Fluchtvögel

von Dieter Bührig 
4,5 Sterne bei19 Bewertungen
Fluchtvögel
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elisabethjulianefriedericas avatar

Was hat ein musikalischer Kriminalroman mit dem Thema Menschenhandel zu tun ? Lesetipp !!!

leselust69s avatar

superspannend und trotzdem sehr informativ

Alle 19 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Fluchtvögel"

Was hat die Leiche eines Schwarzafrikaners in einem Kühlwagen zu tun mit der Insassin einer Pflegeanstalt für psychisch Kranke, die vor 25 Jahren nach einem schweren Unfall das Gedächtnis verlor? Auf den ersten Blick nichts. Doch als der Lübecker Kriminalhauptkommissar Kroll herausfindet, dass es in beiden Fällen um Fluchtversuche geht, wird er in einen Fall verwickelt, der ihn fast das Leben kostet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783839215166
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:245 Seiten
Verlag:Gmeiner-Verlag
Erscheinungsdatum:05.02.2014

Rezensionen und Bewertungen

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    IlonGerMons avatar
    IlonGerMonvor 4 Jahren
    Wie Menschen zu Namenlosen werden ...

    Mit diesem Krimi greift der Autor ein an jedem Tag aktuelles politisches Thema auf, schafft es aber gleichzeitig, ein Stück deutsch-deutscher Vergangenheit zu thematisieren, das 25 Jahre und länger zurückliegt. Und die Ereignisse gleichen bzw. ähneln sich. Die Grundgedanken hinter der Flucht sind weiterhin Freiheit und selbstbestimmtes Leben, die Technik hat sich zum Teil verbessert, allerdings auf beiden Seiten, lediglich die Entfernungen, die Menschen zu überwinden bereit sind, wurden deutlich größer. 

    Anfangs begleiten wir zwei Nordafrikaner auf ihrem Weg übers Mittelmeer, durch Spanien bis nach Lübeck. Dort werden sie vom Zoll aufgrund modernster Technik in einem Kühltransporter auf dem Weg nach Skandinavien entdeckt. Der eine lebt schon nicht mehr, der zweite verstirbt im Krankenhaus.

    Rico ist ein Kleinkrimineller, der die gegen ihn verhängten Sozialstunden in einer Lübecker Klinik für psychisch Kranke ableistet. Er wird dazu abgestellt, sich stetig um die „Namenlose“ zu kümmern und aufzupassen, dass diese nicht Hand gegen sich selbst erhebt. Ricos ständige Begleiterin ist seine Gitarre, mit ihr und den Songs von Bob Dylan gelingt ihm, was bislang unmöglich erschien. Die Frau, die seit mehr als 25 Jahren ohne Erinnerung und ohne ein Wort zu sprechen in dieser Einrichtung lebt, beginnt zunächst nur mit ihm zu sprechen und deckt Stück für Stück ihre eigenen Erinnerungen wieder auf.

    Rico wird unfreiwillig zu einem Verbindungsglied zwischen diesen beiden unterschiedlichen Handlungssträngen, die auch hinsichtlich der Aufklärung ganz unterschiedlich gewichtet sind. So kümmert sich die Polizei vordergründig um die Aufklärung der heutigen Fluchtgeschichte, die am Ende mit zwei Toten in einem LKW endet. Rico und die „Namenlose“ dringen mehr und mehr in die deutsch-deutschen Fluchtgeschichten aus der Zeit zweier deutscher Staaten ein, die durch die Grenznähe von Lübeck und umliegender Ortschaften besondere Authenzität erfahren.

    Einzig die für mich zu langen Passagen mit Liedtexten, Gedichten etc. haben mich zwischendurch weiterblättern lassen. Aber – so lese ich in vielen anderen Rezensionen – finden gerade diese Passagen auch Anklang. Das will ich gern akzeptieren, Lesen ist immer auch ein persönliches Erleben und somit will ich diesen Kritikpunkt meinerseits nicht zu hoch bewerten.

    Alles in allem ein stimmungsvoller und stimmiger Regionalkrimi, der allerdings von der Thematik her diese Eingrenzung bei weitem sprengt. Schade, dass das Ergebnis einerseits eine Lösung bietet, andererseits aber in der doch etwas sehr merkwürdigen Person der/ des Dr. Schahyn mehr oder weniger offen bleibt.

