unterhaltung liefert. Recht schnell nach dem Beginn kam eine Spannung auf die sich dann durch das Buch wie ein roter Faden zog. Die Schreibweise muss man nicht extra erwähnen, die durfte ich hier schon zum vierten Mal genießen. Was das Buch aber noch mehr zu einem Genuss machen kann, wenn man die im Buch vorgestellte Musik beim Lesen nebenher laufen lässt. Das Buch ist ein Erlebnis nicht nur für Leseratten, auch Musikliebhaber kommen sicher auf ihre kosten. Hochverdiente 5 von 5 Sternen.

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  • Musik in Bildern

    Der Klang der Erde
    mabuerele

    mabuerele

    26. November 2013 um 20:32

    „...Aber das Wort Vergänglichkeit kennen wir Menschen nur – oder gerade weil – wir Visionen von der Ewigkeit haben...“ Wir schreiben das Jahr 1911. Im Lübecker Musiksalon treffen sich Mäzenen und Musikliebhaber bei Ida Boy-Ed. Man unterhält sich über den Furtwängler, den neuen Kapellmeister. Zur Kaffeerunde gehört die 18jährige Sarah, die gern als Kammermusikbegleiterin bei Hauskonzerten eingeladen wurde. In Lübecker Bahnhof liest Max Auerbach, erster Geiger, die Schlagzeile im Lübecker Anzeiger. Gustav Mahler ist tot. Der Autor hat einen beeindruckenden historischen Roman geschrieben. Am Anfang stehen die Wünsche seiner Protagonisten. Sarah möchte nicht ihr Leben einen Mann unterordnen. Sie träumt davon, selbst zu komponieren. Auch Max Auerbach sieht sich mehr als Komponist denn als Geiger. Außerdem macht er Sarah zaghaft den Hof. Zeitweise aber steht neben ihm sein Doppelgänger, der dann sein Ich dominiert. Im Mittelpunkt des Buches steht die Musik. Es wurde auch wie ein Musikstück konzipiert. Es gibt ein Vorspiel und mehrere Zwischenspiele. In der Handlung wird deutlich, dass sich die Zeit im Umbruch befindet. In Lübeck erhält die Sozialdemokratie immer mehr Zulauf. Der erste Weltkrieg wirft seinen Schatten voraus. Der Autor versteht es exzellent, Musik in Bilder umzusetzen. Die Beschreibung der Vorbereitung auf des Konzert von Mahlers Werk „Lied von der Erde“ und der darauffolgenden Aufführung ist ein kleines literarisches Kunstwerk. Der Autor beherrscht ausgezeichnet das Spiel mit Metaphern. Jedes Bild hat seine spezielle Bedeutung. Ich als Leser bin gefordert, es zu entschlüsseln. Einblicke in Mahlers Ehe und Vergleich der Städte Lübeck und München sind nur zwei Themen, die geschickt in die Handlung integriert wurden. Der zukünftige Leser wird noch viele Feinheiten und Themen entdecken. Gut gefallen hat mir, dass kursiv Originalzitate aus Musikstücken, aber auch aus Zeitungen im Roman verwendet wurden. Das gibt der Geschichte ihre Authentizität. Außerdem spürt man in jeder Zeile die Begeisterung des Autors für die Musik. Eine umfassende und intensive Recherche ist dem Buch voraus gegangen. Getragen wird die Handlung fast durchgängig von einer melancholischen Stimmung, so als ahnten die Protagonisten, dass ihre Wünsche Träume bleiben. Eine Gegenüberstellung der Gedichte von Hans Bethge und der Formulierungen dieser Werke, die Mahler in seinem „Lied von der Erde“ verarbeitet hat, befindet sich am Ende des Buches. Ausführliche Endnoten, sprich Erläuterungen und Ergänzungen, sind angefügt. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Das Lesen des Romans wird dann zum Genuss, wenn man sich für Musik interessiert und bereit ist, sich auf die bildhafte Sprache des Autors einzulassen.

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  • Außergewöhnlicher Roman über die Liebe zur Musik