    Ist hier eine Fortsetzung geplant? Gern.

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    britta70s avatar
    britta70vor 5 Jahren
    Nach dem Vorbild der Fuge

    Die Komposition der Fuge gilt in diesem brillianten Krimi als Leitmotiv: Ober- und Unterstimme erzählen jeweils die Geschichte einer Flucht. Das Zwischenspiel offenbart die Zusammenhänge. Diese kann ich hier natürlich nicht vorwegnehmen, aber ich kann sagen, dass diese im Finale überzeugend dargelegt werden. In beiden Fällen geht es allemal um Fluchtversuche. Zum einen geht es um die Flucht zweier Schwarzafrikaner, zum anderen um das Schicksal der sogenannten Namenlosen, die seit 25 Jahren in der Psychiatrie unter der Obhut der ehrgeizigen Frau Doktor Schahyn verweilt. Nach und nach gelingt es dem Praktikanten Rico, der vom Gericht zu sozialem Dienst in der Pflegeanstalt verurteilt wurde, offenzulegen was es mit der Gedächtnisstörung der Patientin auf sich hat. 

    Nach Brüllbeton verwendet Dieter Bührig auch hier wieder eine musikalische Komposition, die Fuge, als Leitmotiv des Krimis. Ich bin versucht zu sagen, diese "Architektur des Schreibens" entwickelt sich zum Markenzeichen des Autors. Mir gefällt es ausgesprochen gut, denn die Kompositionen sind sehr durchdacht und geben dem Leser insbesondere in den Zwischenspielen Rätsel auf, die angenehm aus dem Mainstream des Krimigenres hervorstechen. Natürlich geht es auch um Tätersuche, aber eben nicht nur. Die Auflösung ist jedenfalls ebenso überraschend wie auch konsequent. Am Ende ist die Fuge stimmig, Misstöne gab es für mich nicht. 

    Sehr gerne empfehle ich auch diesen gründlich recherchierten und gelungen komponierten Krimi weiter. Ich wiederhole mich: Hier gibt es einen Autor zu entdecken! 

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    irismarias avatar
    irismariavor 5 Jahren
    Flucht und Menschenhandel

    „Fluchtvögel“ von Dieter Bührig hat als Untertitel „Ein musikalischer Kriminalroman“, sein Schwerpunkt liegt neben der Musik auch auf dem Schachspiel aber vor allem dem Thema Flucht.

    Der Roman spielt in Lübeck. Kriminalhauptkommissar Kroll ermittelt in einem Fall von Menschenhandel. Zwei Marokkaner wurden in einem Kühlwagen Richtung Skandinavien geschmuggelt und kamen dabei ums Leben. Ein Schachzug und der Hinweis auf eine Kneipe sind die einzigen Anhaltspunkte, die Kroll in der Hand hat. Die spanische Polizei, die auch an dem Fall arbeitet, schickt eine Polizistin mit marokkanischen Wurzeln nach Lübeck, die sich als Flüchtling  ausgibt. Doch diese verdeckten Ermittlungen sind gefährlich…

    Parallel zu den Ermittlungen erhält der Leser Einblick in die andere Seite: eine Kinderbande und ein junger Ire, der Ärger mit der Polizei hat, werden von den Kriminellen instrumentalisiert. Und welche Verbindungen gibt es ins Jahr 1989 und dem Fall einer jungen Frau, die seitdem ihr Gedächtnis verloren hat?

    Neben der spannenden Handlung gefällt mir an „Fluchtvögel“, dass ein Thema aufgegriffen wird, dass hochaktuell aber auch historisch interessant ist. Der Menschenhandel und seine Opfer und Profiteure werden dargestellt und erhalten ein Gesicht.

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    Blausterns avatar
    Blausternvor 5 Jahren
    Fluchtvögel

    Zwei Marokkaner werden in einem Kühlwagen in Lübeck durch den Zoll gefunden. Sie wurden ins Land geschleust mit der Aussicht auf ein besseres Leben. Doch der eine von ihnen ist bereits tot, der andere stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Kommissar Michael Kroll übernimmt den Fall zusammen mit seiner spanischen Kollegin Chaveli Mendez-Ruiz und erhält noch einen letzten Tipp von dem Sterbenden. Auf der anderen Seite macht sich eine Kinderbande über den jungen Iren Rico her, um ihn für sich einzuspannen. Er wird daraufhin zu Sozialstunden in einer psychiatrischen Klinik verdonnert und lernt dort eine Frau kennen, die sich seit 25 Jahren an nichts erinnern kann. Wie hängen diese beiden Fälle zusammen?
    Gleich zu Beginn geht es spannend los, und diese Spannung wird bis zum Ende gehalten, ja sogar noch gesteigert, sodass man völlig in den Bann gezogen wird. Das Thema ist hochaktuell, flüchten doch auch heute immer noch massenhaft Leute aus ihrer Heimat in ein, wie sie meinen, besseres Leben. Doch die Banden, die dies organisieren, interessieren die Umstände wenig und so lassen viele Menschen dabei ihr Leben, wie auch hier. Welche Schuld die Politik an der Flucht trägt und auch was das Jahr 1989 und die Stasi damit zu tun haben, wurde hier präzise recherchiert und dargelegt. Die Geschichte ist in zwei Handlungsstränge geteilt, die erst am Ende zusammengeführt werden, und auch dann erfährt man erst, wer der Täter ist. Zuvor hat man keinerlei Vermutungen. Auch spielt in diesem Roman wieder die Musik eine große Rolle, das Steckenpferd des Autors. Das erkennt man schon in den Überschriften der Kapitel sowie an der Oberstimme, Unterstimme und dem Zwischenspiel, welches kursiv dargestellt ist. Der Text lässt sich schnell lesen, man kann ihm gut folgen und die detaillierte Beschreibung der Orte und Protagonisten lassen einen Kinofilm im Kopf ablaufen.

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    Postbotes avatar
    Postbotevor 5 Jahren
    Flucht ins Verderben

    Zwei Schwarzafrikaner träumen von einem besseren Leben im gelobten Land. Sie wagen die Flucht auf einem der vielen Schiffe die immer wieder zu fahrenden Särge werden. Doch diese zwei überleben das Schiffsunglück und stranden. Sie schaffen es unentdeckt weitergeschleusst zu werden. Zum schlechten  Schluss in einem Kühltransport der ohne Stop nach Finnland fahren soll. Die Sache fliegt  in Lübeck an der Grenze  auf, weil, wegen Menschenschmuggels ein Herzfrequenzdedektor eingesetzt wird und dieser reagiert. Die beiden werden gefunden, einer Tot und der andere stirbt später im Krankenhaus. Komissar Kroll übernimmt den Fall. Er hat noch die Möglichkeit eine kleine Zeugenaussage von einem der "clandestino" zu bekommen.  In dem Krimi erscheint eine zweite Geschichte über eine Frau die Namenlos ist. Die Namenlose lebt seit 25 Jahren in der Psychatrie und leidet unter Amnesie. Man frägt sich was habe diese beiden Fälle miteinander zu tun?
    Jugendkriminalität und Gittarensongs von Bob Dylan führen zu überraschenden Ergebnissen.
    Kroll's Gedächtnis arbeitet sehr gut mit.
    Für mich war dieser Krimi sehr angenehm und stressfrei zu lesen. Das soll nicht heissen das es an Spannung  gefehlt hat. Die einzelnen Kapitel waren wie ein Puzzlespiel geschrieben, und ich dachte mir, dies und das passen da und dort wieder hinein in seiner Handlung. So hatte ich das Gefühl das es zur Lösung des Falles beitragen kann. Den Faden habe ich überhaupt nicht verloren. Die einzelnen Protagonisten wurden in ihrer Charakterform hervorgehoben, mit dem Hintergedanke das der oder die Verdächtig sein könnten obwohl man es einigen gar nicht zutrauen würde.
    Das Thema fand ich gut gewählt bei dem ewigen Flüchtlingstrom. Im Buch werden auch die Politischen Abkommen verschiedener Länder beschrieben, warum Flucht nicht "Gesünder" ablaufen kann.
    Ich wurde interessant und mit ausgefallenem Schreibstil unterhalten.

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    unclethoms avatar
    unclethomvor 5 Jahren
    Gewohnt tolle Unterhaltung...