    Der Klang der Erde
    Maggi

    Maggi

    26. November 2013 um 10:13

    Dieser außergewöhnliche, äußerlich schmale, inhaltlich aber alles andere als dünne Roman, stellt eine ungewöhnliche Leseerfahrung dar! Er spielt am Vorabend des 1. Weltkrieges in gehobenen, gebildeten, intellektuell interessierten Lübecker Kreisen. Der Leser macht die Bekanntschaft mit vielen ungewöhnlichen interessanten Charakteren, die zusammen ein interessantes Gesellschaftsbild zeichnen. Die Charaktere entwickeln nach und nach Tiefe und Profil, so dass das Buch erst allmählich einen milden Zauber, eine ehrliche Faszination und einen sanften Sog entwickelt. Ich hatte beim Lesen das Gefühl immer tiefer in verschiedene Dimensionen vorzudringen, die Dimensionen der Musik, die Dimensionen all der unterschiedlichen Schattierungen der Liebe zur Musik, aber auch der Gefahr durch sie in eine Obsession zu geraten. Die durch den Erzählstil konsequent durchgezogene Innensicht der Musik ist eine außergewöhnliche und ungewöhnliche Erzählpersepektive, wie ich sie noch nie erlebt habe. Langsam nur entstehen durch diese Erzählweise Sympatien mit den Charakteren und es bleibt eine gewisse Distanz, eine Art Übersicht des Lesers, die aber den Spannungsbogen eher unterstützt. Der für mich stärkste und beeindruckenste Charakter in diesem von außergewöhnlichen Menschen nur so wimmelnden Roman war eindeutig Max Auerbach. Seine Geschichte, über die der Leser mehr und mehr erfährt ist packend und teils erschütternd und so wird es immer verständlicher, dass Max nach seinen traumatischen Erlebnissen eine Persönlichkeitsstörung entwickelt, die erschreckend distanzarm, in einer totalen Innensicht, geschildert wird und so einen Großteil der Faszination für dieses Buch ausmacht. Seine Gefühle, Beweggründe, der "Andere" (nein, ich werde nicht spoilern, nur so viel: eine wirklich spannende Sache, hervorragend umgesetzt!!!), sein Bedürfnis andere zu schützen und die oft fatalen Folgen dieses Bedürfnisses, seine Wahnvorstellungen, all das entfaltet sich in seiner ganzen Grausamkeit und Tragik! Gustav Mahler, der zu dem Zeitpunkt, zu dem der Roman spielt, schon verstorben ist, kommt - der Logik geschuldet - selbst nicht vor und ist doch ein tragendes Thema im Buch, was immer wieder deutlich wird. Man erfährt einiges über sein Leben, seine spezielle Art zu komponieren, die Begeisterung, aber auch das Misstrauen, dass er durch seine Persönlichkeit und seine unkonventionelle Musik hervorrief. Man macht Bekanntschaft mit seiner Frau, mit Musikern, die sich an seinen Noten die Zähne ausbeißen und ihn verehren. Insgesamt liegt hier ein sehr intuitiv und empatisch geschriebener Roman vor und nach einigen Kapiteln setzt auch das Kopfkino ein und es wird richtig packend! Eins sei jedoch gesagt: Man sollte sich ersthaft für klassische Musik interessieren, denn die vielen Fachvokabeln, die sich durch den kompletten Roman ziehen und die Innensicht aus der Musik heraus, erfreut wohl nur wahre Musikfreunde!

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  • Der Klang der Erde

    Der Klang der Erde
    Talitha

    Talitha

    26. November 2013 um 00:11

    Der junge und erfolglose Komponist Auerbach ist schockiert: Gustav Mahler ist gestorben. Dann erfährt er auch noch, dass eine Gedichtsammlung, die er vertonen wollte, bereits von Mahler als "Lied der Erde" komponiert wurde. Ein teuflischer Plan kommt in ihm auf. Wenn er nun die Partitur stehlen würde, um das Stück als sein eigenes auszugeben...?  Ein interessanter und wissenswerter Roman über Lübeck um 1900 und danach, die High Society und ihre Vorliebe für die Förderung von Musikern, über einen verzweifelten jungen Künstler und über das Leben und Werk Gustav Mahlers (teilweise in Fußnoten, auch sehr ungewöhnlich für einen Roman).  Besonders unterhaltsam fand ich die Ausführungen zur klassischen Musik, die einen dazu bringen, mal bei Youtube nachzugucken, um sich die Musik anzuhören. Dabei merkt man dann, dass Ausführungen und Musik sehr gut zusammenpassen (man könnte beispielsweise ein Hörbuch draus machen). Für klassische Musik- und Lübeckliebhaber zu empfehlen!

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  • Ein Traum vom Lied der Erde