    Der Klappentext:

    Was hat die Leiche eines Schwarzafrikaners in einem Kühlwagen zu tun mit der Insassin einer Pflegeanstalt für psychisch Kranke, die vor 25 Jahren nach einem schweren Unfall das Gedächtnis verlor? Auf den ersten Blick nichts. Doch als der Lübecker Kriminalhauptkommissar Kroll herausfindet, dass es in beiden Fällen um Fluchtversuche geht, wird er in einen Fall verwickelt, der ihn fast das Leben kostet.
    Quelle: http://www.gmeiner-verlag.de/programm/titel/796-fluchtvoegel.html


    Der Autor:

    Dieter Bührig studierte an der Hochschule für Musik in Berlin. Mehrere Jahre war er als Tonmeister in Musikstudios und als Musikproduzent tätig. Dann absolvierte er ein Aufbaustudium an der Musikhochschule Lübeck für das Lehramt an Gymnasien. Seitdem unterrichtete er die Fächer Musik und Physik. In Büchern und Fachzeitschriften veröffentlichte er Beiträge zur Musikpädagogik sowie Chor- und Bandarrangements. 1994 promovierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg über das Thema »Schule in der Musik«. Seit 2010 ist Dieter Bührig Autor von Kriminal- und anderen Romanen. Er ist Mitglied im Verband Schriftsteller in SH, im Lübecker Autorenkreis und im Syndikat.
    Quelle: http://www.gmeiner-verlag.de/autoren/autor/208-dieter-buehrig.html


    Die Rezension:

    Mit Fluchtvögel habe ich jetzt schon das fünfte Buch von Dieter Bührig gelesen.
    Gewohnt flüssig die Schreibweise, plastisch die Protagonisten und Schauplätze, gab es auch diesmal nichts auszusetzen. Wie gewohnt haucht der Autoren seinen Figuren Leben ein, und man hat wirklich das Gefühl als würde man die alle kennen.
    Nichts neues ist auch, dass Dieter Bührig mit Worten spielt, als würde er seine Bücher komponieren und nicht schreiben. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurde ich immer aufs beste unterhalten. Der Autor vermag es auch bestens sich zu steigern. Damit meine ich, dass er mit jedem Buch wächst.

    Der hier vorliegende Krimi fängt schon recht spannend an, weiß aber auch immer spannender zu werden je weiter man in der Story kommt.
    Und wieder hat man keine Chance die oder den Täter vorher heraus zu finden. So muss ein Krimi geschrieben sein.
    Besonderes Highlight diesmal wieder seine Zwischenspiele, irgendwie wartet man schon darauf, dass er dieses Geplänkel wieder in einem Buch einfügt.
    5 von 5 Sternen, sowie eine Leseempfehlung

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    Wildponys avatar
    Wildponyvor 5 Jahren
    Im Netz der Schlepperbanden - Fluchtvögel - super spannend und so real! ♥

    Fluchtvögel - Dieter Bührig

    Kurzbeschreibung Amazon:

    Was hat die Leiche eines Schwarzafrikaners in einem Kühlwagen zu tun mit der Insassin einer Pflegeanstalt für psychisch Kranke, die vor 25 Jahren nach einem schweren Unfall das Gedächtnis verlor? Auf den ersten Blick nichts. Doch als der Lübecker Kriminalhauptkommissar Kroll herausfindet, dass es in beiden Fällen um Fluchtversuche geht, wird er in einen Fall verwickelt, der ihn fast das Leben kostet.

    Mein Leseeindruck:

    Ein wahrhaft super fesselndes Buch das auch im wahren Leben so greifbar ist. Schlepperbanden, die Menschen ausnehmen für ein besseres Leben und deren Leben doch so leichtfertig aufs Spiel setzen.

    Das Buch hat mich sofort an Anfang an als Leser sehr in den Bann gezogen und die Abschnitte waren perfekt eingeteilt und sehr flüssig zu lesen. Hier gleich mal ein Kompliment an den Autor Dieter Bührig.

    Die Hauptprotagonisten sind sehr ungewöhnlich und gehen dem Leser doch ans Herz. Hier ist erst einmal der junge Rico, der in seinem Leben noch nicht viel Glück hatte und daher auf die schiefe Bahn geraten ist. Dann die "Namenslose", die in einer Klinik dahin siecht, bis Rico ihr hilft die Vergangenheit wieder zu finden und sich zu erinnern. Desweiteren ein sympatisches Ermittler-Team, gemischt aus einem deutschen Kriminalisten und einer spanischen Kollegin.