    Der Klang der Erde
    SiCollier

    SiCollier

    25. November 2013 um 12:04

    Ein Traum, der ein Traum bleibt, eben weil er nicht zur banalen Realität verkommt, ist doch der edelste aller Träume. (u. a. S. 232) Meine Meinung „Es gibt auch die Wunde Mahler; sie will und wird sich nicht schließen, solange es eine menschliche Gesellschaft gibt, die der Versöhnung ermangelt. Von diesem Mangel spricht Mahlers Musik so deutlich wie kaum eine zweite.“ So endet Jens Malte Fischers Mahler-Biographie, und daran mußte ich bei diesem Buch denken. Am Ende vom „Klang der Erde“ angelangt habe ich das Gefühl, am Beginn der c-moll Sinfonie (2., „Auferstehungssinfonie“) zu stehen, deren „furchtbare Fragen und die Stimmung am Ende des ersten Satzes“ (Gustav Mahler) je nach Aufnahme erst rund achtzig Minuten später gegen Ende des Finalsatzes beantwortet werden. Ob alle Fragen dieses Buches am Ende jedoch beantwortet sind, da bin ich mir nicht so sicher. Nun, handlungsmäßig sind gewiß, auf der letzten Seite angekommen, alle offenen Fäden verknüpft und auch das weitere Schicksal der Figuren bekannt bzw. angedeutet. Zu manchen kann man sich denken, was passieren könnte, zieht man die Zeit und die kommende Jahre in Betracht. Aber das ist nicht (mehr) Thema des Buches. „Ob als Schriftsteller oder als Komponist, nicht das Werk zählt, sondern die öffentliche Meinung.“ (S. 34) Oder das, was sich für die „öffentliche Meinung hält“, bin ich geneigt zu ergänzen. Was das für Folgen haben kann, wird in einer geradezu gespenstischen Szene in München bei Proben zu Mahlers „Das Lied von der Erde“ eine Bestätigung finden. Überhaupt Mahler. Der Untertitel lautet „Ein Gustav Mahler Roman“, und ich habe einige Zeit sinniert, inwieweit ein solcher zutreffend sein kann, taucht Mahler selbst doch kein einziges Mal in diesem Buch auf, beginnt es eigentlich erst zum Zeitpunkt seines Todes. Und dennoch findet die Bezeichnung ihre Bestätigung in der Mahlerschen Musik, auf die immer wieder interpretierend Bezug genommen wird. Eine gewisse „wohlwollende Nähe“ zu Mahler und seinem Werk ist beim Lesen sicherlich förderlich, noch besser wäre es, „Das Lied von der Erde“ zu kennen. Aber vielleicht genügt auch eine positive Stimmung zur klassischen Musik, denn man wird vielen bekannten Namen begegnen. Dieter Bührig läßt in seinem Roman die Welt um 1911 lebendig werden. Wilhelm Furtwänger wurde soeben als Kapellmeister ans Pult des „Orchester des Vereins der Musikfreunde“ berufen und trifft ein. Aber das ist nicht die einzige, auch heute noch bekannte Person, der im Buch eine Rolle spielt. Bruno Walter sei erwähnt, oder auch Ida Boy-Ed und ihr Salon. Der Roman wird durch etliche Anmerkungen zu eben jenen auftretenden Personen wie auch zu örtlichen Gegebenheiten und historischen Ereignissen ergänzt; ich war überrascht, wie viel Tatsächliches der Autor in die fiktive Romanhandlung verwoben hat. Das einzige, was mir fehlte, war ein erklärendes Nachwort, in welchem genauer auf Fakt und Fiktion eingegangen wurde. Max Auerbach leidet an einer „Dissoziativen Identitätsstörung“, die zumindest mir bis zum Lesen dieses Romans noch nicht begegnet war. Die Szenen, in denen „der Andere“ die Regie übernimmt, sind von einer beunruhigenden Düsternis und manchmal ist der Leser genau so verunsichert, wie es Auerbach ist, wenn er wieder zum „Normalzustand“ zurückkehrt, was nun Realität ist und was nicht. Wer Furtwängler einmal in Filmaufnahmen bei Dirigieren gesehen hat, mag manchmal irritiert gewesen sein, wie bei solchem Dirigat das Orchester zu Höchstleistungen angespornt wurde. Bührig beschreibt die für Furtwängler typische Art des Dirigierens dermaßen eindringlich, daß ich den Maestro vor meinem geistigem Auge gesehen, das Orchester musizierend seine Wünsche erfüllen gehört habe. Überhaupt - das ist einer der Vorzüge dieses Romans - merkt man dem Autor seine Fachkenntnis in Sachen Musik an, egal ob es nun um Mahler oder eine Beethoven Sinfonie geht. Die Beschreibungen der Musikwerke waren dermaßen anschaulich, daß schon beim bloßen Lesen die Musik vor dem inneren Ohr erstand. So gut und einfühlsam sind mir solche bisher selten bis gar nicht begegnet. Aus diesen Ingredienzen - Auerbachs Persönlichkeitsstörung und der musikalischen Welt von 1911 - hat Bührig einen stimmungsvollen Roman geschaffen, der mich für einige Stunden in jene Zeit versetzt hat. Es tauchen so viele bekannte Namen auf, daß ich mich unwillkürlich gefragt habe, wie es wohl von heute an in hundert Jahren sein wird. An wen wird man sich dann noch erinnern? Welche heute geschaffenen Werke werden so lange Bestand haben? „Der Mensch betritt völlig zufällig und unerwartet das Karussell des Lebens, dreht sich ein paar Minuten hilflos und ziellos herum, bis er plötzlich wieder verschwindet.“ (S. 36) Aber genau diese „paar Minuten“ machen für jeden Einzelnen eben sein Leben aus, voll von Zwängen, Wünschen, Träumen. Was das im Einzelnen bedeuten mag, auch das findet sich in diesem Roman, der nicht nur einen Zugang zur Musik Mahlers öffnen kann, sondern auch so manche Anstöße bietet, die den Leser nachdenklich zurück lassen. Kurzfassung In diesem Stimmungsbild wird die (musikalische) Welt Lübecks um 1911 lebendig. Ein lesenswertes Buch, das in keine Schublade paßt.

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