    Der Leser mag die Spannung des Buches - aber auch das Bewusstsein, das diese Schlepperbanden noch heute aktiv sind, gräbt sich tief in das Innere des Lesers. Mich hat es angeregt dieses Thema noch weiter zu verfolgen und zu vertiefen.

    Fazit:

    Ein excellenter Krimi, der mich sehr beeindruckt hat.

    Dafür gibts von mir natürlich 5 Sterne und einen Dank für die tolle Story.

    Werde das Buch auf jeden Fall sehr weiter empfehlen!

     

     

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    elisabethjulianefriedericas avatar
    elisabethjulianefriedericavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Was hat ein musikalischer Kriminalroman mit dem Thema Menschenhandel zu tun ? Lesetipp !!!
    Ungewöhnlicher fesselnder Kriminalroman zum Thema Menschenhandel

    Fluchtvögel: Ein musikalischer Kriminalroman

    Der Autor:

    Dieter Bührig studierte an der Hochschule für Musik in Berlin. Mehrere Jahre war er als Tonmeister und Musikproduzent tätig. Dann absolvierte er ein Aufbaustudium für das Lehramt an Gymnasium und unterrichtet die Fächer Musik und Physik.1994 promovierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg über das Thema „Schule in der Musik“. Seit 2010 ist Dieter Bührig Autor von Kriminal- und anderen Romanen : Schattengold (2010) , Der Klang der Erde(2011), Schattenmenagerie (2012), Die verschollene Jungfrau (2012), Brüllbeton (2013)

    (Quelle: Klappentext)



    Zum Inhalt :

    Was hat die Leiche eines Schwarzafrikaners in einem Kühlwagen zu tun mit der Insassin einer Pflegeanstalt für psychisch Kranke, die vor 25 Jahren nach einem schweren Unfall das Gedächtnis verlor? Auf den ersten Blick nichts. Doch als der Lübecker Kriminalhauptkommissar Kroll herausfindet, dass es in beiden Fällen um Fluchtversuche geht, wird er in einen Fall verwickelt, der ihn fast das Leben kostet.

    (Quelle:Klappentext)


    Mein Leseeindruck:


    Ein musikalischer Kriminalroman – was hat das mit Flüchtlingen und Menschenhandel zu tun ? Dies fragte ich mich neugierig, als ich dieses Buch aufschlug. Ich kannte bereits einige von Dieter Bührigs Kriminalromanen mit stimmungsvollen musikalischen Bildern, konnte mir aber zu diesem Thema keine Musikrichtung vorstellen. Überrascht war ich dann von der Idee, einen  jugendlichen mit dem Gesetz in Konflikt geratenen Außenseiter mit der Gitarre u.a. Songs von Bob Dylan spielen zu hören, das gibt gut die Stimmung zum Thema Flucht wieder und passt auch sowohl in die moderne Zeit als auch in die Zeit der Wende in der DDR 1989. Dazu kommt noch der Saeta-Gesang (Google: Flamenco-verwandter religiöser Bittgesang) der spanischen Kommissarin Chaveli Mendez-Ruiz, die Kommissar Michael Kroll als Amtshilfe der spanischen Behörden in dem Fall der zu Tode gekommenen Schwarzafrikaner unterstützen soll.

    Fesselnd und spannend geschrieben ist dieser Krimi, meiner Meinung nach der bisher spannendste von Dieter Bührig, den ich gelesen habe. Die Überschriften: Oberstimme, Unterstimme, Engführung und Coda beziehen sich auf die musikalische Fuge ( Fuga =Flucht) und beim Kapitel Engführung verdichtet sich die Handlung, die Ereignisse überschlagen sich , bis sich bei der Coda der Kriminalfall auflöst mit halboffenen Ende, über das sich der Leser seine eigenen Gedanken machen kann.

    Für Musiker ein sehr interessant angelegter stimmungsvoller Kriminalroman, auch für Dylan-Fans und für alle, die ungewöhnliche Krimis nicht scheuen ein Lesetipp !

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    WortGestalts avatar
    WortGestaltvor 5 Jahren
    Kein stimmiges Gesamtbild

    Zu diesem Krimi fällt es mir relativ schwer, eine aussagekräftige Rezension zu verfassen, da ich persönlich leider überhaupt kein Gefühl für dieses Buch entwickeln konnte. Der Funke ist bei mir nicht übergesprungen, die Handlung bleibt abstrakt und die Bindung, die man beim Lesen zu den meisten Büchern aufbaut, kam diesmal einfach nicht zustande.

    Dieter Bührig erzählt in seinem Krimi „Fluchtvögel“ die Geschichte einer Flucht, die Flucht vor Armut, die Flucht vor Unterdrückung und die Flucht vor der Vergangenheit. Dies gelingt ihm auf eine ganz eigene Art, ruhig und poetisch beschreibt er die Ereignisse, die zu diesen Fluchten führen. Zwei Schwarzafrikaner wollen mit Hilfe skrupelloser Menschenschmuggler von Marokko über Spanien bis nach Skandinavien gelangen, um dort Arbeit zu finden und ihre daheimgebliebenen Familien zu versorgen, doch der Transport in einem Kühlwagen endet tödlich. Dies ruft den Lübecker Kommissar Kroll auf den Plan, der im Zuge seiner Ermittlungen auf rätselhafte Zusammenhänge zwischen dem Menschenschmugglerring und einer unter Amnesie leidenden Patientin einer psychiatrischen Pflegeanstalt stößt. Die Lösung scheint in der deutsch-deutschen Vergangenheit zu liegen.

    „Fluchtvögel“ ist ein ruhiger Krimi, stilistisch ansprechend und schön geschrieben, aber letztlich nicht überzeugend erzählt. Die einzelnen Erzählstränge, die die Handlung zu einer schlüssigen Geschichte formen sollten, verknüpfen sich zwar gut miteinander, wirken aber für mein Empfinden zu stark konstruiert. Einige Ereignisse und Situationen scheinen künstlich herbeigeführt, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen und verlieren so an Glaubwürdigkeit, die mich als Leser vielleicht näher an die Geschehnisse herangebracht hätte. So bleibt die Distanz zur Handlung bestehen, ich konnte mich nicht richtig auf die Geschichte einlassen.

    Auch die Figuren blieben mir beim Lesen zu plastisch. Sehr zielgerichtet eingesetzt, erfüllen sie ihre Aufgabe in der Handlung, bekommen darüber hinaus aber kein eigenes Profil. So fehlt es den Charakteren an Tiefe und Natürlichkeit, sodass ich auch zu den Figuren als Leser keine Nähe entwickeln konnte.

    Fazit: Trotz guter Idee und stilsicherer Sprache hat die Umsetzung bei mir kein stimmiges Gesamtbild erzeugen können.

    Bewertung: 2 Sterne



    Rezension auch auf:

    http://wortgestalt-buchblog.blogspot.com

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    mabuereles avatar
    mabuerelevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Spannender Krimi zum Thema Menschenhandel heute und vor 25 Jahren!
    Gut recherchierter Krimi

    Achmed, ein junger Kurde, und Kimi, ein Rumäne, gehören zu einer Kinderbande in Lübeck. Sie sorgen dafür, dass Rico, ein junger Irländer, Ärger mit der Polizei bekommt. Sie wollen danach Rico für sich arbeiten lassen.  

    Rico wird zu Sozialarbeit in einer psychiatrischen Klinik verurteilt. Dort trifft er auf die Namenlose. Die Frau leidet seit 25 Jahren unter Amnesie. Frau Dr. Schahyn, ihre Ärztin, hat alle gängigen Methoden probiert, um die Erinnerungen der Patientin zurückzuholen.

    Etwa zur gleichen Zeit findet der Zoll mittels neuer technischer Geräte in einem Kühlwagen die Marokkaner Achmed und Driss. Schleuserbanden hatten ihnen den Transport nach Skandinavien versprochen. Doch Driss ist tot, und Achmed hat auch nur noch kurze Zeit zu leben. Der Fall landet auf dem Tisch von Kriminalhauptkommissar Kroll.

    Der Autor hat einen interessanten Krimi geschrieben. Die Geschichte beginnt spannend und der Spannungsbogen wird bis zum Schluss gehalten. Lange laufen beide Handlungsstränge nebeneinander. Erst am Ende werden sie zusammengeführt.

    Doch nicht nur die Ermittlungen geben dem Roman sein besonderes Flair. Es gibt eine ganze Menge Feinheiten im Handlungsablauf.

    Zum einen gefällt mir, dass der Autor die gesellschaftlichen Hintergründe exakt recherchiert hat. Das betrifft die heutige Geschehnisse, aber auch den Bezug zum Jahre 1989. Schonungslos legt er die Gründe dar, die Menschen dazu bewegen, ihre Heimat zu verlassen. Fehler der Politik sorgen dafür, dass Schleuserbanden ihr Unwesen treiben können. Das gilt heute genauso wie vor 25 Jahren. Nur die Zielgruppen haben sich geändert. Originaldokumente der Stasi und des Neuen Forums geben dem Geschehen vor 25 Jahre eine beeindruckende Authentizität.

    Das Buch lässt sich zügig lesen. Der Schreibstil zeugt von großer Sorgfalt. Die Verwendung treffender Metapher und  ausgewählter Sprichwörter gehört ebenso dazu wie die detailgenaue Beschreibung von Orten und Personen. So hatte ich zum Beispiel die alte Industrieruine sofort vor meinen Augen. An vielen Stellen ist zu erkennen, dass der Autor ein Auge für die Feinheiten und Kleinigkeiten des Alltags hat und sie gekonnt literarisch wiedergeben kann. Einer der bewegendsten Szenen war für mich die Erinnerung von Achmed an das letzte Gespräch mit seiner Tochter. Diese menschliche Seite der Flucht, das Gefühl des Verlassenwerdens und der Angst der Zurückbleibenden, wurde in kurzen, aber prägnanten Sätzen wiedergegeben.  

    Eine der zentralen Figuren der Handlung ist Rico. Behutsam lässt mich der Autor seine Entwicklung vom Kleinkriminellen zu eine jungen Mann, der sein Leben hinterfragt und Verantwortung übernimmt, miterleben.

    Wie in anderen Büchern des Autors, die ich kenne, spielt auch hier die Musik eine besondere Rolle. Das beginnt schon mit den Kapitelüberschriften. Angelehnt an den Aufbau einer Fuge in der Musik wechselt Oberstimme mit Unterstimme. Die eingeschobenen Zwischenspiele sind nicht nur in einer anderen Schriftart gestaltet und zum Teil in Form von Gedichten geschrieben, zwei beziehen sich auf Kunstwerke. Welchen besonderen Einfluss die Musik auf das Geschehen im Buch hat, das sollte der zukünftige Leser selbst herausfinden.

    Das Cover ist eher schlicht. Trennt die Brücke oder verbindet sie? Beides ist möglich.

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Das liegt zum einen an der abwechslungsreichen Handlung, zum anderen an den schon oben erwähnten Feinheiten der Geschichte. Der Roman hat mich nicht nur gut unterhalten, sondern mir einiges an Wissen vermittelt. Außerdem ließ sein Bezug zu 1989 manche Erinnerung wach werden.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    DieterBuehrigs avatar

    Hiermit möchte ich euch einladen zu einer Leserunde über meinen eben erschienenen neuen Kriminalroman "Fluchtvögel".

    Was hat die Leiche eines Schwarzafrikaners in einem Kühlwagen, der Gemüse von Südspanien über Travemünde nach Skandinavien bringt, zu tun mit der Insassin einer Pflegeanstalt für psychisch Kranke, die vor 25 Jahren nach einem schweren Unfall das Gedächtnis verlor? Auf den ersten Blick nichts. Doch als Kriminalhauptkommissar Kroll herausfindet, dass der Unfall mit einem der letzten gescheiterten Fluchtversuche über die DDR-Grenze zusammenhängt, wird er in einen Fall verwickelt, der ihm fast das Leben kostet.

      Ein Roman, der mit zwei Stimmen spricht: Mit der der heutiger afrikanischer Migranten, den "clandestinos", und mit der der Grenzgänger in der ehemaligen DDR. - Nicht nur aus Anlass des 25. Jahrestags des Mauerfalls.

    Man könnte meinen, Geschichte wiederholt sich ...

    Wenn ihr euch bewirbt, schreibt mir bitte kurz, warum euch die Thematik interessiert. Ich freuen mich auf ein lebendiges Gespräch.

    britta70s avatar
    Letzter Beitrag von  britta70vor 5 Jahren
    Sehr gerne doch :-) Auf ein baldiges Wiederlesen!
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